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Fischer & Fischer SN470 – Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Fischer & Fischer SN470 – Klangeindruck

Nach ungefähr 60- bis 70-stündigem Einspielen höre ich die Fischer & Fischer SN 470 das erste Mal „ernsthaft“ an und komme schnell zum Urteil: insgesamt ziemlich neutral das Ganze, aber eher ’nen Tick lichter als wärmer unterwegs. Zwei Wochen später, bei fortwährendem Gebrauch der 470, muss ich meine Meinung revidieren. Recht neutral über alles, das stimmt, aber jetzt tatsächlich eher ein bisschen sonorer als heller spielend. Ist ja interessant. Was ist da passiert?

Bei den SN-Varianten der Fischer & Fischer-Lautsprecher sind die Seiten „spaltrau“. Die aufpreispflichtigen SL-Modelle sind komplett geschliffen und in Wunschfarbe lackiert
Bei den SN-Varianten der Fischer & Fischer-Lautsprecher sind die Seiten „spaltrau“. Die aufpreispflichtigen SL-Modelle sind komplett geschliffen und in Wunschfarbe lackiert

Ofrin/On Shore RemainBöse Zungen könnten jetzt behaupten, ich hätte sie mir warm gehört – aber das schließe ich aus, es hat nichts mit Gewöhnung zu tun. Der erste richtige A/B-Vergleich zwischen ihr und meiner Blumenhofer zeigt einfach, dass sich da tonal gar nicht sooo viel unterscheidet. Gut, im Bass ist mein bayrisches Dickschiff etwas saftiger unterwegs und im Superhochton minimal luftiger, doch im musikalisch wichtigsten Bereich, den Mitten, ist die Balance doch sehr ähnlich. Weder wird eine eher hellere Frauenstimme wie beispielsweise die von Ofri Brin bei „How Come“ (Album: Ofrin/On Shore Remain, auf Amazon anhören) noch ein dunkleres Männerorgan wie das von Leonard Cohen beim Klassiker „Suzanne“ (Album: Leonard Cohen Leonard Cohen live in Londonlive in London, auf Amazon anhören) tonal wirklich anders akzentuiert. Da ich die Wilson Audio Sabrina auch noch sehr gut im Ohr habe: Wenn man die Box aus Utah einmal als neutrale Benchmark definiert, und das darf man mit einigem Recht, dann ordnet sich die Fischer & Fischer SN 470 auf der nach oben offenen Wärmeskala zwischen ihr und der Blumenhofer ein.

Nun, Welten liegen zwischen den drei Boxen im tonalen Bereich sowieso nicht. Aber die Wandlung der Fischer & Fischer über die erste Zeit hinweg ist schon bedeutend, vermutlich braucht der AMT längere Zeit, um sich zu entfalten.

Fischer & Fischer SN470

Jeder Jeck hört anders
Und ich höre gerne laut. Meistens jedenfalls. Irgendwie bin ich so groß geworden, das kriegt man dann nicht mehr weg. Natürlich mag ich es, wenn ein Lautsprecher auch leise schon lebendig aufspielt. Aber muss ich mich für eine Tugend entscheiden, so sind mir Pegelfestigkeit und das Vermögen, auch bei hohen Lautstärken noch dynamischen Headroom geboten zu bekommen, wichtiger als die „Flüsterperformance“. Logischerweise hat das auch Konsequenzen für meinen persönlichen Boxengeschmack: etwas Hubraum darf’s schon sein. Nicht, dass nicht auch (vor allem aktive) Kompakte heutzutage einen Heidenlärm veranstalten können; aber die Selbstverständlichkeit, mit der das geschieht, bleibt dann meist doch auf der Strecke.

Nun geht’s bei den Fischers in Sachen Boxengröße noch ein paar Stufen über die SN 470 hinaus, gleichwohl, das ist schon ein sehr amtliches Ding. Die Fischer & Fischer SN 470 spielt leise so, wie gefühlte 90 % des Lautsprecherweltmarktes – schon ganz anständig. Aber mehr Pegel macht mehr Spaß. Tastet man sich peu à peu an Zimmerlautstärke heran und geht dann darüber hinaus, blüht die 470er regelrecht auf. Warum? Nun, zum einen zeigt sie keine Schwäche, zum anderen spielt sie ihre Stärken aus.


Starke Seiten

Eine Schwäche wäre es, kippte sie bei hohen Pegeln aus den Latschen, wenn sie also zunehmend heller klänge, weil der Bass nicht mehr mitkommt. Von der Warte her ist aber nichts zu befürchten, mit ihren zwei Woofern für den Sub-Bereich und einem hinreichend großen Gehäusevolumen haut die Fischer & Fischer SN 470 nichts so leicht um. Auch bei nachbarschaftsfeindlichen Pegeln klingt es vollmundig, substanziell und breitbandig-ausgeglichen. Eine Standbox dieser Preislage sollte das auch drauf haben, sagen Sie? Stimmt. Hat sie auch, also Haken dran.

Interessanter als diese Mindestanforderung sind die Stärken der Fischer & Fischer SN 470.

Zu nennen ist da als erstes die große Sauberkeit der Wiedergabe, und das eben auch bei hohen Pegeln. Hier macht sich, da bin ich mir sicher, das schwere, steinerne Gehäuse der 470er bezahlt. Mich erinnert diese Charakteristik an ähnlich „schweigsame“ Lautsprecherbehausungen wie sie etwa eine Wilson Audio Sabrina, eine Audiograde Ardora oder auch die kompakte „Alubox“ B.M.C. PureVox besitzen. Beim Schlagwort „Sauberkeit“ geht’s nicht nur um die auffällige Klarheit und Unbelegtheit des Mitteltons – gerade bei Stimmen ein Genuss! –, sondern auch um die „un-kistige“, nämlich freie, offene Art, wie die Bühne aufgebaut wird. Und vor allem um die Abwesenheit jeglichen Nebels auf dieser Bühne, auch und gerade bei hohen Lautstärken. „Lebendigere“ Lautsprechergehäuse mischen sich mit ihrem Resonanzverhalten mehr ins Klanggeschehen ein, und je nach Abstimmung kann das sogar seinen tonalen Charme haben – doch die Transparenz des ins Zimmer projizierten Klangraums nimmt meist ab. Vielfach bekommt man das so ohne direkten Vergleich gar nicht mit. Doch hat man dann einen Lautsprecher wie die Fischer & Fischer vor sich, fallen die besondere Reinheit des Tons und die „Durchsichtigkeit“ des Raums, in dem die Musiker sich bewegen, sehr positiv auf.

Gut gemacht: Die Spikes lassen sich hervorragend justieren und bequemerweise von oben kontern
Gut gemacht: Die Spikes lassen sich leicht justieren und bequemerweise von oben kontern

Apropos Bühne: Hier kommt eine weitere Stärke der Fischer & Fischer SN 470 zum Tragen. Oder sollen wir das besser „Charakterzug“ nennen? Egal – mit der 470er bewegt sich die Musik jedenfalls einen Schritt auf mich zu, „frontal“ ist das nicht, aber doch schon angenehm zugewandt, wenn nicht gar minimal anmachend. Mag ich sehr. Zudem läuft das mit den Bühnendimensionen bei ihr nach dem Motto „big is better“. Groß und breit spannt die Fischer & Fischer das Panorama auf, der Ansatz lautet: Musik fülle den Raum. Es ist quasi der Gegenentwurf zu diesem „Fenster zur Musik“, welches brav bei der Grundlinie zwischen den Boxen aufgezogen wird und durch das man sich hindurchhören darf: „Achtung, Achtung, hinten links plingt sauber abgezirkelt eine Triangel, aber keine Bange, liebe Audiophile, dieses explosive Schallereignis wird Ihnen nie zu nahe kommen …“ Also so ist die 470er nicht. Gott sei’s gelobt.

Zu diesem involvierenden, offenen und insbesondere bei höheren Pegeln im positiven Sinne üppigen Bühnenaufbau der Fischer & Fischer SN 470 passt eine weitere Stärke: ihre dynamische Gangart. Ob auf Mikro- oder Makroebene, das passt beides. Für explosive Transienten – harte Klavieranschläge oder Stevie Ray VaughanSaitenanrisse einer Gitarre, peitschende Snares, Beckenarbeit am Schlagzeug etc. – sorgt nicht zuletzt der superflinke AMT. Auch wenn es weniger um Impulswiedergabe als vielmehr ums Vermitteln der feindynamischen Spannung etwa beim Gesang geht – oder, audiophiler Klassiker: „Tin Pan Alley“ von Stevie Ray Vaughan (Album: Couldn’t stand the weather, auf Amazon anhören), die „singende“ E-Gitarre zu Beginn: very nice! –, macht er im Verbund mit dem Tiefmitteltöner einen sehr guten Job. Wenn er denn erst einmal eingespielt ist. Zunächst tönt es etwas spitz, nicht wirklich harmonisch eingebunden, man erahnt sofort das Tempotalent, aber es wirkt noch zu nervös – doch das legt sich ja im Laufe der Zeit.

Die Frequenzweiche der Fischer & Fischer
Die Frequenzweiche der Fischer & Fischer SN 470

Aber auch grobdynamisch geht es angenehm ungebremst zur Sache, was nicht möglich wäre ohne besondere Qualität im tonalen Untergeschoss. Tatsächlich muss man die SavagesBasswiedergabe der Fischer & Fischer ebenfalls zu ihren Meriten zählen. Dieser Tiefton fällt im Klangbild richtiggehend auf, nicht, weil er sich pegelmäßig vordrängelt – ich halte sein Level für neutral –, sondern durch diese ausnehmende Knurrigkeit und das sehnig-muskulöse Naturell, das er besitzt. Tiefreichend, schwarz, definiert – über die unteren Oktaven der 470 lässt sich nur Gutes sagen. Wunderbar etwa, wie „ungefiltert“ der aggressiv-treibende E-Bass im Song „Sad Person“ der Post-Punk-Band Savages (Album: Adore Life, auf Amazon anhören) seine rhythmische Arbeit verrichten darf, da kommt verschwitzte Indie-Club-Atmosphäre auf. So muss das.

Fischer & Fischer SN470

Einordnung und Vergleiche
Vielleicht sind ein paar Quervergleiche zur Einordnung der Fischer & Fischer SN 470 ganz hilfreich.

Neulich hörte ich die B.M.C. Audio PureVox wieder, die als nicht einmal halb so teures, kompaktes Bipolkonzept klarerweise etwas völlig anderes darstellt als die Fischer & Fischer. Allerdings: Eine weiträumige, offene Bühne kann sie auch in den Raum projizieren, temporeich und dynamisch geht’s ebenfalls zu, knurrig, schnell und durchgezeichnet war deren Bassbereich auch … aber man merkt dann doch auch wieder schnell, was ausgewachsene Standmodelle wie die 470er dem voraushaben: mehr Substanz und Tiefgang im Untergeschoss, damit einhergehend mehr „Erdverbundenheit“ im Klangbild, das Vermögen, größere Räume zu bespielen sowie grobdynamische Lässigkeit in Kombination mit höheren Pegelreserven. Gar nicht so selten ist es aber, dass mit wachsendem Klangvolumen Tempo und Timing verloren gehen. Genau das passiert mit der SN 470 nicht.

Vor Jahr und Tag besaß ich eine (preislich der SN 470 ähnliche) Ascendo System F – die hatte noch mehr Wumms untenrum als die Fischer & Fischer. Aber die Durchzeichnung und Antrittsschnelligkeit der SN 470, die hatte sie einfach nicht. Die jüngst getestete, knapp 50 % teurere Wilson Sabrina besitzt dagegen eine Spur weniger Wumms, den gleichen Tiefgang, bei höheren Pegeln aber geringeren dynamischen Headroom im Bass als die Fischer & Fischer. Dafür wird noch ein Hauch mehr an Information aus dem Bassbereich gekitzelt, etwa beim Kontrabassspiel, und eine griffigere Abbildung im Untergeschoss geboten. Doch in Sachen Plastizität ist die Wilson halt auch eine Bank.

Interessante Unterschiede: Blumenhofer und Fischer & Fischer im Hörraum
Interessante Klangunterschiede: Blumenhofer Genuin 1 und Fischer & Fischer SN 470 im Hörraum

Interessant sind auch die Vergleiche mit meiner (wohlgemerkt: doppelt so teuren) Blumenhofer Genuin 1. Was den absoluten Tiefgang angeht, hat vielleicht sogar die Fischer & Fischer die Nase leicht vorne, meine „furnierte Waschmaschine“ langt dafür im Mittel/Oberbass ein bisschen kräftiger hin. Beide Lautsprecher besitzen Kontur und Tempo, wobei das kostspieligere Gerät schon noch etwas mehr drauf hat – aber mit zwei 16-Zöllern in je 220 Liter Volumen ist’s untenrum eh noch mal etwas anderes. Beispiel Bassdrum: Wuchtig, tief und schwarz aus der Mitte – so macht das die Fischer. Sehr schön. Bei der Blumenhofer hat man eher das Gefühl, dass da eine große, imaginäre Wand vollflächig vor einem „Bamm!“ macht, ganz leicht und locker fächert sie einem Luft zu. Klar nachvollziehbar ist der Unterschied auch bei elektronisch generierten Bassthemen wie etwa beim eingangs erwähnten Ofrin-Song „How Come“. Die Blumenhofer hat eine etwas „speziellere“ Gangart im Untergeschoss, die auch nicht jedermanns Sache ist und die normale Boxen meist nicht bieten, denn sie korreliert stark mit der zur Verfügung stehenden Treiberfläche. Und wer ist schon so bekloppt und stellt sich Lautsprecher mit 40-cm-Woofern ins Zimmer? Einerlei – so gut die Fischer & Fischer SN 470 bestückt ist, dergleichen kann sie dann doch nicht inszenieren.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen beim „Bühnenaufbau“ sind nicht minder spannend zu erleben. Wie erwähnt, geht’s mit der Fischer & Fischer SN 470 involvierend, dem Hörer zugeneigt zu und es wird ihm ein großes Panorama geboten. Recht ähnlich tickt die Blumenhofer, die zwar nicht ganz so weit nach vorne kommt, dafür aber den Bühnenraum tiefer ausleuchtet. Auch machen einzelne Stimmen und Instrumente mit der Genuin FS 1 einen etwas plastischeren, griffigeren Eindruck, ohne dass das nun bedeutet, einem würde bei der SN 470 wirklich etwas fehlen. Es scheint mir einfach nicht ihr Schwerpunktthema zu sein – die Lokalisationsschärfe ist gut, die Relationen der Musiker zueinander bleiben ebenfalls immer nachvollziehbar. Aber wenn ein Lautsprecher hier seine besondere Stärke hat – wie etwa die Wilson Sabrina (20.000 Euro) – fällt der Unterschied schon deutlich aus. Die amerikanische Box modelliert die Klänge griffiger und leuchtet den Bühnenkörper um einiges tiefer aus. Aber sie spielt auch weiter vom Hörer entfernt als die Fischer & Fischer SN 470, was nicht jeder schätzen wird.

Tiefmitteltöner der Fisch & Fischer

Tatsächlich erinnert mich die 470er in Sachen Bühne ein wenig an meine verflossene Dynamikks Monitor 8.12: groß, luftig, offen, involvierend – ja. Noch plastischer abbilden und tiefer staffeln – das geht. Das machen Lautsprecher, die andere Akzentsetzungen im Klangbild vornehmen, die, klischeehaft gesprochen, mehr den korrekten Monitor mimen als nach der Devise „Komm, wir machen jetzt mal Musik!“ einladend lächelnd loslegen.

Test: Fischer & Fischer SN 470 | Standlautsprecher

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