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Test: AVM V30/M30 und A30 | Vollverstärker, Vor-End-Kombi, Vorstufe, Endstufe, Verstärker mit DAC

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Test: AVM V30/M30 und A30 | Vollverstärker, Vor-End-Kombi, Vorstufe, Endstufe, Verstärker mit DAC

November 2016 / Jörg Dames

Wenn man seinen 30sten Geburtstag feiert, lässt man die Sau raus. Oder eine neue Verstärkerlinie. Oder beides. Verbürgt ist bei der im baden-württembergischen Malsch beheimateten Audio Video Manufaktur (www.avm.audio / www.avm30.de) auf jeden Fall die zweite Variante, um die es im Folgenden gehen soll: eine sich aus der Vorstufe AVM V30 und den Monos AVM M30 rekrutierende Vor-/Endstufen-Kombination sowie den Vollverstärker AVM A30.

AVM M30

Eine der Besonderheiten des in diesem Herbst präsentierten Jubiläumstrios: Es ist auf insgesamt 999 Exemplare limitiert – V30, A30 und das M30-Doppel teilen das Kontingent dabei gleichmäßig unter sich auf. Eine weitere Besonderheit: Die Euro-Preise lehnen sich an vergangene D-Mark-Preise an, die drei 30er sind zwar – logisch – technische Neuentwicklungen, verweisen mit Blick auf den AVM-Produktstammbaum aber allesamt auf erfolgreiche Ahnen:

So basieren beispielsweise die M30-Endstufen auf den von 1990 bis 2010 gebauten M3-Monos. Bezieht man deren Vorgänger in die Betrachtung mit ein, kommt man bis 2010 auf zirka 10000 gebaute Pärchen. Für eine kleine Manufaktur durchaus ein historischer Meilenstein.

Apropos Meilenstein – oder noch treffender – Grundstein: Schlanke Monoverstärker – auch die aktuellen AVM M30 messen lediglich 230 x 375 x 132 mm – waren die ersten Produkte des 1986 vom ehemaligen Stereoplay-Mitarbeiter Günther Mania gegründeten Ingenieurbüros. Veröffentlichte er zunächst nur Bauanleitungen, wuchsen Interesse und Nachfrage nach entsprechenden Bausätzen schließlich so stark, dass er dazu überging, Fertiggeräte anzubieten. Die jüngere Vergangenheit betreffend, stellt schließlich der Einstieg des zuvor unter anderem bei Burmester aktiven Udo Besser ein wichtiges Ereignis dar – Besser ist seit 2010 Geschäftsführer und Inhaber von AVM und trieb seitdem nicht zuletzt die Internationalisierung des Geschäfts signifikant voran. Nichtsdestotrotz: Die Frühgeschichte AVMs ist vor allen Dingen eine deutsche – diesen Umstand würdigend, sind die Jubiläumskomponenten ausschließlich am hiesigen Markt erhältlich.

AVM M30 seitlich
Geschichtsträchtiges in kompakten Gehäusen: Die AVM-M30-Monos

Die laut AVM „sehr attraktive Preisgestaltung“ der AVM30-Amps wurde nicht zuletzt deswegen möglich, weil „Modulbauweise“, „Gleichteileverwendung“ und damit einhergehend „höhere Beschaffungsvolumina“ maßgebliche Stichworte bei der Entwicklung des Trios waren: So teilen sich etwa der Vor- und Vollverstärker den gleichen Gehäuseaufbau – unter anderem gebogenes Stahlblech zuzüglich Sechs-Millimeter-Aluminiumfrontplatte – samt fast identischer Bedienfeld- und Anschluss-Topologie, mit Blick auf die Elektronik kommen zudem einheitliche Platinenlösungen zum Zug. Des Weiteren finden in allen drei Geräten Schaltungskonzepte und -module Verwendung, die sich bereits in den Premiumlinien Evolution und Ovation bewährt haben. Hochwertiger Stoff also, der dennoch kosteneffizient implementiert werden kann, weil die Räder für die AVM30er eben nicht neu erfunden werden mussten.

Die Vorstufe AVM V30
Die Vorstufe AVM V30

Auch in Sachen Verarbeitung lässt sich den Jubiläumsamps in keiner Weise am Zeug flicken: Natürlich wird anderswo – wie etwa bei den AVM-Premiumgeräten – zum Teil noch massiver und glitzernder aufgefahren, die AVM30 bestechen hingegen durch blitzsaubere No-Nonsense-Qualität: Schalter und Anschlüsse vermitteln einen mechanisch verlässlichen Eindruck, die Gehäuseoberflächen geben sich auch bei genauem Hinsehen makellos. Und wenn man an den satt laufenden metallenen Lautstärkerädchen von A30/V30 dreht oder die Metallfernbedienung in die Hand nimmt, keimen für einen Moment sogar luxuriöse Anwandlungen auf. Aber werden wir mal nicht zu überschwänglich und schauen lieber kurz auf die wesentlichen Features & Specs der drei Probanden:

Vor- und Vollverstärker weisen, wie bereits erwähnt, viele Gemeinsamkeiten auf, zunächst aber kurz zu den Unterschieden: Mit einem Phonoteil (MM/MC) wartet lediglich der AVM V30 auf, dieses basiert technisch auf dem separat erhältlichen AVM Inspiration P1.2. Und, logo, eine Ausgangsleistung in Höhe von 2 x 80 Watt/8 Ohm beziehungsweise 2 x 125 Watt/4 Ohm kann dann andererseits nur der AVM A30 vorweisen, obwohl sich diese Zahlen auf den ersten Blick auch nicht gerade so lesen, als ob Bäume ausgerissen werden könnten. Aber auf die Durchschlagskraft und Kontrolle des AVM A30 kommen wir im Klangteil gezielt zu sprechen.

AVM A30 von innen
Der AVM A30 weist einen Doppelmono-Aufbau inklusive zweier Ringkerntransformatoren auf

Durchaus anerkennendes Augenbrauenzucken verdienend und eher selten in dieser Preisklasse: Der 13 Kilogramm auf die Waage bringende A30 kommt in echtem Doppelmono daher. „Echt“ nenne ich es deshalb, weil – Respekt – tatsächlich auch zwei dedizierte Ringkerntrafos das Innenleben zieren – viele Hersteller lassen das Wörtchen Doppelmono auch dann gelten, wenn der kanalgetrennte Verstärkeraufbau lediglich mittels eines einzelnen Umspanners über getrennte Abgriffe unter Strom gesetzt wird.

Das Heck des AVM A30
Das Heck des AVM A30, die aufsteckbare Antenne dient dem Bluetooth-Empfang

Gemein ist AVM A30 und AVM V30 eine als generös zu bezeichnende Anschlussvielfalt. Netzwerkfähig sind die Amps allesamt nicht, aber ansonsten ist auch digital alles da: Mittels eines integrierten Wolfson-WM-8740 gewandelt, werden klangoptimiertes Bluetooth, SPDIF-elektrisch (192 kHz/24 Bit), SPDIF-optisch (96 kHz/24 Bit) und USB-B geboten. Letzterer funktioniert treiberlos, was zwar schön bequem ist, mich als Windowsnutzer aber auf USB-native 96 kHz/24 Bit beschränkt und auch generell ein paar Soundbröckchen kosten kann. Ich komme später noch einmal kurz auf diesen Aspekt zu sprechen. Mit Blick auf die Analogsektion wird sowohl RCA (Cinch) als auch, prima, XLR-Konnektivität geboten, wenngleich beide Amps – in dieser Preisklasse auch nicht anders zu erwarten – nicht vollsymmetrisch aufgebaut sind. Weitere Ausstattungsmerkmale sind gut ablesbare OLED-Displays, die Regelbarkeit der Eingangsempfindlichkeit, Heimkinoschleifen, Balance- und Klangregler (Höhen, Bass), Digitalausgänge sowie eine Kopfhörerklinke.

Phonoabteilung des AVM V30
Die Phonoabteilung des AVM V30

Naturgemäß geben sich die Endverstärker in Sachen Featurereichtum schon deutlich reduzierter, dass abermals sowohl Cinch- als auch XLR-Inputs geboten sowie doppelt ausgeführte Ausgangsterminals für Bi-Wiring-Zwecke vorhanden sind, lässt sich gleichwohl positiv zur Kenntnis nehmen. Wie der Vollverstärker in Class A/B gehalten, leistet jeder Mono mithilfe eines von 40.000 µF Siebkapazität flankierten 500-VA-Ringkerntrafos respektable 348/232/136 Watt an 2/4/8 Ohm, insbesondere die ausgewiesene Laststabilität an niederimpedanten Lautsprechern kann sich in praxi als sehr hilfreich erweisen – wir kommen darauf noch einmal zu sprechen. Eine Ausgangsimpedanz von < 16 Milliohm beziehungsweise ein auf 8 Ohm bezogener Dämpfungsfaktor von > 500 deuten zudem auf eine kontrollierte Spielweise hin, ebenso die getrennten Netzteile für Ein- und Ausgangsstufe, die nicht zuletzt den Einfluss elektrischer Rückwirkungen verringern.

Innenansicht eines AVM-M30-Monoblocks
Innenansicht eines AVM-M30-Monoblocks

Gerade als viel hinterm Rack herumstreunender, hastig kabelumsteckender Tester, der mit verschiedensten, bisweilen exotischen Geräten hantiert, heiße ich auch die integrierten Schutzschaltungen gegen Kurzschluss, Überlast/-temperatur und Gleichspannung willkommen – rückseitige Diagnose-LEDs zeigen dem Nutzer im Fall der Fälle an, was dem M30 die Petersilie verhagelt hat.

Test: AVM V30/M30 und A30 | Vollverstärker

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