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Wie würde wohl die ideale Welt für uns Vinylbegeisterte aussehen? Nein, diesmal denke ich nicht an tolles Equipment oder einen großartigen Hörraum, denn häufig sind es die einfachen, gleichwohl essenziellen Umstände, die uns die Freude am analogen Tun gründlich verderben können. Deshalb wäre mein idealer analoger Lebensraum vollkommen befreit von Staub und statischer Aufladung. Endlich könnten meine Tonabnehmer völlig ungestört ihrer Aufgabe nachkommen, ohne nerviges Knacksen und Knistern. Herrlich.
In der wirklichen Welt schaut es natürlich etwas anders aus. Bereits beim Herausnehmen einer Schallplatte aus einer herkömmlichen Innenhülle lädt diese sich statisch auf, worauf Staubpartikel wie von einem Magneten angezogen auf die Oberfläche gelangen. Wie schön wäre es, diese Aufladung zu vermeiden, damit das schwarze Gold nicht automatisch zum veritablen Staubfänger wird …
Das Team von Flux-Hifi (www.flux-hifi.de) hat bekanntermaßen ein so ziemlich offenes Ohr für die Nöte geplagter Analogis und sich des Problems angenommen – frisch herausgekommen sind die Flux-Hifi Sleeves sowie die Flux-Hifi Vinyl-Brush.
Flux-Hifi Sleeves: Gut verhüllt?
Fangen wir mit den Sleeves an: Die Innenhüllen, die nicht nur das wertvolle Vinyl kratzerfrei aufbewahren helfen, sondern auch die statische Aufladung merklich reduzieren sollen, bietet Flux-Hifi in stabiler „Hardbox“ zu einem Preis von 39,90 Euro für fünfzig Stück an. Das günstigere „Nachfüll-Pack“ kostet dann nur noch 34,90.
Die milchig-grauen, rechteckigen Hüllen aus sogenanntem „Reispapier“ erinnern an die bekannten Innenhüllen von MoFi. Das Material scheint gute Gleiteigenschaften zu besitzen, sodass die Platten tatsächlich ohne viel Zutun in die Hüllen rutschen. Die Rückwand verfügt über eine verstärkende und dämpfende Zwischenschicht. Damit sind die LPs nicht nur gut geschützt, auch das Einführen in die Plattencover gelingt erstaunlich geschmeidig.
Wegen ihres platzsparenden halbrunden Zuschnitts passen die Innenhüllen des japanischen Herstellers Nagaoka (Nagaoka 102) auch in die original Innenhüllen, die ja zum Werterhalt alter Schallplatten durchaus beitragen. Mit ein wenig Übung lassen sich die Sleeves von Flux-Hifi trotz größeren Formats ebenfalls ganz gut dort unterbringen. Nicht unwichtig, da der Hersteller ja mit „Archivqualität“ wirbt, womit vermutlich auch auf eine besonders lange Haltbarkeit der Schutzhüllen hingewiesen werden soll. Wer schon mal eine wertvolle, alte Schallplatte aus einer klebrigen, sich durch Alter und Einfluss fragwürdiger Weichmacher langsam zersetzenden originalen Innenhülle befreien musste, wird das zu schätzen wissen.
Da ich prinzipiell jeder LP nach einer Wäsche auf meiner Nessie Vinylmaster eine nagelneue Innenhülle gönne, konnte ich rasch einige Erfahrungen mit den Flux-Hifi Sleeves sammeln. Dabei erwiesen sie sich beim Einführen der Platte tatsächlich weniger fummelig als die meisten Originalhüllen oder etwa auch die von Nagaoka.
Analogis bietet preiswertere Innenhüllen an, die sich ebenfalls recht gut befüllen lassen. Obwohl materialmäßig stärker, verknittern diese aber etwas schneller, was auf Dauer eine etwas weniger schonende Lagerung des Vinyls bedeuten kann, sprich feine Oberflächenkratzer möglicherweise nicht ganz auszuschließen sind. Die Flux-Hifi Sleeves fühlen sich vergleichsweise weicher und besonders glatt an, so dass man ihnen mit gutem Gefühl ein seltenes Decca-Original aus den frühen Sechzigern oder ein Hochpreis-Reissue heutiger Tage anvertrauen mag.
Weniger statische Aufladung beim Herausnehmen? Im Vergleich zu simplen Innenhüllen, wie man sie im Regelfall beim Kauf neuen oder gebrauchten Vinyls vorfindet, mag das sicherlich stimmen. Die Hüllen von Nagaoka und MFSL waren diesbezüglich allerdings immer schon besser als der Standard. Flux-Hifi bietet hier eine qualitativ hochwertige Alternative zu einem fairen Preis. Ausprobieren wird daher unbedingt empfohlen.
Flux-Hifi Vinyl-Brush: Macht sich der Staub aus dem Staub?
Doch wirklich perfekt wird die Welt für Analogis trotz regelmäßigen Gebrauchs einer Plattenwaschmaschine und Nutzung antistatisch wirksamer Innenhüllen noch lange nicht. Zu häufig landen bereits auf dem kurzen Weg von der Waschstation zum Laufwerk neue Partikel auf dem Vinyl. Dazu kommt, dass nicht jeder, einschließlich des Autors, Lust verspürt vor wirklich jedem Abspielen die mit einer Nassreinigung verbundene Prozedur zu durchlaufen. Daher gehört für engagierte Vinylisten eine Plattenbürste seit jeher zur Pflichtausstattung. Viele der erhältlichen Bürsten sind allerdings eher simpel gestaltete Exemplare, die ihre Aufgabe mehr schlecht als recht erfüllen.
Einige davon kamen ja auch im Bericht über Flux-Hifis Vinyl-Turbo (siehe Tests Flux Hifi Vinyl-Turbo und Flux HiFi Sonic) zum Einsatz. Der wiederum erwies sich zwar als ausgesprochen effektiv, ist allerdings mit einem Verkaufspreis von 275 Euro in einer Preisklasse angesiedelt, die manchem Analogfreund schlichtweg zu hoch erscheint. Mit der Flux-Hifi Vinyl-Brush für 49,90 Euro haben die Pforzheimer nun eine Plattenbürste im Programm, die, anders als der Vinyl-Turbo, auf konventionelle Weise dem Oberflächenstaub zu Leibe rückt. Das Konzept zeugt von fundiertem Wissen um die Materie, so verfügt die Vinyl-Brush sowohl über zwei mit einem speziellen Samt überzogene Pads als auch über eine mittig platzierte Bürste aus Kohlefasern, der vor allem die Aufgabe zukommt, etwaige statische Aufladungen der LP aufzunehmen. Dazu ist es wichtig, das metallene Inlay des ergonomisch geformten Griffs der Bürste beim Reinigen der Plattenoberfläche mit den Fingern zu berühren, damit, solchermaßen geerdet, die parasitären Ströme über den eigenen Körper abgeleitet werden können. Ganz ähnlich funktioniert auch die von mir bislang favorisierte Decca-Record-Brush, bei der zwischen Kevlar-Borsten ebenfalls Carbonfasern statische Ladungen über den Handgriff aus recht einfachem Blech abführen.
Allerdings bietet diese weder die haptische Güte noch verfügt sie über die Samtkissen der Flux-Hifi Vinyl-Brush, welche die lästigen Staubpartikel besonders gründlich von der Plattenoberfläche aufsammeln. Kleiner Tipp: Angesammelter Staub lässt sich nach getaner Arbeit mit einem gering angefeuchteten Baumwolltuch wieder einigermaßen leicht vom schwarzen Samt entfernen.
Um Unklarheiten bezüglich der korrekten Handhabung gar nicht erst aufkommen zu lassen, liegt jeder Vinyl-Brush eine zweisprachige (deutsch und englisch) Bedienungsanleitung bei. Es empfiehlt sich, zuerst eines der beiden Samtkissen ohne großen Druck auf die Oberfläche des Vinyls aufzusetzen und nach etwa zwei Umdrehungen die Bürste so aufzurichten, dass nun die Carbonfasern im Neunzig-Grad-Winkel über die Plattenoberfläche streichen. Schließlich führt man die Bürste über den Außenrand der Schallplatte hinweg und hebt sie dann ab. Bei stärkerem Verschmutzungsgrad wird geraten dieses Prozedere zu wiederholen.
Die Plattenbürste der Pforzheimer Zubehör-Spezialisten liegt angenehm in der Hand, wirkt stabil und wertig verarbeitet. Sie lieferte mir während der mehrwöchigen Testphase stets sichtbar gute Ergebnisse, die, wen wundert es, nur von Flux-Hifis eigenem Turbosauger überboten wurden. „Clean your Sound“ lautet der Slogan des Herstellers, der mit der Vinyl-Brush wieder einmal den Worten Taten folgen lässt. Mehr kann man wohl von einer Plattenbürste nicht verlangen.
Fakten:
Flux-Hifi Sleeves
- Kategorie: Platten-Innenhüllen
- Preis für 50 Stück: mit Hardbox 39,90 Euro, ansonsten 34,90 Euro
Flux-Hifi Vinyl-Brush
- Kategorie: Reinigungsbürste für Schallplatten
- Preis: 49,90 Euro
Hersteller und Vertrieb:
FLUX-Hifi GmbH & Co. KG
Lameystraße 8 b | 75173 Pforzheim
Telefon: +49(0)7231–4153815
E-Mail: info@flux-hifi.de
Web: https://www.flux-hifi.de/
Test: Flux-Hifi Sleeves und Flux-Hifi Vinyl-Brush | Phono-Zubehör