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Auralic Aries – give it a listen (Fortsetzung)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Auralic Aries - give it a listen (Fortsetzung)

Eine Sternstunde der härteren musikalischen Gangart ist Tiamats viertes (lässt man mal das unter dem wenig rühmlichen Namen Treblinka veröffentlichte Erstlingswerk Sumerian Cry außen vor) Studio-Album A Deeper Kind of Slumber. Im Track „Teonanacatl“tiamanta sind die Drums nicht nur hörbar schneller, präziser und fokussierter, auch der Körperschall ist besser spürbar als ich es von den anderen bisher bei mir gehörten Lösungen in Erinnerung habe – es knallt einfach mehr, und das ist jetzt keine Andeutung im Hinblick auf den Namen des Stücks („Teonanacatl“ ist der aztekische Name für psilocybinhaltige Pilze). Nein, diese Aufnahme ist nicht wirklich grandios, aber der Auralic Aries schafft es problemlos, dynamische Zusammenhänge realistisch herauszuarbeiten, das Gehörte und das Gefühlte zusammenzufügen und so ein ganzheitliches Bild der Musik zu vermitteln.

Dabei hilft auch die Ruhe im Klangbild, der so oft beschworene schwarze Hintergrund, vor dem eine kraftvolle und gleichzeitig immer kontrollierte Entfaltung der Grobdynamik erst richtig möglich wird. Gleichzeitig offenbart die anrührend sensibel differenzierende Feindynamik den Sinn für feinste Unterschiede in der zeitlichen Struktur des Klanggeschehens, selbst wenn die Aufnahme nur medioker ist – so habe ich das weder mit dem DVD-Laufwerk des Classik Movie oder dem Streamingmodul des Majik DSM noch mit dem des AVM CS 2.2 gehört, und erst recht nicht mit WD TV Live oder meinem streamingfähigen Panasonic-BluRay-Player (beide über den DAC des Majik DSM angeschlossen).

Die vielleicht deutlichste Verbesserung gegenüber allen anderen gehörten Quellgeräten aber schafft der Auralic Aries, wenn es um eine realistisch anmutende Ausgestaltung des virtuellen Raumes geht. Dreidimensional, frei, unbeeinträchtigt vom Rest des Klangbildes, solide – so steht die Stimme von Jacintha vor mir im Raum. Sie hat, ebenso wie die Instrumentarium ihrer Begleitband, viel Platz auf der Bühne, die mit dem Aries ein ganzes Stück gewachsen zu sein scheint. Dennoch rückt Frau Jacintha zweifelsohne ein wenig näher an mich heran. Diese luftige und ungestresste Abbildung mit ihrem geradezu physisch greifbaren Charakter bleibt auch bei heftigen dynamischen Attacken stabil, frei und unbeeindruckt vom sonstigen Geschehen.

Einen Gedanken – der mir vor allem bei den lauter durchgeführten Hörsessions mit dem Auralic Aries in den Sinn gekommen ist – möchte ich Ihnen trotz der zeitlichen Distanz der Höreindrücke und des Gattungsunterschieds der Komponenten nicht vorenthalten. Der Sprung in Sachen Über-Alles-Realismus, die ansatzlosere Dynamik und das mit dem Aries räumlich stabiler wirkende Klangbild haben mich unmittelbar daran erinnert, wie ich vor etwa 15 Jahren zum ersten Mal den Wechsel von einem sehr guten Vollverstärker (Mark Levinson ML383) auf eine Vor-End-Kombination (Mark Levinson ML380S/ML 33H) an den Revel Ultima Salon wahrgenommen habe. Wo vorher sehr guter Klang aus den Lautsprechern kam, rockte plötzlich eine echte Band vor mir. Es verschwanden räumliche wie dynamische Limitierungen, wurden vermeintlich schlichte dynamische Sprünge auf einmal zu komplexen Vorgängen. Als hätte jemand einen Zoom scharfgestellt, erschienen statt eines, sagen wir mal, changierend grün gefüllten Kreises einzelne Blätter an vielen großen und kleineren Ästen eines Baumes vor meinem inneren Auge. Und nein, ich kam zuvor nicht in den Genuss der weiter oben erwähnten Pilze …

Jedenfalls: Ein ganz ähnliches Gefühl, wenn auch nicht ganz so krass, befällt mich beim Wechsel auf den Aries. Okay, er bewirkt dieses vollkommene Loslösen von dem Wissen, einer HiFi-Anlage zu lauschen nicht ganz – das wäre vermessen zu behaupten. Doch er macht einen großen Schritt in diese Richtung.

Test: Auralic Aries | Netzwerk-Player

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