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Ayre AX-7e und CX-7e MP: Konzeptionelles

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Ayre AX-7e und CX-7e MP: Konzeptionelles

Ayre AX-7e

Starten wir mit dem Verstärker und verweilen entgegen gerade gemachter Ankündigung doch noch für einen Moment an der Oberfläche, wenden uns aber der Rückseite des Ayre AX-7e zu: Auffällig sind hier zuallererst die von Cardas stammenden Lautsprecherklemmen, welche nicht zuletzt aufgrund ihrer griffigen Rädchen in Sachen Handling beziehungsweise erzielbarer Anpressdruck und damit Kontaktsicherheit Vorteile bieten, dafür allerdings nur mit Gabelschuhen können – Bananas, sofern man Wert drauf legt, dass diese auch ihre ursprüngliche Form wahren, bleibt der Zutritt verwehrt.

cradas lautsprecher-anschluss
Kompromisslos audiophil: Für die nötige Klemmkraft sorgt ein massiver Gewindebolzen aus hochfestem,
nichtmagnetischem Edelstahl – die Kontaktflächen bestehen dagegen aus hochreinem Kupfer, mit einer zusätzlichen Rhodium-Beschichtung als Korrosionsschutz

Neben drei asymmetrischen Hochpegel-Cinch-Eingängen, finden sich am AX-7e zudem gleich zwei symmetrische XLR-Inputs. Als Besonderheit führt Ayre an, dass bei der Eingangsumschaltung nicht nur der signalführende Leiter, sondern auch die Masse getrennt beziehungsweise geschaltet wird – folglich glänzen alle gerade nicht angewählten Quellgeräte durch komplette elektrische Abwesenheit, was die Gefahr von Brummschleifen sowie die Einflussnahme hochfrequenter Störungen über die Masse vermeiden helfen soll.

ayre ax-7e
Ausschnitt aus der Laustärkeregelung

Die Lautstärkeregelung des Ayres arbeitet mit einer 66-stufigen, aus diskreten Roederstein Metallfilmwiderständen bestehenden Festwiderstandsleiter, welche auch bei niedrigen Pegeln einen tadellosen Kanalgleichlauf sichere – mitunter ja eine (hörbare) Schwachstelle klassischer Poti-Lösungen. Wer es gerne lauter mag, holt sich mit dem Ayre AX-7e zwar kein ausgesprochenes „Tier“ ins Haus, aber immerhin werden 2 x 60 Watt an 8 Ohm (2 x 120 Watt/4 Ohm) deklariert, ausgangsstufenseitig stehen rein rechnerisch sogar 800 Watt Transistorleistung bereit, die Arbeit teilen sich nämlich insgesamt sechzehn 50-Watt-Leistungstransistoren.

ayre ax 7e

Der von langlebigen Sieb-Elkos mit insgesamt 36.000 Mikrofarad Kapazität flankierte Trafo bewegt sich mit seinen 400 VA in puncto Dimensionierung, verglichen mit anderen Verstärkern dieser Klasse, eher im üblichen Rahmen. Unüblich werden viele Hörer vielleicht die Tatsache finden, dass beim Ayre keiner der typischen Ringkerne – denen unter anderem ja gemeinhin ein geringeres Streufeld, ein geringerer Leerlaufstrom sowie ein höherer Wirkungsgrad nachgesagt werden – verbaut wurde, sondern ein vermeintlich einfacherer El-Kern-Typ.

ayre ax-7e

Philipp Krauspenhaar, der technische Kopf des deutschen Vertriebs Sun Audio, sieht in diesem Zusammenhang das highfidele Ringkern-Einerlei als durchaus diskussionswürdiges Thema an, wie er mir gegenüber deutlich machte:

„Ja, den Ringkernen wurde schon so manches nachgesagt. Aber wie das halt so ist mit Verallgemeinerungen … Wenn wir einmal beim Wirkungsgrad bleiben: Wo Wirkungsgrad die höchste Priorität hat, nämlich bei der öffentlichen Energieversorgung, haben Sie da schon mal einen Ringkerntrafo gesichtet? Guten Gewissens unterschreiben kann man Folgendes: Wegen des geringeren Materialeinsatzes weisen Ringkerntrafos bei gleicher Leistung üblicherweise ein kleineres Volumen und ein niedrigeres Gewicht auf als solche mit El-Kern. In kostenkritischen Anwendungen (bei Geräten der allgemeinen Konsumklasse) kann das ein wichtiger Aspekt sein.

Auch ein etwas geringeres Streufeld kann man mit ein wenig Großzügigkeit durchgehen lassen. Der entscheidende Punkt aber ist der: Praktisch alle Transformator-Eigenschaften sind in hohem Maße konstruktions- und dimensionierungsabhängig.ayre ax-7e Im Falle von audiophilen High-End-Geräten – und ganz besonders denen von Ayre – ist die bestmögliche Klangqualität das entscheidende Kriterium. Und da haben die Mercury-Spezial-Trafos gravierende Vorteile.

So ist die Störeinkopplung um ein Vielfaches geringer: Während bei Ringkerntrafos Primär- und Sekundärwicklung über die gesamte Oberfläche des Ringkerns hinweg übereinander gewickelt sind und sich großflächig wie die Beläge eines Plattenkondensators gegenüberstehen (was zu einer sehr großen Koppelkapazität führt), beträgt diese Kapazität bei den Ayre-Trafos weniger als ein Zehntel davon.

Zudem sind die Sekundärwicklungen dort bifilar ausgeführt, wodurch sich Gegentaktkomponenten größtenteils auslöschen. Die Trafos haben somit Netzfilterwirkung, ohne zusätzliche Bauteile im Stromversorgungsweg. Wegen der (gegenüber Ringkernen) größeren Menge an Eisen im Kern kann dieser mehr Energie speichern, was man sich wie einen Schwungrad-Effekt vorstellen kann. Zudem ist der Kern mit einer Flussdichte unter 1 Tesla nur sehr gering ausgesteuert (typischer Wert für Ringkerntrafos: 1,5 T), wodurch das magnetische Streufeld ähnlich klein ausfällt wie bei einem guten Ringkerntrafo. Nicht zuletzt ziehen die Ayre-Trafos – im Vergleich zu Ringkernen vergleichbarer Größe – einen deutlich niedrigeren Einschaltstrom, weshalb man auf eine Einschaltstrombegrenzung (mit den entsprechenden Bauteilen im Stromversorgungsweg) verzichten kann.“

ayre ax-7e

Auch beim vieldiskutierten Thema Gegenkopplung geht Charles Hansen (Bild rechts), der Chef von Ayre, eigene Wege – zumindest zählen Ayre-Verstärker nicht zu den mehrheitlich vertretenen mit Global Feedback beziehungsweise Über-alles-Gegenkopplung versehenen Vertretern ihrer Zunft: charles hansen von ayreDie aufgrund des Zeitverzugs bei der Rückführung des Ausgangssignals auf den Eingang unvermeidlich auftretenden Unlinearitäten – gerade auch bei nicht eingeschwungenen oder hochfrequenten Signalen von Bedeutung – werden damit beim Ayre AX-7e vermieden, wobei, das sei der Vollständigkeit halber gesagt, dabei keinesfalls auf lokale Gegenkopplungsmaßnahmen verzichtet wird, was für die Linearisierung des Verstärkungsverhaltens aktiver Bauelemente wie Transistoren prinzipiell auch unablässig und wohl in jedem Verstärker zu finden ist.

Das Problem, dass Verstärker ohne Global Feedback in der Regel höhere Klirrfaktoren aufweisen, will man unter anderem mit dem für Ayre-Geräte typischen vollsymmetrischen Aufbau im Zaum halten: „Denn Schaltungen ohne Über-Alles-Gegenkopplung ayre ax-7eprofitieren in besonderem Maße von konsequenter symmetrischer Auslegung, weil sich bestimmte Übertragungsfehler in erhöhtem Maß gegenseitig auslöschen [vgl. zum Auslöschen von Fehlern mittels Symmetrie auch das fairaudio-Lexikon, der Autor]“, so Philipp Krauspenhaar. Klar ist aber, dass ein solches Konzept keine allzu niedrige Ausgangsimpedanz und damit keinen hohen Dämpfungsfaktor, gemeinhin als wichtig für die Kontrolle der anhängenden Lautsprecher erachtet, zulässt. Um 280 Milliohm liegt diese beim Ayre (was einem Dämpfungsfaktor von knapp unter 30 an einer 8 Ohm Lautsprecherlast entspricht), gegengekoppelte Amps erreichen hier auch schon mal Werte um zehn Milliohm und weniger.

Wobei man bei Sun Audio freilich auch das Thema Dämpfungsfaktor differenzierter behandelt wissen will: „Als mit Abstand dominierende, die elektrische Bedämpfung des
Lautsprecher-Antriebs begrenzende Faktoren entpuppen sich bei ganzheitlicher
Betrachtung die Kupfer-Widerstände der Schwingspulen und der vorgeschalteten Weichenelemente. Sie liegen nämlich in gleicher Weise im
Lautsprecherstromkreis wie der Innenwiderstand des Verstärkers. […] Von größerer Bedeutung ist daher die Tatsache, dass die Ausgangsimpedanz des
AX-7e – anders als bei praktisch allen gegengekoppelten Verstärkern – über
den vollen Audiofrequenzbereich hinweg annähernd konstant bleibt.“

Auch der CD-Player Ayre CX-7e MP ist frei von Über-Alles-Gegenkopplung und vollsymmetrisch aufgebaut – dementsprechend finden sich als analoge Ausgänge sowohl RCA- als auch XLR-Schnittstellen.

ayre cx-7e
Das Platinen-Layout kommt ohne Koppelkondensatoren, Kabel oder Steckverbindern im Signalweg aus

Digital geht es ausschließlich symmetrisch per AES/EBU heraus, Ayre verspricht sich von dieser Art der – übrigens per Knebelschalter ein-/ausschaltbaren – Verbindung eine Minimierung klangschädlichen Jitters.

Um auf Global Feedback verzichten zu können und für wirkliche Vollsymmetrie zu sorgen, setzt Ayre beim CX-7e MP in Sachen D/A-Wandlung auf einen Burr Brown PCM 1738, weil, so Philipp Krauspenhaar, „dieser Wandler (als einer der ganz wenigen) keinen Strom-Spannungs-Wandler (Summierverstärker) enthält, welcher ja immer eine Über-Alles-Gegenkopplung beinhaltet“ und zudem die 180 Grad gegenläufigen (symmetrischen) Signalpfade jeweils eigenständig bedienen kann.

teac laufwerk ayre cx-7e
Der CX-7e
MP ist mit einem voll gekapselten Teac-Laufwerk ausgerüstet, das sich durch gute Schirmeigenschaften, Geräuscharmut und hohe Abtastsicherheit auszeichnen soll

tarfos ayre cx-7e
Wie im Verstärker finden sich im Player El-Kern-Transformatoren des amerikanischen Herstellers Mercury. Ein Trafo dient dem Laufwerk, der Gerätesteuerung und dem Display, der andere der Digital-Analog-Wandlung sowie den Ausgangsstufen

Eine technische Besonderheit, die dem Hörer zugleich eine kleine Spielmöglichkeit zur Klanganpassung in die Hand gibt, betrifft die Konzeption des Digitalfilters, welches rückseitig ebenfalls per Knebelschalter in einen Listen- oder Measure-Modus geschaltet werden kann:

ayre cx-7e

Den Umstand, dass konventionelle „Linear-Phase-Filter“ ein sogenanntes Pre-Ringing – dem eigentlichen Musiksignal zeitlich vorgelagerte, künstliche Impulse, quasi Vor-Echos – entstehen lassen, sieht man bei Ayre höchst kritisch, nicht zuletzt, da es zu solchen Phänomenen grundsätzlich kein Pendant in der Natur gibt, sprich Echos dort dem eigentlichen Signal, wie sollte es anders sein, stets hinterherlaufen.


Digitalteil: Der große XILINX-Chip besorgt die
MP-Digitalfilterung (Minimum Phase)

Angesichts sich eines aus den Forderungen nach trennscharfer Filterung, Phasenlinearität und minimalem Pre- aber auch (nachgelagert ebenso vorkommendem) Post-Ringing aufspannenden Dilemmas arbeitet der CX-7e MP in Measure-Stellung auf Basis eines „Minimum-Phase-Filters“ (daher auch das hochgestellte MP im Namen), das zwar ein höheres, aber eben weniger „unnatürliches“ Post-Ringing und insbesondere bei höheren Frequenzen zudem Phasenabweichungen zulässt, dafür aber gänzlich Pre-Ringing-frei agiert.

In verschiedentlichen Hörsitzungen habe man Charles Hansen zufolge schließlich festgestellt, dass auch das eigentlich harmlosere Post-Ringing zu artifizieller Helligkeit und Unruhe im Klangbild führen kann – die Listen-Position des Filters zieht zwar eine leichte Höhenabsenkung nach sich, vermeide aber nicht nur jegliches Pre-Ringing, sondern erzeuge mit Blick aufs Post-Ringing, so Philipp Krauspenhaar, „nur einen klanglich unbedeutenden Nachschwinger, im Vergleich zu vier bis fünf Vor- und Nachschwingern bei Standard-Filtern. Seine Grenzfrequenz und Filtercharakteristik hat Charles Hansen so gewählt, dass das Ringing des FIR-Filters im A/D-Wandler auf der Aufnahmeseite ebenfalls größtenteils mit eliminiert wird, denn nur dadurch macht das Ganze erst wirklich Sinn“.

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Test: Ayre CX-7e MP und AX-7e | CD-Player

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