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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Soulfood fürs Ohr
  2. 2 Klang & Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Beyerdynamic Soul Byrd

Mit über neunzig Jahren Erfahrung kann man die Heilbronner Firma Beyerdynamic zu einem der Pioniere der mobilen Musikwiedergabe zählen. Die 1924 gegründete Kopfhörerschmiede brachte Ende 2016 mit dem Xelento Remote und dieses Jahr mit dem Xelento Wireless In-Ears der Spitzenklasse heraus. Nun will Beyerdynamic auch in einem günstigeren Preisbereich Fuß fassen. Der neue, erschwingliche In-Ear in „Beyer-Qualität“ nennt sich Beyerdynamic Soul Byrd (www.beyerdynamic.de, Preis: 79 Euro)

Detail Beyerdynamic Soul Byrd

Optik, Haptik & Lieferumfang

Der Beyerdynamic Soul Byrd wird in einer schwarzen, nicht zu großen Umverpackung aus Karton geliefert. Der Lieferumfang gibt sich mit einer Aufbewahrungsbox, die den eigentlichen In-Ear sowie einen Kabelclip und fünf Ohrpassstücke aus Silikon in verschiedenen Größen beinhaltet, recht überschaubar; eine Beschreibung mit Quickstart-Guide auf Englisch, Deutsch und Russisch wurde ebenfalls beigelegt.

Der Kabelclip ist vor allem bei sportlichen Aktivitäten von Vorteil, damit der In-Ear auch immer an seinem Platz bleibt. Etwas schade finde ich, dass an einen Adapter von 3,5-Millimeter-Klinke auf den größeren 6,3-Millimeter-Klinkenanschluss augenscheinlich nicht gedacht wurde. Auch der von Vielreisenden gerne gesehene Flugzeugadapter mit zwei Mono-Klinken fehlt im Lieferumfang.

Beyerdynamic Soul Byrd - Totale

Die mitgelieferte Aufbewahrungsbox kann sowohl qualitativ wie durch ideale Größe punkten. Hier finden der eigentliche In-Ear und weiteres Zubehör bequem Platz. Selbst mit einem zweiten In-Ear hat man noch genügend Spielraum und muss keine Gewalt beim Schließen anwenden.

Beyerdynamic Soul Byrd - Logo

Nimmt man den Beyerdynamic Soul Byrd zum ersten Mal in die Hand, ist man von seiner ausgezeichneten Verarbeitungsqualität überrascht. Auf der aus Aluminium gefrästen, schwarzen Back-Plate befindet sich ein silbernes „Y“ – das neue Beyerdynamic-Logo. Der für das restliche Ohrhörer-Gehäuse verwendete schwarz glänzende Kunststoff fühlt sich ebenfalls hochwertig an. Verarbeitungsfehler sucht man hier vergebens. Die Kabelführung erfolgt aber leider nicht über dem Ohr, das Kabel wird von unten aus dem Gehäuse geführt.

Ergonomik & Technik

Der Beyerdynamic Soul Byrd bietet aber gegenüber vielen Konkurrenzprodukten wesentliche ergonomische Vorteile. Das Gehäuse des kleinen In-Ears wurde so designt, dass der Ohrhörer sowohl sicher wie auch sehr angenehm im Ohr sitzt. Selten habe ich bei einem In-Ear so schnell und ohne nachjustieren zu müssen den perfekten Sitz im Ohr gefunden. Ein weiterer ergonomischer Vorteil ist die recht flache Bauweise. So kann man den Beyerdynamic Soul Byrd wunderbar als Freisprecheinrichtung zum Beispiel unter einem Helm oder einer Mütze verwenden.

Beyerdynamic Soul Byrd - Fernbedienung

Das dafür benötigte Mikrofon ist mitsamt einer 3-Tasten-Fernbedienung in einem Kunststoffgehäuse entlang der rechten Kabelführung untergebracht. Will man von der Fernbedienung Gebrauch machen, sollte man sich vor dem Kauf allerdings sicher sein, dass das verwendete Smartphone auch mit dem Beyerdynamic zusammenarbeitet. Google hat bei Android bezüglich der Ansteuerung von Fernbedienungen, anders als Apple, den Herstellern freie Hand gelassen. Somit kann sich der Funktionsumfang je nach Smartphone-Modell unterscheiden. Bei meinem Lenovo P2 funktionierte zum Beispiel zwar das Entgegennehmen mit der mittleren Taste, die Gesprächslautstärke ließ sich darüber aber leider nicht variieren.

Beyerdynamic Soul Byrd - Ear-Tip

Von der technischen Seite her setzt Beyerdynamic bei seinem neuesten In-Ear auf Bewährtes. Ein einzelner dynamischer Treiber sorgt für die Abdeckung des gesamten Frequenzbereiches, welcher theoretisch von 10 Hz bis 25 kHz reichen soll. Mit einer Nennimpedanz von 18 Ohm und einem Schalldruckpegel von 103 dB (1 mW/500 Hz) reiht sich der Beyerdynamic Soul Byrd, was die Effizienz anbelangt, ins In-Ear-Mittelfeld ein. Was die Lautstärke angeht, sollte der Ohrhörer aus Heilbronn auch ohne einen zusätzlichen Verstärker auf MP3-Playern und Smartphones zufriedenstellend laufen.

Klang & Vergleiche

Bei der Ergonomie und der Verarbeitung hat der neueste Spross aus dem Hause Beyerdynamic schon mal einen guten Eindruck hinterlassen. Klanglich gesehen muss er sich in der Preisklasse unter 100 Euro – und auch darüber hinaus – aber erst noch beweisen.

Playground - Manu KatchéBeim Ertönen der ersten Takte Musik überrascht mich der Beyerdynamic Soul Byrd vor allem durch die sehr angenehme, relaxte und unaufdringliche Spielweise. Insgesamt klingt der Heilbronner In-Ear dem schon vor einiger Zeit hier getesteten KEF M100 recht ähnlich. Speziell im Frequenzbereich um 8-10 kHz überzeugt der Beyerdynamic Soul Byrd aber mit etwas mehr Zurückhaltung als sein britischer Preisklassen-Konkurrent. Die Feinfühligkeit, mit der Manu Katché in „Lo“ (Album: Playground; auf Amazon anhören) mit dem Besen über das Crashbecken gleitet, kann trotz der ein-zwei Dezibel weniger im Brillanzbereich ebenso präzise nachempfunden werden wie mit dem ebenfalls angenehm, aber minimal kühler klingenden KEF M100. Diese den Ohren mehr „schmeichelnde“ als anstrengende Spielweise des perfekt sitzenden Beyerdynamic-In-Ears setzt sich beim direkten Anschlag des Beckens oder eines Tamburins fort. Der Ausklang dieser Instrumente fällt zwar etwas weniger lang aus als bei Kopfhörern mit mehr Hochtonenergie, wie zum Beispiel einem AKG K702. Einer natürlichen Wiedergabe von Instrumenten tut dies allerdings keinen Abbruch.

Rocco - HvobWidmen wir uns dem mittleren Frequenzspektrum. Der Beyerdynamic Soul Byrd fällt im Präsenzbereich – im Vergleich zu Mittenkünstlern wie dem Shure SE215 (circa 100 Euro) oder dem deutlich teureren BA-In-Ear Audiofly AF-160 (circa 350 Euro) – etwas ab. Besonders bei Frauenstimmen wird dies hörbar. Anna Müller vom Elektronik-Duo HVOB (Album: Rocco; auf Amazon anhören) rückt im Vergleich zum Bassbereich leicht in den Hintergrund.

Die anfänglich erwähnte wärmere Spielweise des Beyerdynamic Soul Byrd stammt primär vom leicht angehobenen Grundton: Das verzerrte E-Cello der Solo-Künstlerin Jo Quail aus London präsentiert sich mit dem Beyerdynamic ausdrucksstark, aber dennoch feinfühlig. Das „Soul“ im Namen ist auch im Klangtuning des In-Ears wiederzufinden. Auch bei etwas weiter aufgedrehtem Volume-Regler ändert sich daran nichts, was positiv zu werten ist. Sowohl am Smartphone als auch bei kräftigeren Desktop-Verstärkern wie dem Benchmark DAC-1 USB bleibt der Beyerdynamic stets unangestrengt und frei von Verzerrungen.

Detail Beyerdynamic Soul Byrd

Apropos Verstärkung: Wie schon vermutet, benötigt man keinen kräftigen Antrieb, um unseren kleinen Testkandidat laut aufspielen zu lassen. Auch Quellen mit geringer Leistung, wie mein Smartphone Lenovo P2 oder der DAP Sandisk Sansa Fuze, vermögen es, den In-Ear auf eine hohe Lautstärke zu treiben. Verstärker, die sogar Magnetostaten auf Spitzenpegel bringen können, wirken dagegen überdimensioniert. Der Nuprime HPA-9 zum Beispiel bietet, ungeachtet des tadellosen Klangs, für den kleinen Beyerdynamic Soul Byrd einfach zu wenig Spielraum für die Lautstärkeregelung, um ihn auch leise vernünftig betreiben zu können. Das ist schade. Gute Amps mit feinerer Lautstärkeabstufung und/oder moderater Verstärkung können aus dem Beyerdynamic nämlich noch einiges an Feindynamik herausholen – und das auch bei leiser Gangart.

Beyerdynamic Soul Byrd

Vergleicht man die Räumlichkeit des Beyerdynamic Soul Byrd mit der seiner Preisklassen-Kollegen, fällt auf, dass der neueste Spross aus Heilbronn leichte Vorteile bietet. Sowohl der viel gelobte Soundmagic E50 (C) als auch der Shure SE215 sind dem Beyerdynamic zumindest in der Bühnenbreite unterlegen. In Sachen Tiefenstaffelung agiert der soulige In-Ear hingegen on par mit der Konkurrenz. Er sticht hier weder mit einer überdurchschnittlichen Ortbarkeit heraus, noch lässt er das Geschehen nur auf einer Linie stattfinden.

Paradedisziplin

Lässt sich beim Beyerdynamic Soul Byrd eine Paradedisziplin ausmachen? Wenn dieses Wort auf einen Frequenzbereich zutrifft, dann ganz klar auf den Tiefton. Hier zeigt Beyerdynamic, dass auch im unteren Preisbereich nicht immer Kick- und Oberbass-Buckel vorherrschend sein müssen.

Was im Grundtonbereich schon mit einer leichten Pegelanhebung angedeutet wurde, setzt sich bei den tiefen Frequenzen fort. Die Bassintensität des Beyerdynamic Soul Byrd steigert sich in einer sanften Kurve kontinuierlich bis zum Tiefbass. Das lässt den In-Ear bei manchen Genres etwas weniger punchy wirken – der Kontrabass bei Jazz oder die Subbass-Linien elektronischer Musik gewinnen hingegen an Kraft und Ausstrahlung. Und trotzdem hört sich der Beyerdynamic nicht dunkel an. Hier werden einmal mehr die Parallelen zu dem um rund 40 Euro teureren KEF M100 hörbar. Und anders als mit BA-In-Ears wie dem Audiofly FA-160 reicht der dynamische Treiber des Beyerdynamic bis in den Frequenzkeller. Auch qualitativ lässt er im Rahmen seiner Preisklasse kaum Wünsche offen. Obwohl nicht auf Augenhöhe mit dem wesentlich teureren (440 Euro) und für seine exzellente Bassqualität bekannten Fabs Dual Basic, kann der Beyerdynamic Soul Byrd mit einer detaillierten, unangestrengten Bass-Wiedergabe punkten.

Testfazit: Beyerdynamic Soul Byrd

Der Kopfhörerschmiede aus Heilbronn ist mit dem Beyerdynamic Soul Byrd in der etwas günstigeren Preisklasse ein respektabler Wurf gelungen. Der Name „Soul“ ist Programm und beschreibt den Klang des In-Ears sehr gut. Für Freunde einer „In Your Face“-Charakteristik beziehungsweise mittenbetonter In-Ears dürfte der Beyerdynamic freilich weniger interessant sein. Will man aber auch unterwegs nicht auf eine smoothe, nie zu aufdringliche Musikwiedergabe mit etwas mehr Tiefbass und breiter Bühne verzichten, so sollte man den Beyerdynamic Soul Byrd in die engere Auswahl nehmen.

Beyerdynamic Soul Byrd - rechts und links

Interessenten, die auch die Freisprechfunktion und die Fernbedienung des In-Ears benutzen wollen, sollten sich vor dem Kauf über die Kompatibilität mit ihrem (Android-)Smartphone informieren. Applaus haben sich die Ingenieure vor allem für die tadellose Passform des In-Ears verdient. Selten schmiegten sich Universal-In-Ears so gut an meine Ohren an. Nimmt man sich bei Beyerdynamic noch der Kabelführung an – eine Übers-Ohr-Führung würde einen noch besseren Halt gewährleisten –, so würde einer Nominierung zum bequemsten Universal-In-Ear nichts mehr im Weg stehen.

Der Beyerdynamic Soul Byrd überzeugt durch …

  • eine angenehme, nie aufdringliche Spielweise über alle musikalische Genres hinweg.
  • etwas zurückgenommene Höhen, die aber kaum Details bei Schlagzeug oder Obertönen vermissen lassen.
  • einen etwas angehobenen Grundton, der durch den gleichzeitig leicht zurückgenommenen Stimmbereich beispielsweise Streicher etwas voller klingen, ihr natürliches Timbre aber behalten lässt.
  • einen kontinuierlich vom Ober- bis zum Tiefbass leicht im Pegel ansteigenden Tiefton. Kontrabass und die Subbass-Lines von elektronischer Musik profitieren hier mehr als der Kickbass.
  • eine für einen In-Ear recht breite Bühne mit guter Instrumentenseparation. Die Tiefenstaffelung gibt sich preisklassentypisch.
  • eine solide Pegelfestigkeit und Grobdynamik sowie gute feindynamische Eigenschaften, die mit dem passenden DAC/Amp noch an Qualität zunehmen.
  • eine für einen Universal-In-Ear nahezu perfekte ergonomische Form – Langzeittauglichkeit garantiert!

Fakten:

  • Produkt: Beyerdynamic Soul Byrd
  • Konzept: geschlossener, dynamischer In-Ear
  • Preis: 79 Euro
  • Impedanz: 18 Ohm
  • Empfindlichkeit: 103 dB (1 mW/500 Hz)
  • Kabel: 1,2 Meter, 3-Tasten-Fernbedienung und Mikrofon, 3,5 Millimeter Klinkenstecker
  • Lieferumfang: In-Ear, 5 Paar Ohrpassstücke aus Silikon, Kabelclip und Hardcase
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

beyerdynamic GmbH & Co. KG
Theresienstraße 8 | 74072 Heilbronn
Telefon: +49 (0) 7131-617-0
E-Mail: info@beyerdynamic.de
Web: www.beyerdynamic.de

Test: Beyerdynamic Soul Byrd | In-Ear-Kopfhörer

  1. 1 Soulfood fürs Ohr
  2. 2 Klang & Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Beyerdynamic Soul Byrd

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Benchmark DAC1 USB, FiiO E10 Computer/Mediaplayer: PC mit Win 7, Foobar 2000 inklusive ASIO-Plugin

Kopfhörer: Audeze LCD-2.2, AKG K550, AKG K702, Audiofly AF160, Beyerdynamic DT880 600 Ohm, Creative Aurvana Live! 2, Edifier H850, Fabs Fabulous Ears Basic Dual Driver, Focal Utopia, HiFiMAN HE-350 Massdrop Edition, KEF M100, Sennheiser x Massdrop HD 6xx (HD 650), Sennheiser HD 660S, Sennheiser HD 800 S, Shure SE215M+, Ultimate Ears UE200vi

Kopfhörerverstärker: Benchmark DAC1 USB, Burson Audio Soloist SL, FiiO E10, FiiO E17, Nuprime HPA-9

Mobiles HiFi: Cowon iAudio 7, Rockbox Sandisk Sansa Fuze V2, Sandisk Sansa Clip+, Lenovo P2 (Smartphone)

Zubehör: Sonstiges: sBooster VBus² USB-Spannungsentkoppelung

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