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Der Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer Cambridge Audio Melomania P100 SE
HiFi-Test

Test: Cambridge Audio Melomania P100 SE | Kopfhörer

Tiefgründig

Im Test: Cambridge Audio Melomania P100 SE - Bluetooth-Kopfhörer mit ANC

UVP zum Testzeitpunkt: 279 Euro

Web: https://www.cambridgeaudio.com/eur/de

Gerade mal etwas mehr als ein Jahr war es her, dass Cambridge Audio mit dem Melomania P100 einen kabellosen Active-Noise-Cancelling-Kopfhörer auf den Markt brachte, schon reichten die Engländer im Herbst 2025 mit dem P100 SE ein Update des Bluetooth-Over-Ears nach. Wer jetzt mutmaßt, der 1968 gegründete Audiospezialist mit Sitz in London, wo rund 20 Ingenieure fleißig entwickeln, habe sich durch seine chinesische Fertigung dem Produktzyklus und der Marketingstrategie asiatischer Hersteller angepasst, welche nahezu identische Produkte im Abstand von weniger als einem Jahr auf den Markt bringen – der irrt. Denn Cambridge Audio überarbeitete neben Detailverbesserungen wie einem bequemeren Sitz der Kopfhörer oder einer längeren Akkulaufzeit auch die Klangabstimmung – und ist so auf zahlreiche Kundenwünsche eingegangen. Wie sich der Cambridge Melomania P100 SE (279 Euro | www.cambridgeaudio.com/eur/de) bei uns im täglichen Einsatz schlägt, lesen Sie im Folgenden.

Lieferumfang und Design

Der Cambridge Melomania P100 SE wird in einer schlichten schwarzen Umverpackung geliefert. Der Kopfhörer selbst befindet sich samt Verbindungskabeln zum Laden und zur kabelgebundenen Musikwiedergabe (1× USB-C-zu-USB-C, 1× USB-C-zu-3,5-mm-Stereo-Klinke) in einer Hardshell-Transportbox, die jener des B&W PX7 S2 (440 Euro) nicht unähnlich sieht, allerdings ein wenig größer ausfällt. Ein Quick-Start-Guide und die obligatorische Garantiekarte sind dem Melomania ebenfalls beigelegt.

Der Cambridge Audio Melomania P100 SE im Transport Case
Der Cambridge Audio Melomania P100 SE in seiner angestammten Transportbox

Der Melomania P100 SE selbst wirkt in seinem Kunststoffkleid – nur die äußeren Muschelabdeckungen sind aus Aluminium – sehr gut verarbeitet. Gegenüber dem P100 ohne SE wurde der Kopfbügel laut Cambridge Audio mit einem speziellen, flexibleren Kunststoffgemisch neu konstruiert, um den Anpressdruck zu optimieren und zusammen mit der stärkeren Polsterung überdies den Tragekomfort weiter zu erhöhen. Bei mir sitzt der kabellose Kopfhörer genügend stramm und dank der weichen Ohrpolster auch sehr angenehm, ohne bei schnelleren Kopfbewegungen zu rutschen oder nach längerem Tragen zu drücken.

Erhältlich ist der britische Kopfhörer in drei Farben: Schwarz, Weiß und Blau. Im Vergleich zum B&W PX7 S2 und auch einem Beyerdynamic Lagoon ANC (300 Euro) baut der Melomania P100 SE wie sein Vorgänger etwas tiefer und insgesamt weniger kompakt und fällt dadurch unterwegs mehr auf als andere ANC-Modelle.

Bedienung

Die Knöpfe zur Steuerung des Bluetooth-Hörers finden sich an beiden Ohrmuscheln gut erreichbar und vor allem klar differenzierbar an der hinteren Unterseite der Muscheln. Links befindet sich der Schieberegler zum Ein- und Ausschalten, welcher gleichzeitig durch dreisekündiges Halten die Sichtbarkeit für koppelbare Bluetooth-Geräte freischaltet. Oberhalb dessen wechselt man zwischen den drei Betriebsmodi (Noise Cancelling, Normal- und Transparentmodus). Ebenfalls auf der linken Ohmuschel wurde die USB-C-Buchse zum Aufladen des Kopfhörers platziert. Diese dient übrigens auch der kabelgebundenen Verbindung zu Abspielgeräten.

Funktionstasten des Cambridge Audio Melomania P100 SE und USB-C-Anschluss
Die Funktionstasten des Cambridge Audio Melomania P100 SE zur Bluetooth-Koppelung und ANC-Regelung sowie der auch den Kabelbetrieb ermöglichende USB-C-Anschluss

Auf der rechten Ohrmuschel finden sich die Knöpfe zur Lautstärkeregelung, die bei doppeltem Antippen auch zum Stoppen der Songs herhalten, sowie ein zugegebenermaßen etwas klein geratener Button für die Gesprächsannahme und die Play-/Pause-Funktion. So oder so geht das Navigieren nach einer kurzen Eingewöhnungsphase – jeder Bluetooth-Hörer steuert sich hier etwas anders – einfach und intuitiv von der Hand.

Bewährte Technik mit Soundtuning

Mit Blick auf die unmittelbare akustische Hardware ist beim Cambridge Melomania P100 SE im Vergleich zum Vorgänger das Wesentliche beibehalten worden: Die 40 Millimeter durchmessenden dynamischen Treiber mit Sandwich-Membran, welche sich schon im P100 bewähren konnten, kommen auch im neuesten Modell zum Einsatz. Dennoch sei das Klangbild angepasst worden, so die Engländer: Man habe auf Kundenwünsche reagiert und den Sound in Richtung eines dynamischeren, erweiterten Klangbilds getrimmt – mehr dazu aber im Klangteil.

Der Cambridge Melomania P100 SE liegend
Gegenüber dem Vorgängermodell wurde der Kopfbügel des Melomania P100 SE laut Cambridge Audio mit einem speziellen, flexibleren Kunststoffgemisch neu konstruiert

Die Verstärkung des Cambridge Melomania P100 SE arbeitet mit Class-AB-Technik, die ausreichend Kraft auch für hohe Pegel liefern soll. Über mein Sony Xperia 10 VI (350 Euro) liegt er so bereits bei mittlerer Reglerstellung über einer langfristig empfehlenswerten Lautstärke. Die Akkulaufzeit wird mit bis zu 100 Stunden bei der Musikwiedergabe über Bluetooth und ausgeschaltetem ANC angegeben (bis zu 60 Stunden mit ANC). Das ist verglichen mit der Konkurrenz ein sehr hoher Wert. Ein Bowers & Wilkins PX7 S2 zum Beispiel hält nur etwa halb so lange. Dass diese Werte durchaus praxisbezogen sind, zeigt die Hochrechnung einer vierstündigen Zugfahrt mit durchgehend aktivierter Geräuschunterdrückung, bei der der Kopfhörer lediglich sieben Prozent seiner Akkuladung verlor.

Bluetooth 5.3 mit aptX Lossless

Im Cambridge Melomania P100 SE sitzt ein moderner Bluetooth-5.3-Empfänger von Qualcomm, welcher neben den bereits weit verbreiteten Formaten SBC und AAC auch den neuesten aptX-Lossless-Codec unterstützt. Dieser ist mit aptX-Adaptive-Geräten abwärtskompatibel, bietet bei entsprechender Unterstützung am Zuspieler jedoch laut Qualcomm eine verlustfreie Wiedergabe in CD-Qualität (16 Bit/44,1 kHz). Auf andere hochauflösende Codecs wie LHDC oder LDAC wurde zugunsten von aptX Lossless verzichtet. Dank der steigenden Verbreitung von mit aptX Lossless kompatiblen Endgeräten gilt dieser als zukunftssicher und steigert durch Datenraten von bis zu 1.200 kbit/s die Akzeptanz der Bluetooth-Übertragung auch bei Audiophilen.

Die Muscheln des Cambridge Audio Melomania P100 SE von innen
So rum oder anders rum? Beim Cambridge Audio Melomania P100 SE gibt’s kein Vertun …

Noise Cancelling: Besser als erwartet!

Im Vergleich zu meinem derzeitigen Alltagshörer von Bowers & Wilkins, dem B&W PX7 S2, ist den Cambridge-Audio-Ingenieuren mit dem Melomania P100 SE eine hörbar bessere Abschirmung von Außengeräuschen gelungen.

Gerade die in öffentlichen Verkehrsmitteln oft störenden Gespräche von Mitfahrenden werden sehr effektiv gedämpft, sodass man bei laufender Musik kaum noch wahrnimmt, dass gesprochen wird. Auch tieffrequente Geräusche wie die Vibrationen des Busmotors oder der Zuggleise werden routiniert herausgefiltert. Nur die Platzhirsche beim Noise Cancelling – Bose QuietComfort (299 Euro) und Sony WH-1000XM6 (399 Euro) – sind noch einen Hauch effektiver und filtern nochmals mehr Nebengeräusche heraus.

Einen Wermutstropfen bei dieser starken Geräuschunterdrückung gibt es allerdings: Das Grundrauschen, das bei nahezu jedem Kopfhörer mit aktiviertem ANC mehr oder weniger hörbar wird, ist beim Melomania P100 SE ohne laufende Musik etwas präsenter als etwa beim B&W PX7 S2, einem Beyerdynamic Lagoon ANC oder den Technics EAH-AZ100 (299 Euro). Ein verkraftbarer Trade-off für die exzellente Geräuschreduzierung, zumal das Grundrauschen ohnehin nicht mehr wahrnehmbar ist, sobald Musik spielt.

Markenlogo am Cambridge Audio Melomania P100 SE
Cambridge Audio hat ein sehr effektives Noise Canelling entwickletl

Auch die Stimmen der Gesprächspartner werden über das Bluetooth-Protokoll dank zusätzlicher Technologien von Qualcomm klar übertragen. So kommt etwa Clear Voice Calling (cVc 8.0) zum Einsatz, bei dem Umgebungsgeräusche softwareseitig gezielt aus dem Telefongespräch herausgefiltert werden, um die Stimme am anderen Ende der „Leitung“ besser verständlich zu machen. Dieser Algorithmus arbeitet unabhängig vom klassischen ANC und nutzt dafür zwei Mikrofone.

Melomania Connect: Neues Design, mehr Übersicht

Für nahezu alle Bluetooth-Kopfhörer gilt eine übersichtliche und gut funktionierende App für Smartphones und Tablets schon seit Längerem als obligatorisch. Cambridge Audio hat seine alte Melomania-App, welche primär für die In-Ears Melomania Touch (129 Euro) und Melomania 1+ (129 Euro) Verwendung fand, grundlegend überarbeitet  – und präsentiert nun die „Melomania Connect App“ im neuen Design inklusive eines neuen, orangenen Cambridge-Audio-Logos. Die App erkennt den Melomania P100 SE, sofern er mit dem Smartphone oder Tablet über Bluetooth verbunden ist, automatisch und zeigt den Kopfhörer mit Produktbild und -namen zuoberst auf der Hauptseite an. Darunter befindet sich die Akkustandsanzeige des Kopfhörers sowie die Versionsnummer der Firmware (bei mir zum Testzeitpunkt 1.1.9 und 1.2.0), die sich durch Antippen auf ihre Aktualität überprüfen lässt.

Equalizer-Einstellung in der App des Cambridge Audio Melomania P100 SE
Blick auf die Melomania Connect App: Natürlich gibt’s auch einen Equalizer und komfortable Presets

An Einstellungsmöglichkeiten bietet die Connect App einiges. Dazu zählen etwa die Optionen für die „Geräuschkontrolle“. Hier kann zwischen Normal (ANC aus), Geräuschunterdrückung (Hoch, Mittel, Niedrig) und Transparent (Hoch, Niedrig, Stimmenfokus) gewählt werden. Weiters gibt‘s ein Equalizer mit sechs Presets (Linear, Blues, Electronic, Natürlich, Rock und Stimme) sowie einen 7-Band-Equalizer, der den Melomania P100 SE exakter an die persönlichen Klangpräferenzen anpasst.

Einstellungen wie die Trageerkennung, das akustische Feedback (Pieptöne oder Sprache) nach einem Knopfdruck oder die automatische Ausschaltfunktion (30 Minuten, 60 Minuten oder Nie) lassen sich ebenfalls konfigurieren. Neu hinzugekommen ist das von Cambridge Audio „DynamEQ“ genannte Anheben von Tiefen und Höhen, um die Wiedergabequalität auch bei niedriger Lautstärke optimal zu gewährleisten. Der „Spielemodus“ garantiert darüber hinaus eine möglichst niedrige Latenz zwischen Abspielgerät und dem Cambridge Melomania P100 SE. Gerade bei Filmen oder eben Spielen kann dies die Verzögerung zwischen Bild- und Tonausgabe deutlich minimieren.

Cambridge Audio Melomania P100 SE: Hörtest & Vergleiche

Etwas überrascht bin ich nach den ersten Soundproben mit dem britischen Over-Ear dann doch. Einen derart potenten Tiefbass hätte ich vom Cambridge Audio Melomania P100 SE jedenfalls nicht erwartet. Ein Blick in die App zeigt mir, dass die oben bereits erwähnte automatische Klanganpassung „DynamEQ“ aktiviert ist. Das Anheben von Höhen und Tiefen funktioniert beim Leisehören erstaunlich gut, mag zumindest für Hörer mit Vorlieben für schlankere Bassabstimmungen jedoch ein klein wenig zu viel des Guten sein. Für die weiteren Hörsessions wurde der P100 SE deshalb ohne Klangverbiegungen betrieben: Bei „linearer“ Wiedergabe zeigt sich das Klangbild durchaus erwachsen, ebenfalls mit leichten Betonungen im oberen sowie vor allem im untersten Frequenzbereich. Die Ausprägungen sind aber so gering und sind hörpsychologisch so gut austariert, dass ich dem Melomania P100 SE insgesamt dennoch einen sich ausgewogen anfühlenden Charakter bescheinige. Kommen wir zum Einzelnen:

Hochton: Präsent und doch langzeittauglich

Die Außenseiten der Ohrmuscheln des Cambridge Audio Melomania P100 SE

Die recht junge österreichische Jazzformation In Embers weiß mit ihren Instrumenten – Klavier, Kontrabass und Schlagzeug – rhythmisch wie auch melodisch zu überzeugen. Gerade die Hi-Hats und das Becken des Schlagzeugs werden bei „Cumulus“ (gleichnamige EP) überaus feinfühlig und detailliert an meine Ohren weitergeleitet, wenn der Melomania P100 SE die Schwallwandlung besorgt. Dabei wird dem Zuhörer diese Detailfülle keineswegs durch die Anhebung der Lautstärke im Hochton bloß vorgegaukelt.

Der Superhochton  – und damit viele Obertöne des Schlagzeugs wie z.B. der für Becken typische metallisch-klirrende Anschlag – lassen sich mit dem neuesten ANC-Spross von Cambridge Audio mühelos wahrnehmen. Die ebenfalls klar artikulierten Obertöne von Klavier und Kontrabass verleihen dem Kopfhörer ein offenes, zugleich aber natürliches Klangbild. Trotz dieser stärkeren Prägnanz im Superhochton gelingt es dem Cambridge Audio Melomania P100 SE weder aggressiv noch überbordend zu klingen. Ganz im Gegenteil: Die Höhen besitzen trotz ihres leicht frischen Tunings einen angenehmen Charakter – Sauberkeit und Feinfühligkeit sei Dank.

Der Cambridge Audio Melomania P100 SE hängend an einem Geländer
Mit angenehm langem Sustain: der Cambridge Audio Melomania P100 SE

Stellt man dem Melomania P100 SE nun einen ähnlich bepreisten Konkurrenten in Form eines B&W PX7 S2 gegenüber, wird schnell klar, dass der ANC-Hörer von Cambridge Audio nach oben hin ein längeres – für mich realistischeres – Ausklingverhalten suggeriert. Becken verfügen über genügend Abklingzeit, ohne ein überlanges Sustain zu zeigen, und erscheinen dadurch trotz stärkerer Beteiligung des Hochtons realistischer. Gegenüber dem preislich etwas höher angesiedelten Beyerdynamic Lagoon ANC (399 Euro) präsentiert sich der Melomania P100 SE ebenfalls mit einem offensiveren und detailreicheren Hochton, der der gesamten Musik im direkten Vergleich einen leicht helleren Touch verleiht. Insgesamt kann ich dem Cambridge Audio ein natürlich wirkendes, aber nicht zuletzt durch den angehobenen Hochton tendenziell helleres Klangbild bescheinigen.

Elfland Trio E lf Freilich profitiert auch die Feindynamik von dieser qualitativ gelungenen Höhenwiedergabe, sodass noch feinste Dynamikänderungen zuverlässig wahrnehmbar sind. Gut hörbar ist das bei „Sounds in my garden“ des deutschen Trio Elf in der Live-Version. Hier wird der Sprung von ruhiger Klavierbegleitung und leisen Beckenanschlägen hin zur Forte-Passage des Klaviers und den energetischen Anschlägen der Toms schnell und schlackenlos dargestellt. Durch die zusätzlich hohe Detailauflösung werden überdies keine noch so kleinen Eigenheiten der Aufnahme oder Fehlgriffe der Musiker unterschlagen – die Schwächen von Aufnahmen offenbaren sich also ebenfalls leichter.

Mitten: Ein Pils müsste man sein – klar und hell

Außen- und Innenansicht der Ohrmuscheln des Cambridge Audio Melomania P100 SE
Der Cambridge Audio Melomania P100 SE bietet eine hohe Sprachverständlichkeit

Im mittleren Frequenzbereich wartet der Cambridge Audio Melomania P100 SE mit einer auffällig unauffälligen Wiedergabe auf, die etwas hinter der Spielfreude anderer Bluetooth-Kopfhörer – etwa der mittenstarken Bowers-&-Wilkins-Modelle PX7 S2 und PX8 S2 (729 Euro) – zurückbleibt.

Was bedeutet das nun im Detail?

Der Präsenzbereich, maßgeblich für die Wahrnehmung von Stimmen und Instrumenten sowie für deren Durchsetzungsvermögen schließt gut an den Hochton an. Stimmen klingen sauber und ausreichend von der Gesamtpräsentation differenziert, um nicht von etwa Schlagzeug oder E-Gitarre überdeckt zu werden. Im Pegel bleiben sie jedoch etwas zurückhaltender als über die genannten Modelle von Bowers & Wilkins, die den Mittenbereich direkter wirken lassen, aber dadurch auch etwas weniger Räumlichkeit vermitteln.

Durch die präsenteren Höhen kommen beim Melomania P100 SE S-Laute bei Gesang klarer zur Geltung; die gesamte Sprachverständlichkeit – selbst bei niedrigeren Lautstärken – nimmt ebenfalls zu. Vergleicht man den Cambridge Audio Melomania P100 SE beispielsweise mit dem Beyerdynamic Lagoon ANC (399 Euro), zeigen sich im Mittenbereich deutliche Parallelen. Der neue Kopfhörer von Cambridge Audio bietet eine ebenso detaillierte und durchhörbare  Mittenwiedergabe, mutet unterm Strich durch den präsenteren Hochton gleichwohl etwas luzider an. E-Gitarren wirken bei stark verzerrten Riffs weniger körperhaft als etwa über einen B&W PX7 S2. Ursache hierfür ist vor allem der minimal zurückhaltende Grundtonbereich. Ein Indiz für den Detailreichtum des Cambridge Melomania P100 SE im Mittenbereich stellt die präzise Darstellung einzeln angeschlagener Saiten dar, selbst im Dschungel stark verzerrter Gitarren.

Funktionstasten des Cambridge Audio Melomania P100 SE auf der rechten Ohrmuschel
Auf der rechten Ohrmuschel des Cambridge Audio Melomania P100 SE finden sich die Taster zur Lautstärkeregelung, für die Gesprächsannahme sowie für Play/Pause

Qualitativ können die Mitten beim Melomania P100 SE also durchaus überzeugen. Wer an dieser Stelle mehr Pegel erwartet, kann das natürlich per Equalizer einrichten – der Kopfhörer reagiert auf die Lautstärkeanhebungen ausgesprochen wohlwollend und neigt auch bei einer stärkeren Anhebung zu wenig bis keinen Verzerrungen.

Schöne Breitseite: die Bühnenabbildung

Trio E lf FramBühnentechnisch kann der Cambridge Audio Melomania P100 SE vor allem angesichts seiner geschlossenen Bauweise überzeugen. Die Raumdarstellung fällt im Vergleich zu den beiden Bowers-&-Wilkins-Hörern (PX7 S2 und PX8) insbesondere in der Breite großzügiger aus. Aber auch gegenüber anderen Kopfhörern in geschlossener Bauweise zeigt der P100 SE sein Können. Klar, offene Kopfhörer stellen den Raum dann doch noch etwas luftiger dar, dennoch überzeugt der Cambridge-Kopfhörer in dieser Sache.

Die Tiefenstaffelung bewegt sich auf gutem Mittelmaß, erreicht jedoch nicht die ausgeprägte Vorne-hinten-Ortung teurerer Konkurrenten wie des Sony WH-1000XM6 oder des Beyerdynamic Lagoon ANC.

Bei der Instrumentenseparation begeistert der P100 SE hingegen auf ganzer Linie. Bei „Little Brother“ des bereits erwähnten Trios Elf (Album: Fram) lassen sich Klavier, Bass und Schlagzeug klar voneinander abgegrenzt im Raum orten. Konkurrenten, etwa der Beyerdynamic Lagoon ANC, meistern die klare Aufteilung der Instrumente nicht so gut.

Eine kleine Sensation: die Basswiedergabe

Roeyksopp The Inevitable EndIm Bassbereich gibt einem der Cambridge Audio Melomania P100 SE so richtig was auf die Ohren – und das ist positiv zu werten. Lauscht man den ersten Takten von „Something in My Heart“ von Röyksopp (feat. Jamie Irrepressible), wird schnell klar, was Cambridge Audio bei der Entwicklungsarbeit im Sinn hatte: Der Bassbereich des neuen ANC-Over-Ears hinterlässt bei mir wie kein zweiter Hörer einen bleibenden Eindruck.

Vor allem reicht dieser sehr tief hinab. Den Grundton beschrieb ich ja als leicht zurückhaltend,  Richtung Kick- und Midbass steigt der Pegel dann etwas an. Dabei gerät der Bass keinesfalls aufgeblasen und kann in Sachen Schnelligkeit und Präzision auch mit den teureren Hörern von Bowers & Wilkins mithalten. Im Bass ist eine schnellere Abklingzeit neben einem steilen Impulsanstieg unter anderem ein Kriterium für eine trockene und zackige Basswiedergabe. Bei Laut-Leise-Wechseln und kraftvoller Impacts performt der Kopfhörer aus London herausragend. Gerade im Bassbereich punktet der Melomania P100 SE mit sauberer Wiedergabe und sehr guter Impulskontrolle. Zudem bleiben auch bei gehobenem Lautstärkepegel Verzerrungen aus, was dem englischen Over-Ear einen mehr als ausreichenden Headroom bietet. Die 40-Millimeter-Treiber leisten hier also tolle Arbeit.

Cambridge Audio Melomania P100 SE in Schwarz
Tiefbasswunder: Cambridge Audio Melomania P100 SE

Richtung Tiefbass spielt sich dann gar eine bombastische Leistung ab, die man bei Kopfhörern – egal welcher Bauart – selten antrifft: Der Pegel steigt noch mal deutlich an, es resultiert ein Feeling, das man sonst nur von großen Lautsprechermembranen oder dedizierten Subwoofern kennt. Klar, auch beim Cambridge Audio P100 SE bleibt das Thema Körperschall naturgemäß außen vor, der Basskeller fühlt sich aber dennoch fast so an, als hätte der Kopfhörer einen zusätzlichen Treiber nur für den Tieftonbereich. Dank des betonten und detailreichen Hochtonbereichs und der weniger druckvollen unteren Mitten gerät die Gesamtpräsentation des Kopfhörers aus Cambridge auch nicht zu dunkel.

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