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Drücken wir’s mal dezent aus: Es ist ja nicht so, dass Eversolo mit dem bereits von mir getesteten DMP-A6 Master Edition und dem DMP-A8 sowohl hierzulande als auch international für geringfügiges Interesse gesorgt hätte … Sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen scheint aber so gar nicht die Sache von Eversolo (https://www.audiodomain.de/) zu sein. Denn während unser heutiger Gast, der DMP-A10, frisch das neue Netzwerkplayer-Flaggschiff etabliert, begibt sich zugleich die zweite Generation von Eversolos Einstiegsstreamer A6 an den Marktstart. Ohne Fleiß kein Preis, lautet offenbar die Devise der beflissenen Chinesen – dann testen wir mal, wie preiswürdig der neue Spitzenplayer der Elektronik-Spezis aus Shenzhen tatsächlich ist.
Klotzen statt Kleckern, lautet womöglich eine weitere Devise. Das würde die für Eversolo-Verhältnisse respektablen 3.780 Euro erklären, die der geneigte Musikfreund für den Eversolo DMP-A10 in die Hand nehmen muss. Im Vergleich zum DMP-A8 fast das Doppelte. Schaut man sich allerdings mit Blick auf Marken wie Auralic, Linn, Innuos, Melco etc. anderweitig um, relativiert sich das Ganze wieder – da wird es auch mal leicht und locker fünfstellig.
Klingonisch, aber regalfreundlich
Aber weg vom Pekuniären hin zum Player: Der Eversolo DMP-A10 wirkt optisch ganz schön maskulin, wie ich finde, Trekkies könnten glatt behaupten, er entstamme der Feder eines klingonischen Design-Büros … In Verbindung mit den fast schon martialisch anmutenden seitlichen Kühlrippen ist der 43 Zentimeter breite Streamer ein so ziemlicher Hingucker. Da zeigt sich die Tiefe von 31 Zentimeter fast schon regalfreundlich, was der rückseitigen Verkabelung gebührend Raum verschafft. Die knapp 12 Zentimeter hohe Front setzt die Grundform in ein stimmiges Verhältnis und nimmt mittig das gegenüber dem A8 von sechs auf sechseinhalb Zoll angewachsene Display auf. Das Gewicht des Eversolo-Netzwerkplayers von rund sieben Kilogramm ist nicht zuletzt dem massiven CNC-gefertigten Alu-Chassis des DMP-A10 geschuldet, aber nicht nur: Schließlich steckt im Inneren einiges doppelt drin. Grund dafür: Der strikte symmetrische Schaltungsaufbau, den wir uns als nächstes anschauen.
Innenschau
Zunächst ein Blick auf die Stromversorgung, bekanntermaßen ein hochsensibles Thema. Verfügt der DMP-A6 (ca. 780 Euro), mit welchem die Eversolo-Story ja begann, über ein reines Schaltnetzteilmodul, setzt Eversolo beim DMP-A8 (2.000 Euro) bereits auf ein lineares Netzteil für die analoge Sektion, während ein Schaltnetzteil den Rest der Aufgaben erledigt. Der Eversolo DMP-A10 aber verfügt sogar über zwei lineare Netzteile. Übrigens: Nicht alle Entwickler sehen Schaltnetzteile per se im Nachteil, Eversolo verspricht sich gleichwohl weniger elektromagnetische Störungen sowie sehr stabile Ausgangsspannungen mit geringerer Restwelligkeit und reduziertem Rauschgrund.

Die Innenansicht des EverSolo DMP-A10: Vollsymmetrisches Schaltungslayout mit unter anderem analoger Lautstärkeregelung (R2R), linearen Netzteilen, zwei OCXO-Taktgebern und ESS-DAC
Wohin man im Innern auch blickt, es herrscht ein pieksauberer Aufbau vor, während besagte Symmetrie allgegenwärtig ist. Dem Elektro-Ingenieur (aber nicht nur) geht sicher das Herz auf, wenn er das analoge Widerstandsnetzwerk (R2R) erblickt, das für eine der hochwertigsten und verlustfreiesten Lautstärkeregelungslösungen überhaupt steht, während den XLR- und Cinch-Eingängen eine augenscheinlich amtliche Vorstufenfunktion nachsteht.
Wie schon beim A8, lassen sich im Menü des Eversolo DMP-A10 die Eingangspegel der analogen Quellen mit maximal 10 dB verstärken, so dass eine Gainanpassung auch sehr leiser Quellen erfolgen kann. Nur logisch, dass im DMP-A10 wertige Bauteile renommierter Hersteller à la WIMA, Nichicon, Omron, muRata oder Texas Instruments Verwendung finden. Sogar bei der Innenverkabelung wird auf versilberte Einkristall-Kupferdrähte gesetzt, was sich ein bisserl nach Einhornmagie, aber nichtsdestotrotz auch hochwertig liest. Die Wandlerbestückung rekrutiert sich aus dem Flaggschiff-DAC ES9039PRO, den fürs Digital Signal Processing (DSP) ein AKM-Chip, der AK7739VQ, flankiert.
Mit der Erfahrung der kleineren Modellreihen im Rücken, greift man bei Eversolo gerne auf Bewährtes zurück, so beispielsweise auf den XMOS XU316, der als USB-Interface das Audioprocessing besorgt und die Auflösungen bis hinauf zu schwindelerregenden und eben meist nur theoretisch verfügbaren 768 kHz/32 Bit und DSD512 hochjazzt. Im Eversolo DMP-A10 darf es hier und da noch etwas exklusiver sein: Statt zweier Accusilicon-Oszillatoren für die Taktgebung der internen Clock kommen beim DMP-A10 zwei präzisere OCXO-Taktgeber (Oven Controlled Crystal Oscillator) für das tunlichst pünktliche Wandlungstiming zum Einsatz. Wer genauer wissen möchte, was da passiert, den verweise ich gerne auf den Test des Mutec REF 10 120 SE, bei dem die OCXO-Taktgebung auf die Spitze getrieben wird.
Apropos „auf die Spitze treiben“: Wer die Störeinflüsse eines kupferbasierten Ethernetanschlusses fürchtet und sich trotz eingebauter WLAN-Funktionalität des DMP-A10 auch nicht aufs 2,4- noch 5-GHz-Band einlassen will, dürfte sich über den Glasfaseranschluss hocherfreut zeigen. Das setzt zwar etwas mehr Aufwand voraus, weil SFP-Module sowie ein entsprechend ausgestatteter Router erforderlich sind, aber zukunftssicher ist es allemal. Und es beruhigt den eigenen Monk ungemein, wenn man potenzielle Störkomponenten von vornherein klein halten kann. Ah, fast hätte ich es vergessen: Im Eversolo DMP-A10 kommen (wie beim DMP-A8) in der Ausgangsstufe OPA1612-Operationsverstärker von Texas Instruments zum Einsatz, die ein Mehrfaches der beim DMP-A6 verwendeten OPA1642 kosten.
Functions & Features
Zur Bordausrüstung des Eversolo DMP-A10 zählt eine per Mikrofon einzumessende Raumanpassung, die für verbesserte klangliche Ergebnisse sorgen soll. Gut, nicht meins, weil das eher energiearm wirkende Ergebnis meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt … Aber sicherlich kein grundsätzlich überflüssiges Feature und einen Versuch wert.
Besagter DSP sorgt unter anderem auch für die digitale Lautstärkeregelung, die optional zur analogen R2R-Lautstärkeregelung aktivierbar ist, wenn beispielsweise digital an einen nachgelagerten DAT-Recorder – nutzt sowas noch jemand? – oder DAC ausgegeben wird. Und er bietet eine parametrische Equalizerfunktion mit personalisierbaren Einstellmöglichkeiten bis zum Abwinken sowie Hochpass- und Tiefpassfilterung und weitere Features wie FIR-Filterung, Kompression- und Delay. Wobei man hier besser weiß, was man tut, schließlich droht sonst eher eine Verschlimmbesserung.
Zum Vergleich: Während der A6 ohne DSP auskommt und auf zwei Wandlerkäfer (ES9038Q2M) von ESS Technology setzt, was übrigens auch für die Gen.2 des A6 und dessen Master-Edition-Ausgabe gilt, werkelt beim DMP-A8 ein AKM-Duo aus Wandler und DSP. In diesem Licht erscheint beim Eversolo DMP-A10 der Mix aus ESS und AKM etwas ungewöhnlich, aber auch gleichzeitig vielversprechend, weil wie bei einem sorgsam komponierten Cuvée vielschichtige und komplexe Ergebnisse die Folge sein können. Aber dazu später mehr.
Die Schnittstellen

Haben Sie gerade ein Analog- oder Digitalkabel in der Hand? Beim EverSolo DMP-A10 findet sich sicherlich eine passende Buchse …
Auf dem rückseitigen Panel finden sich gleich zwei analoge Cinch-Eingänge sowie ein XLR-Input wieder, die von einem Sub-Out-Duo (Cinch) sowie jeweils einem symmetrischen wie unsymmetrischen Ausgang flankiert werden. Die digitale Eingangssektion kommt mit je zwei optischen und koaxialen S/PDIF-Anschlüssen, überdies HDMI- sowie USB-Eingängen. Digital raus geht’s über je zwei S/PDIFs (optisch/koaxial) sowie über USB-A. Die ergänzenden USB-3.0-Anschlüsse dienen Audiostreams und OTG-Anwendungen, sprich dem Anschluss von externen Zuspielern wie iPad, SSD, CD-Laufwerk etc. Mit dem CD-Laufwerk kann man Musik on the fly abspielen oder die Inhalte auf zwei unterseitig anzubringende NVME-M.2-SSDs bugsieren, die dann eine lokale Musikbibliothek mit bis zu 8 TB Gesamtkapazität ermöglichen. Gleich drei Stummelantennen sorgen für drahtlosen Betrieb, zwei für WLAN, während eine für Bluetooth-Input gedacht ist. Wenn Kritik angebracht ist, dann hier, denn warum heutzutage nur SBC und AAC als Codecs Verwendung finden und überdies kein Bluetooth-Ausgang bereitgestellt wird, erklärt sich mir nicht wirklich.
Kompatibilität
In Sachen Formate und Streaming beherrscht der Eversolo DMP-A10 im Grunde fast alles, natürlich zählen dazu auch Streaming-Clouds à la Tidal, Qobuz, Spotify und dessen Connect-Ableger. Zudem ist, Trommelwirbel, Apple Music sogar in HiRes konfigurierbar. Wer mag, kann die Spielwiese durch das Herunterladen von Installationsdateien mit allen möglichen Spielereien noch weiter vergrößern. Netzwerkprotokolle wie NFS, SMB und selbstverständlich UPnP erfahren Unterstützung, Squeeze Connect kann unser multitalentierter Chinese ebenso, was Freunde des Lyrion-Music-Servers oder generell von NAS-Anwendungen freuen dürfte. Externe Anwendungen wie Plex können überdies in Angriff genommen werden. Damit alles bitperfekt fließt, verhindert die eigenentwickelte EOS-Engine (Eversolo Original Sample Rate Engine) unnötige Signaleingriffe durch das Android-Betriebssystem.
Praktische Implikationen
Der Eversolo DMP-A10 bringt zwei analoge Subwoofer-Ausgänge mit: Das bietet den Vorteil, unkompliziert aktive Subwoofer mit einzubinden, beispielsweise bei Verwendung von kompakten Aktivmonitoren. Oder wenn, wie in meinem Fall, eine am DMP-A10 nachgeschaltete Eversolo-AMP-F10-Endstufe zwei Magnepan LRS+ oder Bowers & Wilkins CM 5 antreibt.
Und: Der Eversolo DMP-10 fungiert bei Bedarf auch als Digital to Digital Converter. Digitale Signale, die vom USB-Eingang oder den S/PDIF-Inputs herrühren, können mit oder ohne individuelle DSP/EQ-Anpassungen nicht nur analog, sondern auch digital an nachfolgende DACs oder was auch immer ausgegeben werden.
Ein weiteres Schmankerl: Jeder analoge Input funktioniert entweder handelsüblich rein analog und reicht entsprechend durch – oder es findet eine Digitalisierung inklusive möglicher DSP-Individualisierung statt. Das lässt sich nach Gusto im Auswahlmenü einstellen. Raus geht es dann wahlweise digital oder nach erneuter Wandlung analog. Das hat wirklich nicht jeder Netzwerkplayer drauf.
Ein paar Sätze zur Bedienung

Der Trend geht zum Zweitdisplay – zumindest, wenn es so geschickt realisiert wird wie beim EverSolo DMP-A10
Für ausführlichere Infos zur Usability verweise ich auf meinen vorangegangenen Test des Eversolo DMP-A8. Das User-Interface des Eversolo DMP-A10 gibt sich so, wie man es erwartet: Ohne Informatik-Studium beherrschbar und frei von nervigen Bugs. Man kann entweder sämtliche Funktionen über das zentrale Display steuern und einstellen. Oder ich bemühe die sowohl für iOS oder Android verfügbare Eversolo-App. Das Display bietet mehrere, auswählbare Anzeigevariationen: Das betrifft den Schriftzug, die Vollanzeige der Albencover, die Spektrumanalyse oder unzählige, hübsch illuminierte VU-Meter. Oder man lässt’s dunkel.
Ein kleineres, zweites Display am Lautstärkeregler, der mit dem Schliff eines edlen Whishy-Tumblers zu kokettieren scheint, lässt sich übers Menü mit verschiedenen Designthemen (Uhr, Restlaufzeit, Albumcover, ganz aus etc.) beschicken. Dass die Betätigung der Lautstärkeregelung das zentrale Display ungestört lässt, sondern sich nur im Display am Regler äußert, nehme ich als positiven Umstand wahr.
Eversolo DMP-A10: Hörtest & Vergleiche
Für den Hörtest lasse ich alle DSP-Spielereien außen vor. Zu Vergleichszwecken nutze ich unter anderem den Eversolo DMP-A8, den WiiM Ultra und gelegentlich den Linn Sneaky Musik DS. Per WOL (Wake on Lan) oder mittels der mitgelieferten, im unteren Teil chrombeschlagenen (edel, edel …) Fernbedienung erwacht der Eversolo DMP-A10 zum Leben, während die Triggerleitung den dazu passenden Eversolo AMP F-10 mit leichter Verzögerung aufweckt. Das ist Convenience und die darf bei dem Preis auch gerne sein. Haken dran und den vorzüglichen Longitude Champagner von Larmandier-Bernier entkorkt, der den Hörtest ein Stück weit begleiten darf. Mehr als angemessen, darf ich jetzt schon spoilern.
Charmantes Hochtonprickeln
Damit das Ganze plausibler wird, habe ich die Hörvergleiche sowohl mit der AMP-F10-Endstufe als auch per optischer sowie analoger Verbindung mit dem Nubert nuConnect ampXL durchgeführt. Kleiner Tipp, mir persönlich sagt die symmetrische Anbindung an die F10-Endstufe am meisten zu, auch wenn die Unterschiede zur Cinch-Schnittstelle subtiler Natur sein mögen.
Beim Stück „America“ von Bill Callahan (Album: Drover), das ich 2011 live in der Schorndorfer Manufaktur erleben durfte, verblüffen die Steigerungen von Auflösungsvermögen und Hochtonluftigkeit, wenn ich vom DMP-A8 und dem WiiM Ultra auf den DMP-A10 umschalte.
Akustisch auffällig ist, dass der Eversolo DMP-A10 die anfänglich schrammelige klangliche Struktur nicht als monolithisches, kompaktes Tonfolgeereignis übermittelt, sondern vielmehr als ein detailreiches, bewegliches Geflecht mit vielen Verschachtelungen, die sich mühelos differenzieren. Das ist Transparenz und Brillanz vom Feinsten, ohne scharfen Beigeschmack. Das bewirkt überdies, dass die bewusst beigemengten Verzerrungen nicht, wie ich es sonst von meinen Playern gewohnt bin, überlagernd dominieren, sondern sich Schlagwerk und E-Gitarre deutlicher manifestieren. Die Instrumente scheinen jetzt erst in einer Art Wechselwirkung zueinander zu stehen, was mir in dieser Form mit anderen Geräten gar nicht auffällt.
Auch der DMP-A8 verrundet die Detailschärfe, wenn man direkt vergleicht, der Hochton wirkt samtiger. Die Höhen des Eversolo DMP-A10 sind weniger mild, vielmehr lehrbuchartig geradlinig und neutral, ohne jedwede aufdringliche Note. Feinste Schwebungen nehme ich müheloser und eindringlicher wahr, so dass ich einen „sauberen, offenen, luziden Hochtonbereich“ ins Notizbuch vermerke. Ja, der DMP-A10 lässt alle meine vorhanden Vergleichsgeräte in dieser Disziplin alt aussehen.
Mittenzauber
Ähnlich dem komplexen Nuancenspiel des Longitude am Gaumen, welcher offenbar unterschiedlichste Nervenzentren anzuregen vermag und verschiedene Stadien der Verzückung ohne Effekthascherei entfacht, muten die Klangfarben von Instrumenten komplex differenziert und deckkräftig an. Ohne künstliche Schminke wohlgemerkt, sondern innerhalb dieses straight-neutralen Rahmens, den ja schon der Hochton aufspannte. Das Flirren der sanft anschwellenden begleitenden Streicher im Stück „Begin Again“ von Nick Mulvey (Album: New Mythology) vermittelt der Eversolo DMP-A10 anregender, der A8 betont dafür etwas mehr den Grundton, entwickelt die Mitten eher aus den unteren Lagen heraus. WiiM Ultra und Linn Sneaky generieren die Stimme und das Gitarrenspiel blasser und gleichzeitig gedeckter.
Den amtlich neutralen, offen-luftigen A10 empfinde ich gegenüber dem A8 also auch in den Mitten noch unbestechlicher, wenngleich am Ende das Besser oder Schlechter eine Frage des subjektiven Geschmacks sein wird. Die vergleichsweise erdigere Note des A8 wird auch ihre Fans finden. Ich selbst tauche mit dem Eversolo DMP-A10 intensiver in das Stück ein, das ich unverstellter und emotional ansprechender (nein, liegt nicht am Longitude) erlebe.
Bassgestöber und Raum und Dynamik
Äußerst diszipliniert geht’s mit dem Eversolo DMP-A10 auch im Bass zu. Der Netzwerkplayer folgt über alle Frequenzbereiche und Tasks hinweg einer unaufdringlichen Linearität, ohne es jedoch an Emotionalität missen zu lassen. Warum auch, für Emotionalität soll die Musik sorgen und die Audiokette das möglichst ungehindert durchreichen. Eine besondere Würzmischung – viele Hörer mögen das ja – mengt der DMP-A10 aber eben nicht bei. Den Bass in „Gung Ho“ von Patti Smiths gleichnamigen Album bereitet der DMP-A10 sauberer, konturierter und präziser auf als jedweder Vergleichsproband. Puuh, gefühlt befreit der DMP-A10 den Tiefton regelrecht, das atmet, lebt, pumpt, pulsiert – und zwar so eindringlich, dass ich staune, was solch ein doch „nur“ Digitalo in der Kette ausmachen kann. Der DMP-A8 liefert untenrum mehr Gewicht und Volumen, das werden viele angenehm substanziell finden – zeichnet Tieftonreliefs dafür weniger konturiert und präzise nach.
Mittendrin statt nur dabei – die Räumlichkeit
Ja, vielleicht passt auch das: Der Eversolo DMP-A10 vermittelt Musik extrem spurtreu und verlustarm, irgendwie besonders „barrierefrei“: Das gilt nicht minder für die Räumlichkeit, die natürlich auch vom hohen Auflösungsvermögen profitiert, schließlich wechselwirken alle Klangparameter miteinander. Nicht nur das Ausleuchten der Stereomitte gelingt dem DMP-A10 exemplarisch gut, er erfasst ebenso die Randbereiche weit außen – etwa wenn im Stück „Gung Ho“ die Rotorengeräusche der Bell-Hubschrauber aus dem Hintergrund anschwellen. Die Bühnenillusion gerät dem DMP-A10 zudem griffiger und eindeutiger.
Der Hörer wähnt sich, und das finde ich mit das Besondere am A10, unmittelbarer im Geschehen und bekommt dennoch einen weiten Blick in die Bühnentiefe geboten. Vielleicht hole ich hier kurz aus: Wenn ich als Dauerabonnement-Inhaber des SWR-Symphonieorchesters im Beethovensaal unten im Parket an vorderster Reihe Platz nehme, dann höre ich direkt, unvermittelt, aber ohne den sich nach hinten ausdehnenden Raumeindruck. Sitze ich an meinem angestammten Platz an der Empore, habe ich zwar minimal weniger Direktheit, dafür ein Mehr an genereller Tiefe und Räumlichkeit, die auch von den Randbereichen ausgeht. Reflektionen, ich weiß, aber die machen eben diesen Wahrnehmungsunterschied aus.
Einen ähnlichen Eindruck, wenn freilich nicht per Reflektion, suggeriert der Eversolo DMP-A10. Während beispielsweise der A8 sich intensiver aufs akustische Zentrum fokussiert, außerdem mehr Wärme und eine direktere Intensität beimengt, schenkt der A10 feineren Details wie kleinen Hallfahnen oder auch dem Nachklingen eines Instruments mehr Aufmerksamkeit. Was nicht nur auf die Auflösung an sich, sondern eben auch auf die Räumlichkeit einzahlt. Und so wirken aufgrund der klarer umrissenen Ortungsschärfe des A10 besagte Rotorengeräusche noch plastischer, eindringlicher, bedrohlicher. Die räumliche Weitläufigkeit – sowohl auf der X-als auch Y-Achse –, das förmlich weitere Ausholen des A10 wirken auf mich übrigens keineswegs künstlich, im Gegenteil.
Ungebremst natürlich: die Dynamik
Gerade bei Opern bewegt sich die dynamische Variationsbreite gerne nahtlos von einem Extrem zum Anderen. Der Eversolo fällt hierbei mit einer wie aus aus dem Ärmel geschüttelten dynamischen Agilität ins Ohr. Eruptiv einsetzende Streicher treten markant-ungebremst aus dem Klanggeschehen hervor, was eine mitreißende Wirkung befördert. Aber auch anders herum, beispielsweise, wenn Geigentöne vor dem Crescendo noch mal kurz Luft holen, mithin für einen kleinen Augenblick leiser und langsamer werden, zeigt der A10 solche feindynamische Spannungsbögen wie mit der Lupe auf. (Bemerkenswert, bei zig anderen Gerätschaften geht diese Kleinigkeit total unter). Solche nur scheinbaren Nebensächlichkeiten machen für mich den Unterschied zwischen hochwertiger und highendiger Wiedergabe aus. Auch tieffrequente Impulse kommen mit ansatzloser Schnelligkeit und schön trocken rüber, grobdynamisch ist der DMP-A10 ebenfalls alles andere als weichgespült unterwegs. Es ist etwas schwierig in Worte zu fassen, aber ähnlich wie bei der Auflösung oder Räumlichkeit, vermittelt mir der DMP-A10 dynamisch das Gefühl, Musik besonders ungefiltert wahrzunehmen.
Test: Eversolo DMP-A10 | Netzwerk-Player










