
Test: Fender x Teufel Rockster Neo | Bluetooth-Lautsprecher
Devil in disguise
von Michael Bruss
Im Test: Fender x Teufel Rockster Neo | Bluetooth-Party-Speaker
UVP zum Testzeitpunkt: 899 Euro
Web: https://teufel.de/
Beim Namen „Teufel“ (https://teufel.de/) denken vermutlich die Wenigsten an gehobenes High End. Eher rücken Heimkino- und Streaminglautsprecher oder Kopfhörer ins Bewusstsein. Mit dem Fender x Teufel Rockster Neo (899 Euro) landet nun ein Produkt bei uns, das sich noch ein Stück weiter von den klassischen Stereo-HiFi-Kategorien entfernt, dafür aber umso mehr Spaß verspricht.
Bei unserem Testgerät handelt es sich um das Resultat einer Kooperation der Berliner Lautsprecher- und Elektronikspezialisten mit dem Traditionshersteller Fender. Den dürfte jeder kennen, der Saiteninstrumente spielt, denn Fender stellt sowohl Gitarren und Bässe als auch die entsprechenden Amps und Boxen her. Der Fender x Teufel Rockster Neo entspricht technisch dem regulären tragbaren Teufel-Partylautsprecher Rockster Neo, doch anders als dieser kommt unser Testlautsprecher in der Optik eines klassischen Gitarrenverstärkers mit Fender-Logo und silbergrauer Frontblende im „Käsereiben“-Look, was Assoziationen mit Bühnen, Proberäumen und Rock’n’Roll wecken soll.

Das Rockster-Neo-Konzept
Die zentrale Frage lautet dabei freilich nicht, ob ein Rockster Neo, „gefendert“ oder nicht, einer guten Stereoanlage das Wasser reichen kann. Das wäre ungefähr so sinnvoll wie der Vergleich eines Tourbusses mit einer Reiselimousine. Der Rockster Neo will keine audiophile Wohnzimmerkultur pflegen. Spannender ist die Frage, wie viel Spaß sich in ein mobiles, akkubetriebenes Beschallungssystem packen lässt, das Pegelreserven für eine Gartenparty mitbringt, Gitarren und Mikrofone direkt verstärken kann und im Zweifel auch eine kleine Live-Performance beschallen soll. Gemessen an diesem Anspruch gelten andere Maßstäbe als bei einem klassischen Lautsprecherpaar, egal ob streamingaktiviert oder passiv angetrieben von externen Verstärkern und Quellen.
Technik
Das rundherum zum Schutz vor Beschädigungen gummierte Gehäuse beherbergt einen langhubig ausgelegten 30-Zentimeter-Tieftöner aus wasserabweisend beschichtetem Papier, dem Teufel einen Kompressionstreiber mit einer Polypropylenmembran mit satten 35 Millimetern Durchmesser und einem „Constant Directivity Waveguide“ für den Hochtonbereich zur Seite gestellt hat. Ziel ist ein hoher Wirkungsgrad bei gleichzeitig beträchtlichen Maximalpegeln. Teufel gibt eine untere Grenzfrequenz von 46 Hertz bei -3 Dezibel und einen maximalen Schalldruck von 130 Dezibel an, wobei ein 200-Watt-Class-D-Verstärkermodul von Texas Instruments die nötige Energie liefert.

Die Bestückung und der mögliche Schalldruckpegel folgen damit eher dem Muster einer kompakten PA als dem eines klassischen HiFi-Lautsprechers. Bei genauem Hinsehen aber auch wieder nicht – denn der Hochtöner sitzt im Zentrum des Woofers, was bei PA-Systemen eher selten der Fall ist. Es handelt sich also um ein Koaxial-Chassis, das als annähernde Punktschallquelle fungiert. Auffallend ist, dass der Waveguide, der für eine über den Frequenzverlauf hinweg homogene Schallabstrahlung sorgen soll, den Woofer weitgehend überdeckt.
Für draußen gemacht
Ob sich der angegebene maximale Schalldruck in der Praxis erzielen lässt, probiere ich in meinem Wohnzimmer nicht aus – zum Glück ist der Fender x Teufel Rockster Neo für den Außeneinsatz konzipiert und deshalb ja auch nach IP44 gegen Spritzwasser geschützt. Wer größere Flächen beschallen möchte, kann zwei Geräte kabellos koppeln, um ein Stereo-Setup zu realisieren, oder mehrere Rockster Neo entweder kabelgebunden oder kabellos per „Party Link“ zusammenschalten. Und da im Park selten ein Stromanschluss verbuddelt liegt, benötigt der Rockster Neo einen Akku zur Energieversorgung. Diesen Job übernimmt ein austauschbares Lithium-Ionen-Exemplar mit einer Kapazität von knapp 100 Wattstunden. Laut Hersteller sind damit Laufzeiten von bis zu 36 Stunden möglich, allerdings nur bei „mittlerer Lautstärke“, was ja eher eine relative Angabe ist.

Auf der Front findet sich neben den üblichen Tasten auch eine „Berg und Baum“-Taste. Die aktiviert einen speziellen Outdoor-Modus. Welche konkreten Eingriffe der DSP dabei vornimmt, verrät Teufel zwar nicht, doch im Hörtest macht er sich deutlich positiv bemerkbar.
Ein gewisses Problem für einen „portablen Bluetooth-Lautsprecher“ stellt das nicht unerhebliche Gewicht von 17 Kilogramm dar. Wer den Teufel Rockster Neo über weitere Strecken zu Fuß transportieren muss, wird sich über den „Deuter x Teufel Backpack“ (in Kooperation mit dem Outdoor-Supply-Hersteller Deuter) freuen. Mit diesem Spezialkonstrukt lässt sich der Speaker schnurstracks auf den (hoffentlich breiten) Rücken schnallen und unkompliziert tragen.
Schnittstellen
Ein wesentlicher Bestandteil aller Rockster-Neo-Versionen ist die Vielseitigkeit der Anschlussmöglichkeiten. Neben Bluetooth 5.3 stehen Eingänge für Mikrofone, Instrumente und analoge Zuspieler bereit. Gitarre und Gesang können also ohne zusätzliche Hardware direkt über den Fender x Teufel Rockster Neo wiedergegeben werden. Entsprechende Regler für Pegel und Klangbearbeitung befinden sich unmittelbar auf der Rückseite des Geräts.

Anders als die Optik vermuten lässt, bringt die Fender-Version keine Musiker-Sonderausstattung mit. Die beiden XLR/Klinke-Kombibuchsen für Mikrofone, Instrumente oder Line-Signale gehören bereits zum Serienumfang des regulären Rockster Neo. Fender steuert hier also weder zusätzliche Anschlüsse noch spezielle Klangprogramme bei, sondern vor allem den ikonischen Verstärker-Look. Der Lautsprecher selbst entspricht technisch vollständig dem regulären Modell. Weder die Treiberbestückung noch die Elektronik noch die DSP-Abstimmung wurden verändert. Das halte ich für eine kleine vertane Chance. Eine Fender-Amp-Simulation oder ein paar Gitarren-Presets zum Beispiel hätten zur Kooperation durchaus gepasst. Immerhin gibt’s ein Teufel-Gitarrenplektrum dazu. Wer also auf klangliche Exklusivität hofft, wird nicht fündig. Wer aber schon immer einen Bluetooth-Lautsprecher besitzen wollte, der aussieht, als könne er im Vorprogramm von AC/DC spielen, bekommt genau das.
Fender x Teufel Rockster Neo – Höreindrücke

Man kann und sollte nicht ausschließen, dass der Fender x Teufel Rockster Neo auch im heimischen Stüblein zum Einsatz kommt. Schließlich sind knapp 900 Euro kein Pappenstiel. Deshalb startet der Hörtest auch in meinem knapp 25 Quadratmeter großen Wohnzimmer. Allerdings erst mal mit einer gewissen Einspielphase, denn in den ersten Stunden soundet’s doch etwas boomy und vor allem im Mittenbereich zurückgenommen und wenig differenziert – fast schon so, als sei ein Hall-Effekt im Spiel. Das legt sich nach fünf, sechs Stunden bereits etwas, und nach gut 20 Stunden bei mittellauter Signalbespielung kommen wir auch hier in einen annehmbaren Bereich. Will im Klartext heißen: Eine gute Kompaktanlage fürs selbe Geld hat in so gut wie allen klassischen HiFi-Kriterien die Nase vorne, insbesondere wenn es um Klangfarben, tonale Ausgewogenheit, Hochtonauflösung und Feindynamik geht.
Freilich hat sie absolut keine Chance, wenn es um Bassdruck, Tiefgang und Dynamik geht. Hier zeigt der Teufel Rockster Neo, was ein langhubiger 12-Zöller so kann. Okay, er klingt immer noch ein wenig oberbasslastig, aber vor allem rockige Musik kann er mit Schmackes und echter, physisch erfahrbarer Energie statt psychoakustischer Tricks reproduzieren. Der Bass wird insgesamt etwas straffer, wenn man den Rockster Neo ein wenig vom Boden entkoppelt; tatsächlich habe ich mit Audioplan-Sicomin-Füßen experimentiert, aber da mag wohl nicht jeder Teufel-Fanboy mitgehen und ich gehe davon aus, dass auch der „Halbe-Tennisbälle-Trick“ schon so einiges bringen wird.
Ab nach draußen
Doch dieses wenig possierliche Tierchen ist kein Stubentiger, sondern will in der Wildnis brüllen. Also raus aus dem Wohnzimmer, weg von den Reflexionen und den Raummoden. Zwar machte mir der frühe Berliner Juni einen kühlfeuchten Strich durch die Rechnung, doch am Ende konnte ich den Fender-Teufel im Moabiter Fritz-Schloss-Park zum Einsatz bringen, wo solche Fisimatenten mangels hipper Jugendkultur eigentlich gänzlich unerhört sind. Und das macht bereits nach wenigen Takten Laune – hier fühlt sich der Fender x Teufel Rockster Neo ganz offensichtlich wohler.
Beiwerk?
Was im Innenraum etwas dick aufgetragen wirkte, sortiert sich nämlich unter freiem Himmel besser ein, vor allem, wenn die Outdoor-Taste aktiviert wird. Subjektiv wirkt die Abstimmung insgesamt ausgewogener und durchsetzungsfähiger, die Mitten präsenter und weniger verfärbt. Insbesondere Stimmen treten klarer hervor, aber auch Gitarrentransienten gewinnen an Kontur. So kommen wir langsam in den Bereich der natürlichen Klangfarben.
Der Hochtonbereich erweist sich dabei als erfreulich zivil. Becken, Percussion und Saiteninstrumente reproduziert der Fender x Teufel Rockster Neo sauber und frei von störenden Härten, was zu einer entspannten Langzeittauglichkeit beiträgt. Die Pegelfestigkeit des Kompressionstreibers verdient Respekt: Selbst bei Lautstärken, bei denen sich manche Anwohner bereits mit juristischen Fachbegriffen beschäftigen, bleiben hörbare Verzerrungen weitgehend aus. Wunder in Sachen Feinauflösung sollte man freilich nicht erwarten. Der Detailreichtum bewegt sich auf einem Niveau, das dem Einsatzzweck und der Preisklasse angemessen erscheint, ohne Ambitionen auf audiophile Ehrenplätze anzumelden.
Worauf es eigentlich ankommt
Nicht ganz überraschend profitiert vor allem der Bass von der Aufstellung im Freien. Nicht etwa, weil plötzlich mehr Tiefgang oder Druck vorhanden wäre, sondern weil man die tiefsten Frequenzen jetzt besser wahrnimmt. Der im Heim dominant auftretende Oberbass tritt einen Schritt zurück und gibt den Blick frei für das, was der große Tieftöner tatsächlich kann: Der Fender x Teufel Rockster Neo reicht – in Anbetracht der für einen so großen Treiber nicht übertriebenen unteren Grenzfrequenz – subjektiv erstaunlich weit hinab und verbindet sein sattes Fundament mit einer neu gewonnenen Trockenheit bei live eingefangenen Bassdrums, die ich ihm nach den ersten Hörsitzungen im Wohnzimmer nicht unbedingt zugetraut hätte.

Überhaupt fällt die Grobdynamik im Freifeldszenario recht beeindruckend aus – und das nicht nur im locker-knalligen Bass. Auch Snare-Attacken besitzen Substanz und präzisen Punch, die Pegelsprünge wirken ausgesprochen unangestrengt. Natürlich sprechen wir hier nicht von der explosiven Dynamik einer ausgewachsenen Hornkonstruktion, doch für einen mobilen Akku-Lautsprecher liefert der Fender x Teufel eine bemerkenswert direkte und lebendige Vorstellung ab.
Und die Lautstärke? Nun, wer den heimischen Kleingartenverein beschallen, eine Geburtstagsfeier ausrichten oder die Nachbarschaft über seine Liebe zu Motörhead informieren möchte, wird vermutlich eher an die Grenzen des guten Geschmacks als an die des Lautsprechers stoßen. Erst wenn die Veranstaltung den Charakter eines kleinen Open-Air-Raves annimmt oder die Gästezahl dreistellig wird, erscheint ein zweiter, dritter, … Fender x Teufel Rockster Neo als durchaus sinnvolle Investition.
Testfazit: Fender x Teufel Rockster Neo
Teufel hat den Rockster Neo nicht für Wohnräume entwickelt. Dort kann er – den Nachbarschaftsfrieden mal ausgenommen – funktionieren. Aber erst draußen spielt er so selbstverständlich auf, als hätte man einem Hütehund endlich die Schafherde zurückgegeben.

Wer das Einatmen des Triangelspielers orten möchte, ist hier natürlich an der falschen Adresse – und das sicherlich auch, wenn man zwei Fender x Teufel Rockster Neo als Stereopaar koppelt. Wer dagegen eine robuste, pegelfeste und dabei angenehm stressfreie Wiedergabe sucht, bekommt genau das geliefert. Dabei hält der Akku der Box auch mal einen Abend mit hoher Lautstärke durch, bei Hintergrundbeschallung reicht’s eventuell sogar für mehrere Abende.
Ganz erstaunlich finde ich, wie klar sich der Fender x Teufel Rockster Neo, getreu seinem Namen, zur handgemachten (Gitarren-)Musik bekennt. Rock, Metal, Alternative und sogar Jazz – das kommt mit Verve und Drive rüber. Auch Mucke wie Rap und Hip-Hop macht Spaß. Cleaner Pop, Techno, Elektro? Geht, wirkt aber irgendwie nicht so natürlich – wie eine Hose, die zwar noch passt, aber doch ein wenig um die Hüfte herum kneift. Klassik und Co. lassen wir lieber außen vor.
Fakten:
- Produkt: Fender x Teufel Rockster Neo
- Konzept: Akkubetriebener Bluetooth-Partylautsprecher
- Preis: 899 Euro
- Funkverbindung: Bluetooth 5.3
- Eingänge: 2 x Kombistecker Klinke/XLR, 1 x USB-C
- Ausgang: XLR (Party Link)
- Unterstützte Codecs: SBC, AAC
- Akkulaufzeiten: bis zu 36 Stunden Wiedergabe bei mittlerer Lautstärke
- Abmessungen (BxHxT) & Gewicht: 43,9 cm x 64,9 cm x 32,6 cm, 17,4 kg
- Garantie: 2 Jahre
- Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers
Lautsprecher Teufel GmbH Telefon: +49 (0) 30 21784217
Kontakt
Budapester Straße 44
10787 Berlin
E-Mail: info@teufel.de
Web: https://teufel.de/
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