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Klang Focal Spirit One

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang Focal Spirit One

Nachdem man nun die Äußerlichkeiten bestaunt hat, folgt der wichtigste Test: die Musikwiedergabe.

facol spirit one

Eines der ersten Alben, die ich eingelegt habe, war Jack Whites Solowerk Blunderbuss. Augenmerk richtete ich hier vor allem auf das Schlagzeug. Typisch Jack White, ist es dominiert von der Hi-Hat, und beim ersten Hören offenbarte sich bereits eine jack white blunderbuss sixteen saltinesklangliche Eigenschaft des Spirit One: es ist ein Focal. Wie bei den Lautsprechern auch, sind die Höhen etwas hervorgehoben. Focal schafft es dabei aber immer, die leichte Betonung nicht in ein unangenehmes Klirren verkommen zu lassen. Auch im Spirit One ist dies gelungen. Metallische Höhen wie bei der Hi-Hat sind sehr klar umrissen, stören das restliche Klangbild aber keineswegs. Auch die Energie der Musik, speziell bei „Sixteen Saltines“, dem wohl rockigsten Stück des Albums, bringt der Focal gut herüber. (Nebenbei sei erwähnt, dass dank des geringen Gewichts leichtes Headbangen durchaus möglich ist.)

Die nächste CD, der ich meine Aufmerksamkeit widmete, war das wunderbare letzte Album The Night Visitor von Anna Ternheim. Die in Nashville eingespielte Platte ist ganz anders als die Musik von ihr zuvor, überzeugt durch eine sehr dichte und ruhige Atmosphäre, die einzig von der Natürlichkeit der akustischen Instrumente und Anna Ternheims Stimme lebt. Es gab mehrere Alben, bei denen es mir aufgefallen ist – aber minimalistische The Night Visitor Anna TernheimSinger-/Songwriter-Musik profitiert davon besonders: Der Focal ist für einen portablen Kopfhörer unglaublich dynamisch. Niemals klingen Instrumente flach oder kraftlos, im Gegenteil, die Darstellung ist in diesem Bereich eine der besten, die ich in dieser Baugröße je erlebt habe. Hier helfen sicher auch die verhältnismäßig großen Treiber mit 40 mm Durchmesser. Eine weitere Eigenschaft, die sich durch die Darstellung des Focal Spirit One durchzieht, ist gut im Song „The Longer The Wait (The Sweeter The Kiss)“ zu hören. Hier singt Ternheim zusammen mit Dave Ferguson, und auf beiden Stimmen liegt ein leichter Schleier, ohne dass der Gesang entfernt zu sein scheint. Die Ausprägung ist nicht stark, aber doch auffällig im direkten Vergleich mit anderen Kopfhörern.

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Ein Griff in die Klassiker-Kiste – „She’s Lost Control“ von Joy Division, einerseits die elektronisch/gitarrenlastige Originalversion von Unknown Pleasures und zweitens die Aufnahme der ersten John-Peel-Session aus dem Jahre 1986 – offenbarte eine Stärke des Focal. Typisch Peel Session, ist die Musik sehr rau und unfertig auf den She´s Lost Control Joy DivisionTonträger gebannt – dennoch können die Instrumente alle ihre Eigenheiten aufzeigen. Die Albumversion ist dagegen mit recht viel Hall abgemischt, und diesen konnte der kleine Focal ganz ausgezeichnet wiedergeben. Teilweise hatte man wirklich das Gefühl, dass der Sound von außerhalb des Kopfhörers zurückhallt. Bei der Peel Session hingegen ist einzig das Schlaginstrument mit natürlichem Hall des Aufnahmeraumes versehen, während die restlichen Instrumente relativ unbearbeitet eingemischt wurden. Auch diesen Unterschied arbeitet der Focal Spirit One gut heraus. Die „halb unfertige“ Aufnahme wird deutlich, jedoch nicht im negativen Sinne auseinandergenommen. Insgesamt klingt es eher nach kleinem Grungeclub.

Bei diversen Liveaufnahmen habe ich festgestellt, dass die Bühne vom Spirit One zwar recht klein, aber dennoch sehr realistisch dargestellt wird. Die Tiefe und Staffelung ist für solch einen kleinen Kopfhörer erstaunlich gut. Ich denke, beide Phänomene (Hall und Bühne) haben mit einem sehr guten Matching der Treiber zu tun. Nur wenn diese optimal aufeinander abgestimmt sind, kann sich ein überzeugendes Raumgefühl aufbauen.

focal spirit one

Dennoch merkt man auch bei der Bühnendarstellung die Größe des Hörers. Während Abbildung und Tiefenstaffelung sehr gut transportiert werden, ist die allgemeine Größe der virtuellen Bühne eher klein – eine Folge des ohraufliegenden Designs. Diese kleine Bühne bewirkt aber, speziell in Verbindung mit der hohen Dynamik, andererseits auch, dass rockige Musik sehr intensiv und animierend wiedergegeben wird und Liveaufnahmen den Charakter eines kleinen Clubraumes erhalten. Eine Charakteristik, die durchaus länger Freude machen kann, speziell unterwegs, wo man in seiner eigenen (kleinen) Welt hören möchte.

Laut Focal war eine der Anforderungen bei der Konzipierung des Spirit One, nicht erneut einen Kopfhörer mit aufgeblähtem Bass zu entwickeln. Hier kann ich nur bescheinigen: Es ist gelungen. Nicht dass der Focal wenig Tiefton zu bieten hätte. Im Gegenteil: Liefert die Aufnahme ausreichend Bass, wird er, begünstigt durch die gute Isolation, sehr eindrucksvoll dargestellt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man die typischen Discofrequenzen um 80-100 Hertz abspielt oder in den echten Tiefbassbereich vordringt. Jedoch hat Focal Wort gehalten und keinen unnötigen Wummerbass eingebaut. Hat die Aufnahme nur wenig tiefe Frequenzen zu bieten, so stellt der Spirit One dies auch so dar. Ein Tomtom bleibt klein und wird nicht zur Kickdrum aufgebohrt. Gutes Musikmaterial vorausgesetzt, hat man so in beiden Fällen mehr Spaß. Elektronische Klänge werden klar und druckvoll wiedergegeben, normales Schlagzeug hingegen bleibt realistisch. Eine Tugend, der leider viel zu wenige Hersteller folgen.

focal spirit one

Das alles klingt fast zu schön um wahr zu sein – aber natürlich hat der Spirit One auch seine klanglichen Grenzen. Das Klangbild ist ausgewogen und sehr dynamisch. Neben einem Mitteltonbereich, der Stimmen etwas weniger frei wirken lässt, ist die Detailauflösung des Focal zwar gut für einen mobilen Kopfhörer, jedoch nicht überragend. Für den Heimbetrieb entwicklte Kopfhörer im gleichen Preisbereich arbeiten hier mit einer höheren Auflösung. Speziell für klassische Musik in ruhiger Umgebung würde ich eine Ergänzung/Alternative zum Focal empfehlen.

Man merkt dem Spirit One einfach an, dass er für den mobilen Einsatz gedacht ist: Obwohl dem Focal der Adapter auf 6,3 mm beiliegt, ist die Strippe so kurz, dass man im Heimbetrieb nicht um ein Verlängerungskabel herumkommt. Mit einer Impedanz von 32 Ohm ist er zudem für schwächere mobile Quellen optimal ausgerichtet. Im Test konnte ich zwar kleine Unterschiede mit einem mobilen Kopfhörerverstärker heraushören, dennoch würde ich nicht sagen, dass der Spirit One einen separaten Verstärker benötigt.

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Test: Focal Spirit One | Kopfhörer

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