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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Die Jukebox
  2. 2 Aurender A100: Klangeindruck & Vergleiche

Der Markenname „Aurender“ leitet sich von Audio Renderer ab, doch das neueste Gerät der Südkoreaner, der A100, geht zwei Schritte weiter: Erstens hat es einen DAC an Bord und zweitens – entscheidender – eine Festplatte. Dieser Renderer ist also auch ein Server. Damit spricht er jene an, die es schätzen, es bei der Digitalquelle nur „mit einer Kiste“ zu tun zu haben, statt gleich mit mehreren (wie Laptop & DAC, NAS & Netzwerkplayer, NAS & Streaming Bridge & DAC etc.). Der Aurender A100 (Preis: 4.190 Euro; Vertrieb: www.audio-components.de) bietet quasi CD-Player-Feeling in Streaming-Audio-Zeiten.

Aurender A100, von oben

Okay, dieser „One-Box-Ansatz“ ist dann auch die einzige Ähnlichkeit. Ein CD-Laufwerk – etwa zum Rippen – besitzt der Aurender A100 nicht. Und der Blick auf die Rückseite macht auch klar, dass wir es mit einem Audio-Computer zu tun haben – der übrigens darauf wartet, mit einem LAN-Kabel an den heimischen Router angeschlossen zu werden. Selbst wenn man Streamingdienste wie Tidal und Qobuz nicht nutzen möchte, irgendwoher muss der Aurender ja seine Steuerbefehle bekommen. Einen WLAN-Empfänger hat er nicht, und mit den im Alltag zwar praktischen, aber doch rudimentären Bedienmöglichkeiten auf der Front und via Fernbedienung allein wird sich auf Dauer niemand zufriedengeben. Wäre ja auch zu schade um die App namens „Conductor“, die Aurender kostenfrei zum Download anbietet. Später mehr dazu.

Rückseite des Aurender A100

Rückseite des Aurender A100

Bleiben wir kurz auf der Rückseite des A100. Zwei USB-A-Buchsen finden wir dort, an die man entsprechende Speichermedien hängen kann, sei’s für ein Back-up, sei’s für das Herüberkopieren oder direkte Streamen der dort abgelegten Musikbibliothek. Die dritte USB-A-Buchse ist ein dedizierter, rauscharmer, geschirmter USB-Audio-Ausgang für die Anbindung eines externen D/A-Wandlers. Dann gibt es als einzigen Digitaleingang noch eine Toslink-Schnittstelle sowie ein Cinchbuchsen-Doppel zu entdecken, von dem das ins Analoge gewandelte Signal fix oder variabel abgegriffen werden kann. Apropos: Die Lautstärkeregelung erfolgt im DAC-Chip, dem AK4490 von AKM, und lässt sich per frontseitigem Drehregler, Fernbedienung oder App bedienen – oder komplett deaktivieren.

Der Aurender A100 besitzt auch eine Fernbedienung, doch die Steuerung über die Conductor-App bietet natürlich mehr Möglichkeiten und Komfort

Der Aurender A100 besitzt auch eine Fernbedienung, doch die Steuerung über die Conductor-App bietet natürlich mehr Möglichkeiten und Komfort

Bevor der Datenstrom beim AK4490 aufschlägt, wird er auf einer 120 GB großen SSD zwischengespeichert. Dieser „Umweg“ sorgt nicht zuletzt auch dafür, dass die Festplatte während der Musikwiedergabe nur ganz kurz arbeiten muss: Schiebt man ein Album in die Playlist und spielt es ab, hört man sie nur circa 20-30 Sekunden lang leise sirren, danach ist alles im Cachingsystem. Übrigens hört man das auch nur, wenn die Musik gemutet ist und man nicht viel weiter als einen Meter entfernt vom A100 steht. Am Hörplatz ist immer Ruhe. Entscheidender dürfte aber sein, dass im Aurender mit dem Shutdown der 2 TB großen HDD ein Prozess weniger läuft – und je weniger Prozesse laufen, so das bekannte Credo im Computeraudio-Bereich, desto besser ist das für die Wiedergabequalität.

Diesem Ziel diene auch das „Data-Reclocking-System“ des A100, das mit einer hochpräzisen Clock, deren Jitterlevel unter 100 fs liege, und FPGAs (frei programmierbare ICs) realisiert wurde. Der klassischen HiFi-Lehre folgt man bei der Stromversorgung – statt Schaltnetzteile gibt es lineare; drei Trafos versorgen Server, Digitalverarbeitung und D/A-Wandlung getrennt. Durch diese Separation sollen Beeinflussungen zwischen den einzelnen Funktionsgruppen minimiert werden.

Blick auf die drei Trafos des Aurender A100

Blick auf die drei Trafos des Aurender A100

Der Aurender A100 versteht PCM-Datenraten mit einer Auflösung von bis zu 32 Bit/384 kHz sowie DSD128 (DoP). MQA-fähig ist er ebenfalls und Streamingdienste wie Spotify, Tidal und Qobuz lassen sich leicht integrieren. Internet-Radio „kann“ er natürlich auch. Als UPnP-Server lässt er sich aber nicht einsetzen, Aurender verfolgt hier einen proprietären Ansatz, und mit Roon verträgt er sich ebenfalls nicht. Zum einen sei das klanglich nicht die beste Lösung, zum anderen hält man von der eigenen „Conductor“-App sehr viel, weshalb Roon eigentlich nicht nötig sei.

Screenshot von Aurernders Conductor-App

Screenshot von Aurenders Conductor-App

Nun ja, da würde ich mal ganz klar sagen: kommt drauf an. Die schiere Metadaten-Menge und Qualität der Aufbereitung seitens Roon ist nach wie vor unübertroffen, da kommt auch die Aurender-App nicht mit – andererseits muss Roon, zumindest wenn es auf einem einzigen Gerät läuft, klanglich tatsächlich nicht das letzte Wort sein, gerade weil durch den Featurereichtum die Prozessorlast recht hoch ist. Vor diesem Hintergrund lässt sich durchaus für ein schlankeres System argumentieren – oder für Arbeitsteilung, sprich die Trennung von Server und Renderer. Das widerspricht freilich der Grundidee des A100.

Über die App lassen sich auch Einstellungen am Gerät vornehmen

Über die App lassen sich auch Einstellungen am Gerät vornehmen

Wie auch immer, Aurenders „Conductor“-App bietet jedenfalls eine gute Usability, so wie man sie auch von anderen Lösungen kennt. Klar, zunächst muss man sich etwas einfuchsen, bis man weiß, wo die ganze Buttons sind, die man touchen muss beziehungsweise kann, aber das ist ja immer so. Was das Tempo der Datenverarbeitung angeht – auch und gerade, wenn Musik von Streamingdiensten angezapft wird –, hat man jedenfalls einen guten Job gemacht. Das geht alles flotter von der Hand, als ich es gewohnt bin.

Die Art der Einbindung von Streamingdiensten in die Conductor-App überzeugt

Die Art der Einbindung von Streamingdiensten in die Conductor-App überzeugt

Übrigens: Zum Testzeitpunkt stand die iPhone-Version der App noch nicht zur Verfügung, diese „Bedienlücke“ soll aber in diesem Jahr geschlossen werden, dann läuft „Conductor“ nicht nur auf dem iPad und Android-Gerätschafen, sondern auch auf Apples Smartphone.

Aurender A100: Klangeindruck & Vergleiche

Ein Server/Streamer/Player wie der Aurender A100 bietet naturgemäß viele Anschluss- und Abspiel-Möglichkeiten. Bevor ich genauer auf den Klang eingehe, ein paar Worte dazu, wie ich zumeist gehört habe.

Aurender A100, oben

Über den Toslink-Eingang schon mal nicht. Okay, der Fernseher wurde drangehängt, funktioniert tadellos, mehr kann ich aber nicht sagen – und mehr wird wohl kaum ein Audiophiler wirklich wissen wollen.

Von einer externen USB-Platte und einem NAS habe ich ebenfalls nur kurz gestreamt. Die Koreaner behaupten, dass es von der internen Festplatte am besten klinge – was ich nur mit hoher Konzentration und gutem Willen so gerade eben nachvollziehen kann. Die Unterschiede sind eher marginal. Doch da sich der A100 weigert, externe Speichermedien zu scannen und nach Metadaten zu gruppieren, muss man sich durch die Ordnerstruktur hangeln. Und bei aller Liebe: Wer hat denn darauf heutzutage noch Lust? Zumal sich die Inhalte ruckzuck auf die verbaute Harddrive kopieren lassen und dann für die Conductor-App hübsch nach den gängigen Kriterien aufbereitet werden. Ich habe die Musik also vornehmlich von der internen Festplatte des Aurender abgespielt – sowie vom Streamingdienst Qobuz.

Analogausgang des Aurender A100

Und über Analog-Out abgegriffen. Klar, es gibt auch einen USB-Ausgang, mit dem sich externe D/A-Wandler ansteuern lassen. Habe ich natürlich ebenfalls ausprobiert. Doch mein Eindruck ist, dass der Aurender A100 vornehmlich als One-Box-Player entwickelt wurde. Im Gegensatz beispielsweise zum vielfach günstigeren Innuos ZENmini MK3 (1.000 Euro) oder dem etwas teureren Antipodes EX, die gleichfalls mit integrierten DACs daherkommen und sich als Fix-und-fertig-Quelle einsetzen lassen. Deren Analog-Output-Performance kommt allerdings lange nicht mit der des A100 mit. Beim günstigen Innuos wundert das sowieso nicht – und die Neuseeländer von Antipodes Audio sagen ja ganz offen, dass der integrierte Wandler nicht der Weisheit letzter Schluss sei, sondern eher ein guter Startpunkt. Dafür bietet der Antipodes EX am USB-Ausgang den überzeugenderen Auftritt, der Aurender A100 spielt hier eher in der Liga eines Audiodata MusikServer MKII, was beileibe nichts Schlechtes ist. Aber es geht halt schon noch etwas mehr, wie der Neuseeländer beweist, der primär als Datenlieferant eingesetzt werden möchte, während der Koreaner mehr Liebe bei der Wandlung und Analogausgabe walten lässt. Alles also eine Frage der Schwerpunktsetzung.

Bedienknüpfe auf der Front des Aurender A100

Last but not least: Ganz überwiegend habe ich mit fixer Lautstärkeeinstellung gehört. Die Pegelregelung des A100 funktioniert tadellos und überzeugt klanglich durchaus – komplett verlustfrei ist’s nun aber auch nicht, und da ich andere Digitalquellen meist mit Fix-Pegel höre, mach‘ ich das hier auch so, allein schon wegen der besseren Vergleichbarkeit. Jetzt dürften alle Karten auf dem Tisch liegen. Dann mal los.

Blick ins Innere des Aurener A100

Blick ins Innere des Aurender A100

Tonales

Wie das Gros digitaler Quellen heutzutage ist auch der Aurender A100 insgesamt tonal balanciert. Wer richtiggehenden „Soundingbedarf“ hat, sollte mit anderen Gerätekategorien sein Glück versuchen.

Cat PowerDas einmal vorausgeschickt, lässt sich aber schon anmerken, dass kleinere Abweichungen von der gedachten „Normalnull“-Linie vorhanden sind. So gibt der Aurender A100 die Präsenzen (also: obere Mitten/untere Höhen) etwas milder wieder, als ich es gewohnt bin. Das merkt man schnell bei Frauenstimmen, die nämlich minimal körperreicher und gleichzeitig einen Tick weniger offen rüberkommen als sonst. Und Tori Amos, Julie Byrne, Chan Marshall etc. stehen dann – wenig überraschend – auch etwas weiter weg, nämlich auf der Boxengrundlinie und nicht davor, wie sonst in meinem Hörraum. Die leichte Dezenz im Präsenzbereich zahlt auch auf die „Langzeithörtauglichkeit“ ein, zudem werden mittelgute Aufnahmen weniger „vorgeführt“. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Impulswiedergabe wirkt gleichfalls milder, eine hart angeschlagene Klaviernote kommt beispielsweise eine Spur weniger hart rüber. Ein Spur, wohlgemerkt.

Torque TrioZuerst dachte ich, die Milde im Präsenzbereich setze sich nach oben hin fort, doch das Stück „Singing Bowl“ vom Torque Trio (Album: Osmosis; auf Amazon) belehrt mich eines Besseren: Hier tummelt sich im Obertonspektrum so einiges (die namensgebende Klangschale, Klaviertöne im Diskant, Schlagzeugbecken), und es entfaltet sich mit dem Aurender A100 genauso frei Richtung Superhochton wie mit meinem Luxman DA-06, den ich als vorbildlich linear schätze. Der japanische DAC bietet zwar mehr Auflösung in den Höhen (und muss das auch, ist er mit 5.000 Euro als Stand-alone-Wandler doch deutlich teurer als die integrierte Lösung von Aurender), aber nicht mehr Pegel.

Auch die übrigen Frequenzbereiche werden vom A100 neutral dargeboten, so im Grunde auch der Tiefton, wobei Richtung Tiefbass, sagen wir mal so ab 60-50 Hertz abwärts, etwas Energie rausgenommen wird. In diesem Bereich tritt der Aurender – wie in den oberen Mitten – also ein wenig zurückhaltender auf. Wenn irgendetwas nicht das Motto des A100 ist, dann „unten bumm und oben zing“.

Aurender A100, Perspektive

Dynamik & Auflösung

Auch andere Digitalquellen servieren den Präsenzbereich etwas vorsichtiger – ich erinnere mich da etwa an den Netzwerkplayer Naim NDX 2, der hier ähnlich mild unterwegs war. Und doch ganz anders klang: Grobdynamischer zum einen, das muss man zugeben, was unter anderem auch zum substanzielleren, wenn nicht gar leicht betonten Bassbereich dieses Streamers passt. Weniger feindynamisch zum anderen, und vor allem auch weniger gut aufgelöst, gerade im Hochton – den der Naim allerdings auch eher freundlich verrundet, während der Aurender A100 es „mit der Wahrheit“ hält. Wie auch immer, jedenfalls scheinen mir mikrodynamische Finesse und das Auflösungsvermögen preisklassenbezogene Stärken des Aurender zu sein. Zumal man nicht vergessen darf, dass der Naim mehr kostet (6.000 Euro), aber funktional weniger bietet (er ist ein reiner Streamer ohne Festplatte).

Tori Amos / Unter the PinkBeim Tori-Amos-Stück „Bells for her“ (Album: Under the Pink; auf Amazon) kann man regelrecht in die Klaviermechanik hineinhören, doch gelingt das natürlich mal mehr, mal weniger leicht, je nach Transparenz des Quellgeräts. Der Aurender A100 zählt zu den Vertretern der Gattung, die auch noch den Spurenelementen auf der Aufnahme nachjagen – das aber, und hier zahlt sich die tonale Abstimmung (straighter Hochton, sanftere Präsenzen) wirklich aus, ohne einem auf die Nerven zu gehen, salopp gesagt. Er macht dies auch etwas besser als der ihm klanglich in mancherlei Hinsicht ähnliche Lumin T1 – ein Netzwerkplayer (ohne Festplatte) mit vergleichbarem Preisschild, mit dem ich vor zwei Jahren das Vergnügen hatte.

Aurender A100, hinten-oben

Bühnenbild

Der Aurender A100 baut das tiefere Bühnenbild im Vergleich zu diesem Lumin – und zum Naim sowieso. Orchester werden schön nach hinten gestaffelt, auch an den Rändern der Bühne zieht kein Nebel auf. Gut so. Den „animierenden“ Schritt nach vorne Richtung Hörer, wie der Naim ihn macht, spart sich der Aurender freilich. Die Musik beginnt mit ihm meist bei und nicht vor der Boxengrundlinie.

Aurender A100 - Blick auf die Platine

Aurender A100 – Innenansichten

Die Präzision der Abbildung ist standesgemäß, doch wenn ich noch einen Wunsch freihätte, dann den nach einer etwas plastischeren, 3D-hafteren Gestaltung der einzelnen Klänge. Schlecht ist das keinesfalls, was der A100 hier bietet, er sortiert sich sauber in seine Preisklasse ein – von der sich die genannten Streamer von Naim und Lumin aber doch etwas abheben können. Nun, es wäre ja auch langweilig, wenn alle Geräte das gleiche Klangprofil besäßen.

Unfair!

Wie gut eine Komponente wirklich ist, fällt einem manchmal erst auf, wenn ein völlig unfairer Vergleich durchgeführt wird. Also stelle ich dem Aurender A100 mein gewohntes Gespann aus D/A-Wandler Luxman DA-06 und Musikserver Innuos Zenith Mk3 gegenüber, das mit einem Boaacoustic Silver Digital Xeno verbandelt wird. Preispunkt: knapp 9.000 Euro.

Auredner A100 - Kühlrippe

Nein, der Aurender kommt da – absolut gesehen – nicht mit. Das Innuos/Luxman-Duo klingt aufgelöster, dynamischer, griffiger, tiefer im Bass und bei der Bühnenausleuchtung etc. Doch was beim Schritt hin zur teureren Lösung freudig als Gewinn verbucht wird, wirkt beim Schritt zurück geradezu ernüchternd: „Was, so wenig tut sich da nur?“

Klar, an solche Kleinigkeiten gewöhnt man sich als Audiophiler leider nur allzu schnell. Aber bei Lichte betrachtet muss man dann schon zugeben: Es sind verdammt teure Kleinigkeiten. Oder anders gesagt: Der Aurender A100 bietet nur wenig weniger – fürs nicht mal halbe Geld.

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Test: Aurender A100 | Musik-Server, Netzwerk-Player

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