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Dynaudio Contour 60 im Hörtest

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Dynaudio Contour 60 im Hörtest

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Die für diesen Hörbericht zur Verfügung gestellten Dynaudio Contour 60 stehen allerdings in einem „Ivory Oak“ getauften, strukturierten Mattlack in Weiß im Hörraum. Schick sind sie allemal und fügen sich auch gut in meinen mittelgroßen Hörraum ein. Gefühlt sieht es sogar etwas luftiger aus als mit meinen Lansche Audio 3.1, die etwas weiter vorne im Raum stehen müssen und etwas „pummeligere“ Proportionen haben. Die Dynaudio Contour 60 wandern trotz ihrer üppigen Bassbestückung nach einigem Ausprobieren etwas näher an die rückwärtige Wand als die Lansche, stehen dabei genauso weit auseinander, aber weniger stark auf den Hörplatz eingewinkelt. Zum Ausgleich und um das beim ersten Testen ansatzweise entstehende Dröhnen im Oberbass zu vermeiden, bringe ich sie mit einem der beiliegenden Schaumstoffpfropfen im unteren der beiden Bassreflexrohre auf Kurs – passt!

Die Contour 60 besitzen übrigens die gleichen genialen Füße mit integrierten und von oben per Inbusschlüssel verstellbaren Spikes wie die Dynaudio Excite X38, die vor gut drei Jahren ein überzeugendes Debüt in meinem Hörzimmer ablieferten. Dass man die Lautsprecher auf Hartböden ohne Spikes aufstellen kann, finde ich extrem gut – ein kurzer Quercheck zum Betrieb mit herausgedrehten Spikes und den Linn Skeet darunter lässt auch keinen Zweifel an der klanglichen Eignung dieser alltagsgerechten Lösung aufkommen. Zudem die Erhöhung der Lautsprecher auch das Klangbild dieser Türme noch weiter nach oben verschiebt, was zumindest in meinem Raum nicht wirklich wünschenswert ist. Denn die virtuelle Bühne entsteht dank der in gut 1,2 Meter Höhe montierten Hochtöner sowieso schon deutlich weiter oben als ich das von meinen Lansche 3.1 kenne.

Praktisch: Bei der Contour 60 lässt sich der Spike von oben herausdrehen. Macht man das nicht, steht der Lautsprecher auf einer Hartgummisohle

Praktisch: Bei der Contour 60 lässt sich der Spike von oben herausdrehen. Macht man das nicht, steht der Lautsprecher auf einem Hartgummi-O-Ring

Das mag im ersten Moment irritieren, schlecht ist es aber auch nicht: Schließlich bildet diese Räumlichkeit sogar eher die Realität der Zuhörer-Musiker-Beziehung ab, in der man ja in der Mehrzahl der Fälle etwas unterhalb der Bühne sitzt. Und mit etwas mehr Hörabstand nivelliert es sich sicherlich auch – bei mir sind es knapp drei Meter, und das sollte dann auch die untere Grenze sein. Denn um ehrlich zu sein: Ich hatte vor dem ersten Hören schon ein wenig Angst, ob die Dynaudio Contour 60 in meinem 26 Quadratmeter großen Hörraum im Bass etwas zu viel des Guten bieten könnten oder aber das Klangbild mangels ausreichendem Hörabstand in seine den Chassis zugeordneten Frequenzanteile zerfallen könnte. Glücklicherweise ist aber beides nicht der Fall. Aber eins nach dem anderen …

Tonal ideal

Es freut mich immer wieder, wenn eine Komponente insbesondere im Bass „charakterlos“ agiert. Nein, nicht aus Lust an der Liederlichkeit, sondern weil gerade der Spaß am Bass durch einen vom Charakter des Geräts bestimmten „Sound“ in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die Dynaudio Contour 60 löst hier das Ehrlichkeitsversprechen ein, das die Marketingleute der Marke seit den 1980er Jahren eingebrannt haben: Egal, wie die tiefen Frequenzen sich in einem Musikstück ausprägen, die Dynaudio Contour 60 sind ehrlich und passen sich dem fast perfekt an.

BjorkVespertineIn Björks „Hidden Place“ (Album: Vespertine, auf Amazon anhören) kommt der Bass ziemlich füllig rüber, und man merkt, dass er elektronisch über Gebühr aufgeblasen wurde, ohne echte Substanz oder körperlich präzise gesetzten Druck in die Magengrube zu bieten. Die ebenfalls elektronisch erzeugten tiefen Töne auf Yellos „Toy“ dagegen schnalzen sehr knackig, präzise und ohne jede hohle Dröhnigkeit aus den Treibern – dabei, wohlgemerkt, noch druckvoller und physisch spürbarer als in „Hidden Place“. Während mich Björk gerade noch etwas an der Lautsprecher-Raum-Interaktion zweifeln ließ, habe ich nun das Gefühl, dass alles passt. Druck und Punch wirken natürlich und machen auch bei hohen Lautstärken Spaß. In Big & Richs „Safe a Horse, Ride a Cowboy“ schälen die Däninnen dann unbestechlich heraus, dass der Tonmeister der Aufnahme dem Tiefbass im Vergleich zum Grundton etwas den Vorzug gegeben hat. Auch der Bass in Brendan Perrys „Archangel“ (Album: Eye of the Hunter, auf Amazon anhören) grollt supertief und druckvoll, aber auch der Anschlagsimpuls des Bassisten gelingt den Dynaudios enorm präzise und ansatzlos anspringend. Das klingt entspannt, warm und bläht im Gegensatz zu Björk nie auf, sondern überzeugt mit greifbarer Substanz und erdiger Echtheit – die Bassqualität jeder von mir gehörten Aufnahme wird von den Dynaudio Contour 60 offensichtlich gnadenlos durchgereicht.

Brendan Perrys „Archangel“ (Album: Eye of the Hunter) Der sehr klar wiedergegebene Anschlagimpuls des Bassisten in „Archangel“ mit dem Geräusch der Saiten auf dem Griffbrett deutet schon auf eine exzellente Mitteltonwiedergabe hin, und das bestätigt sich mit  dem von mir gerne strapazierten „Danny Boy“ von Jacinthas (Album: Here’s to Ben): Die Auflösung im oberen Mittelton liegt trotz des deutlichen Preisabstands (ungefähr Faktor 2) durchaus auf dem Niveau der Lansche Audio 3.1. Die Stimme der Sängerin erscheint hochakkurat aufgefächert inklusive Artikulationsgeräuschen in einem sich insbesondere hinter der Lautsprecherebene aufbauenden Raum, der Nebengeräuschen und Hallanteilen viel Platz zur Entfaltung lässt. Tonal bewegen sich die Dynaudios dabei abermals auf absolut neutralem Niveau, weder nehme ich zu viel Brustton noch zu viel Glanz bei Sibilanten wahr.

Spike & Fuß in der Detailansicht

Spike & Fuß in der Detailansicht

Panoramablick: Raumdarstellung im Vergleich

Der virtuelle Raum, den die Dynaudios aufspannen, gerät tief und zieht keine offensichtlichen Begrenzungen in irgendeine Richtung ein. Allerdings marschiert die Contour 60 nicht auf den Hörplatz zu, sondern lässt das musikalische Geschehen ganz klassisch erst ab der Lautsprecherebene beginnen. Das hat, zumindest subjektiv für mich, Konsequenzen für die Wahrnehmung der Gesamtcharakteristik der Däninnen. Die Darstellung des Geschehens realisiert sich eher mittelbar und weniger anspringend-involvierend, als ich das mit den Lansche 3.1, aber auch von Lautsprechern wie den hORNS Mummy (um 5.500 Euro) oder den CSA Gaia 15 (um 7.850 Euro) erlebt habe – trotz der überlegenen Transparenz und Auflösungsfähigkeiten der Däninnen über das gesamte Frequenzspektrum hinweg. Subjektiv habe ich den Eindruck, eher „voyeuristisch“ auf die Bühne zu schauen als von den Lautsprechern in das Klanggeschehen „hineingezogen“ zu werden. Ein wenig ist das so, als bekäme man alle Informationen vom Sprecher der dänischen Nachrichten zur Verfügung gestellt: absolut korrekt, aber bar des Kommentars. So stelle ich mir jedenfalls den Sprecher der dänischen Nachrichten vor. Das ist im HiFi-Sinne der richtige Ansatz. Aber es gibt eben auch Hörer mit einer anderen klanglichen Präferenz, die sich bei der heißblütigen Nacherzählung der neuesten Geschehnisse durch eine italienische Mama besser aufgehoben fühlen, wenn Sie wissen, was ich meine. Es ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern eine des Geschmacks, welcher Art von Präsentation man den Vorzug gibt.

Die Dynaudio Contour 60 besitzt zwei Bassreflexöffnungen auf der Rückseite

Die Dynaudio Contour 60 besitzt zwei Bassreflexöffnungen auf der Rückseite

Sonnenstrahlen

Eine echte Sonnenseite der Dynaudio Contour 60 ist der sehr ausgewogene und unaufgeregte Hochton. Der schafft es nämlich, in Sachen Auflösung gefühlt (fast) auf dem sehr hohen Niveau der doppelt so teuren Lansche anzukommen, ohne dabei mit tonalen Überhöhungen zu tricksen. Zwar erreicht er nicht ganz die Sauberkeit und Klarheit der Corona-Plasmahochtöner (das zu erwarten wäre angesichts des Preisunterschieds auch vermessen), bezirzt mich aber mit einer lässigen und entspannten Gangart, die dem grundsätzlichen Naturell der Plasmatweeter näherkommt als andere High-End-Konzepte, seien es Titan-Inverskalotten oder Flächenstrahler. Im Vergleich zu preislich enger benachbarten Gattungsgenossen wie den mit einem JET-Hochtöner ausgestatteten Elac FS 509 VX-JET (um 10.000 Euro) kann ich (aus der Erinnerung) keine Einbußen bei der Auflösung konstatieren, dafür aber eben diesen etwas angenehmeren, zurückhaltenderen Charakter der Dynaudio, der sich für meinen Geschmack natürlicher in den Gesamtklang integriert. So funkeln Glöckchen und Cymbals in Björks „Pagan Poetry“ mit ausgesprochen fein ziselierten Obertönen und für einen konventionellen Treiber auch sehr schnell und trägheitslos anspringend frei im Raum, und das zugleich etwas entspannter und gefühlt sauberer als mit dem JET.

Behemoth auf dem Album EvangelionDass der Hochton der Dynaudio Contour 60 dennoch ein wenig präsenter rüberkommt als mit den Lansches, liegt wahrscheinlich auch an deren außerhalb der Achse mit zunehmender Frequenz recht deutlich im Pegel abfallenden Hochton. Die Contour 60 strahlen homogener ab (siehe Abstrahlverhalten), wie ich durch Bewegen auf der Basis und in der Höhe ohne Probleme feststellen kann – die tonale Balance bleibt fast überall im Raum annähernd gleich.

Die transparente, aber dennoch insgesamt angenehme Charakteristik der Dynaudio tut auch der Durchzeichnung und damit der Nachvollziehbarkeit von komplexem Musikmaterial wie dem extrem schnell gespielten und durchaus lauten Death Metal von Behemoth auf dem Album Evangelion (auf Amazon anhören) gut. Die Schnelligkeit der Signalverarbeitung erlaubt es mir, auch im dichtesten Klangdickicht allen Verästelungen des Musikmaterials zu folgen. Ich würde die Gangart der Dynaudios nicht unbedingt als „mit dem offenen Hemd spielend“ bezeichnen, sondern eher als distinguiert – doch ist sie auf eine voyeuristische Art spannend für den Hörer.

Feingeist

Al di Meolas „Morocco Fantasia“Angesichts der Bestückung im Bass und des Gehäusevolumens würde es sicherlich nicht überraschen, wenn grobdynamisch mit den Dynaudio Contour 60 in jeder Lebenslage die Fetzen flögen – allein, die sie zieht es vor, sich eher gesittet zu geben. Klar, genügend Leistungszufuhr und Abhörlautstärke vorausgesetzt, sind Trommelschläge und Orchestertutti auf Eiji Oues „Mephisto Waltz“ auch körperlich spürbar, doch habe ich das zum Beispiel von der Revel Performa F208 (um 6.900 Euro) sowie von der oben bereits erwähnten Elac FS 509 VX-JET noch etwas mächtiger und nachdrücklicher (oder nur effektvoller?) umgesetzt in Erinnerung, und auch meine Lansche 3.1 kickt gefühlt ein bisschen mehr „ass“. Feindynamisch geben sich die Däninnen allerdings als echte Genießer – es ist allererste Sahne, wie die Gitarrensaiten bei Al di Meolas „Morocco Fantasia“ (auf Amazon anhören) flirren und unglaublich feingliedrig abgestuft in immer neuen Nuancierungen aus dem Raum zwischen den Lautsprechern explodieren. Das ist klangliche Haute Cuisine, keine Hausmannskost.

Test: Dynaudio Contour 60 | Standlautsprecher

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