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Es gibt Neuigkeiten aus UK: Der Lautsprecher- und Kopfhörerhersteller Bowers & Wilkins (www.bowerswilkins.com) aus dem südenglischen Worthing hat im Herbst sein neues, mobiles Kopfhörer-Flaggschiff PX8 S2 (Preis: 729 Euro) vorgestellt. Das beliebte Topmodell der Briten ist in der zweiten Version im Design, der Technik und der Klangabstimmung aufpoliert worden. B&W will damit die Messlatte für gehobenen Bluetooth-Klang auf ein neues Niveau heben. Kein leichtes Unterfangen, waren die bisherigen Würfe der Briten doch ebenfalls schon auf einem hohen Qualitätslevel angesiedelt. Ob es Bowers & Wilkins mit dem neuesten Edel-Spross gelungen ist, erfahren Sie im folgenden Testbericht.
Lieferumfang, Optik und Haptik
Der B&W PX8 S2 wird in einer schlichten, weißen Kartonage mit dem Aufdruck des Kopfhörers und dem Produktnamen geliefert – im Vergleich zu der Vorgängergeneration (PX7 S2, PX8) hat sich hier also nicht viel verändert.

Der B&W PX8 S2 ist der neue Flaggschiff-Kopfhörer von Bowers & Wilkins. Nicht nur technisch, auch optisch hat sich einiges getan, baut der PX8 S2 doch viel flacher als sein Vorgänger
Im Inneren befindet sich das mit Stoff ummantelte Hartschalen-Tray, in dem der Kopfhörer auf Reisen sicher verstaut werden kann, und die obligatorische Garantiekarte plus Bedienungsanleitung. Die innere Auskleidung der Transportbox ist nun, wie beim Ursprungs-PX7 aus dem Jahr 2019, wieder in einem samtähnlichen Schwarz gehalten. Die Aussparung mit Magnetabdeckung in der Mitte der Box ist ebenfalls erhalten geblieben und beinhaltet ein mit 1,2 Metern Länge etwas kurz geratenes USB-C-auf-3,5-Millimeter-Klinkenkabel, um den Kopfhörer an eine Analogquelle anzuschließen. Ein gleich langes USB-C-zu-USB-C-Kabel zum Laden und für die digitale kabelgebundene Signalübertragung liegt ebenfalls bei. Auch mit dem analogen Verbindungskabel muss der Kopfhörer eingeschaltet bleiben, da der interne DSP und die von ihm bewerkstelligte Analog-Digital-Analog-Wandlung Energie benötigt.
Das Design des Bowers & Wilkins PX8 S2 hat sich im Vergleich zur letzten Generation grundlegend verändert. Der PX8 S2 baut jetzt, so wie sein kleinerer Bruder PX7 S3 (429 Euro), flacher und schmiegt sich besser an die Kopfform an. Das mit Leder ummantelte Kopfband wurde ebenfalls verbessert, indem es nun stärker gepolstert und breiter als das des PX8 ausfällt. Das Gewicht ist mit 310 Gramm im Vergleich zum Vorgänger zwar nur um 10 Gramm leichter, durch die andere Gehäusegewichtung – die Ohrmuscheln sind gefühlt leichter geworden und der Bügel etwas schwerer – fühlt sich der neue B&W PX8 S2 aber spürbar leichter an und sitzt durch die Komfortverbesserungen angenehmer am Kopf als der PX8 der ersten Generation.
Der Materialmix aus gebürstetem Aluminium (Ohrmuscheln) und echtem Leder (Ohrpads und Kopfbügel) ist wie gewohnt auf hohem Niveau und die stoffummantelten Kabel, welche in der neuesten PX8-Version offen in einer Mulde an den glänzenden Gabeln aus Metall entlang geführt werden, tragen weiter zur Designsprache und hochwertigen Optik bei. Derzeit ist der Bowers & Wilkins PX8 S2 in den beiden Standardfarben „Onyx Black“ und „Warm Stone“ (ein helles Beige) erhältlich. Kürzlich wurde die in Kooperation mit McLaren entwickelte Farbvariante in einem Orange-Schwarz-Mix vorgestellt. Der Preis der McLaren-Edition liegt mit 829 Euro um 100 Euro über dem Standard-Design.

Die Bedienelemente des Bowers & Wilkins PX8 S2 sind umgezogen – vom hinteren Rand der Ohrmuscheln zu den Aluminiumabdeckungen
Ebenfalls ins Auge sticht die andere Positionierung der Bedienelemente am Kopfhörer. Diese sind nun vom hinteren Rand der Ohrmuscheln zu den Aluminiumabdeckungen gewandert. Zu Beginn war diese Umpositionierung für mich etwas gewöhnungsbedürftig, nach ein paar Fehlgriffen aus Gewohnheit erreichte ich die einzelnen Knöpfe für die Lautstärkeregelung, die Umgebungsgeräuschkontrolle oder den Knopf zur Gesprächsannahme beziehungsweise für die Musiknavigation aber blind. Gerade letzterer wurde im Vergleich zu den Vorgängermodellen beim PX8 S2 (und auch beim PX7 S3) allerdings etwas verkleinert und ist nicht mehr ganz so treffsicher zu drücken.
Technik Bowers & Wilkins PX8 S2
Auf technischer Ebene bietet der Bowers & Wilkins PX8 S2 eine Mischung aus Neuerungen, Detailverbesserungen und Altbewährtem.
Datenraten und Akkulaufzeit
Blickt man auf das Datenblatt des britischen Edelkopfhörers, so ist die Unterstützung des aktuellen Bluetooth-Codecs aptX Lossless sicherlich die auffälligste Neuigkeit. Dieser soll eine (nahezu) verlustfreie Datenübertragung bei einer Wortbreite von 16 Bit und einer Abtastrate von 44,1 kHz – also bis zur CD-Qualität – bieten. Ganz „verlustfrei“ scheint aber auch aptX-Lossless nicht zu sein, doch es reicht mit bis zu 1200 kBit/s sehr nahe an die für CD-Qualität benötigte Datenrate von 1411,2 kBit/s heran. Natürlich werden auch Codecs wie SBC, AAC und die älteren aptX-Varianten (aptX, aptX HD und aptX Adaptive) unterstützt, um eine Abwärtskompatibilität zu älteren Bluetooth-Geräten zu gewährleisten – andere Bluetooth-Codecs mit höherer Bitrate wie LDAC oder LHDC hingegen nicht.
Die Akkulaufzeit befindet sich mit bis zu 30 Stunden auf demselben Niveau wie bei der Vorgänger-Generation. Die theoretischen Werte spiegeln ziemlich genau die Laufzeit wider, welche ich mit einer Akkuladung erreicht habe. Der PX8 S2 muss also nicht allzu häufig an die Steckdose. In nur 15 Minuten soll der PX8 S2 genügend Energie für sieben Stunden Musikgenuss haben. Schnelles Aufladen wird ebenso unterstützt.
DSP und Treiber
Im Bowers & Wilkins PX8 S2 ist ein neuer DSP mit eigenem Verstärker- und DAC-Teil eingebaut, der die digitalen Signale mit 24 Bit verarbeitet. Die neue Signalverarbeitung ermöglicht auch die Implementierung eines 5-Band-Equalizers und einen TrueSound-Modus, der den Klang unverfälscht ans Ohr bringen soll.

Links im Bild: Der neue, große Kopfhörer von Bowers & Wilkins, der PX8 S2 – rechts daneben das Modell PX7 S2, das wir vor drei Jahren im Test hatten
Weitgehend gleich geblieben sind die 40 Millimeter durchmessenden und zum Ohr hin angewinkelten Kohlefaser-Membranen. Diese sorgten schon beim Vorgänger für einen detaillierten Klang. Allerdings hat sich Bowers & Wilkins an die Abstimmung herangewagt und kitzelt aus den dynamischen Chassis nun noch einmal mehr Auflösung heraus. Darauf gehe ich im Klangteil näher ein.
Gesprächsqualität und Active Noise Cancelling
Neu ist auch die Mikrofonierung für Telefongespräche und Geräuschunterdrückung. Statt bisher sechs Stück, besitzt der Bowers & Wilkins PX8 S2 zwei Mikrofone mehr, die sich zusätzlich ums ANC kümmern. Alle acht sind aktiv, wenn man Telefongespräche entgegennimmt – sechs davon fürs Noise Cancelling. Der neue, von B&W „ADI Pure Voice“ genannte Algorithmus, kümmert sich um eine optimale Gesprächsqualität. Und tatsächlich, in der Praxis kommt meine Stimme beim Gesprächspartner klar und sehr gut verständlich ohne Aussetzer an.
Die Geräuschunterdrückung erfolgt adaptiv. Je nach Außengeräusch-Pegel wird mehr oder weniger stark in die Geräuschdämpfung eingegriffen. Dies funktioniert erstaunlich gut und wird bei Pegelspitzen nahezu ohne Verzögerung umgesetzt. Die Stärke der Geräuschunterdrückung ist gut, kann aber nicht ganz mit den Klassenprimussen von Sony (WH-1000XM6 – 369 Euro) und Bose (Quiet Comfort Ultra – 399 Euro) mithalten. Dennoch werden gerade tiefe Frequenzen verlässlich gefiltert.
Die App
Die B&W-App ist dieselbe wie schon bei der Vorgängergeneration. Mit ihr hat man die Möglichkeit, seine Bowers-&-Wilkins-Kopfhörer hinzuzufügen und je nach Modell verschiedene Einstellungen vorzunehmen, wie die ANC-Kontrolle zu (de-)aktivieren, den beim PX8 S2 neu hinzugekommenen 5-Band-Equalizer zu konfigurieren oder festzulegen, was beim Druck der Taste auf der linken Seite des Kopfhörers passiert (Sprachassistent oder Umgebungsgeräuschkontrolle). Das ANC kann, anders als es bei manchen Kopfhörermodellen anderer Hersteller möglich ist, nicht manuell eingestellt werden – das wird vom neuen ANC-Algorithmus übernommen. Weiters sind auch noch Einstellungen für den Tragesensor und ein Auto-Standby-Feature möglich. Der Kopfhörer geht dann nach 15 Minuten Inaktivität automatisch in den energiesparenden Standby-Modus.

Die gängigste Zuspielart dürfte natürlich über Bluetooth sein, doch der PX8 S2 lässt sich auch – analog und digital – kabelgebunden betreiben
Zusätzlich zu den Einstellmöglichkeiten für den Kopfhörer können Konten von Musik-Diensten wie Amazon Music, Qobuz, Tidal, Deezer, TuneIn, Soundcloud oder NTS verknüpft, die Bibliotheken in der App verwaltet und die Musik direkt aus der App heraus abgespielt werden. Spotify oder Apple Music sind derzeit von den unterstützten Diensten noch ausgenommen.
B&W PX8 S2: Hörtest und Vergleiche
Ein Frequenzbereich, bei dem sich Bowers & Wilkins bei seinen Kopfhörern in der Vergangenheit eher im Mittelfeld bewegt hat, mit fortschreitender Expertise im Kopfhörerbereich bei jeder Neuentwicklung aber immer eine Schippe an Auflösung und Präzision drauflegen konnte, ist der Hochton. Der B&W PX8 S2 macht hier keine Ausnahme. War ich beim Hochton des 2019 getesteten PX7 noch etwas verhalten gewesen, schaffte der PX7 S2 drei Jahre später schon den Anschluss an die ANC-Oberklasse. Der PX8 S2 stellt nun mit seinen 40-Millimeter-Kohlefaser-Membranen den aktuell höchsten klanglichen Entwicklungsstand in der Kopfhörersparte von Bowers & Wilkins dar.

Die Polsterung des Bügels ist dicker geworden und der Kopfhörer insgesamt etwas leichter – deshalb sitzt der B&W PX8 S2 komfortabler als das Vorgängermodell auf dem Kopf des Hörers
Dabei verschwindet auch beim PX8 S2 das für Bowers & Wilkins typische Klangtuning nicht: Hier wird der Fokus, wie schon bei den letzten Modellen, mehr auf den unteren bis mittleren Hochton gelegt. Der PX8 S2 zeichnet jene Instrumente, die auf hohe Frequenzen besonders angewiesen sind – Schlagzeug oder Gitarren beispielsweise –, aber nochmal deutlicher und holt mehr Details aus der Aufnahme als der PX7 S2 und der Vorgänger PX8 (aktuell 529 Euro) heraus. Trotz des leichten Abfalls im Superhochton bleiben alle Feinheiten der Musik über das gesamte Spektrum hinweg erhalten und die Aufnahmen gewinnen gegenüber anderen ANC-Modellen, wie dem Beyerdynamic Lagoon ANC, an Spritzigkeit.
Die Hi-Hats im Song „Echoes II“ vom 2024 erschienenen Album First Song des dänischen Sören Bebe Trios werden klar konturiert wiedergegeben und wirken authentisch. Unterstützt wird der körperhafte Anschlag auch von den etwas vordergründigeren (oberen) Mitten. Das Sustain gestaltet sich durch den Abfall im obersten Hochton etwas zurückhaltender als zum Beispiel bei meiner Hochtonreferenz HD800S von Sennheiser (1.600 Euro). Nichtsdestotrotz wird auch oberhalb von 10 kHz vom PX8 S2 noch die volle Information der Aufnahme wiedergegeben. Man hört noch den leisesten Anschlag der Becken und das sanfteste Besenspiel.
Insgesamt bietet der Bowers & Wilkins PX8 S2 im Hochton ein sehr feinfühlig dosiertes Spiel zwischen Präsenz, Detailfülle und langzeittauglichem Feinsinn. Nicht umsonst musste ich hier den wesentlich teureren und offenen Referenzhörer des deutschen Kopfhörerspezialisten heranziehen.
Mitten und räumlicher Eindruck
Ein Steckenpferd bei Kopfhörern von Bowers & Wilkins ist und war schon immer der hochaufgelöste und dynamische Mittenbereich. Das ist auch beim B&W PX8 S2 so. Der Präsenzbereich wird akkurat und mit leichter Betonung gezeichnet, ohne dabei überbordend zu wirken. Beim neuen Album Golden Voyager Record Vol. III der aus vier Musikerinnen bestehenden Wiener Indie-Pop-Band Das Schottische Prinzip werden die Gitarren und die Stimme der Sängerin Julia Reißner authentisch gezeichnet. Die recht tiefe weibliche Stimmlage wird vom Edel-Hörer aus Großbritannien sehr aufgelöst und mit natürlichem Timbre ans Ohr transportiert. Dabei wird die Verständlichkeit vom gut integrierten Hochton unterstützt, ohne die Zischlaute überzubetonen. Auch am anderen Ende des Mittenbereichs, dem Grundton, gibt‘s genug Support. Dadurch kann der Bowers & Wilkins PX8 S2 ein ausgewogenes Klangbild erzeugen, das im Vergleich zu seinem Vorgänger PX8, unterstützt durch den etwas präsenteren Hochton, an Wärme verliert, gleichzeitig aber auch Instrumente detaillierter und konturierter zeichnet.
Apropos konturiert: Der neueste Kopfhörer der Briten beweist auch bei der Instrumentenseparation ein besseres Fingerspitzengefühl als seine älteren Brüder PX8 und PX7 S2. Soll heißen, Stimmen und Instrumente sind im Raum genauer ortbar und voneinander abgegrenzt. Klar, ein regelrechtes „Raumwunder“ ist der Bowers & Wilkins PX8 S2 auch in der derzeit modernsten Iteration nicht geworden – das stand bei den Briten aber noch nie ganz oben auf der Prioritäten-Liste. Sowohl die Bühnenbreite als auch die -tiefe kann dennoch als realistisch und für einen geschlossenen Hörer weder als eingeengt noch als übermäßig groß angesehen werden. Im Vergleich mit den Vorgängern – und auch mit dem Beyerdynamic Lagoon ANC – ergibt sich durch die leichte Betonung der oberen Mitten ein etwas direkteres und intimeres Klangbild. Einen Sennheiser HD650 (300 Euro) schlägt der B&W PX8 S2 in der Raumabbildung trotz der geschlossenen Bauweise allemal.
Dynamik
Wie im Hochton wird auch in den Mitten eine klar definierte und schnelle Impulsantwort hörbar. Gitarren werden vom PX8 S2 direkt und mit einem konturierten Anschlag der Saiten ans Ohr gebracht. Hier haben andere Bluetooth-Kopfhörer, wie zum Beispiel der Bose QuietComfort Ultra (449 Euro), das Nachsehen – aber der bringt ja auch generell weniger Energie in die Mitten als der teurere Kopfhörer von Bowers & Wilkins. Der PX8 S2 überzeugt auch bei grobdynamischen Lastwechseln und holt dadurch „mehr Power“ aus der Musik heraus.

Das neue Kopfhörer-Flaggschiff von B&W beherrscht den Bluetooth-Codec aptX Lossless, was die Übertragung höherer Datenraten ermöglicht
Andere Bluetooth-Hörer, wie der Beyerdynamic Lagoon ANC, haben im direkten Vergleich ein bisschen mit der Spritzigkeit zu kämpfen, vor allem bei hohen Lautstärken. Letztere meistert der britische Edelkopfhörer übrigens ohne Verzerrungen beziehungsweise Übersteuern der Membranen. Wer also ab und zu gerne mal etwas lauter aufdrehen möchte, der kann das mit dem Bowers & Wilkins PX8 S2 tun, ohne Gefahr zu laufen, dass die Musik komprimiert – Pegelreserven gibt’s hier reichlich.
„Verbässert“: Tiefton mit mehr Pegel und Punch
Im Bassbereich wirkt der Bowers & Wilkins PX8 S2 souverän. Was mir gut gefällt, ist die insgesamt etwas potentere Basswiedergabe. Waren PX7 S2 und PX8 noch vergleichsweise neutral abgestimmt, bekommt der PX8 S2 von den Briten besonders im Kickbass etwas mehr Schmackes spendiert. Dennoch wird keinesfalls der angrenzende Mittenbereich in Mitleidenschaft gezogen. Die Bassanschläge geraten schnell, mit akkuratem Sustain und liefern eine bessere Impulstreue sowie eine packendere und definiertere Grobdynamik ab, als es zum Beispiel beim unmittelbaren Vorgänger der Fall war.
Der elektronische Beatdrop zu Beginn von Iamamiwhoami & Iondales „Ripple“ wird vom Bowers & Wilkins PX8 S2 präsenter dargestellt und reicht weiter in den Frequenzkeller hinab als bei der letzten Generation. Das verleiht gerade Musik, die auf Bassbegleitung angewiesen ist, eine natürlichere und profundere Gangart, ohne die übrigen Frequenzbänder zu überdecken. Nein, auch der PX8 S2 ist noch lange kein „Bassmonster“, der zusätzliche Schub im Tiefton spendiert aber so manchem heller abgestimmten Song wie zum Beispiel dem Remaster von Billy Joels „Uptown Girl“ (Album Greatest Hits Vol I & Vol. II) mehr Fundament und damit auch eine vollere Wiedergabe. Im Tiefbass hat sich die Entwicklungsarbeit auf jeden Fall bezahlt gemacht. Ließ der PX8 im Bass zwar nicht unbedingt etwas vermissen, so gab es doch einen leichten Pegelabfall Richtung Frequenzkeller. Der Bowers & Wilkins PX8 S2 hält hier länger dieselbe Lautstärke.
Kabelgebundene Zuspielung
Die beiden beiliegenden Kabel (1 x USB-C-auf-USB-C, 1 x USB-C-auf-3,5-mm-Klinke) haben nicht nur zum Laden des Kopfhörers ihre Daseinsberechtigung – ob es Klangunterschiede zur drahtlosen Verbindung gibt, habe ich natürlich auch überprüft.
Die analoge Zuspielung scheint technisch gesehen eher suboptimal, da sie durch den DSP zweimal gewandelt (analog – digital/digital – analog) wird. In praxi schlägt sich diese doppelte Wandlung (an einem SMSL M20 DAC/KHV angeschlossen) aber durchaus respektabel. An beiden Frequenzenden merkt man einen leichten Rückgang des Pegels, auch die Dynamik bei leisen Passagen tritt ein wenig in den Hintergrund. Der Detailgrad – besonders im mittleren Frequenzbereich – bleibt aber weitgehend erhalten. Über das USB-C-Kabel digital mit dem Zuspieler verbunden, ist nur wenig bis gar kein Unterschied zur Bluetooth-Verbindung hörbar.
Testfazit: Bowers & Wilkins PX8 S2
Mit dem PX8 S2 ist Bowers & Wilkins eine solide Weiterentwicklung der Vorgängergeneration gelungen. Das Design wurde verschlankt, der Tragekomfort durch den breiteren Kopfbügel weiter verbessert, bei der Materialwahl und der Verarbeitungsqualität befindet man sich auf gewohnt hohem Niveau – und das Wichtigste: Die Klangabstimmung wurde weiter in Richtung Auflösung und Ausgewogenheit getrimmt.

Gelungenes Update: Der Bowers & Wilkins PX8 S2 spielt in nahezu allen klanglichen Bereichen überzeugender auf als der Vorgänger – und schlanker sowie komfortabler ist er auch geworden
Dabei spielt die hohe Güte der Kohlefaser-Membranen genauso eine Rolle wie der neue 24-Bit-DSP, der die Signale für die Analogwandlung aufbereitet. Der Hochton wurde in Detailfülle und Präsenz verbessert, im Mittenbereich spielt der englische Hersteller ohnehin seit Jahren auf einem Spitzenniveau – das hat sich auch beim PX8 S2 nicht geändert. Und der Bass? Wirkt jetzt sowohl voluminöser als auch präziser. Die Frage, ob sich ein Upgrade vom „alten“ PX8 der ersten Generation auf den neuesten High-End-Hörer von Bowers & Wilkins lohnt, erübrigt sich demnach für mich. Der Bowers & Wilkins PX8 S2 ist in nahezu allen Bereichen besser. Nur bei der Geräuschunterdrückung könnten die Engländer noch etwas zulegen.
Für wen empfiehlt sich also der neue Hörer? Nun, all die, die einen ausgewogenen Klang ohne störende Frequenzspitzen erwarten und einen breiten Musikgeschmack besitzen, können sich mit dem PX8 S2 auf einen tollen Allrounder mit höchster Verarbeitungsqualität und Komfort einstellen – zumal der erwachsene und detaillierte Klang auch eingefleischte Daheim-Hörer abholt. Einzig jene, die auf eine ausnehmend weitläufige Bühnendarstellung der Musik besonderen Wert legen, werden sich wohl bei anderen Herstellern umhören müssen. Wenn Ihnen die geschilderte Klangcharakteristik zusagt, sollten Sie dem PX8 S2 von Bowers & Wilkins unbedingt Ihr Ohr leihen.
Der Bowers & Wilkins PX8 S2 zeichnet sich aus durch …
- einen ausgewogenen und detailreichen Klang. Kein Frequenzbereich macht sich über einen anderen breit, nichts wird überbetont oder ist unterrepräsentiert.
- einen sehr feinfühlig und detailliert klingenden Hochton, der im Superhochton zwar leicht abfällt, aber immer genügend Detailinformationen an den Hörer weitergibt, ohne zu nerven.
- gewohnt präsente und dabei gut ausbalancierte Mitten. Gerade im Präsenzbereich wird die Stärke der britischen Klangsignatur hörbar. Stimmen und Instrumente kommen leicht akzentuiert, aber natürlich rüber und haben dank des bis in den Grundton recht linearen verlaufenden Frequenzgangs einen erwachsenen Körper.
- einen potenten, aber keinesfalls überbetonten Bassbereich. Im Kickbass stärker als weiter oben, fällt der Pegel im Tiefbass nur leicht ab und bietet dadurch ein sonores Fundament. Schnelligkeit und Durchzeichnung leiden durch den nun etwas kräftiger abgestimmten Bassbereich nicht.
- eine verbesserte Feindynamik, bei der noch kleinste Pegeländerungen wahrnehmbar sind. Auch beim Leisehören wird man mit einer klaren und für leise Pegel guten Dynamik überrascht. Zudem lässt die Grobdynamik eigentlich keine Wünsche offen und überzeugt durch schnelles Ein- und Ausschwingverhalten.
- eine hohe Pegelfestigkeit. Bei hohen Lautstärken komprimiert der Klang nicht.
- ein natürliches Sustain. Hi-Hats bekommen genügend Zeit zum Ausklingen und die Ausschwingzeit von Bass-Beats hält sich angenehm in Grenzen.
- eine mittelgroße Bühnendarstellung, die in der Breite und Tiefe zwar nicht übers normale Hörfeld hinausgeht, aber einen realistisch großen Raum zeichnet, in dem Instrumente genügend Abstand zueinander haben und klar separiert ortbar sind.
- eine exzellente Verarbeitungsqualität und hochwertige Materialwahl. Der verbreiterte und stärker gepolsterte Kopfbügel und die gewohnt angenehm weichen Lederpads machen das Tragen der Kopfhörers auch über längere Zeiträume hinweg möglich.
Fakten:
- Modell: Bowers & Wilkins PX8 S2
- Konzept: ohrumschließender, geschlossener Bluetooth-Kopfhörer mit ANC
- Preis: 729 Euro
- Gewicht: 310 Gramm
- Farbausführungen: Onyx Black (Schwarz) und Warm Stone (Cremeweiß)
- Treiber: angewinkelter, dynamischer 40-Millimeter-Kohlefaser-Treiber
- Akkulaufzeit: 30 Stunden, bis zu 7 Stunden nach 15-minütiger Ladung
- Sonstiges: Adaptives Active Noise Cancelling mit 6 Mikrofonen; Ambient-Modus; Einstellmöglichkeiten über die App „Music | Bowers & Wilkins“, Trageerkennung
- Bluetooth-Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX HD, aptX Adaptive, aptX Lossless
- Lieferumfang: USB-C-Ladekabel, 3,5-mm-Klinken-zu-Analogkabel, Hardschalentasche
- Garantie: 2 Jahre
- Weitere Informationen auf der Produktseite des Herstellers
Vertrieb:
D&M Germany GmbH – A Division of Sound United
Poensgenstraße 7 | 41334 Nettetal
Web: https://www.bowerswilkins.com/de-de/
Test: Bowers & Wilkins PX8 S2 | Kopfhörer





