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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Eigensinnlich
  2. 2 Brodmann F2: Hörtest und Vergleiche

Es gibt so einige Audio-Unternehmen mit langer Tradition, doch auch vor diesem Hintergrund hebt sich die Lautsprechermanufaktur Brodmann (Vertrieb: https://www.cm-audio.net/) deutlich ab. Nicht nur, dass der Entwickler Hans Deutsch seit mehr als einem halben Jahrhundert Schallwandler nach ganz eigenen Vorstellungen entwirft – allein schon der Markenname ist historisch aufgeladen, verweist er doch aufs frühe 19. Jahrhundert. Gut, seinerzeit ging es nicht um Lautsprecher, sondern um Klaviere – aber dennoch!

Kleine Brodmann-Historie

Ich will mich kurzhalten, versprochen, doch um einen kleinen geschichtlichen Abriss zu den hier Beteiligten komme ich einfach nicht herum.

Zur Hochzeit der Wiener Klassik gab es – in Wien, wo sonst? – eine bekannte Klaviermanufaktur namens Brodmann, bei der ein gewisser Herr Ignaz Bösendorfer in die Lehre ging, um das Klavierbauhandwerk zu lernen. Offenbar stellte er sich dabei ziemlich geschickt an, jedenfalls war er es dann, der den Betrieb 1828 übernahm und unter eigenem Namen weiterführte. Ja, ganz richtig: der Bösendorfer. Neben Steinway & Sons wohl nach wie vor einer der bekanntesten Namen im Piano-Business.

Standlautsprecher Brodmann F2

Die Standlautsprecher Brodmann F2 sehen nicht nur besonders aus, sondern sind auch technisch ungewöhnlich – auf der Front befindet sich nur der Hochtöner. Die Tiefmitteltontreiber sind seitlich montiert

Fast Forward in die Neuzeit: Anfang des 21. Jahrhunderts kommt es zu einem befruchtenden Austausch entlang der Achse Salzburg – Wien: Der recht legendäre „Akustikforscher“, wie er sich nennt, Hans Deutsch und die oben genannte Klavierbauer-Legende kommen zusammen und spielen nicht nur mit der Idee eines Bösendorfer-Lautsprechers, sondern realisieren sie mit einigen Modellen und nicht eben geringem Erfolg.

Doch wie es so ist, die Welt dreht sich weiter: Einige Jahre später, genauer 2008, kommen nun die Japaner von Yamaha auf die Idee, das Unternehmen Bösendorfer zu kaufen – und gleichzeitig zu dem Schluss, dass deren relativ neue Lautsprecherlinie für den eigenen Konzern strategisch nicht bedeutsam sei. Und so wie Bösendorfer seinerzeit das Geschäft vom Brodmann übernahm, übernimmt nun Brodmann das Lautsprecher-Geschäft von Bösendorfer – unter eigenem Namen, versteht sich. Man sieht sich immer zweimal …

Ein Stereopaar Brodmann F2 von hinten

Nein, auch auf der Rückseite der Brodmann F2 sehen wir keinen Bassreflex-Ausgang. Was natürlich daran liegt, dass die F2 kein Bassreflex-Lautsprecher ist, sondern im Tiefton einen Hornresonator einsetzt – der wiederum bei der Bodenplatte seinen Austritt hat

Und was macht Hans Deutsch derweil? Nun, er hat immer noch „eigensinnige“ Ideen und tauscht sich darüber nun mit einem anderen gebürtigen Salzburger – Herrn Bernd Gruhn, Physiker, Eigner und Geschäftsführer von Brodmann – aus. Welche Folgen das für unseren Testkandidaten Brodmann F2 hat, dazu gleich mehr. Nebenbei bemerkt: Es gibt nach wie vor auch Pianos, die den Namen Brodmann tragen, doch die stammen von einer anderen, seit 2014 eigenständigen Firma, und das ist eine ganz andere Geschichte.

Das Grundkonzept

Die Brodmann F2 ist der größere von zwei Standlautsprechern aus der Festival-Serie, die den Einstieg in die Welt der österreichischen Lautsprechermanufaktur markiert. Neben dieser Linie gibt es noch die Vienna-Classic- und die Joseph-Brodmann-Baureihen, letztere beherbergt unter anderem das Flaggschiff „JB 205“, für das man bis zu 450.000 Euro loswerden kann (wenn man denn kann). Demgegenüber erscheinen die 10.000 Euro, die für die Brodmann F2 aufgerufen werden, bodenständig.

Hochtöner der Brodmann F2

Der Hochtöner der Brodmann F2 übernimmt ab 2150 Hertz das Geschehen

Doch egal, um welchen Brodmann-Lautsprecher es geht, auffällig ist zunächst einmal, dass auf der Front nur eine beziehungsweise mehrere Hochtonkalotte(n) zu sehen sind und sonst keine weiteren Chassis. Die sind auch nicht irgendwie geschickt versteckt worden, sondern befinden sich links und rechts an den Seiten der Lautsprecher. Im Fall unserer Brodmann F2 ist das jeweils ein 5-Zoll-Tiefmitteltöner. Man darf also davon ausgehen, dass die Brodmann-Lautsprecher den jeweiligen Hörraum bewusst mehr miteinbeziehen (wollen) als übliche, direkt nach vorne abstrahlende Konzepte.

Freilich ergibt sich auch bei Brodmann-Lautsprechern „in Summe“ eine symmetrische Abstrahlung, doch die Energieverteilung nach vorne und zu den Seiten dürfte übers Frequenzband hinweg dann doch eine andere als bei „Direktstrahlern“ sein. Und im Zweifel, von der Hörposition aus beurteilt, eine homogenere beziehungsweise besser gemischte insofern, als der Effekt der Bündelung bei frontseitig montierten Treibern – höhere Frequenzen erreichen die Seitenwände mit geringerem Pegel als tiefere – konterkariert wird. Umgekehrt heißt das natürlich, dass durch die seitliche Chassis-Anordnung gerade im Präsenzbereich tendenziell weniger Energie nach vorne abgestrahlt wird – was Hans Deutsch als Vorteil ansieht, da so eine mögliche Betonung der oberen Mitten/unteren Höhen umgangen und ein zu direkter, harter, „unsensibler“ Klang vermieden werden könne.

5-Zoll-Tiefmitteltöner der Brodmann F2

Auch der 5-Zoll-Tiefmitteltöner der Brodmann F2 ist eine Eigenentwicklung der Österreicher. Er wird seitlich montiert und die Abdeckung (vorne-links im Bild) schützt nicht nur vor neugierigen Fingern und Blicken, sondern gehört zum akustischen Konzept, besorgt sie doch eine definierte Schallstreuung

Das zweite, grundsätzlich andere Prinzip von Brodmann-Lautsprechern ist der patentierte „Hornresonator“ für den Bassbereich. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, von was für einem Horn denn hier die Rede sein soll – ich kann jedenfalls keines entdecken, weder bei der F2 noch bei den größeren Modellen. Nun, mehr etymologische denn technische Nachforschungen zum Begriff ergeben, dass er sich offenbar von den älteren Hans-Deutsch-Lautsprechern ableitet, bei denen in der Tat etwas Hornartiges auszumachen ist. Das gleiche sieht heute, nach jahrzehntelanger Fortentwicklung, aber anders aus.

Der Hans-Deutsch-Lautsprecher HD 314

Beim Hans-Deutsch-Lautsprechermodell HD 314 aus dem Jahr 1985 ist oben, hinter dem Hochtöner, noch eine Hornöffnung zu sehen – der Begriff „Hornresonator” hat also primär historische Gründe. Über die Jahrzehnte hat sich das Prinzip weiterentwickelt

Besagter Hornresonator basiere auf dem Prinzip des Helmholtzresonators, besitze im Unterschied zum klassischen Bassreflexsystem jedoch eine andere „Öffnungsgeometrie“ als ein BR-Port – am Anfang, im Innern der Lautsprecher, schmal gehalten, öffne sich der Hornresonator nach außen hin. Die besondere Geometrie, die für jeden Lautsprecher individuell berechnet werde, führe zu den gewünschten akustischen Eigenschaften wie der Tiefpassfunktion: Erst ab circa 130 Hertz verwerte der Hornresonator die rückseitig abgestrahlte Schallenergie der Tiefmitteltöner, so Gruhn. Und zweitens, ganz wichtig: Bis zur unteren Grenzfrequenz komme es dabei zu einem linearen Verlauf von +4,5 dB/Oktave – der wohl relevanteste Unterschied im Vergleich zu Bassreflexsystemen und deren relativ schmalen Resonanzpeaks bei der Tuningfrequenz und ihrem rasanten Abfall unterhalb dieser, so der Brodmann-Chef weiter.

Die Umsetzung: Brodmann F2

Damit das mit dem Hornresonator so klappt wie gewünscht, bedarf es eines sogenannten „Compression Boards“ – die Luft zwischen diesem Board und dem eigentlichen Lautsprecherkabinett dient hierbei als virtuelle Membran; das Prinzip ersetzt in der inzwischen dritten Generation des Hornresonators das ursprüngliche Horn. Dem Compression Board kommt zudem die Aufgabe zu, die Phase um 180 Grad zu drehen, damit der rückseitige Schallanteil der Treiber möglichst perfekt zum nach vorne abgestrahlten passt. Bei den Modellen der Vienna-Classic- und Joseph-Brodmann-Linien kann man dieses Board gut sehen, es befindet sich an den seitlichen Flanken des Lautsprechergehäuses. Doch wo steckt es bei der F2? Unten – der Sockel der Brodmann F2 dient nämlich gleichzeitig als Compression Board. Aus einem lediglich vier Millimeter großen Schlitz zwischen dem Kabinett und der aus dem Mineralwerkstoff Corian gefertigten „Basis“ erfolgt der Support für die tiefen Töne (bis zur Grenzfrequenz von 36 Hz bei -3 dB).

Die auch Corian gefertigte Basisplatte der Brodmann F2

Die aus Corian gefertigte Basisplatte der Brodmann F2 trägt nicht nur den Lautsprecher, sondern dient als sogenanntes Compression Board für den Hornresonator

Das Gehäuse der Brodmann F2, dessen speziell definierte Geometrie unerwünschten Resonanzen den Garaus mache, so Bernd Gruhn, wird aus CNC-gefrästen HDF-Platten aufgebaut – denn auch Brodmann-Lautsprecher sollen, entgegen anderslautenden Gerüchte, nicht mitschwingen. Im Inneren des circa 21 Liter großen Volumens der F2 steckt allerdings keinerlei Dämpfungsmaterial, was eine weitere Spezialität von Brodmann-Schallwandlern darstellt. Durch Dämpfungsmaterial entstünden nämlich Nicht-Linearitäten, ist Hans Deutsch überzeugt, und setzt stattdessen auf eine „intelligente Gliederung des Gehäuses“, die allfällige Vibrationen verunmöglichen soll – zudem arbeite der Hornresonator ungedämpft besser.

Das Terminal der Brodmann F2

Das Terminal der F2 – die geschirmte Innenverkabelung wird übrigens von Synergistic Research eigens für Brodmann gebaut

Möglich werde die Einsparung des Dämpfungsmaterials freilich erst durch die speziellen, proprietären Treiber – denn die seien schlicht und ergreifend so verzerrungsminimal, das es da nichts zu dämpfen gäbe, so der Brodmann-Chef. Der 5-Zoll-Tiefmitteltöner der F2 ist eine komplette Eigenentwicklung, also kein Chassis von der Stange. Jüngst erst wurde die Membran neu entwickelt, sie besteht aus einem Mix aus Papier, Kohlefasern und Manila – ein Hanfwerkstoff von der Bananenpflanze –, sei ziemlich dick und sehr gut gedämpft. Die Aufhängung wurde aus UV-resistentem Schaumstoff realisiert, denn Gummi sei keine Alternative … Überhaupt hat Hans Deutsch so seine Materialpräferenzen: Der Korb muss aus Stahl und nicht aus Magnesium gefertigt werden, der Schwingspulenträger aus Kapton, nicht aus Alu, und der Treiber gehört direkt auf die harte Schallwand verschraubt – ohne dämpfende Einlagen aus Karton oder gar Kunststoff.

Und die Kalotte „muss“ natürlich aus Gewebe gefertigt sein. Man habe sämtliche anderen Materialien ausprobiert, unterm Strich töne eine Seidenkalotte im Hochton einfach am natürlichsten. Auch der 1-Zoll-Tweeter in der F2 ist eine Brodmann-Eigenentwicklung. Wo er und der Tiefmitteltöner gebaut werden, darf und will man aber nicht verraten, jedenfalls nicht bei den üblichen Verdächtigen, so Bernd Gruhn.

Spike der Brodmann F2

Ein Lautsprecherspike der Brodmann F2 in der Nahaufnahme

Getrennt werden die beiden Wege durch eine Weiche erster Ordnung, erst jüngst habe man deren Layout optimiert, erfahre ich. Viel mehr allerdings nicht, denn das fällt wohl ebenfalls unters Firmengeheimnis. Klar ist nur, das Hans Deutsch von steilflankigen Filtern nichts hält, da sie nicht-lineare Klirrverzerrungen nach sich zögen. Der bessere Weg sei es, die Treiber so perfekt zu gestalten, das korrigierende Eingriffe mittels Weiche erst gar nicht nötig werden und sie deshalb so einfach wie möglich gehalten werden kann. Nur so könne ein lebendiges und räumlich überzeugendes Klangbild erreicht werden.

Brodmann F2: Hörtest und Vergleiche

Wenn ein Lautsprecher den Hörraum bewusst stärker mit einbezieht, frage ich mich natürlich als erstes, wie sich das bei der Raumdarstellung auswirken wird – also fange ich bei der Brodmann F2 genau mit diesem Thema an.

Tatsächlich hatte ich, bevor die F2 hier landete, gemutmaßt, dass sich die Bühne wohl deutlich anders geben wird. Vielleicht so wie bei Rundumstrahlern à la MBL oder wie mit Vollbereichs-Flächenstrahlern. Doch nein – so ist es nicht. Und von einer uferlosen Räumlichkeit ohne klaren Fokus kann schon mal gar nicht die Rede sein.

Die Brodmann F2 im Hörraum von fairaudio

Was die Dimensionen der virtuellen Bühne betrifft, herrscht realistisches Normalmaß: Breite, Tiefe und Höhe des Raums sind authentisch, weder kompakt noch in XXL gezeichnet. Was allerdings auffällt: Mit der Brodmann ist’s schon eher so, dass man nicht ganz vorne beim Dirigentenpult sitzt, sondern einige Stuhlreihen weiter hinten – dort, wo sich der Blick auf das ganze Ensemble weitet beziehungsweise leichter fällt und wo Solisten eingebettet bleiben, statt sich knapp vor einem aufzubauen. Ja, die F2 kann Musik durchaus schon mal vor die Stereobasis der Lautsprecher stellen – in der Regel startet sie aber ebendort und rollt den Bühnenraum dann nach hinten aus. Wer eine richtiggehend frontale Präsentation sucht, wird hier also nicht fündig, die Brodmann F2 gibt sich eher „laid back“.

Angesichts eines Konzepts mit höherem Anteil an Indirektschall überrascht mich das nicht. Im Gegensatz zur Abbildungspräzision: Wischiwaschi hatte ich befürchtet – Akkuratesse bekomme ich geboten. Erstaunlich, dass das geht, wo die Tiefmitteltöner doch zur Seite feuern! Natürlich ist es nun auch nicht so, als säße ich vor einem eingemessenen Genelec-Monitor im Nahfeld mit Geodreieck im Ohr, wenn Sie wissen, was ich meine. Doch dass die Brodmann F2 es anders angeht, ist kein Bug, sondern Feature: Wer in Reihe acht statt eins sitzt, bekommt halt ein mit weicherem Stift gezeichnetes Bild geboten, und genau das scheint mir, bei aller Genauigkeit, das Ziel des Brodmann-Lautsprechers zu sein – nämlich weil es, so die Argumentation, dem Erlebnis im Konzert letztlich näherkomme. Präzision mit runden Ecken, wenn man so will. Ein wenig erinnert mich das ans ähnlich gepreiste Line-Array Audiophile FAST cylindric compact.

Cake_Motorcade_of_GenerositDas Beste habe ich allerdings noch nicht erwähnt, es handelt sich um etwas Diffiziles oder zumindest nicht im eigentlichen Sinne Spektakuläres, doch gerade drum schätze ich es. Es gibt ja Lautsprecher, die das sogenannte „Fenster zur Musik“ aufmachen – mit ihnen wirkt es tatsächlich ein wenig so, also würde man durch einen Ausschnitt hindurch „auf die Musik hören“. Das können Sie mit der Brodmann vergessen: Die reißt das virtuelle Fenster, ja, die ganze Wand raus. Die Musiker stehen einfach frei im Raum. Fast hat man den Eindruck, dass die F2 nur aus ästhetischen Gründen im Raum aufgestellt wurden und akustisch keine Rolle spielen. Dieser „freie Ansatz“ sorgt für eine extrem natürliche Bühnendarstellung. Hervorragend funktioniert das bei akustischer Musik, bei Live-Aufnahmen und Klassik. Doch nicht nur: Auch mittelgute Rock/Pop-Studioaufnahmen – ich habe ein paar älterer Cake-Alben angespielt – profitieren hiervon. Gerade weil man nicht mit der strengen Brille des Tonmeisters in den Guckkasten schaut, sondern aus der Perspektive eines gutgelaunten Club-Besuchers aufs Geschehen vor einem, wirkt die Abbildung der Musik ausnehmend natürlich und organisch. Gefällt mir.

In den Tiefen

Die Brodmann F2 scheint angetreten zu sein, meine Vorurteile zu widerlegen: Wenn ich einen derart schmalen Lautsprecher mit zwei 5er-Bässen vor mir habe, erwarte ich untenrum nicht viel – schon gar nicht in meinem 40-qm-Raum, der sich im Bass eher noch größer anhört, sprich tiefe Töne gerne mal schluckt. Nach den ersten Stücken ist allerdings schnell klar, dass der österreichische Lautsprecher keine Diätkost reicht. Bei normaler Musik und normalen Pegeln wirkt die tonale Gesamtbalance sehr ausgewogen und keinesfalls unterernährt im Bass. Auch wenn Sie das wahrscheinlich schon 1000mal gelesen haben, hier stimmt es einfach: Die F2 spielt größer als sie aussieht.

Vivaldis „Vier JahreszeitenGenauso richtig ist aber: Für 10 kEuro kann man mehr und auch tiefer hinabreichenden Bass „kaufen“, wenn man das möchte und es zum Hörraum, Pegelbedürfnis und dem Musikgeschmack passt beziehungsweise nötig erscheint. Death-Metal-, Hip-Hop-, Techno- und Electro-Fans werden sich jedenfalls woanders umsehen, da bin ich mir ziemlich sicher – und wenn ich in meinem Setup (sprich: Raum & Anlage) den Sommer aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ anspiele, geht das mit größeren Lautsprechern, die in den tiefen Lagen mehr Luft bewegen, überzeugender, wenn es dramatisch wird. Die Physik lässt sich eben nicht austricksen.

Seitliche Ansicht der Brodmann F2

Die seitliche Abdeckung erfüllt – wie erwähnt – akustische Zwecke. Sie wird, wie die Gehäuseplatten, aus einem Stück gefertigt

Daraus folgt: Das natürliche Umfeld der Brodmann F2 sind eher Hörräume von bis 20-30 qm Größe. Und die Zielgruppe der österreichischen Manufaktur führt sich auch nicht (mehr) so auf wie weiland die Beastie Boys in einschlägigen Videos, sondern erfreut sich an handgemachtem Pop, Rock, Blues, mehr noch an Jazz, Singer-Songwritern und vor allem an Klassik – wobei sie so vernünftig ist, bei bombastischen Symphonien keine Live-Pegel zu erwarten, denn dafür hat man ja das Abonnement der örtlichen Philharmonie in der Tasche. Unter diesen Bedingungen erweist sich der Tiefton der Brodmann F2 als ziemlich ideal, auch und gerade, weil er von halbtrockener Qualität ist und sich damit sehr gut, da nicht zu „starr“, für die Wiedergabe akustischer Instrumente eignet. Gestrichene Kontrabässe klingen hervorragend mit ihr, Celli noch besser. Stets präzise, nie zu trocken, vielmehr so ausbalanciert, dass der Körper der Instrumente authentisch rüberkommt: weder labbrig noch künstlich-hart, sondern „al dente“.

Dynamik

Was ich zum Bass sagte, gilt auch für die Grobdynamik, das korreliert gerne mal. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, erstaunt die Brodmann F2 in diesem Bereich angesichts ihrer überschaubaren Größe – fürs Geld gibt es jedoch Lautsprecher, die brutaler losschlagen können, insbesondere dann, wenn gleichzeitig der (Tief-)Bassanteil in der Musik hoch ist. Die aktive Genelec 1237A (circa 12.800 Euro) wäre beispielsweise so ein Kandidat, um mal einen ganz anderen Lautsprecher-Typus zu bemühen, und die ebenfalls aktive Abacus Oscara 212 (circa 15.000 Euro) sowieso.

Brodmann F2 aus leichter Vogelperspektive

Feindynamisch passt alles zur Preisklasse. Die F2 bringt sanfte Saitenanrisse, zartes Beckenspiel, feine Stimmmodulationen und diverse Nuancierungen mehr sehr realistisch rüber – auch hier korrigiert sie mein Vorurteil („Zu viel Indirektschall, Feinheiten gehen unter“) mit leichter Hand. Vermutlich liegt das auch daran, dass der Hochtöner auf der Front sitzt und der Pegel der höheren Lagen perfekt ausbalanciert scheint.

Mitten und Hochton – Auflösung und Klangfarben

Die Mitten und der Hochton der Brodmann F2 sind eine bruchlose Einheit und für meinen Geschmack perfekt balanciert. Soll heißen: Im Grunde neutral und allenfalls im Superhochton einen Tick dezenter unterwegs als es das Tonstudioideal vorgibt – doch damit immer noch näher an ihm dran als beispielsweise meine Acapella High BassoNobile, die den gesamten Hochton nicht viel, aber ein bisschen milder gestaltet. Insbesondere ist auch der Präsenzbereich der Brodmann F2 weder betont noch zu schüchtern, und gleiches gilt für den Grundton: Hier wird nicht einfach dick aufgetragen, weil das dann „so schön sonor klingt“ – das widerspräche wohl dem Reinheitsgebot des Hans Deutsch.

Björk VespertineWie feinsinnig austariert die Tonalität dieses Lautsprechers ist, merkt man an der Wiedergabe akustischer Instrumente. Ich erwähnte es bereits: Celli klingen großartig. Johann Sebastian Bachs Cello Suiten, eingespielt von Heinrich Schiff, werden authentisch rübergebracht; sie werden gerade nicht einfach „in Ockertöne getaucht“ und dann „musikalisch“ genannt, sondern mit Durchzeichnung im Grundton versehen und so wohltimbriert präsentiert, dass es einfach echt wirkt. Das ist, neben der freien Raumdarstellung, die zweite Stärke der Brodmann: Klangfarben-Realismus. Als ich Björks „Frosti“ (Album: Verpertine) ansteuere, haut es mich fast um: Dieser freie „Musik im Raum“-Ansatz kommt hier voll zum Tragen, und die schimmernden Obertöne des Glockenspiels werden einfach … ja, was soll ich sagen, ich wiederhole mich: echt, authentisch und sehr natürlich gezeichnet. Das ist wirklich etwas Besonderes.

Hochtonkalotte der Brodmann F2

Der Hochtöner dürfte einiges zum Obertonzauber der Brodmann F2 beitragen

Ich scheue allerdings etwas davor zurück, das unter der Überschrift „Auflösung“ einzusortieren. Klar, einerseits passte es ja schon: Wenn ein Lautsprecher die Obertonstruktur unterschiedlicher Instrumente derart naturgetreu wiedergeben kann, muss er wohl der Aufnahme treu sein, sprich das Signal gut auflösen. Andererseits wird der Begriff oft so verstanden, als ginge es lediglich darum, möglichst viele abzählbare Einzeldetails zu präsentieren – und auch wenn die F2 da keinesfalls zurücksteckt, so ist das allein doch keine Tugend, die andere Speaker dieser Liga nicht im Angebot hätten. Die F2 kann jedoch außergewöhnlich gut diese klangfarbliche „Echtheit“ rüberbringen. Das ist mehr als gute Analysefähigkeit, da ist ein bisschen Magie mit im Spiel.

Billboard
Teufel

Test: Brodmann F2 | Standlautsprecher

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  2. 2 Brodmann F2: Hörtest und Vergleiche

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