
Test: bFly-Audio bPower CryoFly | Netzkabel
Heißes Eis(en)
von Michael Bruss
Im Test: bFly-Audio bPower CryoFly | HiFi-Netzkabel
UVP zum Testzeitpunkt: ab 439 Euro (Standard-Stecker); ab 599 Euro (mit Furutech)
Wenn es so etwas wie einen Überraschungsgaranten gäbe – der Begriff an sich ist ja eher paradox –, dann wäre es bFly-Audio (https://www.bfly-audio.de/). Die Augsburger Tuning-Schmiede bietet seit vielen Jahren (im Branchenvergleich) relativ günstige Absorberfüße, Gerätebasen und andere „Klanghelferlein“ an, und bei jedem Kontakt hat mich das Preis-Leistungs-Verhältnis positiv überrascht. Ob das mit den bFly-Audio bPower-Netzkabeln in der neuen, extremkältebehandelten CryoFly-Version ebenso ist?
Technik & Praxis
Das ursprüngliche bPower kennt die fairaudio-Leserschaft bereits: Kollege Benjamin Baum hat das Kabel 2020 getestet und war, gelinde gesagt, angetan. Die neue CryoFly-Version baut auf genau dieser Konstruktion auf und wird in einem zusätzlichen Fertigungsschritt am Ende der Produktionskette veredelt. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich um eine Extremkältebehandlung, die nach Angaben von bFly-Audio-Chef Reinhold Schäffer das elektrische Verhalten der Leiter grundlegend verändern soll.

Zunächst zum Aufbau, der unverändert geblieben ist: Acht Einzeladern aus Reinkupfer sind kreisförmig um einen Dielektrikumkern angeordnet, der Gesamtquerschnitt addiert sich zu zwölf Quadratmillimetern. Kabelseele und Innenmantel bestehen aus schwingungsdämpfendem Kunststoff. Den Abschirmmantel bildet ein engmaschiges Spezialmetallgeflecht, das elektrisch und magnetisch wirksam ist und Störfelder von beiden Seiten neutralisieren soll – sowohl solche, die das Kabel selbst erzeugt, als auch externe Einstreuungen. Außenmantel und Dämpfungsstrumpf schließen den Aufbau nach außen ab. Das Ziel dieser Konstruktion ist eine weitestgehende Auslöschung elektrischer und vor allem magnetischer Störfelder bei gleichzeitig niederohmiger, stabiler Energieversorgung, und das ohne als dedizierte Filter agierende und laut bFly klangverschlechternde Komponenten im „Stromweg“. Das Ganze ergibt einen Außendurchmesser von 15 Millimetern und ein Kabel, das mit dem Begriff „geschmeidig“ wenig anfangen kann.
Bibbern mit System
Der Unterschied zur bisherigen Version liegt in der kryogenen Behandlung. Dabei werden die vorkonfektionierten Leiter auf extreme Tieftemperaturen abgekühlt – industriell arbeitet man typischerweise mit flüssigem Stickstoff bei rund minus 196 Grad Celsius, gefolgt von einem kontrollierten Wiedererwärmen. Die dabei ablaufenden metallurgischen Prozesse sind gut dokumentiert: Durch die extreme Kälte sollen Spannungen im Metallgefüge reduziert und die Mikrostruktur des Leitermaterials homogener werden. In der zerspanenden Industrie, der Werkzeugherstellung und der Luft- und Raumfahrttechnik ist die Kryo-Behandlung deshalb seit Jahrzehnten gängige Praxis. Dort verlängert sie nachweislich die Standzeit von Werkzeugen und verbessert die Materialstabilität.

Ob sich diese Effekte sinnvoll auf die Klangqualität von Audiokabeln übertragen lassen, ist eine andere Frage, und in der audiophilen Gemeinschaft eine durchaus strittige. Die physikalischen Grundlagen für eine veränderte elektrische Leitfähigkeit nach einer Kryobehandlung existieren, sind messtechnisch im Audiokontext jedoch nur schwer zu isolieren. bFly-Audio hat das Verfahren nach eigenen Angaben in umfangreichen Versuchsreihen speziell für Signal- und Netzkabel erprobt; genauere Informationen zum angewendeten Verfahren oder konkrete Messdaten veröffentlicht das Unternehmen nicht. Das ist in der Branche wiederum nicht ungewöhnlich. Was bleibt also? Klar, der Hörtest. Dazu dann gleich mehr.
Klanglich verspricht Schäffer mit dem bFly-Audio bPower CryoFly eine spürbare Steigerung gegenüber dem ohnehin gut beurteilten Basismodell: mehr Detailauflösung, ein erweiterter Dynamikumfang, eine räumlich stabilere und tiefer gestaffelte Klangbühne. Das CryoFly-Label versteht bFly-Audio dabei nicht als einmaliges Experiment, sondern als künftiges Qualitätszeichen für alle Produkte des Hauses, die diesem Verfahren unterzogen werden. Das Netzkabel macht den Anfang.
Varianten und Preise
Konfektioniert wird das bPower CryoFly in den Längen 1, 1,5, 2 und 3 Meter, auf Anfrage auch mit Figure-8-Kupplung für besonders kompakte Abnehmer. Optional stehen Furutech-FI-E11-Gold-Stecker zur Wahl, die beim Vorgängermodell im Direktvergleich mit den Standardsteckern hörbar mehr Kontur und Hochtonfrische mitbrachten – auf Kosten einer kleinen Portion Geschmeidigkeit im Mittelton, wie Kollege Baum konstatierte. Ob das bFly-Audio bPower CryoFly dieses Bild bestätigt, wird der Hörtest zeigen.

Beim Preis hat das Cryo-Verfahren seinen Tribut gefordert. Das normale bPower war seinerzeit ab 239 Euro für einen Meter mit Standardstecker erhältlich, mit Furutech-Bestückung für 399 Euro. Das bPower CryoFly startet bei 439 Euro für den ersten Meter – ebenfalls in der Standardkonfiguration. Der Aufpreis gegenüber dem unbehandelten Kabel beträgt damit 200 Euro, was angesichts des zusätzlichen Produktionsschritts zwar nachvollziehbar ist, das Kabel aber in eine Preisklasse rückt, in der die Konkurrenz erfahrungsgemäß nicht schläft. Wer die Furutech-Variante bevorzugt, zahlt entsprechend mehr – genaue Längenpreise lassen sich direkt im Hersteller-Shop einsehen.
bFly-Audio bPower CryoFly: Hörtest und Vergleiche
Ich stelle die bFly bPower CryoFly meinen deutlich günstigeren Supra-LoRad-2.5-SPC-Kabeln (1,5 m für 179 Euro) gegenüber, die mich mit ihrem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt hatten und zudem eine optimale klangliche Symbiose mit meiner Anlage eingehen. Dachte ich – die bPower CryoFly machen mir nämlich umstandslos klar, dass es immer noch ein bisschen besser geht.

Bass und Grobdynamik
Das fängt eindrucksvoll mit der Grobdynamik an, hört dort aber nicht auf. Die an meinem Vorverstärker-DAC Norma Audio REVO SC-2 und der passenden Stereoendstufe PA-150 eingesetzten bPower CryoFlys mit den Standardsteckern eröffnen den musikalischen Reigen mit einer äußerst expressiven, dynamisch unlimitiert wirkenden und breitbandigen Performance, die mich entgegen aller Ratio fast vermuten lässt, dass hier jemand heimlich eine meiner Komponenten gegen den klanglich sehr ähnlich gelagerten Chord Ultima Integrated ausgetauscht hat. Die Attacke von Percussion-Impulsen ist definitiv direkter als mit den Supras; schon beim ersten Impact kommen Bassdrums zackiger, der Witz ist aber, dass gleichzeitig der Körper konzentrierter, energetischer geladen und wuchtiger rüberkommt.
Die ebenso kraftvoll-massive wie agile Charakteristik des Schlagwerks setzt sich über den gesamten Bassbereich hinweg fort. Ähnlich wie beim famosen Reinsilber-Lautsprecherkabel WSS Premium Line LS100 entsteht der Eindruck von „Natürlichkeit durch Hubraum“ statt artifizieller Zwangsbeatmung. So können meine Amps hörbar leichter und tiefer von selbst durchatmen und wirken gleichermaßen entspannter, frischer und kraftvoller. Spoiler: Dieser adjektivische Dreiklang erstreckt sich über das gesamte Klangbild der bFly bPower CryoFly.
Mitten und Klangfarben

Hochton und Detailauflösung
Am meisten beeindruckt mich das bFly-Audio bPower CryoFly mit seiner freien Darstellung des Hochtons – es klingt leichtfüßig und dennoch nicht ätherisch. So schön natürlich und offen hat meine Anlagenkonfiguration feine Blech-Percussion bisher nicht wiedergegeben. Movie Sinfónica begleitet diesen Hörtest von vorne bis hinten und bietet quasi alles, was man braucht, um eine Komponente auf Herz, Nieren und Hirn zu prüfen. In „Aria“ bimmeln die Glöckchen bezaubernd strahlend, lösen sich frei von den Hochtönern meiner ATC und offenbaren Strukturen und Texturen, die ich in dieser Anlagenkonfiguration bisher nicht kannte. Das Schöne ist, dass all dies ohne tonale Tricks geschieht. Die bFly-bPower-CryoFly-Kabel manipulieren die Frequenzkurve nicht wirklich – auch wenn durch den hohen Energiegehalt des unlimitiert wirkenden Bassbereichs subjektiv ein eher warmer Gesamteindruck entsteht –, sondern lassen stattdessen einfach mehr Details durch.
Raum und Abbildung
Wenn eine Komponente oder ein Kabel so viel Mikrodetailinformation und eine so feine Textur ins Geschehen einbringt wie das bFly-Audio bPower CryoFly, besteht die Gefahr, dass das Klangbild überfrachtet oder unübersichtlich wird. Das kann sich in subtiler Unsauberkeit oder in „zerfransten“ Kanten bei der Abbildung einzelner Schallobjekte äußern. Nun, das lässt sich vom bPower CryoFly nicht sagen, doch die skulpturale und umrissscharfe Projektion von Instrumenten und Stimmen gelingt ihm nicht ganz so gut wie etwa einem Kimber Kable PK 10 Base (329 Euro) oder dem Gutwire G-Clef 2 (439 Euro). Das geht einher mit einer erstaunlich großen Bühne, die deutlich breiter ausfällt als die Lautsprecherbasis, wenn die Aufnahme es verlangt. Sie wirkt bei Bedarf zudem erstaunlich hoch (hier sind die ATC eigentlich ein wenig limitiert) und kann sich je nach Musikmaterial sehr weit in die Tiefe des Raums hinter die Lautsprecher erstrecken. Dabei lassen sich die Positionen der Schallereignisse sehr gut orten, allein die Kanten der Umrisse bleiben ein wenig vage.
Der Furutech-Effekt
Nun kommen die für einen Aufpreis erhältlichen Furutech-Stecker mit ins Spiel. Sind sie installiert, wirkt das Klangbild ein wenig fokussierter und nochmals offener. Diesen Effekt erlebe ich am stärksten bei empfindlichen Quellgeräten wie meiner Streaming-Bridge Métronome DSS 2 und der MC-Phonovorstufe Linnenberg Bizet. Den Verlust an Mittengeschmeidigkeit, den Kollege Baum attestierte, kann ich bei den CryoFly-Versionen hingegen nicht feststellen.

bFly-Audio bPower CryoFly vs. bPower
Selbstverständlich bleibt am Ende die Frage, was die Kryobehandlung im direkten Vergleich mit dem – nun nicht mehr beim Hersteller verfügbaren – Ausgangskabel tatsächlich bewirkt.
Die Antwort: Das nicht behandelte bPower spielt tonal auf demselben Fundament, wirkt subjektiv ebenfalls minimal warm getönt – so viel wussten Leser des damaligen Tests bereits. Sein druckvoller Bass gerät jedoch etwas üppiger und nicht ganz so differenziert und strukturiert wie der der CryoFly-Version. Der Raum öffnet sich etwas weniger frei, bleibt in der Tiefendimension weniger variabel und nicht ganz so präzise gestaffelt. Das Klangbild wirkt insgesamt einen Tick weniger entspannt, die Detailauflösung klingt ansatzweise bemühter. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied meines Erachtens bei der Grobdynamik: Das Basismodell kommt im direkten Vergleich bei groben Impulsen eine Spur weniger auf den Punkt und weniger federnd rüber.

Ist das CryoFly also pauschal ein Pflichtupgrade, wenn man schon mit den bPower ausgestattet ist? Das hängt ein wenig von den Qualitäten der Anlage ab. Die muss den Zugewinn transportieren können und sollte bereits auf einem Niveau spielen, auf dem eine vergleichbare Investition in die Komponenten selbst keinen größeren Klangzugewinn bewirken würde. Meine auf 30 Jahren „im Business“ basierende Faustregel, falls es jemanden interessiert: Rund ein Zehntel des Gerätepreises darf jeweils in das Netzkabel und in die Interconnects investiert werden, bei Lautsprechern entsprechend in das Lautsprecherkabel. Alles darüber ist erfahrungsgemäß meist sinnvoller in Raumakustik oder in die Komponenten selbst zu investieren. Wer bei dieser Rechnung auf das bPower CryoFly kommt, wird alles andere als enttäuscht sein.
Testfazit: bFly-Audio bPower CryoFly
Die Überraschung ist mal wieder gelungen: Extrem breitbandig, höchst dynamisch, expressiv – dabei zivilisiert und äußerst detailliert, so fügen sich die bFly-Audio-bPower-CryoFly-Netzkabel in meine Anlage ein. Das räumlich großzügige, sehr fein-seidige und geschmeidige Klangbild mutet auch aufgrund seiner unlimitiert wirkenden Bassperformance und der Abwesenheit von klanglichen Härten subjektiv tendenziell warm und üppig an. Zum opulenten Gesamteindruck tragen auch die großzügigen Bühnenausmaße bei, wobei die Projektion dreidimensionaler Schallkörper nicht maximal umrissscharf ausfällt.

Gleichzeitig gelingt dem bFly bPower CryoFly der Spagat hin zu einer niemals abgesofteten Impulsdarstellung. Eine knackige Snare knallt immer ordentlich und ein steilflankiger Techno-Bass haut richtig ins Kontor. Die erwähnte Abwesenheit von unnatürlicher Härte bedeutet eben nicht zwangsläufig domestizierte Weichheit. Im Idealfall resultiert daraus realistische Natürlichkeit – und genau das schaffen die bFly-Audio-bPower-CryoFly-Netzkabel.
Insgesamt würde ich fast so weit gehen zu behaupten, dass sich der bPower-CryoFly-Effekt in einer Größenordnung bewegt, die man sonst eher von Gerätewechseln kennt. Ergo: Dies hier sind meine bisherigen Netzkabel-Highlights in der Klasse bis circa 1.000 Euro.
Preise Netzkabel bFly-Audio bPower CryoFly:
- mit Standard-Steckern: ab 439 Euro
- mit Furutech FI-E11: ab 599 Euro
Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers.
bFly-audio Telefon: +49 (0) 8868 1818755
Kontakt
St.-Martin-Weg 1
86986 Schwabbruck
E-Mail: info@bfly-audio.de
Web: https://www.bfly-audio.de/
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