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Fonel Renaissance: Der Klang

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Fonel Renaissance: Der Klang

fonel renaissanceDem einen oder anderen Leser wird sicherlich nicht verborgen geblieben sein, dass ich für das, was die Fonel-Leute so auf die Beine stellen – zumindest, was die Transistor-Elektronik betrifft – ein ziemliches Faible habe, nicht zuletzt haben der Vollverstärker Emotion und der CD-Player Simplicitè (jeweils in Transistorvariante) ja feste Stammplätze im fairaudio’schen Gerätefuhrpark.

Und natürlich war ich – wie bei allen Komponenten, die bei mir eintrudeln – zunächst einmal gespannt, wie der Fonel Renaissance grundsätzlich tickt, ja, ob er überhaupt signifikante, gleich aufs erste Hören auszumachende Charakterzüge aufweist. Verkabelt wurde der Fonel via XLR: eingangsseitig mit meinem Northstar USB dac32 (mit WAV-Dateien von Foobar gefüttert), ausgangseitig mit meinen Audionet AMP Monos.

Und natürlich werden wir weiter unten via USB aber auch noch mal dem verbauten DAC auf den Zahn fühlen.

Als Album fürs erste Einfach-mal-entspannt-reinhören wählte ich Sub Surface (1994) des Tales In Tones Trios – gut gemachter, bisweilen rhythmisch schön zupackender Jazz aus den schlichten Grundzutaten Piano, Bass und Drums. Gerade der Song „Pipo“ zählt – neben dem Album Opener „Sabari“ – zu den lebendigeren, interessanteren Stücken der Platte:

tales in toneDas Atmen der Instrumente, die Strahlkraft des Pianos, das luftige Schwingen von Hi-Hat und Becken, die räumlich klare Abgrenzung und Verortung der Instrumente gehören zu den Dingen, die mir als erstes äußerst angenehm ins Ohr fallen – aber auch das vorbildliche Timing: Egal, ob’s dabei um den sauber und flink nachgezeichneten Kontrabass geht oder noch viel mehr die mühelos-zackig transportierten virtuosen Klavierläufe oder die rhythmische Energie, die im in der Mitte des Stücks zu hörenden Drum-Solo losgelassen wird. Ja, der Fonel gehört in jeden Fall schon mal zu den offen und energetisch klingenden, spielfreudigen Vertretern seiner Zunft.

Wobei er seinen Anmachfaktor gar nicht mal – wie man bei diesem Begriff aufs Erste vielleicht stereotypisch zu assoziieren versucht ist – so sehr aus den tiefen Lagen bezieht: Mein zum direkten Verglich herangezogener, zugegebenermaßen doch schon weniger Verve versprühender Funk MTX klingt einerseits weniger funkelnd, weniger knisternd-schnell, legt aber – zweifelsfreier tonaler Neutralität verpflichtet – unten rum in der Tat ein kleines Deut mehr in die Waagschale, sprich spielt im Tiefton einen kleinen Tick substanzieller.

Deutlich wird das zum Beispiel im Mittelteil des Songs „Outafter“ (Album: The Eyes Of Stainley Pain, 1996) der kanadischen Elektroformation Download: Das dort zu hörende, die opulente Klangwelt des Songs kurz unterbrechende Break rekrutiert sich aus einem im Mittel-Hochtonbereich angesiedelten Perkussiongeräusch und einem recht fulminanten Basslauf:

Während der Bass, auf den ich sonst beim Testhören immer automatisch achte, von mir unbewusst übergangen/ignoriert wurde, als es über den Fonel ging, rückte das Perkussiongeräuschdownload hingegen in den Vordergrund meiner Wahrnehmung und ich staunte, wie ungewohnt räumlich scharf gestellt, wie plastisch, wie transparent herausgearbeitet und wie „echt“ (obwohl ja nur ein elektronisch erzeugtes Geräusch) dieses zu tönen vermag. Der Funk MTX lenkte den Fokus der Aufmerksamkeit dagegen unwillkürlich auf den Basslauf – das Perkussiongeräusch war mir bis dato aber, und ich habe das Stück schon oft mit verschiedenster Elektronik gehört, generell noch nie sonderlich bewusst geworden.

Nur zur Sicherheit: Das Ganze soll mitnichten suggerieren, dass der Fonel den Bass und der Funk mittelmäßig große Details in den mittleren/oberen Etagen mir nichts dir nichts verschweigen – das wäre kompletter Blödsinn, denn natürlich wird beides von beiden Geräten wahrnehmbar zu Gehör gebracht. Interessant ist’s aber schon, wie HiFi-Geräte einen – mögen deren Unterschiede eigentlich auch „nur“ aus audiophiler Sicht als bedeutsam eingestuft werden – beim Hören zu selektiver Wahrnehmung verleiten können …

blaues alp poti

Und wenn das Involvierende am Fonel Renaissance auch insbesondere von seiner Mittel/Hochtonwelt ausgeht (obwohl der konturierte, „schnelle“ Tieftonbereich ebenfalls keine Spaßbremse ist), so hat man beim Einfach-nur-Musik-hören eigentlich nie den Eindruck, es mit einem hell klingenden Gerät zu tun zu haben. Mit einem analytischen schon gar nicht. Eher kommt es mir so vor, dass in dieser Hinsicht besonders „gefährliche“ Stellen wie zischlig-aggressiv aufgenommene Becken oder unschön eingefangene Sibilanten zwar nun nicht kaschiert, aber pulverisiert, angenehm feinzerstäubt und damit sehr – Achtung, eins der buchstabenreichsten Wörter, die ich so in petto habe – langzeittauglichkeitsförderlich gereicht werden.

Das deckt sich mit den Eindrücken des Kollegen Ralph, der in Sachen Vorverstärker standardmäßig einen Octave HP300 am Start hat und den Fonel unter anderem bei E-Gitarren geschmeidiger, seidiger und dadurch „gefühlt“ (tonal war er sich aufs vergleichsweise schnelle Hören nicht richtig sicher) fast ein wenig wärmer empfand. Mir selbst kam es bei diesem Vergleich vor allen Dingen ebenso etwas seidiger, weniger „kantig“ und nicht zuletzt auch luftiger vor. Und abermals ein wenig „leichter“, bei aufgelegter Rockmusik in den unteren Frequenzetagen zum Beispiel weniger massig-schiebend.

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Test: Fonel Renaissance | Vorstufe

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