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Elac FS 249 BE und Kharma 3.2 – Vergleich – Testbericht fairaudio

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  1. 4 Elac FS 249 BE und Kharma 3.2 - Vergleich - Testbericht fairaudio

Um die dynamischen Aspekte zu beleuchten, müssen sich Elacs schlanke Säulen dem Vergleich mit den – in diesem Aspekt für mich hervorragend agierenden – Kharma CE 3.2 (12.000 Euro, inklusive SDSS-Ständer und Sonderfarbe) stellen. Nein, abhängen lassen sich die norddeutschen Wandler hier nicht. Gleichen die Kharmas, insbesondere im fein- und mikrodynamischen Bereich, einem Rennwagen, so repräsentieren Elacs 249 Black Edition den klassischen Sportwagen. Flink, aber ohne nervöse Hektik folgen auch sie präzise den ankommenden Signalen. Dabei bewahren sie den Überblick und sind darin größeren Lautsprechern, wie zum Beispiel Audiodatas übermannshoher Referenz, der Sculpture nicht unähnlich.

elac jet hochtöner

Wenn es um die maximal erzielbare Lautstärke geht, sind Gehäusevolumen und Membranfläche naturgemäß wichtige Parameter. Klar, dass schlanke, nicht viel mehr als einen lichten Meter hochragende Lautsprecher keine Weltrekorde in dieser Disziplin aufstellen können.

Trotzdem lassen sich mit der FS 249, gemessen an ihrer Physis, durchaus hohe Pegel erzielen. Das wird auch Kollege Jörg Dames freuen. Hatte er doch der kleinen Schwester Elac FS 247 (die im Gegensatz zur dreiwegigen 249 als Zweieinhalbwegler konzipiert ist) genau diese Fähigkeit nicht vorbehaltlos attestieren wollen, als er sie sich 2008 vornahm. Nun, mit der Black Edition kann man in normalen Wohnräumen auch mal die besagte Kuh fliegen lassen, ohne dass einem gleich die Schwingspulen abrauchen.

myners hmnsNoch wichtiger ist mir Pegelfestigkeit freilich bei orchestraler Musik, wo nicht selten große Pegelsprünge zu bewältigen sind. Natürlich bitte ohne zu komprimieren oder die Raumdarstellung einstürzen zu lassen. So beispielsweise, wenn Johan Johannssons monumentales Miners´ Hymns auf dem Programm steht. Das mehrsätzige Werk für Orgel, Blasorchester und Synthie, ursprünglich selbst als Musik zum gleichnamigen Film des US-Filmemachers Bill Morrison konzipiert, kann durchaus als eigenständige Komposition im Stile eines Requiems aufgefasst werden.

Wie dem Film gelingt auch dem Isländer Johannsson mit seiner Komposition ein melancholischer, immer auch respektvoller Blick auf die Glanzzeit und den Niedergang des Kohlebergbaus und seiner Protagonisten im England des letzten Jahrhunderts. Der Ort der Aufnahme, die mittelalterliche Kathedrale der ehemaligen Bergarbeiterstadt Durham im englischen Nordosten ist für ihre hervorragende natürliche Akustik bekannt. Selbst der allgegenwärtige Sting hat hier schon aufgenommen.

bassreflexsystem elac fs 249

Die Wiedergabe über die Black Editions erlaubt mir lässiges Schwelgen in den vielschichtigen Klangstrukturen dieses atmosphärisch-düsteren Werkes. Die dramatischen Höhepunkte, die meist mit deutlich forcierter Lautstärke einhergehen, verlieren keinesfalls ihre Wirkung. Fakt ist auch, dass die Pegel, welche die Elacs dabei mühelos erreichen, meinen kleineren, aber immerhin mehr als doppelt so teuren Holländerinnen leider verwehrt bleiben. Dieser Punkt geht klar an die Kieler Lautsprecher.

Ein wenig Boden gutmachen können die Kharma 3.2 allerdings durch ihre Art, Klangkörper extrem holographisch abzubilden und ihr Gespür für die richtige Raumtiefe, die sich im Vergleich zu Elacs 249 BE einige gefühlte Meter weitläufiger gestaltet. Zwar schrumpft die Durham Cathedral auch mit den Elacs nicht auf das Format einer Andachtskapelle, aber ihre Fähigkeiten Räume mehrdimensional in realistischen Ausmaßen entstehen zu lassen, müssen sich hinter denen der Kharma einordnen lassen. Was freilich absehbar war und mich keineswegs verwundert, gehört die Raumdarstellung doch zu den absoluten Paradedisziplinen der zweiwegigen 3.2.

elac fs 249 be

Da ist es schon weitaus bemerkenswerter, dass eine wichtige Eigenschaft aus der Kategorie Abbildungsverhalten für Elac FS 249 BE und Kharma 3.2 gleichermaßen zutreffend ist. Gemeint ist die Fähigkeit, akustisch völlig verschwinden zu können. In meinen Hörraum, einem 24 Quadratmeter großen, dem goldenen Schnitt nachempfunden Quader, gelingt das beiden Lautsprechern in beeindruckender Weise. Sie sind einfach nicht mehr auszumachen, wenn man im Sweetspot Platz genommen hat. Genau so sollte es sein.

Es liegt auf der Hand, dass nicht jeder Interessierte vorhat, die FS 249 BE mit Vorverstärkern und Endstufen zu verbandeln, die den Preis der Lautsprecher gleich um ein mehrfaches toppen können. Daher lieh ich mir für einige Tage einen Trigon Energy aus, um auszuloten, wie viel von den bisher ausgemachten Qualitäten an einer zur Preisklasse unserer Black Beautys passenden Elektronik übrig bleibt.

trigon energy verstärker

Dass das ziemlich viel sein würde, war schon nach wenigen Augenblicken mehr als klar. Der 2.500 Euro teure und zweimal 70 stabile Watt leistende Vollverstärker des deutschen Herstellers strotzte an den FS 249 BE nur so vor Saft und Kraft.

Selbst als ich dieser Kombi boshafterweise eine SACD mit Olivier Messiaens Frühwerken für Orgel „Le Banquet Celeste“ und „La Nativite du Seigneur“ zur Reproduktion anvertraute, staunte ich nicht schlecht, wie souverän die Wiedergabe dieser musikalisch eher sperrigen, komplexen Kost gelang.

Organist Wolfgang Sieber agiert hier an der Kuhn-Orgel des mir bestens vertrauten Alfred-Krupp Saals der Essener Philharmonie. Manoliver messiaens bekommt einen guten Eindruck vermittelt, wie die Großorgel den Konzertsaal mit Klängen flutet und – bei tiefen Registern – die Magengegend des Hörers wohlig massiert. Hören sie sich bitte die letzten Takte von Le Banquet Celeste an. Der Ton eines 32-Fuß-Registers ist dem Schlussakkord unterlegt. Die längste Pfeife eines solchen Registers misst immerhin über fünf Meter Länge und reicht bis 16 Hertz in den Basskeller hinab. Das ist schon ein ziemlicher Stresstest für Lautsprecher und Elektronik. Der nicht sonderlich mächtige Trigon hatte die Elacs dennoch gut im Griff und schien dabei muskulös, aber nicht grobschlächtig zu Werke zu gehen.

Gut, die Wiedergabe geriet im Vergleich zu meiner eigenen Elektronik insgesamt ein wenig kompakter und auch auf ein Jota an Auflösungsvermögen musste verzichtet werden, was aber dem Hörspaß in dieser „Vernunftehe“ beileibe keinen Abbruch tat. So bleibt dem Rezensenten letztlich nur die Feststellung übrig, dass die Elac 249 BE ihr Potenzial auch im Betrieb an hochwertigen, gerne etwas kräftigeren Vollverstärkern vollständig abrufen können.

Test: Elac FS 249 BE | Standlautsprecher

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