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Auralic Aries – give it a listen

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Auralic Aries - give it a listen

JacinthaGegenüber meinem Linn Majik DSM „als Ganzes“ – für diesen Vergleich hatte ich den Auralic nämlich gleichsam über den internen DAC des Schotten laufen lassen – tönt es etwas sanfter im Hochton, feinkörniger, seidig-fließend, keine Härten trotz toller Auflösung – so meine ersten Notizen. Die tonale Ausdehnung nach oben hin ist erstaunlich, wenn auch absolut gesehen nicht exorbitant, und zum Glück verkneift sich der Aries künstliches Funkeln und aufmerksamkeitsheischende „Bells & Whistles“. Gut so, denn so bleibt die Balance über alle Frequenzen gewahrt. Im Mittelton kann Jacinthas Stimme in „Danny Boy“ (Album: Here’s to Ben) freier atmen, findet eleganter fließende und komplexere feindynamische und intonatorische Abstufungen. Die Wiedergabe gewinnt an Realismus mit deutlicheren, sehr gut in das akustische Geschehen eingebundenen Artikulationsgeräuschen, feuchtem Zungenschlag und gut hörbarem Schlucken sowie intim eingefangenen Atemgeräuschen. Liest sich sexy? Ist es auch.

Dieser anmachende Charakter setzt sich auch weiter unten im Frequenzband fort. Der Kontrabass in „Danny Boy“ erklingt etwas knorriger, definierter, dabei freier im Raum stehend und tonal etwas offener als es mein Linn vermittelt. Die Töne eines Akkords verschwimmen nicht wie die Zutaten in verkochter Erbsensuppe, sondern klingen differenziert aus.

Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei elektrisch generiertem Synthie-Bass auf: Jan Garbareks „Rites“ vom gleichnamigen Album pumpt ordentlich Energie in den Lautsprecher, und das kann für so jan Gabarekmanche Kette und so manchen Raum auch zu viel des Guten sein. Dann dröhnt es nur, und die subtilen Färbungen des Basses gehen verloren, ebenso wie die Luftigkeit des spärlich eingesetzten Saxophons und die flächige Weite des Keyboards erstickt werden können. Nicht so mit dem Auralic Aries. Er lässt den pumpenden Bass vordergründig etwas schlanker als der Linn pulsieren, doch das ist ein Nebeneffekt der gesteigerten Präzision und Transparenz, die der Aries bietet. Diese ermöglicht es, im unteren Tiefbass differenziertere Modulationen erkennen zu lassen, weil selbiger nicht von einem darüber liegenden Gedröhne überdeckt wird.

Bei A Perfect Circles „Counting Bodies Like Sheep to the Rhythm of the War Drums“ vom Album Emotive wirkt die Bassdrum wie frisch bespannt, steht freier im Raum, hat einen besser definierten Körper. Wenn sich dies nun ein wenig so liest, als sei emotivedie tonale Balance des Aries insgesamt eher mager als voluminös, sei richtiggestellt: Bei aller Definition und Präzision bleiben Druck und Punch im Bass und Mittelton gleichermaßen erhalten, ja wirken durch die stärkere zeitliche Konzentration auf den eigentlichen „Punkt“ des Schallereignisses sogar gesteigert. Auch die stakkatoartigen, hypnotisierenden Trommel- und Synthieklänge dieses Marsch-ähnlichen, düsteren Stücks werden überaus differenziert und dabei ohne ungebührliche Härten transportiert – das klingt bedrohlich echt und ist alles andere als einfach zu reproduzieren. Gerade hier fällt auf, wie sehr der Aries dynamisch weniger limitiert und ansatzloser, direkter, offensiver, jedoch ohne Härte oder Aggressivität spielt.

friend and fellowDie Leise-Laut-Spannweite ist dabei nicht nur etwas größer als mit meinem Linn Majik DSM (gut nachzuhören bei Garbareks Saxophon in „Rites“), auch die Abstufungen der Dynamik sind feiner granuliert – hier bieten sich ein ums andere Mal die Solo-Stimmen von Jacintha oder Friend’n’Fellow zum Nachvollziehen an. Dieser Charakter trägt zu einem wesentlich natürlicheren Eindruck der Musik bei und steigert den Realismus der Reproduktion gewaltig.

Quercheck
Spaßeshalber habe ich zwischendurch auch mal mit der bereits erwähnten Western Digital TV Live-Box sowie meinem Panasonic DMP-BDT310 BluRay-Player gegengehört – und es nach wenigen Takten wieder sein lassen. Den Schritt, den meine Kette mit dem Auralic Aries von der Performance des Linn ausgehend nach vorne gemacht hat, den macht sie mehrfach nach hinten, wenn die Signale vom NAS über die AV-Allrounder aufbereitet und in beiden Fällen vom DAC des Majik DSM gewandelt werden. Raum, Spielfreude, Luftigkeit, Kontrolle und Dynamik, alles fällt mehr oder weniger deutlich in sich zusammen und lässt vor allem ein großes musikalisches Fragezeichen zurück.

Viel besser schlägt sich da schon der DVD-Spieler im Linn Classik Movie, der zur Zeit in meiner Zweitkette an den Audioplan Kontrapunkt V Musik macht: Er bietet musikalische Vollwertkost, doch die vordergründig größere Frische seines Klangbilds (eine gewisse Parallele zur Erfahrung mit dem CD-Player-Teil des AVM CS 2.2) erkauft sich der durchaus amtlich klingende DVD-Player mit einem etwas betonten Hochtonbereich, der im direkten Vergleich mit dem Aries sogar ins stählern-glasige abdriftet. Der Auralic hingegen zeigt auch am Wandler des Classik Movie seine schon beschriebenen Stärken, vom kontrollierten und schnellen Bass bis zu den seidig und luftig aufgelösten Höhen.

Test: Auralic Aries | Netzwerk-Player

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