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Klang Blumenhofer Genuin FS 1 Mk 2 (Teil 2)

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Blumenhofer Genuin FS 1 Mk 2

Wo wir schon beim Raumeindruck sind – die Art und Weise, wie das Klangbild aufgezogen wird, gehört ebenfalls zu den Dingen, die als Klanggewinn fürs zusätzliche Invest abfallen, um mal wieder auf die Eingangsfrage zurückzukommen. Insbesondere im Vergleich zur Dynamikks wird das deutlich, denn der virtuelle Raum, den die Blumenhofer Genuin FS 1 aufzieht, wirkt doch um einiges tiefer gestaffelt und – was mir persönlich noch wichtiger ist – die Abbildung der Musiker auf der Bühne gleichzeitig fokussierter und plastischer. Wenn – übertrieben formuliert – an die Stelle einer eher breiteren, dafür flacheren Abbildung, die an den Rändern wolkig-durchscheinend gerät, eine festere, konzentriertere, vielleicht zwar etwas kleiner und kompakter, dafür aber körperlicher wirkende tritt, ist das gerade auch für die Stimmwiedergabe sehr, sehr vorteilhaft. Nicht nur, dass die Blumenhofer griffiger rüberkommt – es wirkt eben auch intensiver, energiegeladener, konzentrierter. Und damit schlussendlich involvierender.

Horn der Blumenhofer Genuin FS 1 Mk 2

Ob die genannten Vorteile in Relation zur kleineren Schwester Genuin FS 2 ebenfalls gelten, mag ich mangels direkter Vergleichsmöglichkeit nicht beschwören. Ich würde es vielleicht sogar bezweifeln wollen, denn die Punkte, die ich erwähnte, sind genau die gleichen, die die FS 2 der Dynamikks Monitor 8.12 voraushatte. Was aber die Fähigkeit angeht, wenn gefordert einen riesigen Raum aufzuspannen – da dürfte die große Genuin der etwas kleineren dann doch noch was vormachen, und die war bestimmt nicht schlecht oder kompakt, ganz im Gegenteil. Mit der Genuin FS 1 beschleicht mich sogar manchmal das Gefühl, dass mein Zimmer zu klein für die Bühne ist, die der Lautsprecher Matmosgerne hineinprojizieren möchte. 60 qm wären da bestimmt auch nicht übel, um das ganze Orchester unterzubringen oder um bei soundscapeartigen Klanggemälden – ich denke hier etwa an Künstler wie Nicolas Jaar, Matmos, PVT, Nils Petter Molvaer, manche Björk-Sachen und anderes mehr – wirklich alles großformatig auszumalen. Doch man sollte jetzt nicht mutmaßen, die Blumenhofer Genuin FS 1 leide an „Zwangsgigantismus“ und müsse alles aufpumpen. Mitnichten, Kammermusikalisches und Girl-with-Guitar-Stoff bleiben so kompakt wie die Aufnahme es verlangt.

Horn von hinten

Doch auch wenn die räumlichen Fähigkeiten der Blumenhofer alles andere als von Pappe sind – das zentrale Element zum Verständnis dieser Box sind sie nun auch wieder nicht. Nein, es gilt vielmehr: So was kann sie eben auch. Zentral scheint mir eher, dass sie überhaupt fast alles kann, also als Allrounder durchgeht. Freilich als einer mit besonderem Akzent auf atemberaubende Dynamikfähigkeiten sowie, dazu komme ich gleich noch, erstklassiger Auflösung. Reinrassige „Raum-Fetischisten“ werden mit einer halb so teueren Ascendo System F ebenfalls auf ihre Kosten kommen (und dafür dynamisch/rhythmisch Einbußen hinnehmen müssen). Oder – um ein Modell der gleichen Preisklasse heranzuziehen – mit einer Audiograde Ardora. Ja, da wird in Sachen Fokus und Durchsicht im Bühnenraum wohl sogar noch einmal etwas mehr geboten (dafür im Bass und bei der Grenzdynamik weniger).

Apropos Audiograde: Da sieht man mal wieder, wie grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen Lautsprecherentwickler pflegen können: statt zwei Wegen dreieinhalb, statt Hochtonhorn Blumenhofer Genuin FS 1 Mk 2plus 16-Zoll-Konus durchgängige Bestückung mit Keramikchassis, statt „harmonisch ausschwingendem“ Holzkorpus ein ultraschweres Spezialkunststoff-Gussgehäuse, welches Resonanzen und Schwingungen den Krieg erklärt. Außer der Preisklasse scheint da nichts gleich zu sein.

„Gleich“ vielleicht nun nicht, aber durchaus ähnlich ist das Auflösungsvermögen, auch wenn der schwere Lautsprecher aus Aachen in dieser Hinsicht wohl immer noch die Nase vorn hat mit seiner schon wahnwitzig zu nennenden Detaillierungsfähigkeit. Viel fehlt dem aktuellen Probanden aber nicht – und wenn ich recht überlege, könnte das schon sein, dass die Genuin FS 1 nach der Ardora der am besten auflösende Schallwandler ist, den ich bis dato bei mir hören konnte. Wie macht sie das nur?

Nun, neben vielem anderen dürfte die Kombination aus sehr hohem Wirkungsgrad und üppig dimensionierter Treiberfläche mitentscheidend sein. Wenn möglichst viel vom elektrischen Signal akustisch verwertet wird und wenn Treiber sich kaum bewegen müssen, da sie qua großer Fläche einen hohen Strahlungswiderstand besitzen, und deshalb zumindest mechanisches/bewegungsinduziertes Verzerrungsverhalten reduziert wird – und solche Verhältnisse herrschen hier ja vom Tiefbass bis in die höchsten Lagen – dann kann es besonders rein, sauber und durchlässig für feinste Details klingen. Der Hochtonbereich wird ja beispielsweise komplett vom Horn wiedergegeben – und bei einem solchen ist die schallabstrahlende Fläche im Grunde der Hornmund. Der hat nun im Fall der Blumenhofer eine Fläche von circa 420 cm², was ungefähr 80 Mal mehr ist als eine konventionelle 1-Zoll-Kalotte bietet. Mit Hub muss hier gar nix gemacht werden. Und die berühmt-berüchtigten Hornverfärbungen glänzen durch Abwesenheit, was dann wohl auch die eigentliche Kunst darstellt. Exzessives Prototyping in Sachen Kompressionskammer und Horngeometrie sind die Mittel hierfür.

Blick auf den Kompressionstreiber des Horns
Blick auf den Kompressionstreiber des Horns

Der Direktvergleich mit meiner an sich schon exzellent auflösenden Dynamikks offenbart jedenfalls, dass da noch etwas mehr geht. Etwa wenn die Bläser bei „A Home Away“ von Tuxedomoon (Album: Cabin In The Sky) einsetzen – der ganze Ton wirkt sauberer, wie gewaschen, reicher an Texturen – oder beim elektronischen Rumgeknister bei circa 2’30“: als würden Tuxedomoondie einzelnen „Funken“ feiner aufgedröselt. Oder generell bei passabel eingefangenen Stimmen: Jedes Mal habe ich da das Gefühl, als würde eine vormals überhaupt nicht wahrgenommene, aber offenbar doch vorhandene, ganz, ganz leicht gräuliche Schicht abgepellt – und nun erst stünde die Sängerin/der Sänger „nackt“ vor mir. Eine solche Reinheit des Tons ist selten zu finden.

Test: Blumenhofer Genuin FS 1 MK 2 | Standlautsprecher

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