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Mitte der 1980er Jahre gab es in der HiFi-Branche eine kleine Revolution. Aus dem Vereinigten Königreich stürmten Verstärker die Hitlisten der damaligen Audio-Magazine, die das krasse Gegenteil der japanischen Vollverstärker-Schlachtschiffe waren, die bis dahin den Markt beherrschten. Eine der Speerspitzen dieser Revolution: Der Mission Cyrus One, als dessen legitimer Nachfahre der hier zum Test anstehende Cyrus 40 AMP (4.795 Euro; Vertrieb: https://tad-audiovertrieb.de/) samt optionalem Netzteil Cyrus 40 PSU (2.995 Euro) gelten darf.
Anfang der 1980er Jahre überboten sich Marken wie Yamaha, Onkyo, Denon, Sansui, Pioneer gegenseitig in Watt, Eingängen, Klangreglern, Tape-Schleifen, Phono-Optionen und weiteren Features. Dann kamen aus UK auf einmal eine Anzahl kleiner, optisch wenig repräsentativer Geräte auf den Markt, die hauptsächlich wenig Leistung, einen Netzschalter, einen Eingangswahlschalter und einen Lautstärkeregler boten. Neben dem Mission Cyrus One sind hier vor allem der Musical Fidelity A1 und der Naim Nait zu nennen.
Diese Verstärker galten in ihrer Zeit als klanglich herausragend, machten häufig jedoch neben ihrer spärlichen, auf das Notwendigste reduzierten Ausstattung durch sehr spezielle „Features“ Furore: So gab es meist keine Einschaltverzögerung, die das Knacken beim Anschalten unterdrückt, überhaupt galten Schutzschaltungen als klangschädigend und der ein oder andere Musical Fidelity A1, der mit einer reinen, viel Abwärme produzierenden Class-A-Schaltung arbeitete, soll nach dem Ausschwitzen seiner zwischen Leitungstransistoren und Kühlkörper aufgetragenen Kühlpaste den Hitzetod gestorben sein.

Der Vollverstärker Cyrus 40 AMP geht als legitimer Nachfahre des Mission Cyrus One durch, der vor gut vierzig Jahren für Furore sorgte
Das alles ist Geschichte. Der Cyrus 40 AMP wird aber immer noch – mit Unterstützung des Elektronik-Herstellers SMS Electronics – in England gefertigt und besitzt weiterhin ein Gehäuse, das mit einer Breite von 220 Millimetern halb so breit ist wie das gängige Rackmaß. Die wackeligen Drehregler und das dünne Blechgehäuse, dessen Nextel-Beschichtung sich nach einigen Jahren zu lösen begann, sind inzwischen allerdings genauso Geschichte wie die spärliche Ausstattung.
Bevor wir uns den Cyrus 40 AMP und das Netzteil Cyrus 40 PSU genauer angucken, noch ein paar Worte über die heutige Situation der Marken Cyrus und Mission. Cyrus war ursprünglich ein Markenname der Firma Mission Electronics. Mission wurde 1977 gegründet und stellte zunächst vor allem Lautsprecher her. Die seit 1984 von Mission produzierten Elektronikgeräte wurden unter dem Namen Mission Cyrus verkauft. Seit 2005 ist Cyrus ein eigenständiges englisches Unternehmen mit Sitz in Huntingdon. Mission gehört dagegen inzwischen zur chinesischen International Audio Group (IAG), die auch einen Sitz in Huntingdon hat.
Die 40er-Serie
Die 40er-Serie ist aktuell die Top-Linie von Cyrus. Neben dem 40 AMP und 40 PSU gehören noch der Streamer Cyrus 40 ST, das CD-Laufwerk 40 CD und die Phonostufe 40 PPA zur Familie. Alternativ gibt es die etwas günstigeren Geräte der Classic-Serie (zur Orientierung: der Classic AMP liegt bei 2.395 Euro). Auf der diesjährigen High End hat Cyrus darüber hinaus erste Komponenten einer 80er-Serie vorgestellt, die zum ersten Mal in der Firmengeschichte Komponenten im Vollformat mit einer Breite von 44 Zentimetern bietet.
Leuchtendes Understatement
Doch zurück zu unseren Testgeräten. Die identischen Alu-Gehäuse von Cyrus 40 AMP und 40 PSU sehen schick aus und wirken hochwertig. Dass die großzügig abgerundeten Gehäusekanten den Eindruck erwecken, die Geräte seien wahre Handschmeichler, wird von den scharfen Kanten der Kühlrippen und der unten in die Gehäuse eingefrästen Lüftungsschlitze allerdings konterkariert.

Lightshow – Der Cyrus 40 AMP erstrahlt, wenn man ihn bedient. Nach kurzer Zeit schaltet er die Beleuchtung aber wieder ab und gibt sich dann ganz dezent
Extrem schick wirken die Fronten aus gehärtetem Glas. Beim 40 AMP ragt aus der Front noch der Lautstärkeregler hervor. Die restlichen „Tasten“ – zur Eingangswahl, zum Regeln der Balance und zum Muten der Wiedergabe – sind Sensorflächen, die erst sichtbar werden, wenn man das Gerät durch berühren des im Standby rot leuchtenden Cyrus-Schriftzugs zum Leben erweckt. Dann strahlt auch das mittig auf der Front positionierte Fünf-Zoll-TFT-Display auf und der Lautstärkeregler wird durch einen weißen Ring illuminiert. Wer jetzt denkt, das sei zu viel Chichi, hat nicht mit dem typisch britischen Understatement gerechnet. Nach ein paar Augenblicken schaltet der Cyrus 40 AMP die Festbeleuchtung wieder ab und einzig der nun weiß leuchtende Cyrus-Schriftzug verrät, dass das Gerät in Betrieb ist.
Etwas kurios
Über die Verstärkerschaltung an sich verrät der deutsche Cyrus-Vertrieb TAD nur so viel, als dass die minimalistisch ausgelegte Class-AB-Schaltung des ursprünglichen Mission Cyrus One beibehalten wurde. Ja, wo möglich wurden modernere und langlebigere Bauteile eingesetzt, aber das ursprüngliche Konzept mit einem schnörkellosen, schnellen Schaltungsdesign wurde nicht angetastet. Mit dem eingebauten Schaltnetzteil ist das für zweimal 100 Watt an sechs Ohm gut. Besorgt das externe Netzteil Cyrus 40 PSU die Stromversorgung, steigt die Leistung leicht auf zweimal 113 Watt.
Etwas kurios: Zum Anschluss der Lautsprecher empfiehlt Cyrus keine einzelnen Bananas, sondern die vor allem in den USA beliebten Dual-Banana-Plugs (Bananendoppelstecker), bei denen die Bananastecker für Plus und Minus in einem festen Abstand von 19 Millimetern in einem Gehäuse sitzen. Das hat den großen Vorteil, dass sich die beiden Stecker nicht berühren und somit keinen Kurzschluss verursachen können. Beim ursprünglichen Konzept aus den 1980er Jahren galten Sicherheitsschaltungen als klangverschlechternd – ich vermute, Cyrus ist auch dieser Ansicht treu geblieben. Dafür sprechen jedenfalls die leichten Einschaltgeräusche, die vor allem in Verbindung mit der PSU zu hören sind. Egal, ich verspreche, aufzupassen.

Mit Kabelschuh oder pure Litze kommt man beim Cyrus 40 AMP nicht weiter, er verlangt nach Bananasteckern zum Anschluss der Lautsprecherkabel
Einen deutlichen Fortschritt soll das neue Gehäuse nicht nur hinsichtlich des Aussehens, sondern auch in Sachen Kühlung bringen. Hinter nicht mehr ganz vorgehaltener Hand raunt mir der Servicetechniker von TAD zu, dass die alten Modelle im Dauerbetrieb hier und da thermische Probleme bekommen hätten. Dies sei jetzt definitiv Vergangenheit.
Schnittstellen
Der Cyrus 40 AMP besitzt einen Phono-MM-Input sowie je vier analoge und digitale Eingänge – zweimal S/PDIF Cinch, einmal Toslink und einmal USB-B. Das ist schon mal eine Ansage. Damit ist klar, dass der 40 AMP auch über einen eingebauten DAC verfügt. Hinzu gesellt sich noch ein HDMI-eARC-Eingang, der es ermöglicht, Fernsehton zu verstärken und die Lautstärke dabei über die Fernbedienung des Quellgeräts, also meist über die des Fernsehers, zu regeln.
Auch an Ausgängen bietet der Cyrus 40 AMP so gut wie alles, was man sich von einem modernen Vollverstärker wünschen kann. Neben den Lautsprecheranschlüssen gibt es einen Line-Ausgang mit fixem Pegel, einen Vorverstärker-Ausgang mit variablem Pegel und einen natürlich ebenfalls geregelten Kopfhöreranschuss auf der Front. Die 3,5-mm-Klinkenbuchse für den Kopfhörer finde ich einerseits gut – haben doch mittlerweile die meisten Kopfhörer von Hause aus einen entsprechenden Anschluss. Andererseits bin ich ein bisschen bange. Wenn da ein längeres Kopfhörerkabel dran zerrt, was bei einem Kopfhörer an einem stationären Amp ja durchaus der Fall sein kann, ist das große 6,3-Millimeter-Format mechanisch halt doch stabiler. Auf der Rückseite finden sich ansonsten noch der Netzanschluss, ein RJ45- und ein USB-A-Anschluss für Servicezwecke sowie ein Multi-Pin-Stecker zum Anschluss des optionalen externen Netzteils. Die Rückseite ist damit prall gefüllt.
DAC, Bedienung, PSU
Beim eingebauten DAC kommt ein ESS Sabre ES9039Q2M zum Einsatz. Das ist ein sehr anständiger DAC-Chip, den man allerdings nicht mit dem ES9039PRO verwechseln darf. Der ES9039Q2M ist ein reiner Zwei-Kanal-Chip, der alle aktuellen Technologien von ESS Sabre bietet und im Cyrus 40 AMP per USB für bis zu 32 Bit/384 kHz und DSD256 gut ist – der ES9039PRO ist dagegen das aktuelle ESS-Flaggschiff mit acht Kanälen.
Mithilfe der beiliegenden Fernbedienung in Verbindung mit dem Display lassen sich viele Parameter des Cyrus 40 AMP steuern und regeln. Etwa die Lautstärke der einzelnen Eingänge, Balance, das Verhalten (auto off) und die Helligkeit der Beleuchtung und des Displays, das Digitalfilter, mit dem der DAC arbeitet, und einiges mehr.
Deutlich weniger gibt es über das Cyrus 40 PSU zu berichten, das im gleichen schicken Gehäuse mit Glasfront sitzt. Wird das 40 PSU an den 40 AMP angeschlossen, versorgt es die Vor- und Endverstärker-Sektion, das interne Netzteil des 40 AMP kümmert sich dann ausschließlich um den D/A-Wandler. Beide Geräte benötigen also weiterhin einen Netzanschluss.
Cyrus 40 AMP: Hörtest und Vergleiche
Im Hörtest gibt es viel zu tun – der Cyrus AMP 40 will ohne und mit 40 PSU gehört werden, und was der eingebaute DAC klanglich zu bieten hat, interessiert mich natürlich auch. Fangen wir an!
Das Solo
Als erstes darf der Cyrus 40 AMP ein Solo geben. Will sagen, ohne 40 PSU füttere ich ihn unmittelbar per USB mit Musikdaten aus meinem Antipodes S40. Da sie gerade im Raum stehen, verwandeln meine Harbeth P3ESR XD den Strom, den der 40 AMP liefert, in Schall. Lassen wir den Antipodes-Streamer einmal außen vor, dann spielt hier eine piekfeine britische Minimal-Kette. Und das Ganze klingt vom Fleck weg überzeugend.
Tonal gibt sich der Cyrus 40 AMP ziemlich neutral. Keine Spur von einem wie auch immer zu definierenden „englischen“ Klang. Zum Tiefbass kann ich wegen der Harbeth nicht wirklich etwas sagen, den gibt es bei den kleinen Lautsprechern schlicht nicht. Im Hochton herrscht eine dezente „Milde“, auch das ist tendenziell eher den Harbeth anzurechnen. Der Cyrus bring auf jeden Fall die enorm feingezeichneten Mitten der englischen Monitorlautsprecher zur Geltung sowie eine Fülle an Details, die musikalisch immer perfekt eingebunden bleiben. Sehr schön kommt das beim Chor der „Petite Messe Solenelle“ von Rossini zur Geltung (Rossini: Petite Messe Solenelle, RIAS-Kammerchor, Marcus Creed). Ich hatte kürzlich das Vergnügen, dieses „kleine“ Alterswerk Rossinis live in einer Kirche zu hören. Obwohl ich sonst kein großer Anhänger sakraler Musik bin, gefällt mir diese Messe sehr. Vielleicht einfach, weil ich die Widmung so mag, die Rossini seiner Messe mitgegeben hat:
„Lieber Gott. Hier ist sie, die arme kleine Messe. Habe ich nun wirklich heilige Musik (musique sacrée) gemacht, oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Falls Sie ihn suchen sollten: Der Cyrus 40 AMP befindet sich oben-rechts, neben dem Vollverstärker-Dickschiff namens Audio Analogue ABsolute
Der Wechsel auf meine großen Divine Acoustics Bellatrix bringt vor allem im Bass zwei Oktaven mehr Tiefgang. Das kommt der Messe, besonders aber den beiden Pianos, deutlich zugute, auch wenn ganz untenrum schon noch mehr Differenzierung möglich ist. Was mir im Zusammenspiel mit dem Cyrus 40 AMP ein bisschen fehlt, ist die räumliche Tiefendimension der Aufnahme. Während der Chor in der Breite sauber dargestellt wird, gibt es in Sachen Tiefenstaffelung noch etwas Luft nach hinten.
Duo mit „Fremd-DAC“
Mein Ideon EOS DAC bringt diese Tiefe ins Spiel. Und nicht nur das. Das ganze Klangbild wird, wenn der griechische Ausnahme-DAC den britischen 40 AMP füttert, viel plastischer, konkreter und dreidimensionaler. Auf einmal ist die überragende Akustik der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem erfahrbar, ich höre keine Musik mehr, ich werde förmlich in die Aufnahme hineingebeamt. So kenne ich das auch von meiner Kombination aus Ideon EOS DAC und Audio Analogue ABsolute (24.100 Euro).
In Sachen Feindynamik und Spielfreude zeigt der Cyrus AMP 40 nun seine vollen Talente, und die sind beachtlich. Das ganze Klangbild wirkt selbstverständlich, natürlich, jeder Ton souverän – der Hintergrund ist „schwarz“. Ich bin definitiv beeindruckt, zu welchen klanglichen Höhenfügen sich der schicke kleine Verstärker mit einer hochwertigen Quelle aufschwingt. Die Musik hat einen tollen Grip.
Auch bei komplexem Klanggeschehen behält der Cyrus den Überblick und trennt Instrumente und Melodielinien sauber. Das Schöne ist, dass das Ganze trotzdem nicht analytisch klingt, denn das englische Duo schafft es, so involvierend zu spielen, dass ich gar keine Lust habe, das was ich höre intellektuell aufzudröseln. Aber ja, wenn man es unbedingt möchte – und es gibt definitiv Musik, die sich eher über den Intellekt vermittelt – kann man über den Cyrus 40 AMP auch „mit dem Kopf“ hören. Coltrane oder Monk machen richtig Spaß. Doch selbst algorithmisch erzeugten Klanglandschaften von Autechre, nehmen wir das Album Plus, saugen mich eher in das Geschehen hinein als dass ich versuche, die abstrakte Sprache, als die Rob Brown and Sean Booth die Musik gerne sehen, zu entschlüsseln.
Der Ideon EOS bleibt also dran und ich höre mich ein paar Tage durchs Programm. Und bin begeistert. Die stabile räumliche Abbildung und die involvierende Art der Wiedergabe gelingt dem Cyrus 40 AMP bei jedem Album, wobei er den Geist der Aufnahme jeweils wahrt. Ich habe den Eindruck, dass ich den EOS DAC „pur“ höre, dessen Charakter – enorm plastische Wiedergabe, eine etwas größere Abbildung und ausgewogene Dynamik bei extrem guter Auflösung – ich über alles schätze. Egal ob Klassik, Pop, Rock oder Jazz, der Cyrus bringt diese Qualitäten auf den Punkt rüber. Was der kleine Engländer liefert, ist sehr sauber und detailliert, sodass auch die vielen Mikroinformationen, die etwas über das Publikum, die Instrumente oder die Interaktion zwischen den Musikern verraten, rüberkommen.
Wenn ich im Vergleich zu meinem fünfmal (!) so teuren Audio Analogue ABsolute etwas zu bekritteln habe, ist es, dass der Cyrus 40 AMP nicht mit dem wunderbar differenzierten Bass des italienischen Verstärkerbrockens mithalten kann – wie auch? Das in den tiefen Frequenzen noch einiges an Differenzierung, Schwärze und Wucht möglich ist, zeigt der ABsolute sehr deutlich auf.
Hörtest Cyrus 40 AMP + 40 PSU
Das ist vermutlich der richtige Zeitpunkt, die Cyrus 40 PSU ins Spiel zu bringen. Die PSU übernimmt die Stromversorgung des Verstärker-Parts im Cyrus 40 AMP, das eingebaute Netzteil des AMP steht dann, wie erwähnt, allein dem DAC zur Verfügung.
Was die Cyrus 40 PSU bewirkt, ist genau das, was ich mir von einem potenteren Netzteil erhoffe: mehr Souveränität und Struktur, vor allem im Bass. Mit PSU wird aus dem 40 AMP zwar kein grundlegend anderer, aber ein nochmal besserer Verstärker.
Vor allem im Tiefton kommt jetzt genau die „dynamische Kontrolle“ ins Spiel, die meiner Meinung nach einen wirklich guten Bassbereich auszeichnet. Der Bass läuft weder unkontrolliert aus dem Ruder noch klingt er vor lauter Kontrolle eingeengt. Der Cyrus 40 AMP mit PSU legt nun auch in den Tiefen ein überdurchschnittliches Differenzierungsvermögen an den Tag, folgt den unterschiedlichen Einschwingprozessen verschiedener Instrumente klar und zeigt Qualitäten, über die wir bei vielen ähnlich gepreisten Geräten gar nicht diskutieren können, weil sie so überhaupt nicht vorhanden sind. Ich möchte fast so weit gehen und den Moon 641 North Collection (12.500 Euro) zum Vergleich heranziehen, der für mich in dieser Hinsicht Maßstäbe gesetzt hat. Cyrus 40 AMP + 40 PSU liegen zwar nicht gleich auf, kommen aber nah heran.
Nehmen wir das Album Covered: Recorded Live at Capitol Studios des Robert Glasper Trios. Beim Stück „Stella By Starlight“ darf sich Bassist Vicente Archer so richtig austoben, flankiert und akzentuiert durch Schlagzeuger Daimon Reid. Dem Duo Cyrus 40 AMP + 40 PSU gelingt es perfekt, das Zusammenspiel der sehr tiefen, tendenziell eher etwas weicheren Impulse des Basses und der härteren Schlagzeugattacken darzustellen. Und zwar völlig natürlich und souverän.
Lizz Wright mit „Bareley“, auf dem Album Grace, ziehe ich gerne heran, um Stimmen zu testen. Noch mehr als die stimmliche Performance des Cyrus 40 AMP samt 40 PSU beeindrucken mich in diesem Fall die substanziellen Drum-Schläge, mit denen Jay Bellerose einzelne Partien des Songs sehr nachdrücklich untermauert. Die kommen auf den Punkt rüber, wuchtig, gleichzeitig weich, man kann das Fell der Trommel nachschwingen kören, der Druck ist beeindruckend. Die Töne entfalten sich wie bei einem guten Wein, der mit einem einzigen Schluck seine ganze Aromatik offenbart.
Wobei Cyrus 40 AMP und 40 PSU hohen Genuss bei „klarem Kopf“ bieten. Ich meine damit, dass sie die Musik nicht schönen oder anreichern. Nehmen wir als Gegenbeispiel den Klang eines Röhren-Amps. In einer halbwegs vergleichbaren Preisklasse wie 40 AMP und PSU zusammen liegt der Manley Laboratories Stingray II (okay, mit 9.950 Euro gut 25 % teurer). Der spielt für einen Röhren-Verstärker zwar vergleichsweise neutral, bietet aber trotzdem mehr Schmelz (= etwas Grundtonwärme und eine Priese harmonischer Oberwellen, vulgo Klirr) und lässt im Bass die Zügel etwas lockerer. Und schon wirken Stimmen noch eindringlicher, man kann sich in sanften Basswogen aalen und fühlt sich regelrecht „berauscht“. Hinzu kommt, dass der Manley die Mitten etwas feiner auflöst und smoother klingt. Ja, das macht sehr viel Spaß, ist aber eben eine andre Klangphilosophie als sie der Cyrus vertritt, bei dem im Vergleich eine gewisse Nüchternheit vorherrscht. Diese Nüchternheit macht auf dem Niveau, die die Cyrus-Kombi bietet, aber locker genauso viel Laune.
In der Summe der Eigenschaften sehe ich den Cyrus 40 AMP zusammen mit dem 40 PSU durchaus in etwa auf dem Niveau meines Audio Analogue ABsolute – wenn er im Class-AB-Betrieb arbeitet. Der dicke italienische Brummer erlaubt wahlweise auch den Class-A-Modus, und dann erreicht der ABsolute ein Niveau an Geschmeidigkeit und Verbindlichkeit, die 40 AMP + 40 PSU dann doch nicht erreichen. Wobei ich die im Vergleich etwas weniger geschmeidige Class-AB-Gangart des Audio Analogue bei mancher Musik sogar mehr schätze. Und genau diesen sehr ehrlich rüberkommenden Charakter bietet die im Vergleich regelrecht günstige Kombination aus Cyrus 40 AMP und 40 PSU auf einem ähnlichen Niveau.
Test: Cyrus 40 AMP & Cyrus 40 PSU | Streaming-Verstärker








