Inhaltsverzeichnis
Ich bin bekennender Fan der Gerätekategorie Budget-HiFi. Das heißt natürlich nicht, dass ich edles HiFi beziehungsweise kostspieliges High End nicht schätzen würde – aber gerade in Zeiten wie diesen finde ich es wichtig, dass der Wunsch nach hochwertiger Musikwiedergabe nicht gleich am Blick ins Portemonnaie scheitert. Was wiederum bedeutet, dass es neben dem teuren Zeug eben auch „Einstiegsdrogen“ geben muss, die selbst ein studentisches Budget nicht wesentlich belasten und trotzdem schon erahnen lassen, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen echtem HiFi und pappig klingendem Sparbrötchen ist. Außerdem müssen sich meiner Meinung nach Entwickler viel mehr anstrengen, wenn sie das Controlling im Nacken haben – und nicht nach dem Motto „Cost no object“ einfach aus dem Vollen schöpfen können.
Vorhang auf für die Kupid aus dem Hause Dali (www.dali-speakers.com). Mit einem Paarpreis von 338 Euro ist sie so scharf kalkuliert, dass sich fast automatisch die Frage aufdrängt: „Was geht für einen so schmalen Taler?” Haben wir hier eine auf Effekt gezüchtete „Spaßbox“ bar jeglicher highfideler Meriten – oder tatsächlich so etwas wie einen „richtigen“ Lautsprecher?

Spaßbox oder ernst gemeint? Die Dali Kupid ist jedenfalls sehr günstig gepreist – und kommt in interessanten Farbvarianten
Überraschung
Die erste Überraschung stellt sich ein, als ich das sauber gepackte Paket öffne. Darin befinden sich nicht nur die knuffigen und nicht mal drei Kilogramm schweren Lautsprecher, sondern als Zubehör auch magnetisch haftende Frontbespannungen, acht entkoppelnde Gummifüße für einen guten Stand – und sogar (einfache) Wandhalterungen. Alle Wetter! Es gibt nicht wenige Hersteller, die ihre Lautsprecher selbst in der vierstelligen Preisklasse noch mit steckbaren Frontbespannungen ausliefern und bei denen man Zubehör wie Wandhalterungen zu teilweise sportlichem Kurs nachkaufen muss. Hier macht Dali schon mal einen Punkt.
Das Erstaunen setzt sich bei der näheren Betrachtung meiner Probanden fort: Trotz Fertigung in China (anders geht es zu dem Preis nun wirklich nicht) ist die Verarbeitung der in Dänemark entwickelten Dali Kupid tadellos: Abgerundete Gehäusekanten, gen Null strebende Spaltmaße und eine abgesetzte Blende auf der Schallwand, die den Tiefmitteltöner kurvig und den Hochtöner viereckig umschließt, keine sichtbaren Schrauben – und auf der Rückseite ein erstaunlich solide anmutendes Single-Wiring-Anschlussterminal: Das dürfte Mitbewerber in dieser Preisklasse das Staunen lehren. Und es sieht nicht ansatzweise „billig“ aus.
Die kleine Dali Kupid ist überdies in zwei Holzdekors (Walnuss und Esche Schwarz) sowie drei Uni-Farben erhältlich. Mein Testkandidat kommt in der poetisch „Golden Yellow“ betitelten Farbgebung, mich erinnert sie indes eher an den Dotter eines Bio-Frühstückseis. Sieht aber gut aus, ich mag Gelb als Designfarbe – und freue mich deshalb jeden Morgen aufs Neue beim Anblick meiner quietschgelben MoccaMaster-Filterkaffeemaschine.
Konzept
Rein konzeptionell greift man bei Dali auf Bewährtes zurück. Die Kupid ist eine ganz klassische Zweiwege-Bassreflexbox. Den Tiefmittelton bespielt ein neu entwickelter 4½-Zoll-Treiber aus eigener Fertigung, dessen Membran aus einer Papier-Holzfaser-Mischung besteht. Dieses Material wird von Dali seit Jahren verwendet, weil es steif und gleichzeitig leicht ist, was sich in einer schnellen Ansprache und kontrollierten Wiedergabe bemerkbar machen soll. Eine verlustarme Gummisicke soll zudem dafür sorgen, dass die Membran auch bei geringen Pegeln präzise arbeitet – angetrieben wird sie von einem Motor mit Ferritmagnet. Für den Hochtonbereich kommt ein 26-Millimeter-Softdome-Tweeter zum Einsatz, ebenfalls eine Eigenentwicklung. Die Bassreflexabstimmung wiederum erfolgt – erstaunlich im Budget-Segment – über ein sogenanntes Dual-Flare-Portdesign, das an beiden Seiten wie ein Trichter geformt ist und damit Luftverwirbelungen reduzieren sowie Strömungsgeräusche minimieren soll.

Aufgeschnitten: Der Bick ins Innere der Dali Kupid offenbart unter anderem den Dual-Flare-Port, der Strömungsgeräusche des Bassreflexsystems minimieren möchte
Mit 83 dB/2,83V/1m ist die Dali Kupid nicht gerade eine genügsame Box. Der Hersteller empfiehlt eine Mindestverstärkerleistung von 40 Watt pro Kanal, das erscheint mir allerdings etwas übervorsichtig. Mit meinem Audio-Note-Cobra-Vollverstärker, dessen EL-34 pro Kanal 27 Watt herauslassen, harmonierte die Kupid jedenfalls bestens und ließ zu keiner Sekunde den Wunsch nach mehr Verstärker-Hubraum aufkommen. Doch ich greife vor, hören wir erstmal rein. Und zwar ganz normal im Hörraum auf Ständern, denn die Dali Kupid kann definitiv raumfüllend spielen – sicherlich funktioniert sie auch auf dem Sideboard, aber das wäre fast „Verschwendung“.
Dali Kupid: Hörtest und Vergleiche
Ich hatte mit Blick auf das Preisschild entweder effekthascherischen oder umgekehrt einen irgendwie blassen oder pappigen Sound erwartet. Pustekuchen, aber sowas von! Bei einer unteren Grenzfrequenz von 63 Hertz (-3 dB) gibt es natürlich keinen echten Tiefbass, wie man ihn von anderen Konzepten kennt, der Bass fadet ab etwa 80 Hertz recht schnell nach unten hin aus. Wenn Sie sich also in Spliffs „Carbonara“ die bauchig-fetten Bassfiguren als lustvolle Massage der Magengrube wünschen: schwierig. Aber: Durch einen klug gesetzten, sehr dezenten Oberbasshöcker ist es möglich, dass der grundsätzliche Charakter des Bassspiels erhalten bleibt und dass der Lautsprecher auch bei basslastiger Musik nicht gestresst aufspielt. So klingt zum Beispiel der (etwas weniger als bei Spliff betonte) E-Bass in Pete Dohertys „Far from the madding crowd” realistisch und natürlich.

Natürlich besitzt auch die Kupid einen Tiefmitteltöner mit einer Membran aus der für Dali typischen Papier-Holzfaser-Mischung
Mitten und Höhen erfreuen zudem durch eine kohärente Durchzeichnung, sodass man die diversen Schlagzeugbecken sehr gut ausdifferenziert wahrnehmen kann. Und das ohne erkennbare Näseleien oder Verfärbungen im Mittenband und bar jeder Körnigkeit in den Höhen. Nein, es ist genau anders: Die Mitten wirken farbstark und farbecht – und die Höhen angenehm unaufdringlich, ohne es an Detailreichtum fehlen zu lassen. Also kurz und knackig: Das hier ist ein ziemlich ausbalancierter Frequenzgang mit bauartbedingten Abstrichen an Saftigkeit und Autorität im (Tief-)Bass – und eher etwas milderen denn scharfen Höhen. Im Grunde verhält sich die Dali Kupid damit wie ein klassischer Nahfeldmonitor, jedoch eher im Harbeth- als im Genelec-Style: Den Finger in die Wunde legt sie nämlich nicht. Dass das in dieser erwachsenen und reifen Ausprägung für weniger als 350 Euro möglich ist, finde ich bemerkenswert.
Dynamik
Wenn wir auf die Dynamik blicken, ergibt sich ebenfalls ein angesichts der Preisklasse mehr als erfreuliches Bild: Die Kupid ist zwar keine gebürtige Grobdynamikerin (die stakkatoartigen Sequencer-Toms in Yellos „Daily Disco“ habe ich woanders schon maschinengewehrartiger gehört), aber sie ist ganz sicherlich auch kein Hinkefuß. Das ist grobdynamisch solide Kost, für die man sich auch eine Preisklasse drüber nicht schämen müsste. Feindynamisch beeindruckt die Dali Kupid allerdings noch mehr: Das Anblasgeräusch einer Oboe oder Klarinette – vom Einatmen des Bläsers über das erste Lippenschmatzen und das Rauschen und Sprötzeln bis zum ersten richtigen Ton – kann man hier erstaunlich unverstellt verfolgen, auch das hat Monitorqualität: Da „kommt“ nicht nur einfach ein Ton, sondern man kann seinem Entstehungsvorgang beiwohnen.
Raumdarstellung
Richtig klasse, wenn auch mit kleinen Abstrichen, wird’s bei der Bühne. Wenn es darum geht, aus extrakleinem Gehäuse eine sehr weitläufige Bühne mit stupender Ablösung des Klangs von den Boxen zu erzielen, dann fällt mir normalerweise immer als erstes die P3ESR XD von Harbeth als Lehrmeisterin ein, die allerdings zum fast zehnfachen Kurs gegenüber der Kupid gehandelt wird (und nebenher nochmal ein anderer Schnack in Sachen Materialqualität beim Gehäuse ist). Doch ganz ehrlich: Die Dänin kommt wirklich gefährlich nah an diesen speziellen und immersiven Sound heran. Wenn die Abmischung es hergibt, erscheinen Klänge auch schon mal deutlich links und rechts der Lautsprecher – und in den Sound eines sauber mit Stereomikrofonie abgenommenen Konzertflügels kann man sich mit der Dali Kupid so richtig reinlegen.
Was die ungleich teurere Harbeth hingegen noch besser macht als die Kupid: Bei ihr wirkt die Verteilung der Schallquellen über die gesamte horizontale Strecke gleichmäßig und maßstabsgetreu. Bei der Kupid erscheint es mir so, dass es im Oval um die Stereomitte herum ein bisschen enger gefasst zugeht, die Klangquellen also ein Stück zusammenrücken. Je mehr es an den linken beziehungsweise rechten Rand der Darbietung geht, desto mehr Luft und Raum bleiben zwischen den Schallquellen. Was aber für ein involvierendes und dreidimensionales Klangbild sorgt, da verzeiht man am Ende auch, dass es weiter in der Mitte etwas weniger präzise zugeht. Und auch, dass die gefühlte Bühnentiefe nicht so weit geht wie die Breite. Was jedoch Meckern auf allerhöchstem Niveau ist, denn die räumliche Sogwirkung, die von diesen kleinen Lautsprechern ausgeht, ist schon sehr beeindruckend.
Grenzen und Binsen
Sie werden vielleicht langsam unruhig: Hat der Reinecke zu tief am Rotwein genippt oder warum lobt er bisher fast alles über den grünen Klee? Ergibt HiFi über 400 Euro nun gar keinen Sinn mehr? Kann die Dali Kupid alles? Nein, so ist es auch nicht. Was natürlich nicht geht, ist massive und hochkonturierte Tieftonmassage. Aber grundsätzlich kann sich die Kupid in puncto Bass in der Preisklasse messen: Weniger als eine Teufel Ultima 20 (250 Euro) schiebt sie nicht in den Raum – und wer bei kleinem Gehäuse und Budget mehr Pfund untenrum haben möchte, der muss mindestens 200 Euro drauflegen und bekommt dann zum Beispiel bei der Nubert nuBoxx B-40 das Gewünschte – dafür jedoch einen weniger fein-seidigen Hochton und auch einen deutlich teutonischeren Look.
Natürlich geht auch in Sachen Grobdynamik, Pegelfestigkeit, Klangfarbenpalette, stereofoner Präzision, Kontrast zwischen Gehörtem und „schwarzem Hintergrund“ noch einiges mehr – wenn Sie denn mehr Geldscheine aus dem Portemonnaie ziehen. Und für Räume ab 18-20 Quadratmeter aufwärts hat die kleine Kupid, je nach Pegelbedürfnis, nicht genug Autorität. Aber, und es ist ein riesengroßes Aber: Das sind Binsen, das können Sie sich alles selbst denken. Was bleibt, sind nahezu Allrounderqualitäten zum fast schon unerhört niedrigen Kurs.
Tatsächlich ist die Dali Kupid so gut, dass Sie sie bedenkenlos mit hochwertigerem Equipment paaren können, als man spontan annehmen würde. Wenn Sie die Kupid in der Kette haben, eine Steuerrückzahlung von – sagen wir – 800-1000 Euro bekommen und die in ihre Anlage investieren möchten, dann könnte es jedenfalls sinnvoller sein, mehr Geld in den Amp zu investieren als vorschnell diesen Lautsprecher auszutauschen.
Testfazit: Dali Kupid
Um zur Eingangsfrage („Was geht?“) zurückzukommen: Es geht unfassbar viel angesichts dieses Preises. Ja, ich würde mich glatt dazu versteigen, die Dali Kupid bis auf Weiteres als meine persönliche neue Preisklassenreferenz zu adeln. Zugleich ist sie auch eine kleine Kampfansage an die Mitbewerber im Segment. Denn: Diese kleine Box macht weder optisch noch akustisch den Eindruck von Budget-HiFi. Nichts an ihr wirkt billig, „shabby“ oder kompromissbehaftet.

Fast ein Allrounder: Was die Dali Kupid nicht vermag, ist dem Konzept geschuldet – doch beim Rest liefert sie deutlich mehr, als das Preisschild erwarten lässt
Die Dänen haben das geschickt gelöst: Sie heben nicht einige wenige Einzeldisziplinen (Auflösung, Dynamik, Bühne) auf den Thron und lassen andere bewusst „absaufen“ – vielmehr bekommt man in allen relevanten audiophilen Kriterien ein Niveau serviert, das preisklassenbezogen stets merklich, teils sogar erheblich über dem Mittelmaß liegt. Wobei ich „Mittelmaß“ hier nicht als abwertenden Begriff sehe, sondern als „Urmeter“ oder „Normal-Null“.
Die wichtigsten Meriten der Dali Kupid sind ihre kohärente, transparente und saubere Darstellung, die sich jeder billigen Effekthascherei verschließt (vom kleinen Oberbasshöcker abgesehen), ihre immersive Räumlichkeit – und ihre sehr langzeittaugliche Durchhörbarkeit, die sich aus dem balancierten Frequenzgang mit jeglicher Schärfe abholden, leicht milden Höhen ergibt. Das alles, ohne Details unter den Tisch fallen oder den Lautsprecher dynamisch „mit angezogener Handbremse“ fahren zu lassen.
Klar ist natürlich: Wer auf richtig Pegel und „Autorität“ Wert legt und eine pfeilschnelle Herangehensweise mit heftiger Grobdynamik und einem amtlichen Tieftonwumms braucht, der wird sich sicherlich woanders umsehen (und mehr zahlen müssen). Trotzdem: Das hier ist erwachsenes HiFi zum schlanken Preis und eine im Wortsinne reife Qualität, die man wohl nur dann erzielen kann, wenn man vorher jahrzehntelang Erfahrung im Design von Lautsprechern sammeln konnte. Mag das Budget auch erstsemestertauglich sein, abgeliefert wird „magna cum laude“. Für mich ist die Dali Kupid schon jetzt ein moderner Klassiker, dessen bunte Farbtupfer man bestimmt schon bald in vielen Hörräumen sieht.
Fakten:
- Produkt: Dali Kupid
- Kategorie: passiver Zweiwege-Kompaktlautsprecher mit Bassreflexsystem
- Preis: 338 Euro
- Nennimpedanz: 4 Ohm
- Wirkungsgrad 83 dB/2,83 V/1 m
- Maße & Gewicht: 140 x 195 x 237 mm (BxTxH), 2,9 kg/Stück
- Farben: Esche Schwarz, Walnuss, Caramel White, Chilly Blue, Golden Yellow
- Sonstiges: magnetisch haftende Frontbespannung, Wandhalterung und Gummifüße zur Entkopplung
- Garantie: 2 Jahre
- Weitere Informationen auf der Produktseite des Herstellers
Vertrieb:
Dali GmbH
Berliner Ring 89 | 64625 Bensheim
Telefon: +49 (0)6251-8079010
E-Mail: kontakt@dali-speakers.de
Web: https://www.dali-speakers.de
Test: Dali Kupid | Kompaktlautsprecher









