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B&W CM6 S2: Wie klingt’s?

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 B&W CM6 S2: Wie klingt's?

B&W CM6 S2

Dabei fällt mir sogleich beim ersten Test-Titel „Maggie said“ von Natalie Merchant aus ihrem gleichnamigen Album die klare, offene und crispe Diktion der B&W ohne jede Tendenz zur Schärfe auf. Bemerkenswert, wie plastisch dreidimensional die britische Kompaktbox die New Yorker Folk-Chanteuse in meinem Hörraum platziert und wie griffig-natürlich und detailreich die Obertöne etwa der akustischen Gitarre übertragen werden. So unmittelbar natalie merchantund in allen Nuancen transparent dargeboten habe ich das Stück bis dato selten gehört. Die Stimme der Merchant wirkt wie mit einem samtigen Schimmer überzogen, der das Mittenband der B&W CM6 S2 ganz klar auf die wohlig-warme Seite von „natürlich“ rückt, ohne sich dafür in der Effektschublade zu bedienen. Damit unterscheidet sich die CM6 S2 in ihrem Charakter recht deutlich von einer Dynaudio Focus 160, die die gehörsensitiven Mitten streng neutral auslegt, was die meines Erachtens für den vollendeten Hörgenuß unbedingt wichtige Emotionalität schmälert.

Dessen ist die Bowers & Wilkins unverdächtig, was sie auch bei dem volltönenden Bluesorgan eines Rag’n’Bone Man (EP: Disfigured) eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der Londoner Ex-Hip-Hopper, dem durchaus zu Recht stilistische Parallelen zu Everlast nachgesagt werden, der allerdings weitaus gekonnter Bluesroots mit modernen Rock- und Popelementen zu einer rag n bone manunverkennbaren Mixtur kreuzt, schmettert sein „Disfigured“ derart greifbar nah und intensiv in mein Arbeits-/Hörzimmer, dass sich mir sämtliche Körperbehaarung aufstellt.

Eine fast schon „livehaftige“ Erfahrung, die im Klassenvergleich ihresgleichen sucht. Zieht man wiederum die dänische „Focus 160“ heran, wird einfach zu deutlich, welcher grundneutralen Linie diese folgt. Selbstverständlich erfasst auch eine Dynaudio sämtliche Facetten einer Gesangsdarbietung und ganz sicher kann man ihr dabei keine Fehler ankreiden, aber: Sie nimmt mich persönlich weniger mit, fesselt mich weniger. Das schafft die vergleichsweise deutlich preisgünstigere Nubert „nuVero 60“ wiederum sehr wohl, reicht dann aber in Sachen Feinauflösung und Klarheit in der Darstellung nicht ganz an die CM6 S2 heran.

Damit deutet sich bereits an, dass die Briten mit ihrer noblen Kompakten ein ganz heißes Eisen in der Klasse bis 2.000 Euro Paarpreis geschmiedet haben. Das sich nicht zu schade ist, bei the intersphereBedarf ordentlich drauflos zu kesseln: Mit ihrem inzwischen vierten Studioalbum „Relationship of the Unseen“ zeigen die Mannheimer Alternative-Rocker The Intersphere eindrucksvoll, wie sich intelligent komponierte Rockmusik heute anhören kann – die komplex und sehr dicht arrangierten Stücke, die teils mit forciertem Tempo und breitbeinig krachenden Gitarren aus der Anlage stürmen, beziehen ihren Reiz aus sehr fein gesponnenen Melodiebögen, die sich mitunter erst beim zweiten Hördurchlauf erschließen. Dann aber nicht mehr aus dem Ohr heraus wollen, wie etwa das treibende Titelstück „Relationship of the Unseen“, dass gleichzeitig Opener des Album ist und Fans dieser Musikrichtung sowohl mit sehr variantenreichem Schlagzeugspiel, böse, aber melodiös grummelndem E-Bass und unerwarteten Dynamiksprüngen zu begeistern weiß.

Dabei stellt es die Lautsprecher gleich in mehrfacher Hinsicht auf die Probe: So hätte der durchweg musikalisch anspruchsvolle Track – wie übrigens das gesamte Album – ein sorgfältigeres Mastering mit weniger Kompression verdient. Gleichzeitig fordert es den Schallwandler heraus, die in dem Stück stets lauernde, explosive Spannkraft übertragen zu können. Der Lautsprecher muss wach und „schnell“ sein, um auch den fein- wie grobdynamischen Auslenkungen von radiotauglich „gestauchtem“ Material mit punktgenauem Timing folgen zu können. Natürlich gilt das bei Musik mit großer Dynamikbandbreite umso mehr. Eine verschleppte Abbildung würde in beiden Fällen die „Dramaturgie“ zerstören und den Hörspaß bremsen.

B&W CM6 S2 Bi-Wiring-Terminal

Das Bi-Wiring-Terminal der B&W CM6 S2

Sie ahnen, weshalb ich hier so ausführlich werde? Klar, die B&W CM6 S2 kennt keine Handbremse, die den musikalischen Fluß verzögern würde, sie folgt dem Melodiebogen blitzschnell und feuert einen unvermittelten Bassdrumkick praktisch aus der Hüfte. Dabei versteht sie es vorzüglich, der dichten Abmischung durchaus so etwas wie Durchhörbarkeit abzuringen, was schon aufgrund der Kompression nicht einfach ist, und eine nachvollziehbare innere Ordnung herzustellen. Dabei können mitunter Sibilanten zischeln und der gesamte Obertonbereich etwas metallisch wirken, womit die Britin anzeigt, dass ihr sorgfältiger gemastertes Material dann doch grundsätzlich lieber ist. Es sei ihr vergönnt, denn „unhörbar“ wird Musik a lá The Intersphere trotzdem nie.

Im Tiefbass offenbaren Stücke wie „Out of Phase“ oder „…like it is“ allerdings, dass der CM6 S2 im Gegensatz zu einer ausgewachsenen Standbox „untenrum“ dann doch eine gute Oktave fehlt. Ein grimmig-böser E-Bass liefert in beiden Tracks die „Submelodie“ unter der Hookline. Sozusagen ein Parallelereignis, dass man erfassen können sollte, wenn man die Stücke als Ganzes begreifen will. Es ist nicht so, dass die kompakte Britin dieses Frequenzband komplett „verschluckt“, mir persönlich bleibt sie dort aber zu schlank, zu wenig nachdrücklich. Auch das sich dramatisch steigernde „Lay my body down“ des Rag’n’Bone Man aus dem Album Wolves lebt von einer tief gründelnden Bassline, die ich von meiner Magnat Quantum 905 oder einer Heco Celan GT 602 – beides freilich Standlautsprecher, allerdings der gleichen Preisklasse – „spürbarer“ gewohnt bin. Das mag natürlich Geschmackssache sein, auch Nuberts neue „nuVero 60“ brennt indes bassmäßig einen deutlich nachhaltigeren „Fußabdruck“ in meine Gehörgänge. Die Schwäbin tritt massiver auf, ohne dabei wesentlich unpräziser zu werden oder gar dröhnend aufzuschwimmen. Auch in Sachen „Tieftontempo“ büßt die Nubert gegenüber der B&W nichts ein. Wenn man einmal davon absieht, dass die süddeutsche Box insgesamt ein wenig „dunkler“ abgestimmt ist als die Britin, die dafür leichtfüßiger und frischer erscheint, holen die Schwaben doch hörbar mehr Tiefdruck aus einem ähnlichen Gehäusevolumen. Die kompakte Dynaudio findet sich auf „goldener Mitte“ dazwischen ein: Gemäß dem Neutralitätsanspruch ihrer dänischen Entwickler hält sie sich auch in Sachen Bass an die Maxime „nicht zuviel und nicht zuwenig“. Was in der Tat meistens passt.

B&W CM6 S2 Ständer

Das ist dann aber auch der einzige Stich, den die Nubert und Dynaudio gegen die Bowers & Wilkins landen können. Geht es um Impulsivität und Spielfreude, hängt die Britin etwa mit dem von der Hamburger Formation Brixtonboogie (Album: Crossing Borders) interpretierten Partyklassiker „Black Betty“ oder dem Reißer „Blood & Fire“ die Messlatte in dieser Klasse ziemlich hoch. Das Timing sitzt nahezu perfekt, die Titel grooven sich unwiderstehlich direkt in die Beine. Wer da nicht gleich lostanzen will, steht unter Tranquilizern. Da können weder Dynaudios Focus 160, noch Nuberts nuVero 60 wirklich mithalten. Auch ihr detail-brixton boogie wie facettenreiches Obertonspektrum, das Rauminformationen und feinste Schwebungen von Gitarren- oder Klaviersaiten nachvollziehbar transportiert, lässt in dieser Klasse kaum Wünsche offen.

Die aufwändige Entkopplung des Hochtöners, die für das typische Erscheinungsbild des Lautsprechers sorgt, scheint hier ihre Früchte zu tragen. In der Tat erscheinen die oberen Frequenzanteile etwa von Blechblasinstrumenten gelöster und „frei schwingender“ als über einem im Gehäuse integrierten Tweeter. Ob man sich das einbildet, weil man aufgrund der Optik dazu verleitet wird, es auch zu hören? Ich weiß es nicht, Psychoakustik ist ja ein weites Feld. Aber es war im Test reproduzierbar.

In Sachen Bühnenabbildung gehört die B&W CM6 S2 übrigens zu den großzügigen Vertretern ihrer Klasse. Große Ensembles wie etwa Jan Delays Liveband „Disko No. 1“ beanspruchen ordentlich Platz und das will man ja nicht nur hören, wenn man leibhaftig dabei ist, sondern – wenn es denn geht – auch im heimischen Hörsessel. Die Britin überträgt das Konzertfeeling des Albums „Mercedes Dance Live“ praktisch in voller Bandbreite. Die virtuelle Bühne entfaltet sich weit zu den Seiten und nach hinten in den Raum, die Musiker stehen großzügig verteilt und bleiben dennoch stets ortbar. Dynaudios Focus 160 bildet im Vergleich kompakter, aber keinesfalls störend beengt ab. Die Relationen bleiben auch bei der Dänin gewahrt, die B&W vermittelt mit ihrer luftigeren Interpretation indes eine entspanntere, lässigere Atmosphäre, die zu ihrem insgesamt sehr lebendigen Charakter sehr gut passt.

B&W CM6 S2

Test: B&W CM6 S2 | Kompaktlautsprecher

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McIntosh MA7200 AC