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Verstärker Ayre AX-7e: Klang

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Verstärker Ayre AX-7e: Klang

Okay, weg vom Konzeptionellen und rein ins Rack mit unseren Colorado-Brothers. Dabei wollen wir zuerst dem Verstärker Ayre AX-7e, dann dem Player Ayre CX-7e auf die Finger schauen. Verbandelt wurde stets symmetrisch beziehungsweise via XLR.

Ich hatte – auch aufgrund des vorangegangenen Fonel Renaissance-Tests – verstärkerseitig noch einige aus Audionet AMP Monos und verschiedenen Vorstufen bestehende Vor/End-Kombinationen im Ohr. Und war gespannt, wie ich’s wohl finden würde, wenn man plötzlich von einer ausgesprochen durchzugsstarken, im fünfstelligen Preisbereich angesiedelten Verstärkung auf einen zwo mal sechzig Watt Integrierten downgradet:

the young godsUnd klar, was anderes wäre wohl auch eher wundersam, entwickelt der Ayre klanglich im unmittelbaren Vergleich merklich weniger Druck, lässt die virtuelle Bühne ein wenig weiter nach hinten rücken; das musikalische Geschehen wird quasi weniger energetisch aus meinen Thiel CS 3.7 herausgeschleudert und vermittelt in puncto Bass – zum Beispiel bei The Young Gods unbedingt bei hohen Lautstärken zu verköstigendem „Speed Of Night“ (Album: Only Heaven, 1995) mit seinen wie an der Perlenschnur aufgereihten Bassdrumbeats – weniger Schub und Impulskraft.

Aber wenn wir schon mal bei einem eigentlich doch eher unfairen Vergleich sind, wäre es ja eigentlich in erster Linie interessant abzuklopfen, in welchen Bereichen der vermeintliche David denn womöglich auf Augenhöhe spielt. Oder vielleicht sogar noch ein bisschen höher …

ayre ax7e

Zum ersten Punkt: Mit Blick auf die Tonalität – wenn die kompromisslos neutrale Funk MTX-Monitor/Audionet-AMP-Kombi naturgemäß auch einen Tick tiefer nach unten langen kann – ist der Ayre AX-7e als angenehm ausgeglichener, keinen Frequenzbereich betonender/vernachlässigender Vertreter seiner Zunft zu bezeichnen.

Und auch in Sachen Bühnenqualität geht’s bis auf den Umstand, dass die Funk/Audionet-Kombi insbesondere Perkussion, energisch angeschlagene Gitarrenriffs oder auch mal die eine oder andere Stimme mit mehr Direktheit, Präsenz, und damit räumlich hervorgehobener/kontrastierter Richtung Ohr abfeuert (das Bühnenbild öffnet sich bei der Kombi, wie erwähnt, ja auch grundsätzlich weiter nach vorne) im Groben und Ganzen pari zu. Denn im Hinblick auf Aufgeräumtheit, eindeutige, aber nicht mechanisch wirkende, sondern luftig gefasste, plastische Definition einzelner Instrumente macht der Ayre AX-7e einen in Anbetracht seiner Preisklasse überraschend guten Job.


Sowohl dem CD-Player als auch dem Amp liegt eine Fernbedienung bei, mit der sich jeweils auch das andere Gerät steuern lässt – wer’s edler mag, kann 350 Euro in eine metallene Systemfernbedienung investieren

Tja, und dann lassen sich – um zum zweiten Punkt zu kommen – noch einige für meinen Geschmack sehr willkommene Charakterzüge heraushören, die womöglich etwas subtilerer Natur sind und anhand eines zusätzlichen Vergleichs – wir hieven dafür den bewährten Fonel Emotion (4.699 Euro) ins Rack – nähere Erläuterung finden sollen:

can tago magoAber kurz vorab: In Sachen Grobdynamik lässt es der mit 2 x 200 Watt an 8 Ohm bewehrte Deutsch-Ukrainer zum Beispiel bei Cans eindrucksvoll trocken-rhythmischem „Halleluwah“ (Album: Tago Mago) ebenfalls noch ein wenig mehr knallen, wie er zudem – eher eine Geschmacksfrage oder Sache des Zusammenspiels mit den Boxen denn besser oder schlechter – insgesamt ein etwas crisperes/drahtigeres Klangbild abliefert.

Stark aber – und das ist für mich über keine meiner zum Vergleich herangezogenenjoy division Verstärkungen so hörbar – wie feinsinnig, wie deutlich definiert/kontrastiert und gleichzeitig locker, geschmeidig, härtefrei, organisch in Joy Divisions doch in etwas rauerer Aufnahmequalität daherkommendem „Isolation“ (Album: Closer, 1980) die zwar peitschend angeschlagenen, dann aber länger nachklingenden snareähnlichen Drumschläge, der Synthesizer-Sound und das Perkussiongeräusch, das wie das Schlagen auf E-Gitarrensaiten unmittelbar über den Tonabnehmern anmutet, dargeboten werden.

Das Snaregeräusch entwickelt über den Ayre AX-7e zwar etwas weniger Anschlags-Attacke, klingt etwas weniger „peitschig“ als beispielsweise über Fonels Emotion, dafür aber merklichoystein sevag reiner, entspannter, unzischliger, weniger grauschleierbehaftet, was für einen authentischeren, angenehmeren Höreindruck sorgt. Das normalerweise leicht zu überhörende „Gitarrenklopfen“ bekommt im Musikgeschehen zudem eine klarer zu identifizierende Rolle zugewiesen – nein, nicht etwa, weil es der Ayre AX-7e lauter als gewohnt darstellen würde, vielmehr empfinde ich, dass die gänzlich unnervöse, äußerst störungsarm wirkende Spielweise grundsätzlich für sowas wie eine klarere Sicht sorgt und einen sensibleren, akkurateren Umgang mit feinen Details ermöglicht.

Ja, unwillkürlich kommt mir bei alledem nicht zuletzt das Thema Klangfarben in den Sinn, eine klare Schokoladenseite des Ayre AX-7e. So wirken beispielsweise auch das Sopran-Saxophon oder das Piano in Øystein Sevågs „Hanging Gardens“ (Album: Bridge, 1997) sehr deckkräftig, kontrastiert, sehr rein und nicht zuletzt dadurch angenehm „echt“.

ayre ax-7e

Aber um grundsätzlich ein paar Worte zum vielzitierten Wörtchen Klangfarben loszuwerden (welche sich physikalisch rein aufgrund der verschiedenen Obertonmixturen von Instrumenten ergeben, erst die Obertöne sorgen ja dafür, dass wir Musikinstrumente oder Stimmen erkennen und unterscheiden können) und gleichzeitig die Schokoladenseite des Ayre noch ein wenig genauer darzustellen, mal einige generelle Überlegungen zu diesem vielzitierten Kriterium:

Einerseits ist natürlich nicht zuletzt die Tonalität einer Komponente maßgeblich für die Darstellung von Klangfarben: Logisch, fehlt es etwa an Grundtonwärme werden die meisten Hörer beispielsweise die Wiedergabe eine Akustikgitarre als (farblich) zu hell oder kalt empfinden. Gibt sich der Hochton dagegen überprononciert, mögen eine Hi-Hat oder ein Becken zu silbrig oder grell wirken. Andererseits können sich Klangfarben auch bei gegebener Tonalität unterscheiden: Viele auf die Attackphase, auf den „schnellen Antritt“ von Tönen ausgerichtete und das Sustain, quasi den Körper, das „Ausmalen“ von Tönen vernachlässigende Geräte lassen Klangfarben etwas fahler, dünner erscheinen.

ayre verstärker

Zudem – vielleicht gar noch etwas hintergründiger, denn es geht dabei nicht um ein auf den ersten Blick wahrnehmbares Rauschen oder Ähnliches – ist die Reinheit, die Störungsfreiheit eines Klangbildes wichtig für die authentische Ausprägung von Klangfarben. Ein unterschwelliges Grisseln im Hochton kann beispielsweise Becken tendenziell weniger bronzefarben-rein klingen lassen, aber auch die belegte, grauschleierbehaftete Stimme wird manchem Hörer ein bekanntes Phänomen sein.

Farbig tönende Komponenten differenzieren Instrumente besser, wirken satter/voller, was man wohlmöglich gar mit (vermeintlicher) tonaler Wärme in der Wiedergabe gleichsetzen könnte, aber mit von einem angehobenen Grundtonbereich o.ä. ausgehender tonaler Wärme freilich nichts zu tun hat.

Test: Ayre CX-7e MP und AX-7e | CD-Player

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