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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Tugendhaft?
  2. 2 Blumenhofer Acoustics AK-17: Der Klangeindruck

Manufakturarbeit hat durchaus Charme – aber auch ihren Preis. Und so sind die Produkte vieler kleinerer HiFi-Firmen oft in höheren Preislagen angesiedelt, zumal dann, wenn sie in Deutschland produzieren. Auch bei der im Naturpark Augsburg beheimateten Lautsprechermanufaktur Blumenhofer Acoustics verhält es sich so. Doch keine Regel ohne Ausnahme – gestatten: Hier kommt die Blumenhofer AK-17, ein Standlautsprecher für 1.999 Euro das Paar. Ja, auch das ist eine respektable Summe. Doch das audiophile Zielpublikum ist längst ganz anderes gewöhnt.

blumenhofer-ak-17

Wie macht Thomas Blumenhofer das? Der Trick ist im Grunde recht einfach: Man nehme eine bewährte Basis und vereinfache dort, wo es am wenigsten schmerzt. Die Basis der AK-17 sei das doppelt so teure Model Tempesta 17, so der Chefentwickler und Eigner von Blumenhofer Acoustics. Stellt man die beiden Lautsprecher nebeneinander, ist das auch ganz offensichtlich – die Gehäuse sind identisch. Was natürlich Vorteile bietet: Mehr vom Gleichen zu produzieren ist effizienter als zwei gänzlich unterschiedliche Lautsprecherkabinette herzustellen.

Aufbau

Die Blumenhofer Acoustics AK-17 sind kleine Standlautsprecher, was ich daran erkenne, dass meine Frau meint: „Endlich mal normale Boxen!“ So kann man das natürlich auch sehen. Jedenfalls sind sie keinen Meter hoch und nur 19,5 Zentimeter breit. Die Tiefe variiert: Oben sind es 20, unten 25 Zentimeter. Das Gros der entsprechenden Neigung stammt von der Front, doch auch die Rückseite fällt nicht lotrecht nach unten. Der „schräge Aufbau“ dient mehreren Zielen: Erstens vermeidet man parallele Front- und Rückwände und minimiert so die Anfälligkeit für stehende Wellen im Gehäuse, was nur Vorteile – Stichwort: Gehäuseresonanzen – haben kann. Zweites ist dergestalt auch ein gewisses Time-alignment möglich, da der „schnelle“ Hochtöner etwas weiter vom Ohr des Hörers entfernt ist als der „langsame“ Woofer – wobei das bei der Tempesta mit ihrem tiefer sitzenden Hochtöner mehr zum Tragen kommen dürfte als bei der AK-17.

Blick in den bodenseitig abstrahlenden, divergenten Bassreflex-Kanal der Blumenhofer AK-17

Blick in den bodenseitig abstrahlenden, divergenten Bassreflexkanal der Blumenhofer AK-17

Drittens steckt im Gehäuse der Blumenhofer AK-17 ein sogenannter „divergenter“ Bassreflexkanal: Statt der üblichen runden Bassreflexröhre hat’s auf der Unterseite einen rechteckigen Austritt, und der Kanal wird zur Öffnung hin immer breiter. Das nun gleich „Horn“ zu taufen, wäre vermessen, aber einen gewissen hornartigen Verlauf hat es schon. Wie auch immer, jedenfalls will Tom Blumenhofer so die Ankopplung an den Raum verbessern, insbesondere im Tiefbass. Und dass der Bassreflexkanal auf den Boden strahlt hat gleich noch den Vorzug, dass unerwünscht austretende Mitteltonanteile im Vergleich zu einer auf der Front platzierten Öffnung weniger ohrenfällig werden. Der Abstand zum Boden ist durch die Höhe der Füße definiert vorgegeben.

Die Frequenzweiche der Blumenhofer AK-17 sitzt in ihrer eigenen Kammer

Die Frequenzweiche der Blumenhofer AK-17 sitzt in ihrer eigenen Kammer

Und wo wir uns die Box schon von unten ansehen: Richtig cool finde ich, dass es eine separate Kammer für die Frequenzweiche gibt. Das ist in dieser und bisweilen auch in höheren Preisklassen nicht üblich. So bleibt die Weiche vorm „Tumult“ im Innern der Box weitgehend verschont, was Mikrofonieeffekte minimiert. Etwas weniger cool dagegen: Die Treiber werden mit Holzschrauben befestigt. Was spricht eigentlich gegen metrische Gewinde?

Der 17-cm-Tiefmitteltöner der Blumenhofer AK-17

Der 17-cm-Tiefmitteltöner der Blumenhofer AK-17

Doch zurück zur entscheidenden Frage: Was ist denn nun vereinfacht worden? Im Wesentlichen ist da die Bestückung zu nennen. Der Tiefmitteltöner misst zwar ebenfalls 17 Zentimeter wie bei der Tempesta, doch handelt es sich nicht um ein exklusiv von Blumenhofer entwickeltes und für sie gefertigtes Modell mit sogenannter P2C-Sandwichmembran, sondern um gute Standardware vom deutschen Spezialisten Eton. Noch auffälliger: Bei der AK-17 ist kein Hochtonhorn im Einsatz wie bei der Tempesta 17 (wir hatten übrigens mal die Tempesta 20 im Test), sondern ein 1-Zoll-Gewebehochtöner aus dem Regal des Neu-Ulmer Chassisherstellers. Natürlich ist das weniger aufwendig als so ein CNC-gedrechseltes Horn mit speziell angepasster Druckkammer vorm 1,4-Zoll-Kompressionstreiber – und entsprechend kostengünstiger.

Hochtonkalotte der Blumenhofer AK-17

Hochtonkalotte der Blumenhofer AK-17

Also dann: Hören wir uns den aktuell günstigsten Blumenhofer-Standlautsprecher einmal genauer an!

Blumenhofer Acoustics AK-17: Der Klangeindruck

So wie die meisten Lautsprecher braucht auch die Blumenhofer AK-17 einen gewissen Grundpegel, um „voll da“ zu sein. Natürlich kann man sie auch bei Flüsterpegeln nebenher laufen lassen, aber dann wird es halt etwas undeutlich und an den Frequenzbandenden fehlt auch etwas. Kein Problem für mich – ab Zimmerlautstärke aufwärts funktioniert’s, und leiser höre ich eh nur selten. Apropos „aufwärts“: Die kleine Blumenhofer-Säule kann recht laut – ich höre in einem 40-qm-Zimmer, nicht gerade das natürliche Umfeld für so einen kompakten Standlautsprecher, und trotzdem klappt das. Live-Konzertlautstärken von großen Orchestern und echte PA-Partypegel sollten indes nicht eingefordert werden, Bestückung und Kabinettgröße der Blumenhofer sind dafür einfach nicht ausgelegt. Für die allermeisten Pegelwünsche in normalgroßen Wohnräumen dürfte es aber locker reichen.

Tonales

Zunächst einmal ein Blick auf die gesamttonale Ausrichtung – die, streng genommen, gar nicht vorhanden ist. Sprich: Die Blumenhofer AK-17 spielt sehr balanciert, ja, geradezu neutral auf. Das mag manche überraschen: Zwar ist die AK-17 kein Hornlautsprecher, stammt aber von einem Hersteller, der für solche Konzepte bekannt ist. Führt er nicht auch gerne mit Röhren vor? Muss man da nicht eine gewisse tonale Präferenzlage vermuten? Nun, das mag sich so verhalten oder auch nicht, aber wie dem auch sei, mit der Blumenhofer AK-17 hat das nichts zu tun. Die könnte man auch ins Studio stellen.

Boy - Mutual FriendsAn meiner großen, eher straight ausgerichteten Verstärkerkombination spielt sie – straight. An dem wärmer und voller musizierenden, kleinen Röhrenamp Unison Triode 25 klingt sie – wärmer. Nick Caves Stimme wirkt voll, sonor, ungeschmälert, aber auch nicht „extrasatt“. Da macht die große Blumenhofer Genuin I tonal mehr Show und saturiert Caves Organ kräftiger. Frauenstimmen wie etwa die von Valeska Steiner vom Popduo Boy (Album: Mutual Friends; auf Amazon anhören) kommen ebenso ehrlich rüber: offen, unbelegt, weder im Oberton beschnitten noch zu ätherisch. Ja, gerade die mittleren Lagen werden ausgesprochen „werktreu“ durchgereicht.

Im Hochton geht es geradeaus weiter – er gibt sich weder schüchtern noch vorlaut, und das Detaillierungsvermögen ist sehr ordentlich. Manche „Spezialisten“ können hier zwar noch mehr bieten, ein gutes Beispiel dafür ist die Saxx clubSound CLX 9 (circa 2.400 Euro): Die schöne, glänzende Lautsprechersäule ist obenrum mit einem AMT bestückt, der das Klangbild mit einem Plus an feinen Details versorgt. Da kommt die Blumenhofer nicht ganz mit. Andererseits muss aber auch gesagt werden: Der Obertonbereich der AK-17 ist nahtlos an das Mittenband angebunden – das lässt sich so von der clubSound CLX 9 wiederum nicht behaupten. Tatsächlich fand ich die Saxx seinerzeit stimmiger, wenn der Hochtonpegel etwas zurückgenommen wurde (was sich per Knebelschalter leicht machen lässt), aber auch dann war‘s nicht so vollkommen bruchlos wie bei der Blumenhofer.

Eels - Electro-Shock BluesUnd wo von „bruchlos“ die Rede ist, muss der Bass erwähnt werden. Es gibt keinen hörbaren Übergang zu den mittleren Lagen, die Blumenhofer spielt sowohl tonal kohärent – also ohne „Pegel-Welligkeiten“ im Bereich Bass/Grundton/Mitten – und auch, für mich noch wichtiger, was das Timing angeht. Impulse mit Tieftonbeteiligung kommen nämlich als einheitliches Ganzes rüber, da wird nichts verschleppt. Die Blumenhofer AK-17 spielt ansatzlos – was doch recht erstaunlich ist, schließlich ist bei ihr nicht gerade viel Membranfläche am Start (was meiner bescheidenen Meinung nach mit dem Gefühl von Unmittelbarkeit im Bass korreliert). Auch fällt bei ihr der Bassbereich nicht so schlank aus, dass „schnell“ zum Euphemismus für „mager“ wird. Klar, eine Dampframme ist die AK-17 beileibe nicht, aber es ist hinreichend Substanz im Spiel, dass die Beschreibung „linear und passend zum Rest des tonalen Spektrums“ gerechtfertigt ist. Dabei hätte ich anfänglich die Aussage „im Tiefbass begrenzt“ unterschrieben, doch dann ließ die Blumenhofer im Eels-Song „Going to your funeral Part I“ (Album: Electro-Shock Blues; auf Amazon anhören) bei 2:13 min das Flugzeug starten: Wo nimmt die Kleine denn nun bitteschön das her? Das supertiefe Triebwerksgeräusch kommt mehr als nur andeutungsweise rüber. Wirklich erstaunlich!

Blick auf den ausgebauten Hochtöner der Blumenhofer AK-17

Blick auf den ausgebauten Hochtöner der Blumenhofer AK-17

Gleichfalls überraschend: Wenn der schon erwähnte Unison-Röhrenverstärker die Blumenhofer antreibt, gefällt mir diese Stelle im Tiefbass insgesamt sogar besser als mit den Musical-Fidelity-Monos. Die bringen zwar ganz unten eine reliefartige Struktur zum Vorschein, kontrollieren dafür aber einfach „zu viel Substanz weg“, wenn Sie wissen, was ich meine. Die italienische Röhre geht’s dagegen lockerer an und bringt deshalb mehr Basspower rüber. Was sich daraus ableiten lässt: Die AK-17 muss nicht mit eisern kontrollierenden Amps verheiratet werden, ganz im Gegenteil, eine weniger straffe Gangart im Untergeschoss kann sich bezahlt machen.

Blick auf den ausgebauten Tiefmitteltöner der Blumenhofer AK-17

Blick auf den ausgebauten Tiefmitteltöner der Blumenhofer AK-17

Noch einmal zur Einordnung: Der Bass der Blumenhofer AK-17 ist super getimt und perfekt ans Mittenband angebunden, schön konturiert und angesichts der Größe des Lautsprechers erstaunlich substanziell – für ähnliches Geld lässt sich aber auch mehr Schub im Bass einkaufen, was je nach Musik- und Hörgeschmack, insbesondere aber je nach Raumgröße und Pegelbedürfnis, sinnvoll sein kann. Sprich: Fürs „richtig schmutzig krachen lassen“ gibt es geeignetere Alternativen. Mir fällt da spontan die JaWil Audio Ragnarök 2 ein – für die allerdings auch 1.000 Euro mehr aufgerufen werden. Die Standmodelle der einschlägigen Direktversender (Nubert, Saxx, Teufel, XTZ etc.) dürften aber tendenziell auch muskulöser auftreten.

Dynamik

Ob die dann auch so musikalisch stimmig und kohärent aufspielen wie die Blumenhofer, steht auf einem anderen Blatt – und hier zeigt sich wieder, dass es nicht den besten, sondern nur den passendsten Lautsprecher gibt. Das gilt auch fürs Dynamikverhalten unseres Probanden, welches mich positiv überrascht hat. Feindynamisch ist hier schon mal alles im Lot – ob nun der Bogen die Cello-Saite trifft, Gitarrensaiten über Stege schnarren oder feine Stimmmodulationen nachgezeichnet werden wollen: Hier ist die AK-17 in ihrem Element. Zur preisklassenbezogen gelungenen Mikrodynamik gesellt sich ein hohes Auflösungsvermögen im Mittenband. Beides zusammen macht insbesondere akustische Musik – Jazz, Singer/Songwriter-Sachen, Klassik etc. – zu einem echten Erlebnis, denn es tönt natürlich-lebendig und eben nicht wie aus der Konserve.

Eigentlich überrascht hat mich aber die Grobdynamik. Die Box ist keine 20 Zentimeter breit, keinen Meter hoch, der Woofer besitzt Untertassenformat – was soll da schon groß passieren? Doch setzt im Song dann beispielsweise eine Bassdrum ein, fragt man sich wieder, woher sie denn nun das wieder herholt. Bei einer doppelt so großen Standbox mit Doppelbassbestückung hätte man „Okay, geht in Ordnung“ gesagt, aber hier staunt man nicht schlecht.

Doch wie eingangs schon erwähnt: Damit man die dynamische Gangart der Blumenhofer AK-17 genießen kann, sollte sie mit der passenden Lautstärke spielen. Unter Zimmerlautstärke ist’s so lala – und wer Schostakowitschs Symphonien mit Live-Pegeln genießen möchte, ist eh an der falschen Adresse. Grenzdynamik im Sinne von „dynamische Lässigkeit bei sehr hohen Durchschnittspegeln“ ist nicht die Domäne der AK-17. Für solche Anforderungen hat der bayrische Hersteller zahlreiche kostspieligere Angebote im Line-up, zum Beispiel die Modelle der Genuin-Serie, schon die „kleine“ FS 3 spielt diesbezüglich in einer ganz anderen Liga. Doch auch im Preisbereich der Blumenhofer AK-17 lassen sich größere Lautsprecher finden, die anders zulangen können.

Bühne

Die Blumenhofer AK-17 ist ähnlich bestückt wie ein klassischer Zweiwege-Kompaktlautsprecher: 17-Zentimeter-Konustreiber plus 1-Zoll-Kalotte. Die beiden Treiber sind auch so nah beieinander wie es für eine Regalbox üblich ist – vielleicht liegt hierin der Grund, warum ihr eine so ausnehmend freie Bühnenabbildung gelingt? Akustisch verschwindet die AK-17 jedenfalls komplett aus dem „Blickfeld“.

Blumenhofer AK-17, Doppel

Der Bühnenaufbau startet dabei zumeist auf der Grundlinie der Boxen, weder übt sie sich in Distanz, noch geht es groß nach vorne. Die Dimensionen des Bühnenraums werden realistisch-normal ausgeleuchtet, und diese Einschätzung kann ich mit Blick auf die Lokalisationsschärfe und Plastizität der Abbildung wiederholen. Alles im Lot soweit, aber auch nicht die herausragende Kernkompetenz der Blumenhofer. So habe ich beispielsweise schon einige Kompaktmonitore von Dynaudio gehört, die randschärfer und dreidimensionaler zeichneten. Andererseits wird es nicht wenige Hörer geben, die die Art der Raumdarstellung der Blumenhofer als besonders natürlich empfinden werden, da nicht so „hifimäßig-überscharf-hyperreal“ oder wie immer sie sich ausdrücken. Geschmackssache. Mir hat hier wieder der Betrieb an einem Röhrenverstärker sehr gut gefallen: Manche Röhren bauen eine schöne Aura um Einzelstimmen auf und die AK-17 versteht sich darauf, das sehr schön rüberzubringen.

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Test: Blumenhofer Acoustics AK-17 | Standlautsprecher

  1. 1 Tugendhaft?
  2. 2 Blumenhofer Acoustics AK-17: Der Klangeindruck

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