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Klangeindrücke: Fischer & Fischer SN 170

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  1. 2 Klangeindrücke: Fischer & Fischer SN 170

Bisher schon mal eine sehr gelungene Vorstellung. Und wie klingen die Fischer & Fischer SN 170? Mein 18-m²-Hörzimmer rocken die zierlichen Säulen auf alle Fälle souverän. Wenn es hier eine Grenze in Sachen Lautstärke gibt, liegt das an den Abmessungen meines Raumes beziehungsweise an der Schmerzgrenze meines Gehörs. Ok, für ein 300 Quadratmeter großes Loft sollten sie schon zu etwas größeren Modellen greifen. Falls Sie Ferrari fahren, wissen sie schon, was ich empfehle. In normal großen Räumen geht mit diesen zierlichen Geräten jedenfalls verdammt viel.

Das beginnt im Bass...

Das beginnt im Bass. In Anbetracht der Qualität des Bassbereichs bin ich sofort bereit zu glauben, dass die Schiefergehäuse tatsächlich Vorteile bieten. Die Fischer & Fischer-Lautsprecher klingen in den unteren Lagen trocken, sehr kontrolliert und James Blakedynamisch. Im Vergleich zu meinen Diapason Adamantes, die sich im Frequenzkeller dezent aus dem Geschehen herausziehen und einen tiefen Ton – dessen allertiefste Frequenzanteile sie nicht wiedergeben können – unten einfach, wenn ich das mal so beschreiben darf, „offen“ lassen, bringen die SN 170 fast jeden Ton komplett durch, formen ihn aus, schließen ihn auch nach unten sauber ab. Natürlich gehen die SN 170 nicht bis 20 Hertz herunter – laut Hersteller endet ihr Übertragungsbereich bei 48 Hertz – dennoch habe ich den Eindruck, dass der Bass einfach komplett ist. Vielleicht ist’s ja auch ein glückliches Zusammentreffen mit meinem Hörraum, der irgendwo so um die 40 Hertz nochmal etwas nachschiebt. Zumindest lassen die schmucken Schiefersäulen China Moses und Raphaël Lemonnierauch mal problemlos mein Sofa beben. Das klappt mit allem, was tiefe Töne macht, hervorragend. Seien es synthetische Eskapaden wie etwa bei der Coverversion des Feist-Songs „Limit To Your Love“ von James Blake auf seinem Debutalbum (James Blake) oder akustischer Kontrabass, hier greife ich immer gerne auf das Album This One’s for Dinah, von China Moses und Raphaël Lemonnier zurück.

Genauso beeindruckt wie vom Bass bin ich von anderen Talenten der Schiefersäulen. Das fängt schon damit an, dass die SN 170 akustisch sowas von komplett hinter der Musik zurücktreten, wie ich es bisher selten gehört habe. Bei vielen Lautsprechern habe ich den Eindruck, die Boxen irgendwo im Klangbild wahrzunehmen – sei es, weil sie durch Gehäuseresonanzen auf sich aufmerksam machen, sei es, weil sie einfach im Schallfeld stehen und man die Schallbeugung und Schallreflexion an den Gehäusenflächen, -ecken und -kanten hört. Nichts davon bemerke ich bei den SN 170. Ich muss nicht mal die Augen schließen, um den visuellen Eindruck auszublenden – die akustische Abbildung steht auch bei geöffneten Augen völlig frei im Raum. Die Lautsprecher scheinen einfach da zu stehen und nichts mit der Musik, die den Raum füllt, zu tun zu haben.

Fischer & Fischer SN 170 im Hörraum

Da wir gerade beim Thema Bühne sind: Die räumliche Abbildung dieser Lautsprecher ist definitiv überzeugend. Zimmergrenzen spielen keine Rolle, die SN 170 machen ein breites Stereopanorama auf, das den physisch vorhandenen Hörraum quasi aufhebt. Das musikalische Geschehen kommt einem dabei weit entgegen. Trotz 2,70 Metern Abstand zwischen den Lautsprechern und meinen Ohren erlebe ich fast die Unmittelbarkeit eines Nahfeldsettings. Im Gegensatz zu diesem kommt hier aber auch die exakte Abbildung des Aufnahmeraumes voll zur Geltung. Einen Konzertsaal öffnen die Fischer & Fischer breit und tief, vor der Bühne eines Jazzclubs sitze ich in der ersten Reihe. Auf dem von mir geschätzten Album Live at Yoshis von Dee Dee Bridgewater umgeben mich die Publikumsgeräusche förmlich. Konturenschärfe und Ortbarkeit liegen auf sehr hohem Niveau. Man kann die Positionen der Musiker exakt Madonnaheraushören und wirklich mit dem Finger auf jedes hörbare Detail zeigen. Auch extreme Spielereien mit räumlichen Effekten – seien es nun durch den Raum flackende Synthesizerimpulse wie auf dem Madonna-Album Ray Of Light oder die beeindruckenden Q-Sound-Effekte auf Amused To Death von Roger Waters. Dass Letzteres so sauber funktioniert ist übrigens ein sicheres Zeichen für sehr stabile Phasenbeziehungen zwischen den Chassis.

Kritikpunkte in puncto Bühne? Jein. Mir fällt auf, dass die Fischer & Fischer SN 170 räumlich in der Höhe begrenzt sind, das Geschehen spielt sich auf Höhe der Lautsprecher ab. Nun gibt es Menschen, die sagen, dass die Wiedergabe der Höhendimension in einem Stereo-Setting sowieso nicht funktioniert und es schlicht Einbildung ist, wenn man glaubt, dergleichen wahrzunehmen. Kann sein, aber dann gibt es eben Lautsprecher, die diese Einbildung bei mir stärker evozieren. Was die Breitenstaffelung betrifft, nehmen es die Fischer & Fischer durchaus mit meinen ehemaligen Geithain ME 150 auf – die, was diesen Aspekt betrifft, meine persönlichen Referenzen sind. Die Abbildung der SN 170 ist dabei noch etwas breiter und in dieser Dimension sogar noch klarer aufgeräumt – dafür können die Geithain aber mehr Höhe.

Die gleiche faszinierende Präzision wie bei der räumlichen Abbildung legen die Fischer & Fischer SN170 auch in sämtlichen anderen hifidelen Disziplinen an den Tag. Tonal würde ich sie als neutral mit einem Hang zur Frische einordnen, was an der lebhaften Hochtonwiedergabe der Lautsprecher liegt. Im Hochtonbereich halten sich die SN 170 nicht künstlich zurück, sondern präsentieren klar durchgezeichnet eine Menge Informationen. Durch die hohe Transparenz wird das Ganze weder scharf oder zischelig – im Gegenteil. Hohe Töne bilden die Boxen mit einem fein aufgelösten Obertonspektrum ab, was insgesamt viel „Air“ vermittelt. Beim Thema „Besen auf Becken“ haben die Fischer & Fischer eine Menge über die entstehenden Töne und Geräusche zu berichten, der Anschlag einer Triangel – sehr effektvoll im „Einzug der Götter in Walhall“ aus Wagners Rheingold, eingespielt von den Wiener Philharmonikern unter Richard Solti – explodiert förmlich in tausend schillernden Schwingungen und Schwebungen. Eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, was hier noch gehen soll. In Anbetracht der Tatsache, dass Fischer & Fischer bei den großen Modellen auf einen Mundorf-AMT im Hochton setzt, weiß ich zumindest, woran sich die Kalotten messen müssen – und dabei bestimmt sehr weit kommen.

Fischer & Fischer SN 170

Genauso wie Bass und Hochton begeistert mich die Mittenwiedergabe. Auch hier bieten die Fischer & Fischer SN 170 eine ungeheure Informationsfülle, feinste dynamische Abstufungen und höchste Präzision. Die Lautsprecher lassen mich tief in komplexe musikalische Strukturen hinein hören. Ich gebe zu, das Album Steppin‘ von Christy Baron nehme ich sonst hauptsächlich als Sammlung mehr oder weniger originell verjazzter Coverversionen bekannter Pop-Titel wahr – genau das Richtige zur Hintergrundberieselung. Über die Fischer & Fischer SN 170 gehört, muss ich diese Einschätzung revidieren. Was Frau Baron da macht, ist deutlich mehr als netter „Barjazz“. Das sind hochintelligente, eigenständige Interpretationen der Songs! So macht Frau Baron aus dem wilden, an einen LSD-Trip erinnernden Beatles-Song „Tomorrow Never Knows“ eine Art meditative Steppin' von Christy BaronWanderung. Damit bleibt sie dem Song, bei dem es ja um Bewusstseinserweiterung geht, treu, ersetzt aber das Rauschhafte durch meditative Aspekte, die zu einer höheren Stufe des Bewusstseins führen sollen. Es ist beeindruckend, wie Frau Baron diesen an Zen oder Traumzeit erinnernden Weg musikalisch thematisiert. Wie auch immer: Das komplexe Klanggeschehen bekommt über die Fischer & Fischer SN 170 eine Klarheit, durch die man sich mit zunehmender Sicherheit bewegt. Das funktioniert aber definitiv nur, wenn man die Musik so klar und detailliert dargeboten bekommt wie über diese Lautsprecher.

Andererseits: Vielleicht gerade wegen ihrer Klarheit fehlt den eleganten Fischer & Fischer-Säulen ein bisschen „Soul“. Dies wird mir vor allem im direkten Vergleich mit den Diapason Adamantes klar. Die kommen zwar nicht an die Präzision und Detailwiedergabe der Fischer & Fischer heran, dafür klingen Stimmen über die Italienerinnen sonorer, Gitarren holziger, Saxophone satter. Es ist immer wieder faszinierend Lautsprecher zu vergleichen, die auf so hohem Niveau Musik wiedergeben und doch so unterschiedliche Akzente setzen. Wobei beide, was die Gehäusekonstruktionen betrifft, ebenfalls völlig unterschiedliche Ansätze vertreten: die Fischer & Fischer, die mit ihren Schiefergehäusen Resonanzen und alle damit verbundenen Erscheinungen weitgehend zu unterdrücken suchen, die Adamantes, die dank ihrer Vollholzgehäuse und ihren aus dem Instrumentenbau übernommenen konstruktiven Details Gehäuseresonanzen gerade Fischer & Fischer SN 170nicht unterdrücken, sondern möglichst gleichmäßig über einen weiten Bereich verteilen wollen. Dank dieses „Extras“ an Obertönen – aber wohl auch aufgrund des relativ schlanker gehaltenen Grundtons der Fischer & Fischer – klingen die Adamantes voller und farbiger, was zum Beispiel weiblichen Soulstimmen gut tut. Beim Durchstreifen meiner Favoritenliste langsamer Walzer (ein Teil meiner Kitschecke) kommen Katie Melua („I’d Love To Kill You“, Album: The House) oder (noch kitschiger) Alexandra Burke mit „Hallelujah“ (Album: Overcome) über die SN 170 weniger eindringlich, von der Stimme her fast teeniemäßig rüber. Wobei das durchaus näher an der objektiven Wahrheit der Stimmen liegen kann … Gleichwohl wirkt der Gesang hier ausdrucksstärker über die Adamentes. Bei „Bed of Roses“ bringen die Fischer & Fischer das kratzige Organ von Jon Bon Jovi und die ruppigen Riffs der E-Gitarren dagegen höchst überzeugend wieder. Tja, Sie merken sicherlich schon: Wir sind hier mitten im Bereich subjektiver Klangempfindungen.

Last but not least: Klasse ist, wie durchlässig die Fischer & Fischer SN 170 für die Einflüsse der vorgeschalteten Kette sind. Den Charakter einer Vor-/Endstufenkombi von Norma, die leider nur ein kurzes Gastspiel bei mir geben durfte, und deren Unterschiede zu meinem Musical Fidelity AMS 35i offenbarten sie genauso klar wie die feinen Veränderungen klanglicher Nuancen, die ein paar Experimente mit unterschiedlichen Lautsprecherkabeln bewirkten.

Test: Fischer & Fischer SN 170 | Standlautsprecher

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