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Die GLE-Serie gehört zu den tragenden Säulen im Portfolio von Canton, sie steht für audiophilen Klang zu erfreulich moderaten Preisen. Dieses Erfolgsrezept möchte der deutsche Lautsprecherspezialist seit Juli 2025 mit der überarbeiteten S2-Generation fortsetzen – von kleinen Regalboxen über Standlautsprecher bis hin zu On-Wall- und Subwoofer-Modellen. Innerhalb der neuen Modellreihe markiert die Canton GLE 70 S2 den Einstieg bei den Standlautsprechern: Für 1.198 Euro bietet sie ein eigenständiges Konzept als Zweieinhalb-Wege-Design – ein Merkmal, das die GLE 70 S2 von ihren größeren Geschwistern unterscheidet, die allesamt als klassische 3-Wege-Konstruktionen auf den Markt kommen.
Doch wofür steht eigentlich das Kürzel „GLE“? Günstig, leicht und elegant? Stimmt nicht, es steht laut Moritz Jung, Head of Marketing & International Sales, für „Große Lautsprecher Einheit“. Nun, so groß wirkt die Canton GLE 70 S2 auf mich aber gar nicht, und deshalb gefällt mir „Günstig, leicht und elegant“ deutlich besser, schließlich stimmt’s ja auch: Ein Pärchen kostet wie gesagt humane 1.198 Euro. Auch das mit dem „Leicht“ kommt hin, schließlich wiegt die Standbox gerade einmal 15,2 Kilogramm, meine kaum größere Canton Reference 7 (6.000 Euro pro Paar) kommt zum Beispiel auf mehr als das Doppelte (33 Kilogramm). Ob das „E“ für Eleganz steht oder nicht, ist freilich Geschmackssache und liegt im Auge des Betrachters.

Klare Kante, runde Abdeckung: Die Lautsprecher aus Cantons GLE-Serie zeichnen sich durch gerade Linienführungen aus – die mitgelieferten Stoffabdeckungen setzen mit ihren Rundungen einen netten Kontrast hierzu. Sie haften magnetisch
Klare Linien
Ein Lautsprecher für Angeber ist die Canton GLE 70 S2 jedenfalls nicht, dafür wirkt sie äußerlich zu unauffällig. Fakt ist: Während die aktuelle Reference-Serie der Hessen komplett auf Rundungen setzt, erweist sich die GLE 70 S2 als das genaue Gegenteil: Abgesehen von den Treibern auf der Vorderseite, den vier runden Standfüßen unten und den magnetisch haftenden Stoffabdeckungen setzt Canton hier eher auf gerade Linien und klare Kanten. Okay, die Anschlüsse am Single-Wiring-Terminal sind auch noch rund, hier passen Bananenstecker optimal rein.
Auf ein Bi-Wiring-Terminal wie etwa in der Vento- oder Reference-Serie verzichten die Hessen jedoch und investieren das Budget lieber in andere Technologien. Wenige Zentimeter über dem Single-Wiring-Terminal thront das Bassreflexrohr, die Canton GLE 70 S2 strahlt die Bassenergie also nach hinten und nicht auf einen Standsockel nach unten ab, wie das etwa bei der Townus- oder Vento-Baureihe geschieht.
Das schlanke Design wirkt aufgeräumt, dezent und dominiert den Wohnraum nicht – wer’s nicht glaubt, werfe einen Blick auf die Abmessungen: 19 × 95 × 28 Zentimeter (B×H×T). Dadurch fügen sich die Boxen – zumindest optisch – auch gut in kleinere Räume ein, die Aufstellungsempfehlungen und -beobachtungen folgen weiter unten. Durch ihr geringes Gewicht lässt sie sich leicht bewegen, was das Finden des optimalen Ausstellungsorts erleichtert, so viel sei schon mal verraten. „Effektiv spielt die GLE 70 S2 ganz hervorragend in jeder räumlichen Situation, allerdings ist sie schon eher für kleinere und mittelgroße Räume gedacht“, lässt mich Timo Gabb aus Cantons Entwicklungsabteilung auf Nachfrage wissen. Meinen 26-Quadratmeter-Raum füllen sie auch bei hohen Pegeln aus, ab 30 qm² aufwärts darf es dann aber wohl gerne ein größeres Modell sein.
Die Verarbeitung und Materialanmutung des in Tschechien hergestellten Schallwandlers gehen preisklassenbezogen völlig in Ordnung, in die Spaltmaße der vorne aufgesetzten, lackierten Schallwand passt kein Fingernagel rein. Bei den lieferbaren Farben beschränkt sich Canton auf seidenmattes Schwarz und Weiß und verzichtet auf eine Hochglanzlackierung und weitere optische Highlights. Kein Wunder: In dieser stark umkämpften Preisklasse herrscht enormer Preisdruck, hier muss jeder investierte Cent genau überdacht werden. Wer die Treiber schützen möchte, bringt die magnetisch sehr fest haftenden, an den Ecken abgerundeten Stoffabdeckungen an. Canton gewährt fünf Jahre Garantie auf die neuen GLE-Modelle, was in dieser Preisklasse nicht zu den Selbstverständlichkeiten zählt und von Selbstbewusstsein zeugt.
Goldener Mittelweg: Zweieinhalb Wege
Canton hat unsere „Große Lautsprecher Einheit“ 70 S2 als einziges Modell innerhalb der GLE-Serie als Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher konstruiert. Während sich bei den Drei-Wege-Boxen ein Tieftöner ausschließlich um den Bass, ein Mitteltöner nur um die Mitten und ein Hochtöner um die hohen Töne kümmert, deckt das obere 174-mm-Chassis bei der Canton GLE 70 S2 den Bass und die Mitten ab, während der untere Tieftöner ausschließlich den Bassbereich unterstützt; das soll ihr mehr Autorität und Tiefe verleihen, als in dieser Klasse mit einem reinen Zweiwegler möglich wäre.

Die Canton GLE 70 S2 ist die kleinste Standbox der Serie – und als einzige ein Zweieinhalb-Wege-System: Der untere Tiefmitteltöner arbeitet nur im Bassbereich, während der darüberliegende auch noch den Mittelton verantwortet
„Wir geben so dem tieffrequenten Bereich etwas zusätzliche Unterstützung parallel hinzu“, erklärt Canton-Chefentwickler Frank Göbl auf meine Nachfrage. So vergrößert sich laut Göbl die Membranfläche, was einen größeren Dynamikumfang ermöglicht. Die Trennfrequenzen liegen bei 300 und 3200 Hertz. Mit einem verstärkerfreundlichen Wirkungsgrad von 89,5 dB (2,83 V/1 m) ist die kleine 70er-GLE leichter anzutreiben als meine Canton Reference 7, die eine Empfindlichkeit von 87,5 dB aufweist.
Technische Verfeinerungen
Im Vergleich zur alten GLE-Reihe besteht die S2-Generation nicht nur aus mehr Modellen, sondern sie bringt auch technische Verfeinerungen mit. Besonders zu nennen sind dabei die neuen ATB-Treiber (ATB: Aluminium-Titan-Black).

Bei den neuen ATB-Treiber in der Canton GLE 70 S2 wird durch ein spezielles Oberflächenverfahren die Membranstruktur optimiert, was sich klanglich auszahlen soll
Diese sind laut Timo Gabb von den Chassis aus Cantons Reference-Serie inspiriert und tragen dies mit ihrem schwarzen Look auch nach außen. Es geht aber nicht nur um Optik, „sondern um bestimmte Veredelungsformen bezüglich der Steifigkeit und der inneren Dämpfung“ der Membran, wie Frank Göbl betont. Im Prinzip hat Canton mit den ATB-Treibern laut Göbl eine optimierte Zwischenstufe zwischen reinem Aluminium und den teureren Keramik-Membranen erschaffen. Ziel war es, hohe Steifigkeit bei gleichzeitig besserer innerer Dämpfung zu erreichen, um ein präzises Impulsverhalten ohne störende Resonanzen sicherzustellen. Durch ein spezielles chemisches Oberflächenverfahren werde die Membranstruktur optimiert, ohne zusätzliches Gewicht hinzuzufügen, wodurch sich das Schwingungsverhalten verbessere, so die Hessen.

Der Aluminium-Hochtöner der Canton GLE 70 S2 übernimmt ab 3200 Hertz das Geschehen – auch er wurde für den Einsatz in der neuen Serie überarbeitet
Auch der 25-Millimeter-Hochtöner wurde modifiziert und weist nun eine Aluminium-Black-Membran (AB) auf, während Canton den integrierten Waveguide der Vorgängerserie beibehielt, was einfach daran liegt, dass „der hier verwendete Waveguide extrem gut funktioniert“, so Timo Gabb, also ein homogenes Klangbild und Abstrahlverhalten ermöglicht. „Das neue Schwingsystem stammt aus der höherwertigen Vento-Serie, nutzt aber kein keramisches Material“, ergänzt Frank Göbl. Durch eine geometrisch optimierte, stärker gewölbte Kalotte und eine einfachere, leichtere Schwingspule soll der Hochtöner eine größere Bandbreite und geringere Verzerrungen erreichen.
Canton GLE 70 S2: Hörtest und Vergleiche
Zunächst einmal habe ich mal wieder nach längerer Zeit mein Single-Wire-Lautsprecherkabel Wireworld Eclipse 7 herausgekramt und es zwischen Canton GLE 70 S2 und dem McIntosh-Vollverstärker MA8950 AC mit integriertem DA-2-Wandlermodul geklemmt. Okay, diese Paarung wird in der Realität wegen des enormen Preisunterschieds wohl kaum vorkommen, andererseits kann die kleine Canton so aber auch zeigen, was sie wirklich auf dem Kasten hat.

Canton Reference 7 (außen stehend) und GLE 70 S2 (innen) im Hörraum – natürlich liegen die beiden Canton-Speaker in ganz unterschiedlichen Preisklassen, trotzdem waren die Quervergleiche ganz aufschlussreich
Obwohl das Pärchen nicht fabrikneu und schon halbwegs eingespielt war, gönnte ich ihm ein paar Tage Eingewöhnungs- und Eingroovezeit. In dieser Zeit höre ich immer nur mit einem Ohr oder anderthalb Lauschern hin, verzichte also auf konzentriertes Hören. Trotzdem fiel mir nebenbei schnell der für so eine kleine Standbox überraschend tiefe Bass auf, etwa beim wuchtig-elektronischen „As Alive As You Need Me To Be“ der Industrial-Rocker Nine Inch Nails, die den Soundtrack zum aktuellen „Tron“–Film geschrieben haben. In puncto Tiefe kommt die Canton GLE 70 S2 doch tatsächlich fast an die fünfmal so teure Reference 7 heran, was ja schon ziemlich klasse ist! Okay, die Reference 7 wuppt den Bass natürlich ein gutes Stück straffer, federnder und besser kontrolliert in den Raum. Doch das heißt wiederum nicht, dass die GLE 70 S2 im Tiefton weich oder gar schwabbelig agiert – sondern nur, dass in Sachen Souveränität, insbesondere bei höheren Pegeln, ein Unterschied deutlich wird, der allerdings seinen Preis hat. Wäre ja auch komisch, wenn nicht.
Ich würde den Bass der Canton GLE 70 S2 als allenfalls minimal wärmer/satter einstufen, er gibt sich weder schlank noch aufgedickt – wenn sie denn rund 70 bis 80 Zentimeter von der Rückwand entfernt steht. Quetscht man sie hingegen ins Eck, läuft der Bass leicht aus dem Ruder, das sollte man wissen, bevor man sie in ein 12-Quadratmeter-Zimmerchen stellt. Passt es mit der Aufstellung, präsentiert einem die GLE 70 S2 allerdings einen schön straff und sauber abgestuften Bassbereich. Im Vergleich mit einer ähnlich teuren, ebenfalls auf 2,5 Wege setzenden Nubert nuBoxx B-60 (976 Euro pro Paar) wirkt der Tiefbass zwar minimal zurückgenommener – aber das liegt an der Nubert, schließlich langt die hier überdurchschnittlich kräftig hin.
Rund statt rabiat: Grob- und Feindynamik
In puncto Dynamik ähneln sich die Nubert nuBoxx B-60 und die Canton GLE 70 S2 stark – beide sind keine „Grobdynamik-Monster“, die einem die Gesichtszüge aus dem Gesicht schießen. Sprich: Bei großen, plötzlich auftretenden Lautstärkeunterschieden gehen sie eher gnädiger, behutsamer und fließender als ausgesprochen explosiv-zackig vor. Das zeigt sich beispielsweise bei „Demigods“ von den Industrial-Rockern Health – ein Stück das, eher untypisch für moderne Rockproduktionen, eine große Dynamic Range und starke Pegelunterschiede aufweist. Gegen Ende explodiert das Stück förmlich und stellt dabei das Equipment auf eine harte Probe. Bei meiner Canton Reference 7 kommt dieser Pegelsprung etwas wuchtiger und gnadenloser rüber, aber längst nicht sooo deutlich, wie man angesichts der Preisdifferenz vermuten könnte. Die GLE 70 S2 ist also kein temperamentloser Langweiler, sie schiebt schon ordentlich an, aber halt eher etwas runder und versöhnlicher.

Runder, größer, schwerer, teurer: Die Canton Reference 7 (links) entstammt der Top-Linie der Hessen, die GLE 70 S2 (rechts) hingegen der deutlich preisgünstigeren GLE-Baureihe
Um die Feindynamik zu testen, wähle ich ein Stück, das seit vielen Wochen unter meine Haut geht: „To The Wilder“ von Woodkid. Der französische Musiker und Musikvideo-Regisseur hat unter der Bezeichnung „Woodkid For Death Stranding 2: On The Beach“ das gleichnamige Videospiel musikalisch untermalt und einen melancholischen Soundtrack für dieses außergewöhnliche Game kreiert. Von „To The Wilder“ gibt es auch eine reine Pianoversion auf dem Soundtrack, die die Stimme von Woodkid und die gesamte Atmosphäre noch besser auf den Punkt bringt als die reguläre Version. Die kleinen, feinen Klavieranschläge in diesem Stück gibt unsere „Große Lautsprecher Einheit“ unverzögert und spurtreu, aber auch nicht „überhart“. Sprich: Attacke und Fluss halten sich die Waage, das Ausklingen der Töne lässt sich in der Ballade – Applaus! – schön nachvollziehen.
Kleine Details ganz groß
Schreiten wir zum Auflösungsvermögen der Canton GLE 70 S2: Wie gut arbeitet sie Details heraus? In „In My Place“ vom neuen Mononlik-Album The Beauty Of It All ist zu Beginn ein leises Knistern im Hintergrund vernehmbar, das an Staub auf einer Schallplatte erinnert. Später wird das Knistern im Mittelteil noch deutlicher. Als ich das Stück erstmals im Auto mit meiner gar nicht mal so guten Harman/Kardon-Anlage hörte, merkte ich anfangs gar nicht, dass da dieses Geräusch im Hintergrund ist.
In den eigenen vier Wänden war es dann aber mit allen verfügbaren Lautsprechern von Anfang an hörbar, auch mit der Canton GLE 70 S2. Die Reference 7 arbeitet es noch eine Spur deutlicher heraus, logisch, doch der Unterschied zwischen kleiner und großer Schwester fällt geringer aus als man denken sollte. Sprich: In dieser Disziplin stellt die GLE 70 S2 für einen Schallwandler dieser Preisklasse eine sehr positive Überraschung dar – Fans feiner Details kommen mit der kleinen Canton voll auf ihre Kosten. Das wurde mir endgültig klar, als ich mir mehrmals „Myth“ des Dream-Pop-Duos Beach House anhörte (Album: Bloom). Der Song besteht aus mehreren schwebenden Schichten, in denen viele Details sehr leise, sanft verhüllt oder teilweise in Hallräume „versteckt“ sind. Die Canton GLE 70 S2 trennt die Stimme und die dezenten Hallfahnen schön voneinander – das schaffen nur hochauflösende Lautsprecher. Ich habe schon Boxen gehört, wo Stimme und Hall bei diesem Hörbeispiel zu einer Art Wolke verschmelzen und die feinen Informationen mehr oder weniger verschlucken.
Hochton
Das liegt auch an der Hochton-Darstellung der Hessin, die weder aufdringlich noch zurückhaltend gerät. Die Höhen fügen sich sehr harmonisch ins Gesamtbild ein, so etwa bei Radioheads „Reckoner“ vom 2007er-Album In Rainbows: Die Percussionelemente, die fließenden Gitarren und Thom Yorkes hohe Stimme stellt die Canton – wenn sie leicht auf den Hörplatz eingewinkelt wird – unaufgeregt und schön luftig, aber nie offensiv oder gar scharf dar. Ein sehr gelungener Balanceakt. Bei stärkerer Ausrichtung auf den Sweet Spot nimmt die Hochtonintensität natürlich etwas zu, was in die Kategorie Geschmackssache fällt. Hier gilt wie immer: Boxen rumschieben und mit den Wandabständen und der Einwinkelung experimentieren. Frank Göbl empfiehlt, ähnlich wie bei der Reference-Serie, nur eine leichte Einwinkelung auf den Hörplatz – ein Eindruck, den ich in der Praxis bestätigen kann.
Grundsätzlich haben die Hessen bei den Höhen eine feine und aus meiner Sicht sehr langzeittaugliche Balance gefunden, wenn man diese Empfehlung beherzigt. Die preislich vergleichbare Truesound TS 900 (898 Euro pro Paar) des inzwischen nicht mehr existenten Direktversenders Saxx geht mit ihrem Horn-Hochtöner beispielsweise direkter und offensiver vor, während sich die Canton GLE 70 S2 als deutlich besser abgestimmt und langzeittauglicher erweist.
Mitten zum Mitanstoßen
Auch die Mitten klingen geradezu beispielhaft neutral und monitorhaft, was einen im Zusammenspiel mit dem bereits erwähnten hohen Auflösungsvermögen schön in die Musik hineinzieht. Das zeigt sich zum Beispiel in „Los Angeles“ vom neuen Big-Thief-Album Double Infinity. Im sanft mit Akustikgitarre, leisem Rascheln, Stimmengewirr und Lachen im Hintergrund startenden Folk-Rock-Song einer ausklingenden Nacht unter freiem Himmel fügt sich Adrianne Lenkers Stimme organisch und transparent ins Geschehen ein. Man hört die Atempausen, die Artikulation, die Klangfarben und möchte – klirr! – mit einem Bierchen in der Hand mitanstoßen.
Gesamtlage
Womit wir auch schon bei der Gesamttonalität der GLE 70 S2 sind: Während der Bass minimal ins Warme tendiert, bleiben die Höhen und Mitten neutral. Gut so, denn damit zeigt sich die kleine Canton auch tonal als ehrliche Haut und dürfte so das Gros der Musikfans abholen, das „Extreme“ eher meidet. Oder andersherum formuliert: Hörer, die bewusst eine besonders warm-euphonische oder, im Gegenteil, eine helle Abstimmung suchen, werden hier weniger bedient, denn die Zweieinhalb-Wege-Box bewegt sich vorbildlich auf der neutralen Linie, von der erwähnten kleinen Abweichung einmal abgesehen.
Entspannt im Raum
Dass der Canton GLE 70 SE trotz dieser insgesamt ziemlich neutralen Gangart eher etwas leicht Zurückhaltend-Entspanntes als Offensiv-Anspringendes anhaftet, liegt neben der eher runden Grobdynamik auch an ihrer Bühnendarstellung. Hier zeigt sich beispielsweise anhand des ausgesprochen räumlichen „Into The Black Wide Open“ der deutschen Post-Rocker Long Distance Calling (Album: Long Distance Calling, 2011), dass sich die Bühne nicht allzu offensiv nach vorne zum Hörplatz ausdehnt, wie es zum Beispiel bei der Canton Vento 100 (4.698 Euro) der Fall ist. Vielmehr startet das Geschehen auf beziehungsweise knapp vor Lautsprecherbasislinie, was den im Vergleich etwas dezenteren Eindruck erklärt.
Seitlich ragt die Bühne ein kleines Stückchen über die Boxen hinaus. Aufgrund der geringen Bauhöhe von nicht einmal einem Meter ist sie nach oben hin ein wenig begrenzt, doch die Tiefenstaffelung geht für die Preisklasse völlig in Ordnung. In puncto Ortungsschärfe und Plastizität liefert die Canton GLE 70 S2 allerdings eine für einen Lautsprecher dieser Liga tolle dreidimensionale Darstellung: Instrumente erscheinen schön greifbar und klar voneinander getrennt.
Test: Canton GLE 70 S2 | Standlautsprecher




