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Betonart Audio

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Ehrlicher Single
  2. 2 Etymotic ER4-XR: Klangcharakter & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Etymotic ER4-XR

Die Wahrheit scheint sich der amerikanische Spezialist für hochwertige In-Ears (Vertrieb: www.ksdistribution.de) regelrecht auf die Fahnen geschrieben zu haben – sowohl mit Blick auf die professionelle als auch die highfidele Kundschaft. Etymos (gr.) bedeutet Wahrheit und als Claim beansprucht Etymotic ein „true to the ear“ – die In-Ears sollen also den richtigen und wahren Klang von Musik unverfälscht ans Ohr transportieren.

Gegründet wurde Etymotic Research (ER) bereits 1983 – vom promovierten Audiologen Mead Killion. Wie viele In-Ear-Spezialisten konzentrierte sich das Unternehmen anfänglich auf den Hörgerätemarkt. Auch ein Gehörschutz gehörte zu den ersten Produkten. Gleichwohl stellte Etymotic Research schon ein Jahr nach Gründung den ersten In-Ear zur Musikwiedergabe her – zunächst allerdings nur als Prototyp. Damals setzte man bereits auf die heute den High-End-In-Ear-Markt dominierende Balanced-Armature-Technologie. Die ersten Exemplare mit den Versionsnummern ER-1 bis ER-3 wurden für interne Testzwecke verwendet,  erst 1991 machte man schließlich das Modell unter dem Namen Etymotic ER-4 auch dem Konsumenten zugänglich. Bis heute wird es als Top-of-the-line-Produkt geführt. Die beiden neuesten Kreationen hören auf den Namen Etymotic Research ER4-XR (Extended Response) und ER4-SR (Studio Reference), wovon der XR für die highfidele Klientel und der SR, wie der Name schon vermuten lässt, vornehmlich für Studio- und Recordingarbeiten entwickelt wurde. In diesem Testbericht will ich mich ganz der Hifi-Version, also dem Etymotic Research ER4-XR, widmen – zugegebenermaßen auch wegen meiner subjektiven Präferenz für ein nicht ganz so linear und nüchtern abgestimmtes Klangbild.

Etymotic ER4-XR mit Zubehör

Der Etymotic ER4-XR samt Zubehör

Der Etymotic ER4-XR wird in einer mit einer grünen Hüllkurve verzierten schwarzen Verpackung geliefert. Im Inneren der seitlich zu öffnenden Box befindet sich nicht nur der In-Ear. Mitgeliefert wird auch noch ein aus einem neoprenähnlichen Stoff bestehendes, gehärtetes Transporttäschchen. Für den perfekten Sitz des Etymotic ER4-XR werden jeweils ein Paar Tri-Flanges (Tannenbaum-Aufsätze) in den Größen Medium und Small als auch noch Schaumstoffaufsätze mit Memoryfoam mitgeliefert. Weiteres Zubehör findet sich in Form eines Befestigungsklipps für den Hemdkragen und einen Klinke-Adapter von 3,5 Millimeter auf 6,35 Millimeter. Die obligatorische Bedienungsanleitung – leider nur in englischer Sprache – darf natürlich auch nicht fehlen. Was allerdings für einen Consumer-In-Ear nicht alltäglich scheint, sind die mitgelieferten Ersatzfilter für die Schallkanäle und das dazu passende Werkzeug, um eventuelle Cerumenablagerungen zu entfernen und die Filter auswechseln zu können. Zu guter Letzt liegt dem In-Ear noch ein sogenanntes „certificate of performance“ bei, welches sowohl die Pegeldifferenzen zwischen dem linken und rechten Treiber als auch Daten über den Frequenzverlauf, die Empfindlichkeit und die THD (Total Harmonic Distortion) beinhaltet. Dieses Zertifikat wird für jeden produzierten In-Ear individuell angefertigt.

Etymotic ER4-XR ohne Ohraufsatz

Die In-Ears selbst haben sich im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte bei Etymotic Research im Erscheinungsbild kaum verändert. Ein schmaler, zylinderförmiger Körper beherbergt einen Single-BA-Treiber als Herzstück. Entgegen der anfänglichen Vermutung, dass das Kabel fest mit dem In-Ear verbunden sei, entpuppt es sich mittels eines MMCX-Steckers als abnehm- und austauschbar. Anders als bei der standardmäßigen Lösung mit einem frei rotierenden Stecker hat sich Etymotic Research hier für eine Steckverbindung entschieden, welche mittels eines kleinen Zapfens am Kontakt vor dem Verdrehen gesichert ist. So wurde dem Problem eines Wackelkontakts, welcher bei In-Ears anderer Hersteller mit diesem Steckertyp recht häufig auftritt, auf einfachem Weg entgegengewirkt. Und tatsächlich, die Steckverbindung wirkt aufgrund dieser simplen Arretierung um einiges stabiler als die verdrehbaren Pendants. Vor einem (versehentlichen) zu starken Zug ist die Verbindung aber nicht gefeit. Der Etymotic ER4-XR wird zudem, anders als viele High-End-In-Ears, nicht mit dem Kabel übers Ohr getragen, der Besitzer muss hier mit der weniger zugentlastenden Variante vorliebnehmen. Zur vollständigen Abdichtung der Ohrkanäle sind von Etymotic Research sogenannte Tri-Flanges vorgesehen. Das sind Silikonaufsätze, die eine tannenbaumähnliche und recht längliche Form aufweisen. Die Länge und Form dieser Aufsätze wurde nicht ohne Grund gewählt. Der In-Ear selbst muss nämlich mit den Tri-Flanges recht weit in den Gehörkanal eingeführt werden, um einerseits eine perfekte Abdichtung zu erlangen. Andererseits wird mit zunehmender Entfernung die Tonalität des In-Ears nicht unwesentlich beeinflusst, wie im Klangbericht noch ersichtlich wird.

Tri-Flanges Etymotic ER4-XR

Tri-Flanges

Bei meinen recht schmalen Gehörgängen musste ich, nachdem ich nach mehrmaligem Probieren mit den kleinen Triflanges in Größe „S“ keine zufriedenstellende Abdichtung hinbekommen konnte, schließlich zur Bedienungsanleitung und zu einem hilfreichen Forums-Post greifen. Dort erfuhr ich, dass man die Silikonaufsätze und somit den gesamten In-Ear bis zum zweiten Knick im Gehörkanal einführen muss, um einen perfekten und abdichtenden Sitz zu erreichen. Zudem prangte in der Anleitung noch zusätzlich der recht hilfreiche Hinweis „Moistening eases insertion“. Man sollte die Aufsätze also vor dem Einsetzen ins Ohr etwas befeuchten, um sie ohne Kraftaufwand in den Gehörkanal zu bekommen. Aber klar, man kann natürlich auch ganz unkompliziert zu den üblichen Schaumstoff-Aufsätzen greifen, die ich allerdings zuerst außen vor ließ, da ich selbst neugierig war, warum Etymotic solche eher seltenen Aufsatzvarianten beilegt.

Etymotic ER4-XR Memory Foam

Aufsätze aus Memory-Foam

Nachdem ich die Anweisungen der Bedienungsanleitung befolgt hatte, war ich sichtlich erstaunt, wie gut die Tri-Flanges tatsächlich abdichten. Auf der Verpackung wurde bei der recht optimistischen Angabe der Schallisolation (35-42 dB) offenbar nicht übertrieben. Die Etymotic Research ER4-XR dichten in etwa genauso gut ab – wenn nicht sogar besser – wie meine maßgeschneiderten Fabs Dual Basic Custom-In-Ears. Erstaunlich eigentlich, da um eine solch hohe Außengeräuschisolation zu erlangen, sonst eine recht kostspielige Anpassung an das eigene Ohr nötig ist. Die frei werdenden monetären Ressourcen können so gezielt in die technische wie klangliche Optimierung etwa der Treiber investiert werden.

Technik: Etymotic Research ER4-XR 

Und genau hier setzt Etymotic Research schon seit Beginn seiner Firmengeschichte auf Qualität. Herzstück des Etymotic Research ER4-XR ist ein einzelner Balanced-Armature-Treiber, welcher das gesamte Frequenzspektrum abdeckt. Balanced-Armature – im Deutschen so viel wie „ausgewogener Anker“ – oder abgekürzt einfach BA beschreibt das Schallwandlungsprinzip des Treibers. Kennt man das Prinzip dahinter, versteht man auch die Namensgebung. Zur Schallerzeugung wird ein sogenannter Anker verwendet, der durch einen Dauermagneten in einer definierten Balanceposition gehalten wird. Wird die Antriebsspule unter Spannung gesetzt, interagiert deren Magnetfeld mit dem des Dauermagneten, was den Anker um seinen Ruhepunkt herum zu Schwingungen veranlasst beziehungsweise die verbundene – möglichst steife – Membran Schallwellen erzeugen lässt. Das Balanced-Armature-Konzept hat unter anderem den Vorteil einer geringen Impedanz und eines hohen Wirkungsgrades. BA-In-Ears sind somit (meistens) leichter anzutreiben als vergleichbare dynamische (Konus-)Membran-In-Ears. Die geringe Größe des Treibers eignet sich hervorragend zur Umsetzung kleiner, leichter In-Ears. Vor allen Dingen aber: Durch die wesentlich leichtere Bauweise der BA-Membran soll die Musikwiedergabe deutlich an Präzision zulegen können.

Etymotic ER4-XR ein Kanal

Häufig werden bei High-End-In-Ears mehrere BA-Treiber, welche für unterschiedliche Frequenzbänder verantwortlich sind, mittels einer gut abgestimmten Frequenzweiche zusammengeschaltet. Somit kann ein größerer Frequenzbereich abgedeckt werden.

Etymotic Research geht einen anderen Weg und baut im ER4-XR nur einen Treiber pro In-Ear ein. Dies scheint unter anderem der schmalen Gehäuseform geschuldet zu sein. Der folgende Klangbericht wird aber aufzeigen, dass ein Single-BA-Treiber durchaus in der Lage ist, den hörbaren Frequenzbereich ohne störende Verluste im Hoch- und Tieftonbereich darzustellen.

Auch mit Blick auf die Impedanz geht Etymotic in gewisser Weise eigene Wege. Die für einen In-Ear mit BA-Technik recht hohe Impedanz von 46 Ohm dürfte sich bei Verstärkern mit höherer Ausgangsimpedanz und höherem Verstärkungsfaktor durch einen größeren Regelbereich der Lautstärke und weniger Klangverfärbungen positiv bemerkbar machen. Ob die Annahme beim Etymotic Research ER4-XR schlussendlich auch in praxi funktioniert, wird sich im Klangteil herausstellen.

Test: Etymotic Research ER4-XR | Kopfhörer

  1. 1 Ehrlicher Single
  2. 2 Etymotic ER4-XR: Klangcharakter & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Etymotic ER4-XR
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