
Test: Audiovector QR 3 SE | Standlautsprecher
Abgespaced
von Boris Fust
Im Test: Audiovector QR 3 SE | Standlautsprecher
UVP zum Testzeitpunkt: 3.000 Euro
Eine ganze Weile erzählte man sich, dass das Material von Haushaltspfannen der Weltraumforschung zu verdanken sei. Was für Akkuschrauber, Handstaubsauger oder Klettverschlüsse zutrifft, war beim Teflon aber wohl nichts weiter als ein Werbegag. Auch in der HiFi-Welt geht es in technologischer Hinsicht meist eher irdisch zu, gerade im Lautsprecherbau sind das gute alte Ingenieurswesen und die ebenso gute alte Handwerkskunst weiterhin Trumpf. Doch wenn die Audiovector QR 3 SE (https://www.in-akustik.de) bei einem landen, staunt man nicht schlecht: Kondensatoren und Innenverkabelung wurden in der Fertigung auf extrem niedrige Temperaturen heruntergekühlt, die Größe der Poren des Dämpfungsmaterials befindet sich – so suggeriert es zumindest die Bezeichnung „Nanopore“ – im Nanometerbereich, und das Aluminium der Frontplatte des Hochtöners wurde nicht nur glasperlengestrahlt, gebürstet und in Tungsten-Titan-Grau eloxiert: Die Legierung stammt aus der Luft- und Raumfahrt.

Und doch senkt sich mit den Standlautsprechern des dänischen Herstellers Audiovector keineswegs ein UFO in das heimische Wohnzimmer. Sie sind weder besonders hoch noch besonders breit. Einerseits wirken die beiden 6-Zoll-Konustreiber mit dem Zierring und dem in das Metall eingearbeiteten Audiovector-Schriftzug modern und sportlich. Andererseits ruhen die QR 3 SE auf einem Holzsockel, was ihnen (insbesondere, wenn man auf die Spikes verzichtet) eine gutmütige Anmutung verleiht. Insgesamt tragen die Audiovector QR 3 SE optisch nicht übermäßig auf. Die Proportionen protzen nicht, das Gesamtensemble wirkt dem Augenschein nach nicht übertrieben futuristisch, sondern eher wie ein angenehmer Mitbewohner, mit dem man ruhig auch mal „über alles reden“ kann bei einer Tasse kosmischen Tees.
Bindeglied
Bei der Audiovector QR 3 SE handelt es sich um die kleinste Standbox der aktuellen Serie. Sie ist gewissermaßen das Bindeglied zwischen den kompakten Regallautsprechern und den größeren Modellen. Das „SE“ im Produktnamen steht für „Special Edition“, tatsächlich aber ersetzt das Modell die bisherige Version. Die neue Edition wurde in einigen Details überarbeitet und aufgewertet, wobei Merkmale der höher positionierten Baureihen übernommen wurden – was vielversprechend ist, wenn man bedenkt, dass Audiovector durchaus zu Hause ist im audiophilen High-End: So kostet das Spitzenmodell Audiovector R 10 Arreté so viel wie ein gut ausgestatteter Porsche 911 Cabrio. Die Audiovector QR 3 SE spielen dagegen in einer preislich weit übersichtlicheren Einstiegsklasse: Mit 3.000 Euro liegen sie eher in der Region einer monatlichen Sportwagen-Leasingrate. Der Anspruch der in Dänemark gefertigten Lautsprecher ist allerdings kein kleiner: Der in der Nähe von Kopenhagen beheimatete Hersteller verspricht ein gut proportioniertes „High-End Package“ mit einem ausgewogenen Klangbild und einer exzellenten Auflösung.
Technische Besonderheiten
Technisch gesehen ist die Audiovector QR 3 SE als 2,5-Wege-Bassreflexsystem ausgelegt – mit ein paar Besonderheiten: Die Bassreflexöffnung befindet sich weder auf der Rück- noch auf der Vorderseite, sondern strahlt nach unten ab. Diese Downfire-Konstruktion soll die Bassenergie gleichmäßig im Raum verteilen. Die Bassbetonung im Falle einer wandnahen Aufstellung dürfte damit nicht so stark ausfallen wie bei Konzepten mit rückseitigen Öffnungen – und weil sich unterhalb des „Q Port“-Systems der werksseitig montierte Holzsockel befindet, ist der Abstand von der Austrittsöffnung zur nächstgelegenen Begrenzung bereits definiert.

Die Basswiedergabe teilen sich die beiden 6-Zoll-Konustreiber: Sie spielen bis 400 Hertz gemeinsam, bei den darüberliegenden Frequenzen koppelt die Frequenzweiche den unteren Treiber vom oberen ab, der darauf als Tiefmitteltöner weiterspielt und erst ab drei Kilohertz an den Hochtöner übergibt. Angetrieben werden sie durch einen Motor mit Doppelmagneten. Bei den Membranen arbeitet Audiovector wie üblich mit Sandwichkonstruktionen, deren genauer Aufbau auch in diesem Fall eine Art Firmengeheimnis bleibt. Was man sagen kann: Die Membranen bestehen aus Aluminiumschichten, die mit einem leichten Kleber sowie weicheren Materialien verbunden sind. Sie kommen ohne eine Staubschutzkalotte aus und verfügen somit über eine durchgehende Membrangeometrie. Das sieht nicht nur modern aus, sondern soll dafür sorgen, dass sie über einen großen Frequenzbereich gleichmäßig kolbenförmig schwingen können. Die Dänen sprechen deshalb auch von einer „Pure Piston“-Technologie, die der Präzision und Verzerrungsfreiheit zugutekommen soll.

Der Tonumfang der Audiovector QR 3 SE soll sich zwischen 28 Hertz und 45 Kilohertz bewegen – also bis weit oberhalb des menschlichen Hörspektrums, was im Superhochton eine ganze Menge „Air“ verspricht. Der Hochtöner springt dann auch sofort ins Auge: Statt einer klassischen Kalotte gibt es hier etwas, das der Hersteller „Gold Leaf Air Motion Tweeter” nennt. Bei der Frontplatte begegnen wir übrigens erneut einer Aluminiumlegierung aus der Luftfahrttechnik. Dahinter liegt das eigentliche Herzstück, der Air-Motion-Transformer. Der AMT bewegt die Luft nicht, indem er vorwärts und rückwärts schwingt. Stattdessen arbeitet er über eine gefaltete Membran ähnlich wie eine Ziehharmonika und bringt die Luft auf diese Weise in Schwingung. Eine solche Membran ist nicht ganz leicht und nicht ganz billig herzustellen. Hier hat Audiovector Anleihen bei höherwertigen Serien genommen.

Die Folienmembran ist mit Blattgold beschichtet, davor befindet sich ein roségoldfarbenes Schutzgitter. Das sieht nicht nur schmuck aus, sondern hat auch eine akustische Funktion: Der sogenannte „S-Stop-Filter“ wirkt gewissermaßen wie ein De-Esser und soll S- und Zischlaute herausfiltern. Außerdem gleicht er das Abstrahlverhalten des Hochtöners im Übergangsbereich an den Mitteltöner an; oft strahlen solche Tweeter insbesondere im Vertikalen gebündelt ab und besitzen einen deutlichen Sweet Spot. Der „S-Stop-Filter“ weist viele kleine Öffnungen auf, die den Schall streuen.

Einem Upgrade unterzogen hat man bei der „Special Edition“ insbesondere die Frequenzweiche – eine Eigenentwicklung. Hier lag das Augenmerk vor allem auf einer Optimierung im Mittelhochtonbereich. Zum Einsatz kommen vibrationsoptimierte Kondensatoren, die auf extrem tiefe Temperaturen herabgekühlt werden. Dieses „kryogenisch“ genannte Verfahren ist dazu da, die molekulare Struktur zu beeinflussen und gleichmäßiger zu machen, was Verzerrungen des Signals minimieren soll, insbesondere im Hochton. In den Kondensatoren sind Polypropylen-Dielektrika mit einer zinnüberzogenen Kupferfolie kombiniert. Auch die Verkabelung im Inneren des aus HDF gefertigten Gehäuses wurde „tiefgekühlt“. Aufgewertet wurde die Audiovector QR 3 SE zudem durch ebenjenes „Nanopore“-Dämmmaterial – ein offenporiger Schaumstoff, der breitbandig absorbiert und bisher den deutlich teureren Serien vorbehalten war.
Audiovector QR 3 SE: Hörtest und Vergleiche
Behaupten mussten sich die Audiovector QR 3 SE in einem gut temperierten, da preislich einigermaßen homogenen Schallwandler-Testumfeld. Die Heco Direkt Premium mit einem Kennschalldruck von 94 dB/W/m liegen preislich gleichauf, wenngleich sie mit ihrem 10-Zoll-Tiefmitteltöner aus Papier und einem Gehäusevolumen von 78 Litern einem fast schon gegenteiligen Konzept folgen. Mit dabei ist auch eine Neat Momentum 4i, die wie die Audiovector QR 3 SE ein 2,5-Wege-System ist, das den Bass allerdings mittels isobarischem Downfiring wiedergibt. Im Wirkungsgrad liegen Neat und Audiovector in etwa gleichauf: Die Neat bringen es auf 88 dB/W/m, Audiovector gibt einen Wirkungsgrad von 90 dB bei 2,83 Volt und einem Meter Abstand an. Umgerechnet auf die Nennimpedanz von vier Ohm entspricht dies einem Kennschalldruck von rund 87 dB bei einem Watt und Meter. Damit eignen sie sich für eine ganze Reihe von Verstärkern. Arbeiten wir uns also im Hörtest von unten nach oben durch – und dann in den Raum hinein.

Gravitationsfeld Bass
Voll und klar – so ist der erste Eindruck. Die Audiovector QR 3 SE stellen ganz schön was in den Raum. Wenn man die entsprechende Musik zuspielt, zeigt sich der Bass überraschend groß und pfundig, insbesondere für eine Box dieser Größe. Nehmen wir zum Beispiel „Luna Bala“ von den Phonk Girlz – ein recht sportlicher Sound, der sich eher für TikTok oder zur Untermalung von virtuellen Autorennen eignet als für eine zivilisierte Abhöre. Aber es gibt da diesen Bass, der umstandslos in die Magengrube haut: Um eine Bass Drum herum konkurrieren im Oberbass allerlei Synthieklänge und einige Sweeps. Die kommen nicht nur eindrucksstark und voluminös, sondern auch mit nachvollziehbarer Kontur. Die Audiovector QR 3 SE zeichnen den Bass nicht schwammig, sondern „halbtrocken“.

Im Orbit der Stimmen
Leuchten wir die Mitten aus: Die Anthologie „Scott Walker in 5 Easy Pieces“ versammelt einen recht geschmäcklerischen und thematisch geordneten Auszug aus dem Schaffen des zum Verschrobenen neigenden Sängers und Komponisten. Der zur Anthologie gehörende Longplayer „An American in Europe“ ist ein wahres Pandämonium des „Wall of Sound“: Vor dicht gestaffelten Orchesterwänden rumpelt und knallt das Schlagwerk, das Blech bläst zum Sturm auf Jericho, es dräuen die Streicher – und all das ist im Grunde nur der Hintergrund für ein wildes Bric-à-Brac an Ornamenten und Verzierungen. Wenn dieses aufreibende, monumentale Hörerlebnis nicht gar zu anstrengend ausfallen soll, dann ist eine erstklassige Mittenwiedergabe Pflicht.

In der Mitte des wilden Geschehens steht die Stimme von Scott Walker. Und zwar steht er genau in der Mitte, und als Phantomschallquelle bleibt er dort wie festgenagelt. Man muss zugeben: Das können die Neat so nicht, sie leisten sich vergleichsweise einiges an Unbestimmtheit und bleiben im Ungefähren. Auch die Stimmenverständlichkeit liegt deutlich oberhalb der der Neat. Tonal erfahren wir in den unteren Mitten viel über das Brustvolumen der Baritonstimme, wir erleben zwar Wärme, aber trotzdem verbirgt Scott Walker sich nicht hinter einem Vorhang aus Mulm-Frequenzen. Im oberen Mitteltonbereich liefern die Audiovector QR 3 SE dann die Details: Atemgeräusche und Geräusche beim Formen der Lippen werden genau herausgearbeitet. Konsonanten kommen schnell und deutlich, Sibilanten ebenfalls – auch wenn sie sich bei „Sons Of“ etwas ballen („In towering waves, in walls of flesh / Among dying birds trembling with death“).
Klarer Fall: Die Audiovector QR 3 SE beherrschen den gesamten Mittenbereich, feine Verästelungen und Details werden sehr gut nachgezeichnet. Im Grundton gibt es zwar genügend Substanz und Körper, aber ohne dass die Audiovector je ins Brühwarme abdriften würde. Tonal schlagen die Audiovector QR 3 SE in den Mitten vielmehr einen recht ausgewogenen Kurs ein. Stimmen erhalten ausreichend Substanz, Details werden klar herausgearbeitet, ohne dass der Lautsprecher ins Analytische oder Scharfe kippt. Das ist schon ein, auch eingedenk der Preisklasse, bemerkenswert balancierter Auftritt – mit angenehmer Offenheit und einer allenfalls leichten Präsenzbetonung, die aber auch bei ordentlich Pegel nicht brutal rüberkommt.
Sternenstaub
Die Audiovector QR 3 SE sind auf Vollständigkeit bedacht – das gilt auch im Hochton, wo sie ein neutrales Bild zeigen, mit Luftigkeit und „Air“. Hier spielt der AMT souverän seine Stärken aus: Scott Walker hat nun das Thema Europa mit hochgejazzten Jacques-Brel-Chansons abgearbeitet und kommt auf „An American in Europe“ im Wilden Westen an – wir hören es am Peitschenknallen auf „My Way Home“. Und wie! Das Zerreißen der Luft wird extrem naturgetreu wiedergegeben, die Attack kommt messerscharf und wird nicht durch ein undefiniertes Zischen oder sonstige Eigenresonanzen verstellt. Auch der Ausklang dieses kurzen Signals ist mitzuerleben, er hat einen Körper und einen Verlauf, statt nur undefiniert hell und brutal zu klingen. Der Tweeter strahlt übrigens ziemlich breit ab, ein enger Sweet Spot ist nicht zu erkennen.

Beim Superhochton hat der AMT ebenfalls alles im Griff: Er arbeitet die feineren Obertöne von Becken, Tamburinen und Holzbläsern klar heraus und verleiht ihnen Plastizität und eine glaubwürdige räumliche Dimension. Auffällig ist, dass sogar extreme Klangereignisse mit dem Gesamtbild verwoben werden: Die Höhen wirken nie aufgesetzt oder übermäßig „bright“, sondern als logische Vervollständigung des Geschehens. Die tonale Balance bleibt dabei gewahrt; der Hochton wirkt offen und luftig, nicht hervorgehoben oder überpräsent.
Auflösung: Die Vermessung des Interstellaren

Dynamikverhalten
In Sachen Dynamik gibt es nicht viel zu bekritteln. Es müssen nicht immer knallende Peitschen sein – auch alltägliche Impulse wie Tastenanschläge, Percussion-Attacks oder gezupfte Stahlsaiten einer Westerngitarre kommen schnell und lebendig.

Das Thema Grobdynamik ist freilich eine Frage des Temperaments beziehungsweise des Konzepts: Die Audiovector bleiben gerne nahe bei den Leitplanken, die Heco Direkt Premium hingegen sind sprunghaftere Wesen: Bei ihnen lenkt eine große Papiermembran freudvoll aus. So entsteht – vor allem, wenn es tiefer hinunter geht – ein größerer dynamischer Spielraum, den die Heco nur allzu gern ausreizen. Die Audiovector QR 3 sind in dieser Disziplin deutlich verhaltener.
Navigation im Hörraum

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