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EAT C-Sharp: Klangeindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 EAT C-Sharp: Klangeindrücke

EAT C-Sharp

Der 2001 im Mississippi ertrunkene Jeff Buckley hat mit Grace zu Lebzeiten nur ein Album veröffentlichen können, das von vielen nicht nur wegen der Gänsehautversion von Leonard Cohens „Halleluja“ als musikalischer Meilenstein betrachten wird. Inzwischen gibt es mehrere posthume Veröffentlichungen, die eine Menge Demomaterial und Halbfertiges enthalten. Die neueste You and Idavon, You and I (auf Amazon anhören) betitelt, macht da zwar keine Ausnahme, punktet aber mit einer Intensität, die sich in der klassischen „Ein Mann und seine Gitarre“-Konstellation einstellen kann – wenn denn der Mann das künstlerische Format von Buckley hat. Das ist im Ergebnis durchaus vergleichbar mit den American Recordings von Johnny Cash. Da solche Produktionen in aller Regel aus den Mitten heraus ihre Magie verströmen, bin ich gespannt, ob der C-Sharp meinen durch den täglichen Umgang mit dem gut 10.000 Euro teuren Raven AC von TW-Acustics doch etwas verwöhnten Ansprüchen in diesem wichtigen Frequenzband genügen kann.

Detail des EAT-Tonarms C-Note

Der EAT C-Sharp lässt sich in der Tat nicht lumpen und bietet einen differenzierten und detaillierten Mittenbereich. Er löst sehr gut auf und unterschlägt dabei keineswegs so beiläufige Nebengeräusche wie Zungenschnalzer, Griffgeräusche oder das sachte Antippen des offenen Mikros. Buckleys Stimme ist klangfarblich gar nicht mal weit von dem entfernt, was Thomas Woschniks Raven zu Gehör bringen kann. Auch der C-Sharp setzt nämlich auf kraftvolle, leuchtende Farbtöne, die gerade das viel beschworene Live-Feeling mühelos transportieren können. Der Raven wirkt im direkten Vergleich noch etwas neutraler, verströmt dabei fast schon eine Aura souveräner Unbestechlichkeit, freilich ohne deshalb musikalisch ins Hintertreffen zu geraten. Dagegen hält es der Plattenspieler aus Tschechien mit einer dezent dosierten Mittenwärme. Beides hat seinen Reiz.

Jazz maturity ... where it comes fromUm den Bassbereich besser beleuchten zu können, werden nun die Herren Ray Brown am Bass, Oscar Peterson am Piano und Mickey Roker an den Drums als Partner für die Trompeter Roy Eldrigde und Dizzy Gillespie bemüht. Und prompt befinden wir uns mitten in einer ziemlich „hotten“ Jazzsession. Auf Jazz maturity … where it comes from (auf Amazon anhören) werfen sich die Jazzlegenden die Bälle mit einer Unmittelbarkeit zu, wie man es sonst nur von Profibasketballspielern kennt.

Die Lagerachse trägt eine Keramikkugel
Die Lagerachse trägt eine Keramikkugel

Bassist Ray Brown sorgt mit seinem Instrument für den nötigen Groove in den unteren Registern. Der Walking-Bass auf „Take the A-Train“, den das Quintet etwas getragener angeht als gewohnt, ist sicher nicht von der asketischen Art, verfügt aber nichtsdestotrotz über eine gute Definition, denn es klingt auch bei den tieferen, oftmals schnell etwas gebläht erscheinenden Tönen des Akustikbasses immer noch ausreichend präzise und griffig. Das Gewicht, das der EAT C-Sharp dabei im Bass aufbringt, erinnert deutlich mehr an ein veritables Masselaufwerk als an einen einfachen Brettspieler. Bei solch vollmundigem Tiefgang zeigen die Mundwinkel logischerweise in Richtung Ohrläppchen. Wie die Tschechen diese Stabilität und Wucht aus dem relativ flachen und mit etwas mehr als dreizehn Kilo nicht übermäßig schweren Plattenspieler holen, bleibt wahrscheinlich ihr Betriebsgeheimnis. Erst der nun dringend erforderliche Quercheck stellt klar, dass das Laufwerk von TW-Acoustic den C-Sharp letztlich mit noch schwärzeren Bässen und seiner lässigeren Selbstverständlichkeit auf Abstand halten kann. Aber der nur etwa ein Viertel des Preises eines Raven AC kostende Tscheche kommt mit seiner auf Sorbothane gelagerten Subchassiskonstruktion auch in den tiefen Registern auf Schlagweite heran. Das sorgt für Respekt.

Motor und Antriebsriemen verschwinden unter dem Plattenteller
Motor und Antriebsriemen verschwinden unter dem Plattenteller

Nach dem gelungenen Start ruht sich der C-Sharp keineswegs auf seinen Leistungen in den Bass- und Mitteltonlagen aus und gefällt auch im oberen Register mit einer angenehm dosierten und differenzierten Intensität. Nur die extreme Auflösung und Finesse deutlich größer und kostspieligerer Laufwerke sowie allerbester Tonarme kann die carbonschwarze Komplettlösung von EAT, letztlich nicht unerwartet, schließlich doch nicht aufbieten. So schmettern die Trompeten von Eldrige und Gillespie nicht ganz so glitzernd und metallisch wie mit dem Raven AC. Diese oben herum etwas gemäßigtere Gangart des EAT könnte sogar von Vorteil sein, da Tonabnehmer mit geringfügig härteren oder leicht angestrengten, zur Schärfe neigenden Höhen hiervon profitieren könnten.

Der C-Sharp setzt das Quintet um den Trompeter mit den so charakteristisch aufgeblasenen Wangen in einen allseits gut umschriebenen, nicht aber allzu weitläufigen Raum. Da auch die Vorne-Hinten-Ortung – wie üblich agieren Bassist und Drummer im Hintergrund, der Pianist im Mittelfeld und davor die beiden Trompeter – keinen Anlass zur Klage gibt, lässt sich bei Raumabbildung und Tiefenstaffelung ein ziemlich realistisches Flair konstatieren. Mit teuren analogen Set-ups sicher eine Selbstverständlichkeit, doch in dieser Klasse ist das Niveau, welches die EAT-Kombi diesbezüglich erreichen kann, noch keineswegs Standard.

Dem einsam im Studio sitzenden Jeff Buckley verleiht der C-Sharp auch einen recht stimmig anmutenden Körper, anstatt einfach nur sein Organ aus der Mitte tönen zu lassen. Die perfekte Illusion, den Raum mit dem früh verstorbenen Sänger und Gitarristen zu teilen, wird dabei nur knapp verfehlt. Aber auch ohne dem Hyperrealismus zu verfallen, teilt sich die spezielle Aufnahmesituation dem Hörer mit. Dennoch soll nicht verschwiegen werden, dass Laufwerke vom Schlage des Raven AC oder einer AMG Viella – deren Fähigkeit, dreidimensionale Klangbilder zu entwerfen, sich nicht so leicht aus dem Gedächtnis tilgen lässt – hier einfach noch etwas mehr zu leisten imstande sind. Aber für irgendetwas müssen deren hohe Anschaffungskosten ja auch gut sein! Am Ende reicht es für den EAT C-Sharp mit seiner körperhaften, wenn auch nicht ganz so messerscharf umrissenen Abbildung allemal, um die teure Konkurrenz auch hier nicht aus den Augen zu verlieren.

Zeit, der grob- und feindynamischen Schlagkraft des C-Sharp auf den Zahn zu fühlen: Dazu eignet sich Alexander Gibsons Aufnahme der Carmen Suite mit dem Royal Opera House Orchester (LSC 2449-45) aus dem Jahre 1960 ausgezeichnet, umso mehr, da es sich bei meiner Version um ein von Bernie Grundmann für Classic Records mit 45 Umdrehungen gemastertes Reissue aus transparentem Clarity-Vinyl handelt.

Die Orchestertutti der Prelude werden druckvoll und impulsiv in Szene gesetzt, wobei sich die Pauken regelrecht im Unterleib bemerkbar machen und Becken förmlich am Trommelfell zu explodieren scheinen. Das notwendige dynamische Rüstzeug für Bizets Orchesterwerk bringt das EAT-Gespann sicher mit. Überhaupt zeigt es sich vom dynamischen Talent des Systems Aventurin 6 weder verschreckt noch überfordert. Selbst das berühmte Thema der Aragonaise wirkt keineswegs abgedroschen – Hut ab vor Maestro Bizet, der es verstanden hat, die ganze dramatische Essenz des Carmenstoffs in diese wenigen Noten zu legen. Ein Paukenschlag, dem der C-Sharp die nötigen Schwärze und Trockenheit verleiht, um einmal mehr direkt in die Eingeweide zu fahren, beendet den von Bizet eigentlich als Zwischenspiel zum 4. Akt seiner berühmten Oper komponierten Tanz. Hier nun leitet er über zur Habanera, deren perkussive Rhythmik erneut, wenn auch nicht mit der zuvor gehörten Vehemenz, die dynamische Kompetenz der analogen Quelle herausfordert.

Albert Collins und Richard Pennimans LucilleAuch Chi Ayados Coverversion von Albert Collins und Richard Pennimans Lucille (LP: To You, auf Amazon) wird idealerweise mit einem Set-up wiedergegeben, das die ausgeprägten feindynamischen Schattierungen ihres Gesangs und nuancenreichen Klavierspiels nicht zu verschleifen droht. Feinste stimmliche Modulationen werden nachvollziehbar, während ihre Hände die schwarzen und weißen Tasten nur sanft zu berühren scheinen. Dann aber folgen plötzlich energisch gespielte Akkorde, deren Wucht man der zierlichen Künstlerin gar nicht zugetraut hätte. Wiedergabeseitig eine Hürde, die das Team aus C-Sharp und Aventurin 6 ohne große Mühe nehmen kann.

Ortofon Quintet Black am C-Sharp
Ortofon Quintet Black am EAT C-Sharp

Nun wird das Ortofon Quintet Black montiert und zwei Tage eingespielt. Die Spannung steigt, wie denn der C-Sharp mit dem so viel günstigeren System zurechtkommen wird. Immerhin besitzt der Diamant des Quintet Black einen Shiabata-Schliff und ist an einem Borstäbchen befestigt.

Nun, so ganz kann das 830 Euro teure MC-System des legendären dänischen Tonabnehmerherstellers sicher nicht zum Aventurin aufschließen – doch alles andere hätte mich auch sehr gewundert. Wie der preisliche Abstand erwarten lässt, bietet es weder die Auflösung noch die brillanten Klangfarben und auch nicht die stupende Dynamik des Steinmusic-Abtasters. Andererseits gefällt die Kombination aus C-Sharp und Quintet Black durch ihr aufrichtiges Bestreben, die Informationen genau und präzise aus den Rillen zu lesen und eine Ordnung im Klangbild zu halten, die auch nicht bei den heftigen Akkorden der Carmen-Suite in sich zusammenbricht. Selbstredend lassen sich auch unter tschechisch-dänischer Verantwortung die schwarze Scheiben sehr vergnüglich abspielen, doch ist nicht allzu schwer zu erkennen, dass Laufwerk und Tonarm vom Ortofon Quintet Black noch lange nicht ausgereizt werden. Vor allem aber wird klargestellt, dass sich Tonarm und Laufwerk des EAT weitgehend aus der Klangbildung heraushalten und es dem Tonabnehmer überlassen, den Charakter der Gesamtperformance zu prägen. Den EAT-Entwicklern gebührt dafür Respekt, denn anderswo ist häufig für genau diese Eigenschaft erheblich mehr technischer und finanzieller Aufwand nötig.

Test: EAT C-Sharp | Plattenspieler

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