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Klang Electrocompaniet ECI 6DS (Teil I)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang Electrocompaniet ECI 6DS (Teil I)

Natürlich besteht der besondere Charme eines solchen Konzepts vor allem darin, den klassischen HiFi-Gerätefuhrpark überflüssig zu machen. Doch bietet der Electrocompaniet ECI 6DS viele Anschlussmöglichkeiten, und da will man natürlich auch wissen, wie die sich klanglich schlagen. Warum also einfach, wenn es kompliziert geht: Bevor ich mich auf das vermutete Haupteinsatzgebiet als streamender Vollverstärker en détail einließ, versuchte ich etwas über die relativen Unterschiede der analogen und digitalen Eingänge zu erfahren – was eine mittelschwere Verkabelungsorgie zur Folge hatte.

Electrocompaniet ECI 6DS

Zunächst landet mein SACD/CD-Player Luxman D-05 am Hochpegeleingang des Norwegers, um ihn mit dem internen Netzwerkplayer zu vergleichen. Vielleicht geht mit einer hochwertigen digitalen Quelle ja noch mehr? Allerdings muss ich zuvor noch die Gretchenfrage „symmetrisch oder nicht?“ beantworten, schließlich lässt Electrocompaniet beide Verbindungen zu. Ergo werden meine XLR- und Cinch-Kabel von Zendo by Mundorf zwischen Player und Integriertem verlegt.

„Gretchen“ ist das aber nun recht egal, wie der Signaltransport erfolgt, oder anders gesagt: Die Symmetrierung hinterm Cincheingang des ECI 6DS gelingt offenbar so gut, dass klangliche Unterschiede lediglich in Nuancen zu finden sind. Welche Nuancen, fragen Sie? Also: Symmetrisch angesteuert wirkt die virtuelle Bühne ein wenig weiter entfernt vom Hörer, dafür aber auch etwas tiefer ausgeleuchtet und einen Tick besser sortiert, wozu die leicht akkuratere „Randeinfassung“ der einzelnen Klänge ebenfalls ihr Scherflein beiträgt. Andererseits könnte ich auch die Ansicht nachvollziehen, die Musik gerate über Cinch ein kleines bisschen „involvierender“, da Instrumente und Stimmen etwas weiter vorne spielen und minimal größer gezeichnet werden. Persönlich finde ich XLR überzeugender, aber wie gesagt: Das sind wirklich nur Kleinigkeiten.

Nils Petter MolvearNoch etwas erstaunlicher ist allerdings, dass das klangliche Ergebnis mit dem externen Zuspieler, der immerhin 3/4 des ECI 6DS kostet, in Relation zur On-Board-Streamingvariante nicht wirklich entscheidend besser wird. Gut, ein wenig schon: etwas mehr Auflösung in den Mitten und obenraus, mehr „Schubs“ im Bass, weitläufigere Raumabbildung. Gerade Letzteres nehme ich bei Nils Petter Molvaers sphärischem Stück „A Small Realm“ (Album: Baboon Moon) gerne mit. Wenn ich den umgekehrten Weg gehe, den ECI 6DS also als reinen Netzwerkplayer verwende, das Signal über den Pre-Out abgreife und meiner Verstärkerkombi (Octave HP 800 MKII und Electrocompaniet AW180) zuführe, wird in diese Unterschiede zum Luxman-Dreher quasi hineingezoomt, sie werden dann also deutlicher präsentiert. In einem solchen Zusammenhang kann ein Quellen-Upgrade Sinn ergeben. Aber das war nicht die Ausgangsfrage. Im Zusammenspiel mit dem neuen Electrocompaniet-Integrierten scheint es mir wenig gewinnbringend zu sein, auf eine hochwertige externe Digitalquelle zu setzen – denn der ECI 6DS ist selbst eine.

Nicht nur, weil er streamen kann, sondern auch, weil er einen asynchronen USB-Input bereitstellt. Doch, doch, den S/PDIF-Eingang habe ich mir ebenfalls „gegeben“, klang toll, als ich den Luxman-Player via Audioquest-Lichtleiter mit der Toslink-Buchse des ECI 6DS verband – doch eine solche Paarung scheint mir zu theoretisch, als dass ich sie hier groß erörtern müsste. Meine Vermutung geht dahin, dass 99 % aller ECI-6DS-Anwender entweder über Computer plus USB oder über Ethernetstrippe/WLAN hören werden. (Es hat natürlich keiner etwas dagegen, eine Set-Top-Box oder einen alten CD-Player an den Electrocompaniet via S/PDIF anzuleinen, aber da geht’s dann ja nicht um allerhighendigste Zwecke.) Wo liegen also die Unterschiede zwischen diesen beiden Varianten?

LS-Terminal des Electrocompaniet ECI 6DS

Nachdem der USB-Treiber (auf der Electrocompaniet-ECI-6DS-Seite zu finden) auf dem Laptop installiert und dieses mit einem Aqvox-USB-Kabel an den ECI 6DS angeschlossen ist, muss ich noch kurz ein paar Settings im JRiver Mediaplayer 17 einstellen – und schon läuft’s. Schnell ist klar: USB scheint eine Spur fetter im Bass loszumarschieren, durchaus angenehm zu hören bei Françoiz Breutdiesem sowieso schon recht prominenten E-Basslauf des Françoiz Breut Songs „Ma Colere“ – das Ding muss saftig gereicht werden, und das wird es! Allerdings stimmt auch: Ein bisschen konturierter geht das schon noch. Eben jenes spricht für die Streamingvariante, bei dem der gleiche E-Bass sehniger und straffer wirkt – aber ebenfalls eine Spur schlanker, ohne allerdings Gefahr zu laufen, mager zu wirken. Letztlich ist’s Geschmackssache, was man vorzieht. Nicht nur im Untergeschoss, auch in den unteren Mitten wird es etwas kräftiger angegangen, kommen die Daten über USB in den ECI 6DS. Zumindest relativ zum Streaming gehört wirkt Breuts Stimme leicht sonorer – man darf mit gleichem Recht aber auch der Meinung sein, gestreamt wirke es im Obertonbereich offener.

Jenseits dieser tonalen Fragen sind noch ein paar andere Dinge festzustellen. Zurück zu Nils Petter Molvaers „A Small Realm“: Der Gong zu Beginn des Stückes steht über USB nun weiter vorne und tönt kräftiger – was einerseits „anmachender“ wirken kann, andererseits klappt die Tiefenstaffelung eben auch etwas zusammen. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass „Gestreamtes“ etwas klarer im Bühnenraum abgebildet wird, während USB größere, üppigere Klänge zeichnet, aber sozusagen mit einem weicheren Stift. In Sachen Detailauflösung sehe ich wiederum das Netzwerkmodul vorn, die feinen Trompeten-Anblasgeräusche Molvears beispielsweise werden mir klarer vor Ohren geführt und auch die Saitenanrisse kommen deutlicher, mit etwas mehr „Biss“ im positiven Sinn.

Zwischenfazit: Schön, dass der Electrocompaniet ECI 6DS einige Hochpegeleingänge bietet, doch werden die meisten Hörer diese gar nicht verwenden, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach Audiofiles streamen beziehungsweise über USB einen Rechner anleinen. Welche dieser beiden Möglichkeiten man klanglich vorzieht, ist letztlich Geschmackssache. Für mich wirkt das Netzwerkmodul „klassisch audiophiler“ im Sinne von: höher auflösend, tiefer in den Raum staffelnd sowie etwas akkurater abbildend. USB kommt allerdings etwas saftiger rüber, mit mehr Schmackes untenrum, und das musikalische Geschehen hat einen leichten Drall nach vorne, was angenehm lebhaft und involvierend wirkt – auch nicht schlecht! Es ist Ihre Wahl.

Wird doch einmal eine Hochpegelquelle – ein Phonopre beispielsweise – angeschlossen, so würde ich dazu raten, es falls möglich einmal symmetrisch zu versuchen: Auch wenn keine weltbewegenden Unterschiede im Vergleich zum Cinch-Eingang zu vernehmen sind, es kann in Nuancen schon noch feiner klingen. Und wir Highender sind doch ein nuanciertes Völkchen, oder?

Electrocompaniet

So viel zu den Eingängen des ECI 6DS und deren relativen klanglichen Unterschieden – doch wie tickt der Electrocompaniet „als Ganzes gehört“ nun eigentlich?

Test: Electrocompaniet ECI 6DS |

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