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Klang Electrocompaniet ECI 6DS (Teil II)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Electrocompaniet ECI 6DS (Teil II)

Als klangliche Vergleichspunkte dienen mir das „große Gespann“, bestehend aus Luxman-Player, Octave-Vorstufe und Electrocompaniet-Monos (preislich fast beim Dreifachen des ECI 6DS angesiedelt), sowie ein preisklassenadäquateres Duo aus besagtem Luxman D-05 und dem Denon-Vollverstärker PMA-2010AE. Und so wenig mich die Ergebnisse der Gegenüberstellung von ECI 6DS mit der mehrfach teureren Kette überraschen – man bekommt letztlich das, was zu erwarten steht: in der Hauptsache einen festeren, tieferen Bass, größeren Bühnenraum und eine höhere Auflösung –, so sehr wundere ich mich, dass das japanische Paar gegenüber dem norwegischen Solisten fast schon etwas bieder und grau ausschaut. Warum nun das?

Electrocompaniet ECI 6DS

Tonal ist es eigentlich Geschmackssache. Wer sich für den Electrocompaniet ECI 6DS entscheidet, siedelt sich auf der leicht wärmeren Seite von neutral an, was daran liegt, dass die hohen bis höchsten Lagen eher „langzeittauglich“, sprich: dezenter serviert werden, die Region Grundton/Bass dagegen mit einer kleinen, lustvollen Extrakelle bedacht wird. Und so stimmt es, dass das Luxman/Denon-Gespann im Obertonbereich deutlicher, offener agiert (man merkt’s beispielsweise bei Frauenstimmen, Anblasgeräuschen, einem heller klingenden Applaus, Beckenausklängen etc.) und ganz unten zwar keinesfalls mehr Schubkraft, aber etwas mehr Kontrolle besitzt, was bei hohen Pegeln und bei im Tiefbass fordernder Musik Vorteile bieten kann. Richtig ist allerdings auch, dass Stimmen mit dem ECI 6DS vergleichsweise sonorer, mit mehr Fleisch dran erklingen und Kontrabass oder auch die linke Seite eines Flügels weniger blutarm beziehungsweise substanzieller rüberkommen. Kurz und gut: Das rein Tonale des Electrocompaniet ECI 6DS wird dem gefallen, der es lieber ein wenig saftiger als zu abgehangen mag – eine besondere „Magie“ resultiert daraus meines Erachtens nun aber auch nicht direkt.

Electrocompaniet ECI 6DS

Die ergibt sich vielmehr aus dem Zusammenspiel anderer Dinge, als da wären: hohe Auflösung vor allem im Mitten/Hochton-Band, angenehm sortiertes Bühnenbild, insbesondere auch in der Tiefendimension, Plastizität der Stimmen und Instrumente und, nicht zu vergessen, eine besonders grauschleier- und artefaktefreie Gangart. Manchmal ist alles das in ein-zwei Liedern quasi in nuce verborgen. Lieder, die einem plötzlich deutlich „mehr geben“ als man erwartet hat – wenn man dann nur sofort wüsste, warum es so ist! Erst nach längeren Vergleichen kamen mir die genannten Kategorien in den Sinn. Dabei ist es doch eigentlich einfach …

Na klar, das Klavier in Fiona Apples Song „Never is a Promise“ (Album: Tidal) erhält mit dem ECI 6DS etwas mehr tonale Substanz im Untergeschoss – den Aspekt hatten wir schon. Aber es steht eben auch weiter hinten, trennt sich besser von der Stimme im Vordergrund, spielt also, drastisch ausgedrückt, weniger eindimensional im Raum, nicht in der gleichen Ebene wie Fiona Appleder Gesang. Zudem wird beides – Stimme und Instrument – weniger flächig-breit gezeichnet (wie vergleichsweise bei Luxman/Denon der Fall), sondern profiliert und körperlich fassbar abgebildet, wenngleich von den Ausmaßen her etwas kleiner dimensioniert. Dies vermehrt nicht nur das „3-D-Feeling“ bei einzelnen Stimmen und Instrumenten, dergestalt wird auch mehr Übersicht über den gesamten Klangraum geschaffen: Da verschwimmt nichts, da verdeckt sich nichts gegenseitig, alles hat seinen Platz mit ein wenig Luft und Freiraum zum benachbarten Akteur, gleichwohl wirkt’s auch nicht artifiziell parzelliert oder seziert … feine Kost! Kurz und gut: Der neue Electrocompaniet wirkt in Sachen Raumdarstellung wirklich sehr glaubwürdig, eine echte Stärke.

Hinzu gesellt sich eine sehr sauber auflösende Spielweise, die, da sie mit eher freundlich abgemilderten oberen Oktaven einhergeht, einen sehr geschmeidigen, leicht samtig-schimmernden Eindruck insbesondere im Mittenband hinterlässt. So werden Sibilanten bei Fiona Apples Gesang („The first Taste“, gleiches Album) zwar vergleichsweise leiser, mit weniger Energie präsentiert als über das Luxman/Denon-Duo, gleichzeitig erfahre ich aber einfach mehr Details. Es ist, als stünde nun eine deutlich höhere Anzahl an „Pixeln“ zur Verfügung, um das Klangbild abzubilden – weshalb sich mehr Zeichnung und Feinstruktur aus der Musik herausholen lassen (wenngleich, um den Vergleich noch etwas weiter zu strapazieren, diese Pixel weniger hell leuchten).

Electrocompaniet ECI 6DS

So werden sich manche Hörer beim Glockenspiel in diesem Song vielleicht auch ein wenig mehr „Air“ oder „Strahlkraft“ wünschen; aber auch hier wirkt der Norweger filigraner und arbeitet mehr Feinheiten heraus als manche andere preisähnliche Gerätekombinationen, die obenrum zwar forscher, aber weniger nuanciert zulangen. Vielleicht darf man es auch so fassen: Gerade weil der ECI 6DS den Ton so rein, unverstaubt und feingliedrig zu präsentieren versteht, hat er es gar nicht nötig, den hellsten Spot anzudrehen und dergestalt die Aufmerksamkeit zu erregen. Effekthascherei kann man dem Electrocompaniet ECI 6DS als allerletztes vorwerfen – ein Garant dafür ist, dass er über viele Jahre Hörspaß bereiten kann.

Test: Electrocompaniet ECI 6DS |

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