Bluetooth und Röhrenverstärker: Diese beiden Begriffe fallen selten in einem einzigen Satz. Doch hier passt’s, denn der chinesische Push-Pull-Röhrenvollverstärker Cayin Jazz 80 mit EL34-Ausgangsröhren (1.998 Euro | https://cayin.com/) beherrscht tatsächlich Bluetooth – und eröffnet diesem doch eher traditionellen Verstärkerkonzept ganz neue Möglichkeiten. Wie es klingt und wie sich die Bluetooth-Verbindung in der Praxis macht, zeigt der Praxistest.
Es gibt Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Drei Eimer Wurstsuppe und ein Rudel Veganer zum Beispiel. Oder Lakotz-Polohemd und zerrissene Jeans. Wobei der zweite Blick die Einschätzung schnell relativieren kann: Die Würstchen können aus Tofu oder Seitan bestehen und in Gemüsebrühe schwimmen. Und die zerrissene Jeans kann vom Topdesigner stammen und 500 oder 600 Euro kosten. Ähnlich verhält es sich beim Röhrenverstärker und Bluetooth: Das wirkt erst ungewöhnlich, aber schon beim zweiten Nachdenken finde ich die Idee super. Schließlich führt der Cayin Jazz 80 diese beiden gegensätzlichen Welten (altehrwürdige Röhrentechnik und moderne Bluetooth-Funktion) zusammen. Sie macht Röhren somit auch für jüngere Hörergruppen attraktiv, die ihre Musik sonst eher vom Smartphone an fiese, qualitativ minderwertige Brüllwürfel streamen, mit denen sie dann am See oder im Park ihre Umwelt in den Wahnsinn treiben. „Die Bezeichnung Jazz haben wir gewählt, weil es schon einen Soul-Verstärker in der Cayin-Linie gibt“, erklärt Cayin-Chef Thomas Deyerling die Namensgebung auf meine Nachfrage. „Da hat sich die Bezeichnung nach einer Musikrichtung angeboten.“ Wobei sich der Amp nicht nur für Jazz eignet, wie wir später noch hören werden.
Jetzt funkt’s
Der in China in Handarbeit gefertigte Cayin Jazz 80 verfügt über eine rückwärtig anschraubbare Antenne sowie ein integriertes Bluetooth-Modul (Qualcomm-Bluetooth-5.0-Chipset QCC5125), die es ihm ermöglichen, drahtlos per Smartphone, Tablet, Laptop oder Fernseher Musik zu verarbeiten. Dafür wählt man mit dem links auf der Vorderseite des Amps sitzenden Input-Drehregler die Bluetooth-Funktion aus, worauf ein blaues Lämpchen blinkt. Smartphoneseitig findet man den Cayin Jazz 80 dann innerhalb weniger Sekunden im Bluetooth-Menü und drückt dort auf „Verbinden“ – fertig! In praxi erwies sich die Bluetooth-Verbindung mit meinem iPad und iPhone als äußerst stabil und schnell aufgebaut, so soll das sein! Die Audioübertragung erfolgt dabei über den LDAC-Codec, der hohe Übertragungsraten von bis zu 990 kBit/s für hochauflösende Inhalte unterstützt. Der integrierte D/A-Wandler (ES9018K2M SABRE32) ist leider nur über diesen Weg erreichbar, es führt also kein kabelgebundener Weg zu ihm. Schade eigentlich.
Hattu Röhrchen?
Bestellen kann man den klassischen Push-Pull-Röhrenvollverstärker wahlweise mit KT88- oder EL34-Endröhren, wobei die KT88-Variante 200 Euro mehr kostet, also 2.198 statt 1.998 Euro. Laut Thomas Deyerling wird die KT88-Version von den Kunden häufiger gewählt als die EL34-Variante. Er sagt: „Die EL34 ist etwas homogener, die KT88 hat je nach angeschlossenen Lautsprechern einen stärkeren Bass – und die Höhen sind bei manchen Kombis nicht ganz so zurückhaltend.“ Cayin schickte mir als Testexemplar die preiswertere EL34-Version, was mir zwecks besserer Vergleichbarkeit sehr recht war, schließlich sorgen in meinem Röhrenvollverstärker PrimaLuna EVO 300 (4.890 Euro) derzeit ebenfalls vier EL34 für die Verstärkung. Das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit von PrimaLuna und Cayin: Lackierung (metallisches Dunkelblau), Lautsprecheranschlüsse und noch einige Details mehr sehen verblüffend ähnlich aus. „PrimaLuna wird im gleichen Werk hergestellt wie auch unsere Cayin-Produkte“, bestätigt Deyerling meine Vermutung. Und er verrät noch mehr: „Der Jazz 80 ist der meistverkaufte Verstärker von Cayin, nicht nur wegen der Bluetooth-Funktion, sondern auch wegen des günstigen Preises und der attraktiven Optik.“

Die Verarbeitungsqualität und Optik machen den Cayin Jazz 80 durchaus zum Hingucker. Statt mit silberner lässt sich der Verstärker auch mit schwarzer Frontplatte ordern
Lämpchen, die den Ausfall/Defekt einer Endröhre anzeigen, wie es bei meinem PrimaLuna EVO 300 der Fall ist, gibt es beim Cayin nicht, hier muss man sich mehr auf seine Augen und Ohren verlassen. Die optimale Bias-Einstellung erfolgt zudem nicht automatisch, sondern muss manuell ermittelt werden, dafür stehen auf der Oberseite kleine Bias-Auswahlschalter und -Spannungsregler bereit. Hier sitzt auch eine Trioden-Ultralinear-Auswahltaste, mit der man den Arbeitszustand des Jazz 80 auswählt. Der Trioden-Modus mit 2 x 18 Watt (KT88: 2 x 20 Watt) steht laut Hersteller für eine flüssige, weiche Wiedergabe, während die Ultralinear-Betriebsart mit 2 x 36 Watt (KT88: 2 x 40 Watt) für eine dynamischere, zupackendere Spielweise sorgen soll. Dazu aber gleich noch mehr …
Schön finde ich die gelb hinterleuchteten Leistungspegelmesser, die auch zum Ermitteln des optimalen Ruhestroms zum Einsatz kommen. Sie sind allerdings etwas klein, der Tanz der dünnen Nadel lässt sich aus drei Meter Entfernung kaum nachverfolgen. In der Reihe vor den Endröhren sitzen vier kleinere Glimmkolben: zwei 12AU7 und zwei 12AX7. Letztere fungieren als Vorstufen-Röhren, während die 12AU7 als Phasensplitter und Treiber ihre Arbeit verrichten. Übrigens: Cayin gewährt deutschen Kunden drei Jahre Garantie auf den Verstärker selbst, zwei Jahre auf die Eingangs-Treiberröhren sowie ein Jahr auf die Ausgangsröhren.
Feinfühlige Fernbedienung
Die Fernbedienung besteht aus Metall und liegt gut in der Hand. Mit „Input“, „Mute“ und „Volume“ beschränkt sie sich auf die wesentlichen Funktionen. Ausgesprochen positiv fällt mir ihre Lautstärkeregelung auf: Während viele andere Röhren-Amps bei der Pegelregelung per Ferngeber grobschlächtig vorgehen (große Pegelsprünge), erlaubt die Cayin-Fernbedienung kleine, feinfühlige Lautstärkeveränderungen. Weniger positiv ist die Tatsache, dass man sie per Schraubenzieher aufschrauben muss, um die Batterien einzulegen – und es liegen weder Schraubenzieher noch Batterien bei.
Auf den Punkt
Dafür kommt im Verstärkerinneren feinste Punkt-zu-Punkt-Verkabelung zum Einsatz, und mit 16,8 Kilo bewegt sich der Amp noch in einem rückenfreundlichen Bereich. Zum Vergleich: Mein PrimaLuna EVO wiegt 31 Kilo. Das geringere Gewicht ist auch auf die kompakte Größe des Cayin Jazz 80 zurückzuführen, der Abmessungen von 300 x 385 x 190 mm (B x T x H) aufweist. Der abnehmbare, ziemlich schwere und in Gehäusefarbe lackierte Schutzkäfig hinterlässt einen edel und extrem robusten Eindruck. Überhaupt sammelt der Cayin Jazz 80 in puncto Verarbeitung und Optik Pluspunkte – ich finde hier nicht den geringsten Kritikpunkt. An der Unterseite befinden sich vier schockabsorbierende Füße.

Übersichtlich: Die Rückseite des Cayin Jazz 80 schmücken neben der Bluetoothantenne drei Cinch-Hochpegeleingänge sowie unterschiedliche Lautsprecherabgriffe (4 und 8 Ohm)
Auf der Rückseite des mit schwarzer oder silberner Front bestellbaren Röhrenverstärkers stehen drei Line-Eingänge für CD-Player, Streamer & Co. zur Verfügung. Außerdem bietet der Cayin Jazz 80 die bei vielen Röhrenverstärkern übliche Wahlmöglichkeit zwischen 4- und 8-Ohm-Lautsprecherabgriffen (toll: massive, vergoldete Schraubklemmen). Hier ist Ausprobieren gefragt, was besser klingt. An Kopfhörer-Freunde hat Cayin ebenfalls gedacht: Vorne steht ein Kopfhöreranschluss für 6,35-mm-Klinkenstecker bereit. Der Kopfhöreranschluss klingt gut, aber nicht überragend. Für Gelegenheitshörer mit halbwegs wirkungsgradstarken Ohrlauschern reicht er, einen highendigen Kopfhörerverstärker kann der Jazz 80 aber nicht ersetzen. Aber dafür führt Cayin ja entsprechende Spezialisten im Programm.
Ach ja: Es liegen weiße Handschühchen zum Vermeiden von Fingerabdrücken bei, ebenso wie ein Reinigungstuch, Ersatzsicherungen, ein Standardnetzkabel sowie eine englischsprachige (die deutsche gibt’s als PDF auf der Cayin-Website) Bedienungsanleitung.
Cayin Jazz 80: Hörtest & Vergleiche
Einspielzeit und Anlagenzusammenstellung
Da es sich um nagelneues Exemplar handelte, war erst einmal Einspielzeit gefragt, laut Thomas Deyerling mindestens 50 Stunden, besser noch 100. Kein Problem – bei mir läuft fast rund um die Uhr Musik. Nach dem Druck auf die seitlich sitzende Power-Taste startet der Chinese und braucht 20 bis 30 Sekunden, bis er startklar ist. In der Aufwärmphase der Röhren blinkt ein weißes Lämpchen im Lautstärkeregler – leuchtet es permanent, kann es losgehen.
Ein paar Worte zu meinem Test-Set-up im Fall des Cayin Jazz 80: Als Zuspieler fungieren ein iPhone und iPad mit Tidal-App, zum Vergleich schließe ich per Cinchkabel meinen McIntosh-CD-Player MCD 301 an. Ausgangsseitig verbandele ich den Cayin Jazz 80 mit den Canton Reference 7 (6.000 Euro pro Paar), in die ich mich beim fairaudio-Test verliebt hatte. Die Canton Reference 7 eignen sich hervorragend für Röhrenvollverstärker, wie bereits Paarungen mit meinem ähnlich kräftigen PrimaLuna EVO 300 (2 x 42 Watt) und dem VTL IT-85 (8.690 Euro, 2 x 60 Watt) zeigten. Gehört habe ich fast ausschließlich im kräftigeren Ultralinear-Betrieb, da mir der Trioden-Modus generell etwas zu kraftlos und süßlich klingt. Nach ein bisschen Rumprobieren entschied ich mich zudem dauerhaft für den 4-Ohm-Lautsprecherabgriff.
Bodybuilder oder Sumoringer?
Obwohl der Cayin Jazz 80 aus demselben Werk in China wie der PrimaLuna EVO 300 stammt, offenbaren sich schnell klangliche Unterschiede. Der EVO 300 bietet im Ultralinear-Betrieb auf dem Papier zwar nur sechs Watt mehr als der Jazz 80, klingt aber ein gutes Stück kraftvoller, mächtiger und dynamischer. Anders ausgedrückt: Während der PrimaLuna im Bass überdurchschnittlich kräftig und tief für ein Röhrengerät hinlangt und hier vielen Transistorkollegen Konkurrenz macht, bleibt der Cayin in dieser Sache leicht zurückhaltend und neutral. Er steigt nicht ganz so tief in den Frequenzkeller hinab und betont den Bass auch pegelseitig nicht so sehr, weshalb er mich hier eher an den VTL IT-85 erinnert, der im Test damals ebenfalls mit EL34-Röhren bestückt war. Auch der VTL-Amp bietet eine sehr ausgewogene Bassperformance mit schönen Konturen. Womit ich mal wieder bei meinem Nine-Inch-Nails-Lieblingsalbum Pretty Hate Machine aus dem Jahr 1989 lande. Die remasterte Version des Industrial-Rock-Meisterwerks kommt viel druckvoller rüber als das Original, speziell der pumpende Elektrobass in „Down In It“ stellt Verstärker und Lautsprecher auf die Probe. Hier zeigt sich, dass der Cayin Jazz 80 neben bereits beschriebenen Eigenschaften minimal konturierter und präziser als der VTL IT-85 und erst recht als der PrimaLuna EVO 300 agiert. Für ausgewiesene Bassheads ist er also eher nichts, für Audiophile, die es untenrum etwas eingerückter und sachlicher mögen, womöglich aber goldrichtig.
Ähnliches gilt fürs Klangkriterium Grobdynamik. Denn ein so richtiger Poser mit einem Bizeps wie Schwarzenegger oder einem Haken wie Mike Tyson will der Cayin Jazz 80 keineswegs sein. An einen schwabbeligen, eher trägen Sumoringer erinnert er allerdings ebenso wenig, sondern eher an einen Athleten, der das Gleichgewicht aus Masse und Agilität hält. Sprich: Er stellt große, plötzliche Pegelunterschiede weder besonders schnell und wuchtig dar noch weich und fleischlos. Bereits hier zeichnet sich eine Beschreibung ab, die für die meisten Klangparameter des Cayin Jazz 80 gilt. Sie lautet: goldener Mittelweg. Sprich: keine Extreme. Und so verwundert es nicht, dass „To Become Someone Else“ vom neuen Evergrey-Album Theories Of Emptiness nicht so mächtig aus den Boxen drückt wie beispielsweise mit dem PrimaLuna EVO 300 oder mit dem Transistor-Dickschiff McIntosh MA8900 AC (9.780 Euro). Das Stück der schwedischen Progressive-Metaller explodiert nach einem ruhigen Beginn urplötzlich und steuert unaufhaltsam auf den Refrain zu. Andererseits mangelt es auch nicht an Grobdynamik, mir fehlt hier preisklassenbogen nichts. Er ist halt nur keine kampflustige Krawallschachtel, der Cayin Jazz 80.
Mit Blick auf die Feindynamik halten sich Attacke und Fluss die Waage. Kleine Pegelunterschiede und Details arbeitet der Cayin Jazz 80 für seine Preisklasse sehr gut heraus. Abermals erinnert er mich an den wesentlich teureren VTL-IT 85, weshalb ich das damals verwendete „Beacon“ von William Fitzsimmons zuspiele. Das sparsam instrumentierte, melancholische, schwebende Stück weist nur geringe Pegelunterscheide auf, die der Chinese mit feinem Pinsel präzise nachzeichnet. Lediglich der generell etwas zackigere PrimaLuna EVO 300 geht hier noch einen Pinselstrich präziser vor.
Bluetooth vs. CD
Apropos Evergrey: Ich habe das neue Album über die Tidal-App per Bluetooth zugespielt, aber auch die CD angeschafft, da ich die Band sehr gerne mag. Zu Vergleichszwecken kommt sie gerade recht: Gibt es klangliche Unterschiede? Gibt es: Per CD-Zuspielung tönt es mit meinem schon etwas betagten McIntosh-CD-Player deutlich lauter. Um auf dieselbe Lautstärke zu kommen, muss ich bei der Bluetooth-Zuspielung vom iPad den Pegelregler des Cayin-Verstärkers ein gutes Stück weiter aufdrehen. Ansonsten halten sich die Unterschiede in Grenzen, was für die Qualität der Bluetooth-Verbindung spricht. Ich meine, beim erwähnten Song per CD eine kleine Steigerung der grobdynamischen Qualität zu vernehmen, aber das war es auch schon mit den Unterschieden.
Gesamteindruck
Im Hinblick auf den Gesamteindruck pendelt sich der Cayin Jazz 80 irgendwo in der Mitte zwischen VTL IT-85 und PrimaLuna EVO 300 ein. Während Ersterer eher der typisch runden, euphonischen Röhrenverstärker-Fraktion angehört, zählt der PrimaLuna EVO 300 trotz seines vollmundigen Bassbereichs zu den nicht ganz so euphonischen Vertretern. Wärme und Röhren-Flair versprühen alle drei, wobei der Cayin mehr dem typischen Röhrenklangbild als der PrimaLuna entspricht, aber nicht ganz so klangschön wie der VTL IT-85 tönt. Wer also klassischen Röhren-Sound liebt, darf auch hier mal hinhören, zumal der Chinese generell als sehr musikalischer, natürlich klingender Vertreter seiner Zunft durchgeht – und mit seiner Bluetooth-Funktion weitere Pluspunkte sammelt.
Hoch- und Mittelton
Im Hochton verhält sich der Jazz 80 leicht zurückhaltend und nicht ganz neutral-straight, er ist mit den EL34-Endröhren keine Weißlichtlampe, die alles bis ins letzte Detail ausleuchtet. Die Auflösung der Höhen geht preisklassenbezogen in Ordnung, der etwas zurückgenommene Eindruck entsteht eher durch die geschmeidige Seidigkeit der hohen Töne und den leicht zurückgenommenen Hochtonpegel. Das macht sich zum Beispiel bei lauter Rockmusik mit verzerrten, aggressiven E-Gitarren positiv bemerkbar – ich hatte auch bei längeren Hörsessions nie den Eindruck, meine Ohren zu überfordern. Während es beispielsweise im Alice-In-Chains-Klassiker „Dam That River“ (Album: Dirt, 1992) bei hohen Pegeln mit anderen Verstärkern schon mal recht anstrengend werden kann, nimmt der Cayin dem Stück etwas Schärfe, ohne den Grundcharakter zu verwässern. Was mich zu einer weiteren Erkenntnis führt: Der Jazz 80 eignet sich besonders für Genießer, die lange Hörsessions mit allen möglichen Musikrichtungen schätzen.

Der Cayin Jazz 80 kommt mit anständigen Auflösungsvermögen – ist aber kein Verstärker zum Graswachsenhören
Die Mittenwiedergabe verlässt ebenfalls leicht die neutrale Linie, drängt aber eher leicht in den Vorder- statt in den Hintergrund. Soll heißen: Stimmen stellt der Cayin Jazz 80 – typisch für ein Röhrengerät – sehr schön mit warmen Klangfarben dar. Er kleistert Stimmen aber nicht übermäßig mit Zucker zu, rückt sie pegelseitig dennoch leicht betont in den Mittelpunkt des Geschehens. Das fällt zum Beispiel beim Organ von Wayne Hussey (The Mission) auf, das ich seit Ende der Achtziger durch Alben wie Children (1988) oder Carved In Sand (1990) in- und auswendig kenne. Beim poppig-melancholischen „Butterfly On A Wheel“ ertönt Hussey etwas dominanter, als ich es sonst kenne.
No peas, please …
Die Auflösung und Detaildarstellung geht generell – wie schon angedeutet – für die Preisklasse voll in Ordnung, erreicht aber keine Spitzenwerte. Aber das ist auch nicht das Hauptanliegen von Röhren-Freunden, die in der Regel nicht zur Gruppe der Erbsenzähler gehören. Der PrimaLuna EVO 300 fördert etwas mehr Details ans Tageslicht, ebenso wie der VTL-IT 85 oder mein McIntosh-Transistor-Whopper MA8900 AC, alle drei kosten allerdings ein Vielfaches. Das fällt aber erst beim direkten Vergleich auf, aus dem Bauch heraus hat mir an der Detailfülle des Jazz 80 nichts gefehlt.
Willkommen im Club
Nomen est omen: Der Hörer wähnt sich mit dem Cayin Jazz 80 eher im kleinen Jazzclub als vor der riesigen „Rock Am Ring“-Bühne, ursächlich dafür ist die Bühnenbreite, die seitlich nur minimal über die Boxen hinausreicht. Die Bühnenausdehnung nach vorne entspricht hingegen eher dem Gewohnten, wie ich anhand von „Into The Black Wide Open“ von Long Distance Calling feststelle. Das extrem räumliche Stück der deutschen Instrumental-Rocker eignet sich hervorragend zum Überprüfen von Bühnengröße, Tiefenstaffelung und Plastizität. Die Wiedergabe beginnt auf Höhe der Lautsprecherbasislinie, dehnt sich also nicht hinter die Boxen aus. Trotz der insgesamt nicht besonders großen Bühne lassen sich die einzelnen Instrumente sehr präzise und randscharf orten, hier entpuppt sich der Cayin Jazz 80 als sehr akkurat, klasse. Dasselbe gilt für die Tiefenstaffelung und Dreidimensionalität, die ebenfalls zu den Stärken des Chinesen zählen.
Test: Cayin Jazz 80 | Vollverstärker








