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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Easy Entry
  2. 2 Clearaudio Compass: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Clearaudio Compass

Als der fränkische Analogspezialist Clearaudio (Web: https://clearaudio.de/) vor rund 15 Jahren sein Concept-Konzept vorstellte, setzte der elegante Dreher gleich zwei Meilensteine: Zum einen war er der bislang günstigste spielfertige Clearaudio-Plattenspieler. Zum anderen war er als erstes Produkt des Herstellers so weit vormontiert, dass er selbst von Laien in wenigen Minuten in Betrieb genommen werden konnte. Der neue Clearaudio Compass (Preis: 1.290 Euro) treibt ab sofort beides auf die Spitze.

Der nach wie vor angebotene und von uns schon in zwei Varianten getestete Concept (siehe hier und hier) ist inzwischen in etwas höhere Preisregionen entfleucht, sodass die Franken um die Geschwister Veronika und Robert Suchy die Zeit für ein neues Einstiegsmodell gekommen sahen. Und das musste schon etwas bieten, denn die anvisierte Preisklasse bis 1.500 Euro ist hart umkämpft – da tummeln sich namhafte Wettbewerber. Um als „der Clearaudio im Haifischbecken“ wahrgenommen zu werden, galt es, die traditionellen Tugenden der Marke so geschickt zu kombinieren, dass sie preisbewusste Käufer ansprechen, ohne den Markenkern zu verraten. Schließlich ist man in Erlangen einem gehobenen audiophilen Anspruch verpflichtet.

Der Clearaudio Compass, perspektivisch von links

Konsequent schlicht: Der Clearaudio Compass stellt den neuen Einstieg ins Plattenspieler-Programm der Erlanger Analogexperten dar. Er wird komplett aus eigenen Komponenten gefertigt, ist also ein echter Clearaudio. Und spielbereit vormontiert

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit kam der Clearaudio Compass dabei heraus – ein konsequent schlicht designter Dreher, der trotz seines reduzierten Outfits noch nicht einmal ansatzweise wie eine „Spardose“ anmutet. Im Gegenteil, er erscheint mir wie eine Essenz Clearaudioscher Formensprache. Die in Schwarz oder Silber lackierte MDF-Zarge ruht auf drei höhenverstellbaren und entkoppelnden Aluminiumpucks und weist keinerlei sichtbare Bedienelemente auf. Eingeschaltet wird der Dreher mittels dreistufigem Kippschalter an der Unterseite der Zarge, der gleichzeitig die beiden verfügbaren Geschwindigkeiten 33 1/3 und 45 U/min auswählt. Unterhalb der Zarge ist eine Stahlplatte montiert, die dem Compass Steifigkeit und Resonanzarmut verleihen soll.

Wie sein großer Bruder Concept stellt auch der neue Clearaudio Compass ein Komplettpaket inklusive vormontiertem MM-Tonabnehmersystem und Arm dar und ist so vorbereitet, dass er nach dem Auspacken aus dem Karton innerhalb sehr kurzer Zeit spielfertig aufgestellt werden kann, ohne das es dafür einen Spezialisten braucht. Im Grunde gilt es nur, alle Transportsicherungen zu entfernen, den Antriebsriemen um Motorpulley und Alu-Innenteller zu legen und im letzten Schritt den wunderbar satinierten Acrylglas-Hauptteller aufzulegen. Nun noch das Tonarmgewicht aufstecken und das kleinere Antiskatinggewicht anbringen, Auflagekraft mit Hilfe der zwar sehr einfachen, aber dennoch hilfreichen „Kippelwaage“ kontrollieren und schon kann‘s losgehen.

Das Antiskatinggewicht des Clearaudio Compass

Bei der Montage des Antiskatinggewichts ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt

Einzig bei der Montage des Antiskatinggewichts, das an einem dünnen Nylonfädchen an den Tonarm eingehängt und mit einer Art Kunststoffklammer am selbigen fixiert wird, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Öffnung der „Klammer“ sollte nach unten zeigen, damit das nach meiner persönlichen Meinung etwas zu groß geratene Gewicht frei hängt und nicht auf der Zarge aufliegt. Bekommt man aber hin.

Angetrieben wird das Ganze von einem präzise laufenden Gleichstrommotor, der Subteller ist mit einer Bronzebuchse auf Teflonspiegel gelagert – technisch hat Clearaudio also keine Experimente gewagt, sondern hochwertige und bewährte Komponenten aus eigenem Hause zum Einsatz gebracht. Als Highlight geht für mich der auf Basis des bekannten „Satisfy“ konstruierte und aufwändig wie hochpräzise gelagerte Aluminium-Tonarm durch, der auf den schlichten Namen „T1“ hört.

Der T1-Tonarm des Clearaudio Compass - Lager, Gegengewicht und Basis

Der T1-Tonarm wurde eigens für den Compass entwickelt, Pate stand dabei der bekannte Clearaudio Satisfy

Das radikal reduzierte Design und die von Clearaudio gewohnt hohe Anfass- und Verarbeitungsqualität machen diesen Entwurf für mich zu einem echten Hingucker, wenngleich dieses subjektive Empfinden natürlich kein relevantes Bewertungskriterium für eine HiFi-Komponente darstellt. Der zweifach gelagerte T1 (Kugellager für die vertikale und Saphirlager für die horizontale Bewegung) gehört wie sein Stammesvater Satisfy zu den mittelschweren Tonarmen, mit denen sich grundsätzlich viele Tonabnehmersysteme kombinieren lassen. Wichtig, falls man zu einem späteren Zeitpunkt über ein Upgrade nachdenkt. Dabei hilft in jedem Fall auch die Tatsache, dass der T1 in der Höhe einstellbar ist (siehe VTA), was ihn zur späteren Aufnahme mit anderen Tonabnehmern qualifiziert. Wie der Satisfy ist auch der T1 komplett durchverkabelt, es kommt das hauseigene „Direct Wire Plus“ zum Einsatz.

Der Gedanke an einen Systemtausch scheint zunächst unnötig. Wie es sich für ein Komplettsystem geziemt, stellen die Franken dem T1 ein nach eigenen Angaben eigens für den neuen Einsteigerdreher entwickeltes MM-Tonabnehmersystem namens „N1“ zur Seite. Der mit 12,5 Gramm recht schwere Abtaster – sein Gewicht mag er seinem tadellos gefrästen Aluminiumbody verdanken – kommt mit elliptisch geschliffener Diamantnadel und sollte mit einer Auflagekraft von 2,2 Gramm gefahren werden. Wenn es 2,5 Gramm sind, macht das erfahrungsgemäß auch nix.

Das MM-System N1 von Clearaudio

Das MM-System N1 von Clearaudio wurde ebenfalls extra für den Compass aufgelegt – ist allerdings auch solo zu haben. Es kommt mit Alu-Body und besitzt einen elliptischen Nadelschliff

Wie bereits erwähnt, sind Tonabnehmer und Arm bereits ab Werk montiert und justiert, mit der Einstellung von Azimut und Überhang hat der Kunde also keine Last. Kundenfreundlich zeigt sich das N1 ebenfalls im hoffentlich nicht auftretenden „Pannen“- oder Verschleißfall: Der Nadeleinschub ist austauschbar.

Erstmals liefern die Erlanger einen Plattenspieler serienmäßig mit einer passenden Staubschutzhaube aus. Diese wird im Handumdrehen an zwei sauber laufenden Edelstahlscharnieren befestigt und dient in erster Linie dem, was ihr ihren Namen verleiht – den Plattenspieler vor Staub zu schützen, wenn man ihn nicht nutzt. Im Betrieb empfiehlt es sich, die Haube nicht nur aufzuklappen, sondern komplett zu entfernen. Es mag ansonsten sein, dass man sich die von den Lautsprechern kommenden Schallwellen einfängt, was klanglich negative Auswirkung haben kann.

Der Clearaudio Compass mit aufgesetzter Staubschutzhaube

Eine Staubschutzhaube gehört beim Clearaudio Compass zum Lieferumfang. Klangpuristen spielen ihr Vinyl freilich „haubenfrei“ ab

Vom mitgelieferten Netzteil, das diverse länderspezifische Steckeraufsätze mitbringt, sind Highender nicht begeistert, in dieser Preisklasse sind derartige Stromversorger indes genauso üblich wie fest montierte Cinchkabel, die sich nicht nach Lust und Gusto tauschen lassen. Allerdings handelt es sich hier um hauseigene „Clearaudio-Strippen“ und nicht um „billigen Klingeldraht“. Also: passt schon.

Apropos „hauseigen“: Die fränkische Analogmanufaktur legt Wert auf die Feststellung, dass auch der vergleichsweise günstige Compass ausschließlich aus eigenen und nicht aus zugekauften Komponenten besteht und somit in Summe ganz klar ein echter Clearaudio ist. Um den fairen Verkaufspreis kalkulieren zu können, wird der Dreher bei einem Partnerunternehmen in Tschechien endmontiert. Findige Leser können sich wahrscheinlich denken, um wen es sich hierbei handelt. Sicher ist: Die können das.

Das Steckernetzteil des Clearaudio Compass

Das Steckernetzteil des Clearaudio Compass – möglicherweise sieht der eine oder anderer hier noch Tuningpotenzial

Clearaudio Compass: Hörtest und Vergleiche

Was mich in klanglicher Hinsicht vor allem interessierte, war die Frage, wie viel Concept im Compass steckt – hatte sich der große Bruder in vergangenen Tests doch als mitreißend spielfreudig und farbstark empfohlen. Gehen wir der Sache akustisch auf den Grund.

Der Clearaudio Compass mit aufgelegtem Vinyl

Los geht’s mit dem Hörtest – der Clearaudio Compass bei der Arbeit

Definierte Muskeln statt fetter Wumms – der Bass

Ich erinnere mich, dass ich die Bassperformance des Clearaudio-Sondermodells Concept Edition Gold/White mit „Demon Fire“ aus AC/DCs Power Up ausgelotet hatte und von dessen knochentrocken-schlackenlosem und gleichzeitig antrittsschnellem wie druckvollem Tiefton begeistert war. Der bei den Australiern stets recht schlichte 4/4-Takt der Drums peitschte mit einer derartigen Durchsetzungskraft in den Hörraum, dass gefühlt der Staub aus dem Sofa flog. Dazu ein herrlich knorpelig-knarzender E-Bass ohne ein Gramm Fett – ja, große Brüder legen die Messlatte mitunter hoch.

The Story FivefoldDavon lässt sich der Clearaudio Compass – wie viele kleine Geschwister – jedoch nur mäßig beeindrucken und tritt agil und beherzt in die Felle. Beim Opener „Broken“ (Album: The Story) der US-amerikanischen Indierocker Fivefold marschiert er mit Verve nach vorn und zimmert in den unteren Lagen ein richtig strammes Brett. Das überzeugt. Vor allem, weil er stets ein sauber wahrnehmbares Tiefenrelief ohne jede Schwammigkeit transportiert. Das hat ganz viel vom größeren Modell, stellt sich in Sachen „knorriger Erdigkeit“ aber auch selbstbewusst gegen meinen Technics SL-1210GR (Preis um 1.500 Euro), dem man in seiner Klasse in der Bassperformance nicht so leicht den Schneid abkaufen kann. Quantitativ, sprich im tonalen Charakter, orientiert sich der Clearaudio Compass jedoch anders. Richtig tief grollende Attacken, mit denen sich die Fußsohlen massieren lassen, sind nicht sein Ding. Da langen sowohl ein Clearaudio Concept wie der Technics SL-1210GR schon ein wenig tiefer hinab – und, was das Bassvolumen insgesamt angeht, auch nachdrücklicher hin.

Der Clearaudio Compass von links-vorne

Die Mitten

Der Clearaudio Compass spielt bei Gesang und akustischen Instrumenten körperhaft-griffig mit „natürlicher Neutralität“. Wo sich der große Bruder Concept in den Mitten einen durchaus charmanten Schuss Wärme gönnt, verzichtet der Compass tatsächlich auf jeden hörbaren Effekt, ohne aber „gewollt audiophil“ ins Unterkühlte abzudriften.

Ben Howard I forget where we wereSo kommt Ben Howards „Small Things“ (Album: I forget where we were) tatsächlich noch intensiver, die virtuos gespielte Gitarre noch unmittelbarer zu Gehör. Auch nur leicht warm timbrierte Mitten würden zu einem etwas verwaschenen Eindruck führen, der dem Stück seine klare Ernsthaftigkeit nähme. Hier zeigt der Compass sowohl seinem größeren Bruder als auch meinem Technics den Weg. So gefällt mir auch der Element of Crime-Klassiker „I long for you“ – getragen von der Reibeisenstimme des charismatischen Sängers Sven Regener – ein Quäntchen besser, als ich es über den Concept in Erinnerung habe. Durch den wenn auch nur minimal klareren Duktus kriecht der Gesang ein wenig tiefer unter die Haut und berührt mich mehr. Normalerweise bin ich der Hörertyp, der nichts gegen charmant-schmeichelhafte Mitten hat, doch in diesem Fall geht die Rechnung für mich klar für den neutraleren Clearaudio Compass auf.

Flachriemen des Clearaudio Compass am Subteller

Der Clearaudio Compass ist ein Riementriebler. Der Flachriemen treibt den Subteller, auf dem der Plattenteller aus satiniertem Acryl ruht

Reine Höhen

Zur DNA von Clearaudio-Plattenspielern gehört ein feinfühliger Umgang mit den Höhenlagen. Auch der neue „Kleine“ mag nach obenheraus nicht bewusst absoften oder allzu gnädig mit schlechten Aufnahmen umgehen. Wie seine Brüder schafft er aber den Kunstgriff, bei aller akustischen Ehrlichkeit am oberen Frequenzende nicht zu viel des Guten zu tun. Heißt: Es ist alles da, was es an Hochtoninformationen braucht, um ein Musikstück vollständig wahrzunehmen. Der Compass tönt sehr klar und rein auf der einen Tick helleren Seite von neutral. Subinformationen, etwa über den Raum, transportiert er mit einer Selbstverständlichkeit, die man seinem preisgünstigen MM-Abtaster – das „N1“ ist auch einzeln für 99 Euro erhältlich – nicht abnähme, wenn man es nicht selbst hören würde.

Der Clearaudio Compass von hinten

Der Clearaudio Compass von hinten – an den Aufnahmen links und rechts lässt sich die Staubschutzhaube aufsetzen

Okay, mitunter können ihm „S-Laute“ auch vorwitzig geraten, doch das entlarvt eher grenzwertige Abmischungen als dass es die „Schuld“ des Drehers wäre. Mit dieser Performance setzt er sich im Vergleich ganz leicht vor meinen Technics SL-1210 GR, der ohnehin in eine etwas andere klangliche Richtung getrimmt ist und die Höhenabbildung ein klein wenig milder/gelassener angeht. Umso erstaunlicher finde ich, wie dicht er seinem großen Bruder Concept auf den Fersen ist, der bei mir zuletzt ja auch mit einer deutlich preisintensiveren Tonarm-/Tonabnehmerkombination angetreten war. Natürlich ziseliert der Concept die Feinheiten am oberen Frequenzende noch feiner aus und bietet unbestritten ein Plus an Details. Ich würde aber nicht unterschreiben wollen, dass hier Welten dazwischen liegen.

Auflösung? Aber sicher!

The Cure Songs Of A Lost WorldWo wir schon bei erwartbaren Familientugenden sind: Bei Clearaudio zählen Auflösung und Durchhörbarkeit mit dazu. Wenn wir uns die dicht verwobenen Strukturen von „Endsong” von The Cure aus dem Album Songs of a Lost World anhören, scheint es schwer vorstellbar, dass eine Arm-System-Kombination ohne das Feingefühl des Duos aus T1 und N1 unter die „Oberfläche” lauschen kann. Die einzelnen Klangereignisse der britischen Waverocker lösen sich mit dem Compass sauber voneinander, lassen sich gut verfolgen und bleiben stets ein in sich schlüssiges Ganzes. Ja, der größere Clearaudio Concept und auch der Technics SL-1210 GR können noch etwas besser differenzieren – vor allem der Concept transportiert das dichte Gewusel souveräner und auch noch etwas luftiger. Was der Clearaudio Compass mitsamt seinem MM-System zeigt, ist aber aller Ehren wert. Vor einigen Jahren wäre ein derartiges Auflösungsvermögen wohl nur wesentlich teureren Drehern vorbehalten geblieben.

Der Antrieb des Clearaudio Compass

Der Antrieb des Clearaudio Compass: Gleichstrommotor – Flachriemen – Alu-Subteller

Dynamikverhalten

Sowohl der Concept und mehr noch der dem Clearaudio Compass preislich nähere Technics SL-1210GR sind dynamisch zupackende und mit nachdrücklicher Attacke aufspielende Dreher. So sind sie geradezu prädestiniert für stark fordernde Rockmusik und so manche „Pegelparty“.

Der Clearaudio Compass zeigt sich demgegenüber als ein etwas „ruhigerer“ Charakter. Er treibt Cory Marks „(Make my) Country Rock“ (Album: Sorry for nothing) nicht ganz so nachdrücklich-punchy vorwärts, man hört, dass ihm eine fließende und in sich stimmige Homogenität in der Wiedergabe wichtiger ist als Hau-drauf-Momente. Die leiseren Töne und kleinere Pegelunterschiede liegen ihm dafür umso mehr. Hier findet der Compass eine intime, feinsinnige Ansprache. Genau das Richtige für Stücke wie „The Way back“ von John Butler (Album: Prism), dass die Weite Neuseelands – Butlers Heimat – vom Plattenteller in den Hörraum transferiert.

Compass-Schriftzug am Clearaudio Compass

Raumdarstellung

Die Raumdarstellung gelingt dem Clearaudio Compass realistisch-großzügig, also weder übertrieben noch kompakt. Die Realität ist sein Maßstab, die Dimensionen der virtuellen Bühne werden nachvollziehbar dargestellt.

Die Musiker der Mannheimer Indierockband The Intersphere spielen bei ihren beliebten „Live Sessions“ komplette Sets in ihrem Proberaum, der offenkundig nicht sonderlich riesig ist (wie man auf YouTube sehen kann). Der Clearaudio Compass stellt die Bandmitglieder in realistischen Bezügen zueinander dar; da die Band recht dicht beieinander steht, wäre es „vermessen“, wenn hier in Sachen Tiefe und Breite der Bühne allzu viel Raum transportiert würde. Ergo tut Clearaudios Kleinster dies auch nicht. Doch beamen wir uns etwa in die Weite einer Londoner Royal Albert Hall, in der die britischen Progrocker Marillion 2018 ihr grandioses All one tonight – Live at the Royal Albert Hall einspielten, so transportiert der Erlanger auch diese wesentlich großzügigeren Dimensionen glaubhaft. Dabei setzt er dem Publikum seine Darbietung nicht „vor die Nase“, sondern wahrt eher eine respektvolle Distanz, sprich lässt die virtuelle Bühne auf der Stereobasis zwischen den Lautsprechern starten.

Blick auf den Clearaudio Compass durch aufgesetzte Staubschutzhaube

Transparenz: Blick auf den Clearaudio Compass durch die aufgesetzte Staubschutzhaube

Testfazit: Clearaudio Compass

Wenn die Erlanger ein neues Einstiegsmodell ankündigen, meinen die das immer ernst. Ein „Basis-Clearaudio“ ist keine plattenspielergewordene Verzichtserklärung, akustisch gleich gar nicht.

Der Clearaudio Compass von vorne

Konzentration auf das Wesentliche: Der Clearaudio Compass liefert dem Vinylhörer ein ausgewogenes und detailreiches Klangbild

Wohl minimalistisch im Design, aber so, dass die Reduktion auf das Wesentliche fast schon wieder etwas Erhabenes hat – so steht der neue Clearaudio Compass selbstbewusst auf dem Rack und zeigt auf den ersten Blick das wohlkomponierte Baukastensystem der Franken, die nichts zuliefern lassen, sondern sich ausschließlich aus eigenen Regalen bedienen. Der Tonarm T1 und das MM-System N1 wurden auf Grundlage bewährter Komponenten eigens für den Compass konzipiert.

Der Clearaudio Compass in Schwarz

Unser Testmuster kam in Silber, der Clearaudio Compass ist aber auch in Schwarz zu haben

Der Clearaudio Compass ist ein gelungener Plattenspieler für Neu- und Wiedereinsteiger ins Vinylhobby, die gut auf technischen und optischen Firlefanz verzichten können und sich ganz auf das Klangerlebnis konzentrieren wollen. Der Compass liefert ein ausgewogenes und in sich schlüssiges wie flüssiges Klangbild mit sehr klarer Durchhörbarkeit und feiner Struktur über alle Frequenzbereiche hinweg. Für Freunde heftiger Bassattacken und harter Grobdynamik ist er wohl der falsche Plattenspieler, denn mit dem Clearaudio Compass mag man lieber auf angenehm lange und entspannte Reisen durch die Plattensammlung starten. Und dabei wird er sicher das ein oder andere Detail herausfischen, das Sie schon lange nicht mehr gehört haben.

Steckbrief Clearaudio Compass:

  • Tritt im Bass druckvoll-neutral, agil und mit sauber durchhörbarem Tiefenrelief an. Massive Tiefbassattacken mit dunkel grollendem Fundament sind nicht so sein Ding.
  • Gesang und Akustikgitarren stellt der Compass feingliedrig, plastisch-griffig und balanciert dar. Heißt: Er leistet sich in den Mitten keine hörbaren Schmeicheleien, die man als Effekt bezeichnen könnte. Preisklassenbezogen ist das nicht selbstverständlich. Ein leicht schmeichelhafter Schmelz gehört hier häufig dazu und ist oft auch gar nicht unangenehm. Der Compass setzt sich jedoch wohltuend davon ab.
  • Sehr feine und klare Hochtondarstellung auf der minimal helleren Seite von neutral, die dennoch auf übermäßige Schärfen verzichtet. Schlechte Aufnahmen werden als solche entlarvt, was man von einem „ehrlichen“ Plattenspieler aber auch erwarten kann und sollte.
  • Auflösung und Durchzeichnung können als detailverliebt und sehr klar bezeichnet werden. Der Clearaudio Compass setzt die einzelnen Teile in ein homogenes Verhältnis, sodass ein in sich stimmiges Bild entsteht.
  • Grobdynamisch gibt sich der Compass eher ausgeglichen-sanft, jedenfalls nicht so attackig-punchy wie sein größerer Bruder Concept. In Sachen Feindynamik besitzt er viel Fingerspitzengefühl.
  • Die Dimensionen der virtuellen Bühne sind in Breite und Tiefe realistisch nachzuvollziehen, das Geschehen startet ziemlich exakt auf Höhe der Stereobasis. Die Ortbarkeit der Musiker ist tadellos.

Fakten:

  • Modell: Clearaudio Compass
  • Konzept: Riemengetriebener Plattenspieler inkl. MM-Tonabnehmer
  • Preis: 1.290 Euro
  • Maße & Gewicht: 420 x 350 x 125 mm (BxHxT), 7,5 kg
  • Farben: Schwarz, Silber
  • Garantie: 2 Jahre (nach Einsendung der Garantiekarte)
  • Weitere Informationen finden Sie auf der Produktseite des Herstellers

Hersteller:

Clearaudio electronic GmbH
Spardorferstraße 150 | 91054 Erlangen
Telefon: +49 (0)9131-40300100
E-Mail: info@clearaudio.de
Web: https://clearaudio.de/

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Test: Clearaudio Compass | Plattenspieler

  1. 1 Easy Entry
  2. 2 Clearaudio Compass: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Clearaudio Compass

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: Technics SL-1210GR Tonabnehmer: Shelter 201 (MM), Pro-Ject Concorde Pick-it S1 (MM) Sonstiges: Tuner Sansui T-80 & Kenwood KT-5500

Digitale Quellen: Streamer: Pioneer N-50, Marantz NA 8005

Vollverstärker: Magnat RV-3

Vorstufen: Phonoverstärker: Lehmann Audio Black Cube Statement

Lautsprecher: Magnat Quantum 905, Teufel Theater 500S

Kabel: Sonstiges: LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

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