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Emillé Ara SE: Wie klingt’s?

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Emillé Ara SE: Wie klingt’s?

Emillé Ara SE

Wie aber klingt denn nun so ein Zwitterwesen, welches Glühkolbenfans und Anhänger von „Nullen und Einsen“ gleichermaßen begeistern möchte? Dieser Frage will ich mich systematisch nähern, zunächst den rein analogen, danach den digitalen Signalweg abschreitend. Nach angemessener Einspielzeit – der deutsche Vertrieb empfiehlt 200 (!) Stunden, was ich persönlich „etwas“ hoch angesetzt finde – begann ich den Hörtest.

Schön der Reihe nach und zum Warmhören eine Platte aufgelegt: Mein Transrotor „Insigne“ lief dabei über den „Black Cube Statement“-PhonoPre von Lehmann Audio an einem der beiden zur Verfügung stehenden Eingänge. Auf dem Teller „Back in Black“ von AC/DC. Aus aktuellem Anlass, ist es mir doch erst vor kurzem gelungen, dieses legendäre Album in fantastisch ac/DCunbenutztem Zustand auf einem Flohmarkt zu erwerben. Und wie die Höllenglocken („Hells Bells“) meinen Hörraum „fluteten“, ist schon faszinierend. Raumgreifend, regelrecht dreidimensional baute sich die „Gussbimmel“ vor der Anlage auf, begleitet von Angus‘ berühmtem Gitarrenintro, dass sich sauber und konturenscharf von der ausschwingenden Riesenglocke absetzen konnte und somit bereits einen ersten Eindruck davon vermittelte, wie strukturiert der „Ara SE“ seine Darbietung in Tiefe und Breite zu staffeln vermag. Freilich hatte sich mein transistorbewehrter Symphonic Line RG 14 (3.500 Euro) parallel zum Emillé warmgelaufen, um die gewonnenen Höreindrücke gleich in Relation zu setzen.

Die „Raumqualität“, die ich bereits aufgrund des fulminanten Glockenschlags bei „Hells Bells“ zu erahnen glaubte, unterscheidet beide Kandidaten nur marginal. Der Duisburger Vorzeige-Verstärker füllte mein Hörzimmer ebenfalls zur Gänze mit den sich ausbreitenden Schwingungen in alle Richtungen eines gedachten Koordinatensystems. Dennoch vermeine ich, dass der Ara SE diese Aufgabe etwas „selbstverständlicher“ erfüllt. Auch Ausschwingvorgänge wurden im angenehmen Sinn „weicher“ vermittelt. Überrascht stellte ich bereits sehr früh fest, dass es für den doch kostspieligeren Ruhrpottkumpel nicht ganz einfach werden dürfte, sich nachhaltig von dem Koreaner abzusetzen. Und: Auch das darf man als Tester ja mal erwähnen – irgendwie begann ich den Ara SE ganz einfach zu mögen …

Emillé Ara SE

Es kann schon sein, dass die musikalisch eher vorhersehbar simpel gestrickte australische Rockkapelle generell keinen ambitionierten HiFi-Verstärker vor Probleme stellen sollte, aber: In dem Moment, in dem der stampfende Vierviertelbeat des Schlagzeuges einsetzt und das Stück richtig in Fahrt kommt, macht der Emillé seine nominelle Schwachbrüstigkeit von lediglich knapp über 20 Wättchen pro Kanal vergessen. Ich kenne Transistorverstärker mit – zumindest auf dem Papier – beeindruckenderen Zahlenwerten, die nicht so furios drauflos „kesseln“.

Offenbar nutzt der Asiate seine begrenzte Kraft optimal aus. Freilich sollte man ihn dabei mit etwas wirkungsgradstärkeren Lautsprechern unterstützen. Meine Versuche sowohl an meiner Magnat Quantum 905 als auch meiner Nubert nuVero 14 verliefen bei verschiedenstem Musikmaterial sehr befriedigend, der Ara SE versetzte die Membrane ohne hörbare Anstrengung in Bewegung, auch bei forcierter Gangart deutlich über Zimmerlautstärke. Auch direkt aufeinander folgende Laut-Leise-Passagen wie ein durchaus kräftezehrendes Bassdrum-Gewitter, schüttelte „die Röhre“ lässig aus ihren Terminals. Was mich wieder einmal in meiner Ansicht bestätigte, dass reine Zahlenwerte zunächst einmal gar nix bedeuten.

Aber: Mehr Wirkungsgrad bedeutete schon mehr Spaß! Im Zusammenspiel mit einer von einem Freund ausgeliehenen KlipschTheory Of A Deadman RF-82 II mutierte der Ara zu einer sprichwörtlichen Granate, knüppelte mir „Say Goodbye“ von Theory Of A Deadman (Album: Gasoline) mit einer Intensität und Dynamik um die Ohren, die mich vor Freude um ein Haar zur Luftgitarre greifen ließen. Über die US-Lautsprecher grollte etwa der um eine Oktave heruntergestimmte und verzerrte E-Bass – sehr beliebt in Indierock-Produktionen der späten Neunziger – noch dunkler und noch böser, Drumkicks noch ansatzloser und mit mehr „Attack“.

Deutlich weniger brachial, aber nicht minder intensiv singt Lou Rhodes ihr „Fortress“ (Album: Beloved One) mit leicht rauchigem Timbre exakt mittig und unmittelbar vor dem Hörplatz. DieLou Rhodes Ex-„Lamb“-Frontfrau ist bereits seit einigen Jahren solo und mit sehr reduzierter Besetzung unterwegs, was die Intensität ihres Songwritings eher noch unterstützt. „Fortress“ perlte geradezu aus den Lautsprechern, die Band (Gitarre, Percussion und Kontrabass) waren locker-luftig hinter dem Gesang gruppiert, dennoch mit hervorragender Ortungsschärfe zu lokalisieren. Mit viel Raum und Leichtigkeit gelingt es dem Ara SE, dem Song seinen natürlichen Fluss zu lassen. Nichts wirkt zerfasert oder unangenehm überbetont. So soll das sein.

Was mich veranlasste, in der Damenwelt zu verharren und Adeles „Someone Like You“ (aus dem Album 21, übrigens dank einer ganz exquisiten Pressung unbedingt auf Vinyl zu empfehlen!) Adelesanzuspielen. Die meiner Ansicht nach zu recht momentan so erfolgreiche, junge Britin begleitet sich hier auf dem Klavier selbst. Das Instrument steht losgelöst mitten im Raum, klingt sehr direkt, sehr umfassend und vermittelt mit Adeles leicht brüchiger Tonlage eine Intimität, die gerade nach Einbruch der Dunkelheit gänsehauterzeugend wirkte. In dieser Unmittelbarkeit und der direkten Ansprache liegt eine Stärke des Emillé, die vielleicht – ich kann das nicht objektiv belegen – mit dem Röhrenprinzip zu tun hat. Der Vergleich zeigt, dass der Symphonic Line Adele an ihrem Piano sogar noch zentrierter im Raum platziert, noch feinere Details zu Gehör bringt, dabei aber weniger Emotionen bei mir freisetzt, mich nicht so sehr auffordert, noch näher an das Geschehen heranrücken zu wollen.

Emillé Ara SE Fernbedienung

Maximal schlicht, tut dafür aber auch nicht weh, wenn sie auf den Fuß fällt: Die Fernbedienung des Emillé Ara SE

Test: Emillé Ara | Vollverstärker

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