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Dynaudio Xeo 2 – Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Dynaudio Xeo 2 – Klangeindruck

Als erstes wandern die auf die Desk-Stands montieren Xeo 2 auf den Schreibtisch, um in unmittelbaren Wettstreit mit meinen Genelec 8020B (um 800 Euro/Paar) zu treten. Als Quelle macht die meinem Rechner innewohnende EST-Juli@-Soundkarte den Anfang und liefert das optische Digitalsignal für die Dynaudios sowie das symmetrische Analogsignal für die Genelecs. Der erste Klangeindruck, den ich von den Xeo 2 gewinne, überrascht mich. Bisher hatte ich gedacht, dieses sehr nahe Hören, das wirkt, als säße ich in einer Art großem Kopfhörer, wäre prinzipiell der Hörsituation geschuldet. Wenn die Lautsprecher nicht mal einen Meter Abstand zu den Ohren haben, spielen Raumeinflüsse eine geringe Rolle und man hört einfach einen viel höheren Anteil Direktschall als bei einer raumgreifenden Aufstellung.

Dynaudio und Genelec am Schreibtisch ...
Dynaudio und Genelec als Schreibtischtäter …

Die Xeo 2 belehren mich aber, dass dieses sehr Direkte, Unmittelbare, das ich im Nahfeld gewohnt bin, zumindest teilweise auf das Konto der Genelec geht. Die Dynaudio Xeo 2 schaffen es dagegen, auch bei kurzen Hörabständen ein weiträumiges Klangbild aufzubauen, das eher so klingt, wie ich das bei der Aufstellung von Lautsprechern im Raum gewohnt bin. Tonale Unterschiede zwischen den Genelec und den Dynaudio machen sich zunächst im zurückhaltenderen Hochton der Xeo 2 bemerkbar. Die Dynaudio-Kalotte löst hervorragend auf und bietet viele Informationen, bleibt aber immer auf der angenehm-Lisa Wulff Quartetseidigen Seite und enthält sich jeglicher Härten. Da machen die Genelec-Monitore eine andere Ansage. Der Hochton kommt ungebremst, kristallklar, kann aber auch nervig werden. In dem Stück „A Fairytale“ des Lisa Wulff Quartets auf dem Album Encounters (auf Amazon anhören) bearbeitet der Schlagzeuger kräftig sein Blech. Das Ganze wirkt über die Genelec 8020 sehr energiereich, aber nicht langzeithörtauglich. Ganz anders die Xeo 2. Auch hier kann man die feinen Strukturen des Besens auf dem Blech hören, doch nimmt sich das Ganze zurück, wirkt elegant ins Gesamtgeschehen eingebunden. Hier sind die Däninnen auf jeden Fall die angenehmeren Zeitgenossinnen.

So nicht gehört, aber durchaus möglich: Die Xeo 2 mit Wandhalterung
So nicht gehört, aber durchaus möglich: die Xeo 2 an der Wand

Ulita Kraus (Album: The Moon on My Doorstep)Der Hochton wirkt sich deutlich auf die Stimmwiedergabe aus. Manche Stimmen, etwa die von Ulita Knaus (Album: The Moon on My Doorstep, auf Amazon anhören), klingen über die Dynaudio eingängiger, sonorer, wogegen die Genelecs sie fast schon sezieren. Lisa Bassenge/Canyon Songs (auf Amazon anhören) geht für meinen Geschmack überhaupt nur über die Dynaudio, was sicherlich daran liegt, dass sie im Bass/Grundton souveräner klingen und insgesamt einen Schuss Wärme mit ins Spiel bringen. Die tut dünneren Frauenstimmen gut – Gregory Porter dagegen macht Canyon Songs von Frau Bassengeüber die Genelecs mehr Spaß. Der Herr hat nun mal hinreichend Brustvolumen. Seine Stimme wirkt über die Genelec klarer. Das die Canyon Songs von Frau Bassenge über die Dynaudio Xeo 2 besser klingen, liegt wie gesagt auch daran, dass die Dynaudio im Bass einfach tiefer gehen und mehr Druck aufbauen als die Genelec das vermögen. Letztere spielen in den unteren Lagen einen Tick knackiger, streichen dafür aber deutlich eher die Segel. Auch scheinen sich die Xeo nach unten sanfter aus dem Geschehen auszublenden, Louise Golds „Terra Caprice“weshalb hier noch Töne anklingen, die die Genelec fast komplett abschneiden. Louise Golds „Terra Caprice“ auf dem gleichnamigen Album (auf Amazon anhören) klingt über die Dynaudio ganz anders als über die Genelec: Die Stimme wird ein wenig nach hinten gestellt, dem Bass mehr Volumen und Tiefgang verliehen – und siehe da, das Stück kommt nun wunderbar groovig rüber.

Wie schon angedeutet, offenbaren die beiden Lautsprecher auch in Sachen Räumlichkeit ziemlich unterschiedliche Charaktere. Das fängt damit an, dass die Genelec es kaum zulassen, dass ich den Kopf aus der Mitte zwischen den Lautsprechern herausbewege, denn sonst bröckelt die Abbildung. Halte ich den Kopf allerdings exakt im Zentrum des Stereodreiecks, belohnen diese Monitore das mit einer so was von präzisen Räumlichkeit, wie man sie wirklich selten hört. Die Dynaudio verhalten sich hier deutlich „freundlicher“: Auch wenn ich mich aus dem Zentrum zwischen den Lautsprechern wegbewege, halten sie immer noch eine geschlossene Abbildung aufrecht. Die ist zwar nicht so gestochen scharf wie über die Genelecs, dafür läuft sie aber auch weniger Gefahr, artifiziell rüberzukommen. Für viele dürfte die Raumdarstellung der Dynaudio Xeo 2 natürlicher wirken. Auch sie lassen mich nicht darüber im Unklaren, wo welcher Ton herkommt, wie groß der Aufnahmeraum ist und wie groß die jeweilige Schallquelle. Nur wirkt das alles nicht sooo messerscharf gezeichnet.

Rückseite der Xeo 2

Ok, fairerweise muss man sagen: Im Vergleich zwischen Dynaudio Xeo 2 und Genelec 8020B gibt es keinen wirklichen Gewinner, kein absolutes Besser oder Schlechter, sondern einfach nur ein Anders. Die Genelecs sind eben Monitor-Lautsprecher, die das Klanggeschehen sehr unmittelbar wiedergeben, damit man auch die kleinsten Fehler der Aufnahme heraushören kann. Das ist aber nicht das Hören, das man gemeinhin mit erholsamen Musikgenuss verbindet. Die Dynaudio Xeo 2 klingen dagegen wie HiFi-Boxen – was keineswegs despektierlich gemeint ist. Sie sind darauf getrimmt, Musik überzeugend zu vermitteln und nicht darauf, die Aufnahme zu analysieren. Wenn Sie meinen, ich hätte hier eh Äpfel mit Birnen verglichen – vielleicht. Nichtsdestotrotz finde ich es spannend, wie unterschiedlich Lautsprecherkonzepte klingen, selbst wenn sie sich technisch recht ähnlich sind.

Meine nächste Idee ist, die Lautsprecher an einer höherwertigen Digitalquelle zu vergleichen. Das scheitert aber an meiner Hardwareausstattung – oder an den Dynaudio, je nach dem wie man es nimmt. So ganz verstehe ich nicht, warum die Dänen den Xeo 2 nur einen optischen Digitaleingang gegönnt haben. Die Option, das S/PDIF-Signal auch elektrisch an die Xeo 2 übergeben zu können, hätte ich durchaus zu schätzen gewusst – dann hätte ich sie zum Beispiel an meinen Antelope Zodiac+ als Digitalquelle hängen können. Der Zodiak unterzieht die über USB ankommenden Daten vom Rechner erst mal einer aufwendigen Behandlung, bei der seine immer auf konstante Temperatur gehaltenen Quarze und ein Prozessor mit 64-Bit-Architektur eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Leider gibt er das so gepimpte Digitalsignal nur elektrisch via Cinch und AES/EBU raus. Schade das, denn ich hätte gerne mal gehört, wie die Unterschiede im Vergleich zur Soundkarte ausfallen.

Die Dynaudio Xeo 2 an der großen Anlage

So wandern die Dynaudio von meinem Schreibtisch auf die Lautsprecherständer. Die Desk-Stands kommen weg und die ursprünglichen Bodenplatten wieder drunter. Auch an meiner „großen“ Anlage kann ich die Xeos nur analog ansteuern – im ganzen System findet sich kein optischer Digitalausgang. Na gut, wenn analog, dann richtig. Also dürfen sich die Dynaudio zuerst an meinem Plattenspieler beziehungsweise dem Phonopre versuchen. Diana Kralls Vinyl Re-Issue Stepping Out Kralls Vinyl Re-Issue Stepping Out (auf Amazon anhören) landet auf dem Plattenteller – und ich staune. Obwohl die kleinen Boxen auf den Lautsprecherständern ein wenig verloren wirken, bauen sie ein raumfüllendes Klangpanorama auf. Das Musikgeschehen steht frei im Raum und scheint mit den kleinen Lautsprechern da vorne nichts zu tun zu haben. Ja, ich weiß, dass kleine Lautsprecher sich meist leichter tun, so frei zu klingen, schließlich stehen sie sich selbst, sprich dem von ihnen abgestrahlten Klang weniger im Weg als große Boxen das gemeinhin tun. Trotzdem ist der Effekt überraschend. Vor allem, weil ich zumindest bei übersichtlicher Besetzung und Zimmerlautstärke nichts vermisse.

Denn im Bass gehen die Xeo 2 erstaunlich tief hinunter – klar habe ich den Schalter auf der Rückseite vorher auf neutral gestellt, die Dynaudio Xeo 2 spielen also linear bis zu ihrer unteren Grenzfrequenz. Und die liegt, sicherlich nicht zuletzt dank entsprechender Nachhilfe durch die eingebaute Elektronik, überraschend niedrig. Das Piano von Frau Krall hat Körper, der Kontrabass Substanz. Natürlich habe ich das auch schon mächtiger, konturierter und knackiger gehört – etwa über die Nubert NuVero 140 mit je vier 18-Zentimeter-Tieftönern pro Box und einer Bauhöhe von rund 140 Zentimetern … klar geht das. Aber schauen wir uns die Zwerge mal an, die sich hier akustisch so souverän im Raum behaupten. Na, noch irgendwelche Fragen? Das ist ein erstaunlich abgeklärter Auftritt, der sich weiter nach oben fortsetzt. Stimmen geben die Xeo 2 auch bei freier Aufstellung differenziert und gerne ein kleines bisschen sonor wieder – aber wieso sollte sich der Klangcharakter im Vergleich zur Desktop-Aufstellung auch ändern? Das gilt auch für den Hochton.

Dynaudio Xeo 2

Im Vergleich zu größeren Lautsprechern – wir reden bei den Xeo 2 von einem Gehäusevolumen von etwa drei Litern – fehlt es ihnen am ehesten ein wenig an Durchsetzungskraft. Sie geben zwar alles wieder, was verlangt wird, doch ein wenig mehr Nachdruck könnten sie schon entwickeln. Das gilt besonders, wenn höhere Lautstärken gefordert sind und das musikalische Geschehen komplexer wird. Kann man Jazz oder Soul über die Xeo 2 noch gut in gehobener Zimmerlautstärke hören, wird das bei einem Symphonieorchester und dessen gewaltiger Dynamik schon schwierig. Liszt Preludes (Solti/Der Meisterdirigent) in angemessener Lautstärke überfordert die Dynaudio dann doch. Irgendwann kommen die Tieftöner in den kleinen Gehäusen dynamisch eben an ihre Grenzen, da hilft auch keine Elektronik mehr, und das Klangbild reißt auseinander. Klar, die Kalotte könnte deutlich mehr. Wenn die Xeos im Bass ein wenig Unterstützung durch eine Wand im Rücken oder eine Fläche unter sich haben, zum Beispiel, wenn sie auf einem Sideboard stehen, geht da noch mehr. Wenn der Bass per Schalter ein wenig zurückgenommen wird, weil eine oder mehrere Begrenzungsflächen den tiefen Frequenzen auf die Sprünge helfen und die Tiefmitteltöner entlastet werden, ist in Sachen Grobdynamik noch was drin. Doch, wie gesagt, ich halte es auf jeden Fall schon für erstaunlich, was die Kleinen so frei aufgestellt können.

Test: Dynaudio Xeo 2 | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

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