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bFly PowerBase: klangliche Auswirkungen

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 bFly PowerBase: klangliche Auswirkungen

bFly Gerätebasen

Ach wie schön, endlich mal wieder ausgiebig dem Spieltrieb frönen zu können! Und die Aussage von Herrn Schäffer, dass die Wirkung der Basen umso größer sei, je schlechter die Ausgangssituation ist (siehe meine etwas suboptimale Situation weiter oben), nährt die Vorfreude auf nicht unerhebliche Weise. Das Tolle an Gerätschaften wie diesen Basen ist auch, ganz nebenbei bemerkt, dass sie keine Einspielzeit und kein Aufwärmen brauchen. Einfach hinstellen und loslegen ist also die Devise – wenn da nicht die offensichtliche Diskrepanz von vier HiFi-Geräten und nur drei Basen wäre, von denen eine eigentlich nur zu Vergleichszwecken vor Ort war. Also muss ein Plan her …

bFly PowerBase unter der Vorstufe/DAC
bFly PowerBase unter Vorstufe/DAC

Den Anfang soll die BaseTwo unter der Norma Audio Revo SC-2 DAC/Vorstufe machen, um eine Ausgangslage zu schaffen. In einem zweiten Schritt dürfen die beiden PowerBasen unter den Norma Audio Revo PA 160 MR Monoblöcken Platz nehmen. In einer dritten Konfigurationsvariante soll die BaseTwo unter der Vorstufe dann einer PowerBase weichen und stattdessen unter den VPI Scout 2 wandern (diese Kombination hat ja schon Kollege Werner in höchsten Tönen gelobt). Dafür wandern die Monoblöcke wieder auf die Audioplan Antispike-Gerätefüße, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Schritt für Schritt

Bowie/BlackstarHerrje. Ich fühle mich von den ersten Tönen des Titeltracks vom aktuellen David-Bowie-Album Blackstar (auf Amazon anhören) an die erste Begegnung mit dem Finite Elemente Pagode Reference erinnert, nur für etwa ein Zehntel des finanziellen Einsatzes: Größe, Ruhe, Sauberkeit, Definition sind die ersten Gedanken, als die BaseTwo ihren Einstand gibt. Tatsächlich scheinen meine Lansches ein Stück weiter auseinander zu stehen, der elektronisch erzeugte Bass physisch besser vom Rest des Klangbilds getrennt zu sein. Haben Sie auch manchmal den Eindruck, dass Klänge sich fast sichtbar materialisieren können? Nein? Seien Sie versichert, ich nehme keine bewusstseinsverändernden Drogen, aber genau das Phänomen erlebe ich mit meiner Kette regelmäßig. Die bFly-Basis befördert diesen Aspekt der Wiedergabe noch: Der Bass liegt wie ein warmer, dicht gewebter Teppich ganz unten zwischen den Lautsprechern ausgerollt, und der Abstand zur lebhaften Diskussion der räumlich darüber platzierten Klanggeschehnisse (Stimme, Synthesizerbeeps, Gitarren, Drums …) ist im Vergleich zu vorher gewachsen. Alle „Klangkanten“ sind weniger ausgefranst, schärfer fokussiert – und dieser Unterschied ist nicht marginal.

bFly PowerBase unter den Monos
bFly PowerBase unter den Monos

Nächster Schritt – ich bin angefixt. Die beiden Powerbasen finden ihren Weg unter die italienischen Monoblöcke, die Erdungsmodule sollen im Schritt 2.a) noch arbeitslos bleiben. Was für eine Freude, diese perfekt verarbeiteten Basen anzufassen und aufzustellen! Und genau in dem Moment wird mir klar, was mir so oft bei der Beschäftigung mit diversen selbst ernannten Tuning-Wundermitteln fehlt: direkter, nachvollziehbarer Gewinn und Gegenwert ohne zumindest fragwürdig hohe finanzielle Gegenleistungsforderungen. Wie dem auch sei, der Effekt der beiden bFly-PowerBasen unter den Monos verstärkt die Erfahrung der BaseTwo unter der Vorstufe, fügt aber einen Schuss Luftigkeit und Straffheit hinzu. David Bowies Stimme steht wahrnehmbar freier im Raum, tritt minimal weiter vor die Lautsprecherebene und löst sich deshalb etwas plastischer vom drum herum flirrenden Klangeschehen. Insgesamt wieder ein Gewinn, in Sachen Preis-/Leistungs-Relation verglichen mit dem Fortschritt, den die BaseTwo am Vorverstärker alleine erzielt, aber etwas weniger beeindruckend. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Norma Audio SC-2 deutlich stärker auf den Untergrund reagiert als die beiden Monos. Unter Umgehung des geplanten Schritts 2.b), also ohne den Effekt der Erdung in dieser Konstellation auszuprobieren, arrangiere ich nochmals um …

bFly Powerbase von der Seite ...
bFly Powerbase von der Seite …

... und von hinten betrachtet
… und von hinten betrachtet

Die BaseTwo unter der Vorstufe weicht einer bFly PowerBase, und die Monos kommen wieder auf die Antispikes von Audioplan. Immer noch ohne das Erdungsmodul der PowerBase einzustöpseln, lasse ich den AURALiC Aries wieder „Blackstar“ streamen. Der Effekt ist fast schon dramatisch – was vorher noch unter „gut wahrnehmbar“ zu verordnen wäre, wird nun zu „straight in your face“. Interessanterweise kumuliert die PowerBase unter der Vorstufe den Gesamteindruck des Dreiers, fügt aber an dieser Stelle positioniert noch einen Schuss mehr Definition und Kontrolle hinzu, während der Bass einen Hauch schlanker wirkt als mit der bFly BaseTwo. Das Klangbild weitet sich auch noch minimal nach oben hin – selbst im Vergleich zur vorherigen Kombination mit Basen unter allen Geräten (aber eben „nur“ der BaseTwo unter der Vorstufe). Mit Airs Debütalbum „Moon Safari“ bestätigt sich dieser Eindruck. Selten habe ich mit meiner Wiedergabekette so entspannt, derart definiert und körperhaft plastisch dargestellt Musik gehört: „Talisman“ beginnt mit einem schwebenden Analogsynthesizer – und mit Nebengeräuschen im Hintergrund, die mir noch nie, und ich meine NIE, aufgefallen sind. Der Bass setzt ein – das muss ein Rickenbacker sein, so mittenbetont knackig ploppt sonst nix –, genial, mit welcher Farbigkeit und warm rollendem Ton der Bassist hier die Saiten bearbeitet. Ich höre die ersten 50 Sekunden des Stücks bestimmt zehn mal, alleine, weil mich dieser Mitteltonimpuls der angerissenen hohen Basssaiten so anmacht – und dann wechselt der Basser auf die E-Saite, und Gänsehaut macht sich breit … Wow! Und noch mal!

Panteras 1992er Album Vulgar Display of PowerDann Kurswechsel auf Heavy Metal, aber so richtigen. Panteras 1992er Album Vulgar Display of Power (auf Amazon anhören) pflanzte den Samen für ein ganzes Subgenre und wartete mit einem zum damaligen Zeitpunkt noch einzigartigen, ungewohnt cleanen und mit wenig Mitten ausgestatteten Sound auf, der auf allzu analytischen Ketten leicht ins Drucklos-hohle kippen kann. Keine Spur davon hier: „Mouth for War“ kommt so kohärent, tight, definiert und sauber aus den Lansches, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte – wie kann der Bass eigentlich gleichzeitig schlanker und dennoch konzentrierter, schlagkräftiger sein? Das Stakkato-Riffing im darauffolgenden Track „A New Level“ gewinnt dermaßen an konzentrierter Griffigkeit, dass ich nicht kann, als immer lauter zu drehen (sorry, Nachbarn!), und in der kurzen Pause bei 0:35 klingen die Instrumente so klar hörbar in einem plötzlich viel stilleren Aufnahmeraum nach, dass ich mich in die Studiosituation hineinversetzt fühle.

Volle Dröhnung

Jazz BalladsOkay, ich gebe mir die volle Dröhnung: Der Erdungsstecker kommt zum Einsatz und David Mahogany setzt einen absoluten musikalischen Kontrapunkt mit „Save That Time“ (vom Sampler Jazz Ballads). Er kann in der Tat in noch größerem Maße vom Einfluss der nun geerdeten PowerBase profitieren: Die luftige, losgelöste Plastizität von Stimme und Instrumentarium entfaltet sich in nochmals luftigeren räumlichen Gegebenheiten – die geerdete PowerBase macht oben rum richtig auf. Die weiter gesteigerte Definition in allen Frequenzbereichen erzeugt eine Intimität und Natürlichkeit, die ohne eingestöpselte PowerBase unter meiner Vorstufe so nicht vorhanden war. Jedes Stück des Samplers, das noch folgt, verzaubert mich mit zuvor kaum wahrgenommenen Details – und dann kommt „My Funny Valentine“ von Chet Baker, und seine fast schon brüchige, nicht immer tonsichere Stimme trifft mitten ins Herz, weil sie unmittelbar und ohne trennende akustische Barriere vor mir im Raum steht und jede Nuance des emotionalen Ausdrucks überdeutlich wird. Sie erscheint mir mit aktiviertem Erdungsmodul auch einen halben Schritt auf mich zu gemacht zu haben.

bFly Powerbase

Einen weiteren extrem wichtigen Beitrag zum Thema emotionale Wiedergabe liefert die gesteigerte feindynamische Schattierungsfähigkeit, die sich vor einem ruhigeren und saubereren Hintergrund effizient in Szene zu setzen weiß. Seien es die perlenden Anrissgeräusche von Gitarrensaiten, die Anblasgeräusche von Bläsern oder die Artikulationsartefakte von SängerInnen („Diamonds on the Soles of her Shoes“ von Paul Simon!) – alles scheint von Gewichten und Schleiern befreit zu sein, im Scheinwerferlicht zu stehen und von Chuck Norris höchstpersönlich einen Motivationstritt erhalten zu haben. Wie hypnotisiert lausche ich David Bowies verfremdeter Stimme in „Blackstar“. Faszinierend, wie meine Kette nun – vollkommen unbeeindruckt von jeglicher dynamischen Attacke – der weitestgehend elektronischen Musik die vielschichtigen Facetten dieses viel zu früh von uns gegangenen Musikers wie auf dem Seziertisch ausbreitet, sie aber gleichsam bruchlos integriert.

Ganzheitlicher Ansatz

Sie vermissen jetzt vielleicht das Thema Grobdynamik. Ich habe diesen Aspekt bisher nicht explizit erwähnt, weil dieser Aspekt nicht der ist, der die Faszination der bFly-Basen grundsätzlich definiert. Die sind nämlich eher disziplinierte Tiefstapler und hauen einen lieber mit vergleichsweise subtilen Methoden aus den Latschen, die in einem ganzheitlichen Ansatz der Eliminierung von Störungen fußen. Dennoch hier noch mal in aller Deutlichkeit: Drumsolos und großorchestrale Tuttis gewinnen natürlich auch an Speed und Wucht, wenn eine bFly PowerBase den unverrückbaren Startblock darstellt – auch das, denke ich, ist ein Resultat des sauberen, ruhigen Hintergrunds, aus dem heraus sich saftige Dynamik umso besser und schneller entfalten kann.

bFly PowerBase

Übrigens: Unter dem VPI Scout 2 spielt in meiner Kette die BaseTwo eine Spur angenehmer und mit ruhigerer Übersicht als die vergleichsweise energiesprühend, an dieser Stelle aber auch minimal übermotiviert agierende PowerBase – es gibt eben keine Allheilmittel, probieren geht über studieren und Versuch macht kluch. Und jetzt 10 Euro ins Phraserl-Schweinerl.

Test: bFly Audio PowerBase |

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