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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Dänische Drachen
  2. 2 Dyrholm Audio Draco: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Dyrholm Audio Draco

Es kommt schon mal vor, dass man sich als Audio-Tester in den Probanden verliebt, weil er derart überzeugend aufspielt und so gut ins Setup passt, dass man ihn einfach behalten muss. Verstärkerseitig ist mir das zuletzt bei der großen Electrocompaniet-Kombi passiert und – was Kabel angeht – bei Dyrholm Audio (Vertrieb: https://www.hgfa.de/), genauer gesagt: bei der Einstiegsserie Phoenix, deren NF- und Lautsprecherkabel nicht wieder zurückgehen durften.

Das Dyrholm-Draco-Cinchkabel

Die Dyrholm-Draco-Linie ist die mittlere Kabelserie der dänischen Manufaktur – hier im Bild: das Cinchkabel

Da die dänische Manufaktur in der audiophilen Topliga spielt, ist das mit „Einstieg“ aber so eine Sache. Das einzige so gerade noch Dreistellige, das ich in der Preisliste entdecken kann, ist das Phoenix-USB-Kabel. Um das geht‘s hier aber nicht, sondern um die neue Draco-Linie, die seit Herbst letzten Jahres das „Mittelfeld“ bespielt und lediglich von der Flaggschiff-Serie Vision getoppt wird, mit der sie viele Gemeinsamkeiten aufweise, so John Dyrholm, Eigentümer und Chefentwickler der Kabel-Company. Die Dyrholm Draco NF-Kabel (Cinch: 3.060/XLR: 3.525 (2 x 1 m)) und der Draco-Lautsprecherverbinder (8.410 Euro (2 x 3 m)) sind bei uns zu Gast.

Dyrholm Audio Draco – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Gemeinsamkeiten sind auch mit den Kabeln der Phoenix-Linie auszumachen, denn warum sollte man bewährte Prinzipien ohne Grund verletzen? So sind die Cinchkabel der Dänen generell nicht koaxial aufgebaut, sondern mit zwei Leitern und einem einseitig auf Quellseite aufgelegten Schirm, und eine Leiterisolation aus Plastik kommt bei Dyrholm Audio grundsätzlich nicht in die Tüte. Plastik könne sich statisch aufladen, was klanglich nachteilig sei. Ungebleichte Baumwolle ist deshalb das Material der Wahl, wenn es ums Dielektrikum geht – und das gilt natürlich auch für die Draco-Verbinder, zumal die Baumwolle als Nebeneffekt eine gute Dämpfung mechanischer Vibrationen mitbringt. Das „Baumwollkleid“ wird im Anschluss zwecks Vermeidung von Korrosion luftdicht versiegelt. Eine weitere Linien-übergreifende Gemeinsamkeit: Die Kabel werden vor Auslieferung mit einem speziellen Apparat „eingespielt“.

Dyrholm Audio Draco: XLR-Kabel mit Furutech-Steckern

Die Unterschiede zwischen den Kabelserien liegen vornehmlich in der Kabelgeometrie, dem Leitermaterial und den Terminierungen. So kommt der Draco-Lautsprecherverbinder mit zwei einzeln geführten Kabeln für den Plus- und Minuspol, während sie beim Phoenix in einem gemeinsamen Gewebeschlauch stecken. Pro Kabel sind, wie beim Phoenix, zwar zwölf Einzelleiter am Start, doch während die bei der Einstiegslinie unterschiedliche Stärken aufweisen, sind sie im Draco alle gleich dick. „So what?!“, sagen Sie. Nun, John Dyrholm ist davon überzeugt, dass das eine wie das andere klanglich sinnvoll ist, hier werde nicht gewürfelt, sondern gehört, gehört, gehört und nach umfangreichem Prototyping die optimale Wahl getroffen.

Während in der Phoenix-Linie Leiter aus versilbertem 6N-Kupfer stecken, kommen für die Toplinie Vision und die neue Draco-Serie solche aus UPOCC-Kupfer zum Einsatz. Das Kürzel steht für „Ultra-Pure Ohno Continuous Casting“, ein im Chiba Institute of Technology in Japan entwickeltes, spezielles Gussverfahren, das ein monokristallines, hochreines Ergebnis liefern soll. John Dyrholm hält dieses Kupfer für den klanglich besten Leiter, besser noch als UPOCC-Silber.

Das Dryholm-Draco-Lautsprecherkabel

Das Dryholm-Draco-Lautsprecherkabel kann mit Bananas und Kabelschuhen terminiert werden, in beiden Fällen kommen vergoldete Furutech-Modelle zum Einsatz

Das Leitermaterial im Draco-Lautsprecherkabel summiert sich auf 2 x 6 mm² pro Seite. Auch bei den NF-Kabeln ist UPOCC-Kupfer am Start. Als Stecker beziehungsweise Kabelschuhe/Bananas kommen bei den Dracos Furutech-Modelle mit vergoldeten Kontakten zum Einsatz – interessant, bei meinen Phoenix-Verbindern sind sie rhodiniert, bei der Vision-Serie sind es versilberte ETI Research-Typen. Bestimmt kein Zufall, wie ich John Dyrholm kenne.

Dyrholm Audio Draco: Hörtest und Vergleiche

Kabel müssen zur Anlage passen, nicht die Anlage zum Kabel, oder kennen Sie etwa jemanden, der noch die richtigen Boxen zu seinem Lautsprecherverbinder sucht? Das wäre reichlich eigenwillig. Letztlich ist es mit Kabeln und Tuning Devices doch so, dass man mit ihnen dem aus guten Zutaten bestehenden Grundrezept den letzten – freilich mitentscheidenden – Schliff gibt. Es sind die Kräuter und Gewürze des HiFi-Gerichts.

Furutech-Stecker am Dyrholm Draco XLR-Kabel

Apropos „passen“: Als die Dyrholm Draco eintrafen, testete ich gerade die Dali Epikore 11, also hörte ich sie auch in diesem Setup. Und was soll ich sagen, zu den Dali passen die Draco – ich rede hier von beiden Kabeln, NF und Speaker, sie besitzen die gleiche Ausrichtung – tatsächlich besser als meine „Reine-Lehre“-Phoenix-Verbinder. Warum? Nun, die Epikore 11 ziehen vom Grund- bis in den Hochton ziemlich neutral durch, dito die Dyrholm Phoenix, und wenngleich ich mich nicht als „Warmhörer“ bezeichne, ist’s im Verbund je nach Aufnahmequalität und -balance doch schon mal ein bisschen auf Kante genäht. Die Draco-Kabel bringen hier einen kleinen Touch Gefälligkeit ins Spiel, von richtiger Wärme lässt sich nicht reden, dafür ist der Effekt zu gering, doch etwas geschmeidiger, freundlicher, vergleichsweise weniger studioesk tönt es schon. Nach einem Lautsprecherwechsel hin zu meiner Acapella tritt das Gegenteil ein: Die straighten Phoenix-Verbinder tun der nach obenhin eh etwas milder aufspielenden BassoNobile ganz gut, es wirkt ein wenig offener, knackiger als mit den Dracos.

Burnt Friedman & The Nu Dub Players Just LandedSchauen wir uns das mit der Tonalität etwas genauer an. Im Bass sind die Dyrholm Draco minimal kräftiger unterwegs als die Geschwister aus der Einstiegslinie und eine Spur runder/weicher, mit Betonung auf Spur. Je nach Musikstück kann man sich dann entscheiden, was einem lieber ist. Bei Burnt Friedman & The Nu Dub Players „Cassock Attack“ (Album: Just Landed) mag ich die etwas härterer Kante bei Bassimpulsen der Phoenix-Verbinder, muss schlussendlich aber konzedieren, dass die Draco mehr Spaß machen, lassen sie den Tiefton doch satter und lässiger swingen. Lässiger geht es auch bei „Love at first sight“ von Spain (Album: Sargent Place) zu, allerdings ist der Basslauf zu Beginn des Stückes sowieso schon ziemlich saftig, sodass man die straff-schlankere Diktion der Phoenix-Kabel gutheißen kann – doch in weniger basskompetenten Anlagen als der meinen wird man den Dracos zugeneigter sein. Sie sehen, worauf es hier ankommt: Auf die jeweilige Anlage und den eigenen Hörgeschmack.

Das XLR-Kabel aus der Dyrholm Audio Draco-Serie

Das XLR-Kabel aus der Dyrholm-Audio-Draco-Serie

Muddy Waters / Folk SingerDen Mitten- und Hochtonbereich gestalten die Dyrholm Draco derart subtil milder, dass ich keinen eng eingegrenzten Frequenzbereich nennen kann, der von der reinen Studiolehre relevant abweichen würde – es wirkt insgesamt etwas konzilianter. Frauenstimmen, etwa Feists bei „Let it die“ vom gleichnamigen Album, wirken einen Hauch körperhafter beziehungsweise, die andere Seite der Medaille, eine Spur weniger offen als mit den Phoenix-Kabeln, dito Muddy Waters‘ Gitarre bei „Good morning little schoolgirl“ (Album: Folk Singer).

Zugleich passiert aber noch etwas anderes, und hier verlassen wir dann die Geschmacksfragen und kommen zu höherer Qualität, jedenfalls nehme ich es so wahr: Die Auflösung steigt. Nicht mal so sehr in dem Sinne, dass deutlich mehr Details offenbart würden (ein bisschen mehr aber schon), sondern dass die einzelnen Details authentischer integriert werden. Gut ausmachen lässt sich das bei Klaviermusik oder der Stimmwiedergabe. Statt „1. Stimme, 2. Leichtes Atemgeräusch, 3. Spuckebläschen platzt am linken Eckzahn“ passiert das einfach alles zusammen und die scheinbaren Nebensächlichkeiten und leisen Nebenereignisse werden der einen Stimme natürlich eingegliedert. Oder anders: Denken Sie nicht an „Analyse“, sondern an „Synthese“ – und zwar eine, die zugleich mehr Detail offenlegt. Ja, es ist was Subtiles, doch gerade drum lerne ich es mit der Zeit immer mehr zu schätzen.

Dyrholm-Draco-Lautsprecherkabel mit Kabelschuh-Terminierung

Weniger subtil, vielmehr offensichtlich ist die verbesserte Abbildungsqualität, mit der die Draco-Kabel für sich einnehmen. Bei den Dimensionen der Bühne kann ich weder in Breite noch Tiefe wesentliche Unterschiede zu den Phoenix-Kabeln erkennen, doch mit den Dyrholm Draco geht es ein Stückchen nach vorne. Zu meiner Überraschung, denn das verbinde ich gemeinhin mit einem „präsenteren“ Tonfall, und den besitzen wenn dann eher die Phoenix-Verbinder (allerdings nur vergleichsweise) – die aber brav auf der Grundlinie bleiben, während der „next step“ im Dyrholm-Portfolio einer Richtung Hörer ist. Ich finde es gut.

CocoRosies Elevator AngelsNoch besser ist aber die plastischere, richtiggehend skulpturhafte Modellierung von Stimmen und Instrumenten. Meine Kabel sind in der Hinsicht bestimmt nicht schlecht, im Gegenteil – aber offenbar geht da noch was. Egal ob nun der Gesang oder das Klavier auf CocoRosies EP Elevator Angels, Josh Hadens Stimme im oben erwähnten Spain-Song oder die wunderbar fleischig-saftigen Gitarrenriffs, das alles wird mir mit den Dracos nochmals griffiger und 3-D-hafter in den Raum projiziert. Wenn ich nur eine Sache nennen dürfte, die für die Dyrholm Draco spricht – das hier ist sie: diese superkonkrete Abbildung der einzelnen musikalischen Akteure.

Furutech-Cinchstecker am Dyrholm Draco Cinchkabel

Tatsächlich erinnert mich genau diese Qualität an die Kabel von Vyda, die erst kürzlich bei uns zu Gast waren. Die Dyrholm-Draco-Modelle müssen sich in der Hinsicht wahrlich nicht verstecken, das ist die gleiche Liga. Freilich bringen die edlen Strippen aus Rom noch etwas mehr an Auflösung und Klangfarbendifferenzierung zustande. Das allerdings geht mit einem entscheidenden Nachteil einher – die Vyda-Verbinder sind nochmals teurer, das Lautsprecherkabel so um die 20 Prozent, der XLR-Verbinder kostet gar fast das Doppelte. Da darf dann gerne auch noch etwas mehr passieren.

Testfazit: Dyrholm Audio Draco

Dass Kabel in der Liga der Dyrholm Draco ihr Potenzial erst in sehr hochwertigen, transparenten Anlagen entfalten, muss ich wohl nicht ausdrücklich betonen, das dürfte sich von selbst verstehen. Sie müssen aber nicht nur budgetseitig zum Rest der Kette passen, sondern auch tonal.

XLR- und Cinch-Stecker plus Kabelschuh an den Kabeln der Draco-Serie von Dyrholm Audio

Die Draco-Kabel sind alles andere als richtiggehend tendenziös, kommen aber mit eher freundlichem Einschlag, sprich etwas kraftvollerem Untergeschoss und im Zweifel leicht milderen Höhenlagen. Das ist eigentlich ganz smart abgestimmt, kann es doch genau das bisschen Gefälligkeit sein, welches teuren und damit oft neutral-hochauflösenden Anlagen gut tut. Wie auch immer – wer Frischluftzufuhr für seine allzu warm-gemütliche Anlage sucht, wird hier nicht fündig. Und wie sieht es mit der Ausleuchtung der Raumdimensionen und der Dynamik aus? Ist „kein Thema“, weil es einfach beherrscht wird, was in dieser Liga aber Standard ist.

Detailaufnahme vom Cinchkabel der Draco-Serie von Dyrholm Audio

Jenseits der tonalen Frage lassen sich auch klare Qualitätssteigerungen feststellen. Die Art und Weise, wie der Detailreichtum, zu denen die Draco-Kabel fähig sind, natürlich eingebunden wird und immer ganz locker nebenher und nicht besserwisserisch gereicht wird, nie die Spur vordergründig oder „aufdröselnd“, ist eine Qualität, der man erst nach längerer Zeit gewahr wird – die man dann aber eigentlich auch nicht mehr missen möchte. Sofort offensichtlich ist dagegen die tolle Plastizität, die diese Kabel dem Klangbild verleihen, die Musik wird dreidimensional ausgeliefert, jeder Ton besitzt einen Körper mit Tiefenprofil. Für mich die stärkste Einzeltugend der Draco-Kabel.

Preise:

  • Dyrholm Audio Draco Cinchkabel: 3.060 Euro (2 x 1 m)
  • Dyrholm Audio Draco XLR-Kabel: 3.525 Euro (2 x 1 m)
  • Dyrholm Audio Draco Lautsprecherkabel: 8.410 Euro (2 x 3 m)

Vertrieb:

Hörgenuss Jörg Klein
Fichardstraße 56 | 60322 Frankfurt am Main
Telefon: +49(0)69-40326292
E-Mail: info@hgfa.de
Web: https://www.hgfa.de/

Billboard
BTB - Vertrieb von Western Electric

Test: Dyrholm Audio Draco | Lautsprecher- und NF-Kabel

  1. 1 Dänische Drachen
  2. 2 Dyrholm Audio Draco: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Dyrholm Audio Draco

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: SME Model 15 Tonarm: SME 309 Tonabnehmer: MC: Denon DL-103R, Dynavector DV-20X2 H, Transrotor Figaro; MM: Shelter 201 Sonstiges: Flux-HiFi (Nadelreiniger), VPI HW-16.5 (Plattenwaschmaschine)

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Rockna Wavelight+ Musikserver: Antipodes K22 G4 Sonstiges: Pink Faun LAN Isolator

Vorstufen: Hochpegel: Electrocompaniet EC 4.8 MKII, Pass XP-12 Phonoverstärker: BMC Audio MCCI Signature ULN

Endstufen: Electrocompaniet AW 800 M, Pass X250.8 (Stereo)

Lautsprecher: Acapella High BassoNobile MK2

Kopfhörer: Audeze LCD-2, Beyerdynamic DT-990, Sennheiser HD 800 S, Sony MDR-1000X, Teufel Supreme In

All-In-One: Ruark Audio R4

Kabel: Lautsprecherkabel: Dyrholm Audio Phoenix, fis Audio Studioline NF-Kabel: Dyrholm Audio Phoenix XLR, Boaacoustic Blueberry Signal.xlr, fis Audio Livetime (Cinch), Vovox und andere Digitalkabel: Audioquest Cinnamon (Toslink), Audioquest Vodka 48 (HDMI/I2S), Boaacoustic Silver Digital Xeno (USB), fis Audio Magic (LAN-Kabel), Wireworld Series 7 Starlight Gold (S/PDIF koaxial) Netzkabel: fis Audio Blackmagic, fis Audio Studioline Netzleiste: fis Audio Blackmagic

Rack: Creaktiv Trend 3

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 40 m² Höhe: 2,45 m

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