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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Virtuoses aus Vilnius
  2. 2 AudioSolutions Virtuoso M: Klangtest & Vergleiche

„Hand made in Lithuania“ – so prangt es auf den Blenden gleich aller drei Konustreiber. Daraus spricht sicherlich auch der Stolz des siebenköpfigen AudioSolutions-Teams in Vilnius eine mittlerweile international renommierte Lautsprechermanufaktur etabliert zu haben. Was man nicht zuletzt bemerkt, wenn man sich mit dem dynamischen Gründer Gediminas Gaidelis unterhält, den ich bereits vor einigen Jahren mal auf einer Münchener „High End“ traf. Frisch vom baltischen Tiger zu mir in den Hörraum heißt es hier und heute nun mit Blick auf die AudioSolutions Virtuoso M (23.000 Euro | www.cottbus-hifi.de) – einer der jüngsten Würfe des Herstellers, dem wir im Folgenden näher auf den Zahn fühlen wollen.

AudioSolutions Virtuoso M - Hand made in Lithuania

Ein Manufakturprodukt aus Vilnius: die AudioSolutions Virtuoso M

Seit ziemlich genau acht Jahren ist AudioSolutions nun schon am Markt, aktuell pflegt man sechs Passivlautsprecher-Linien, die zum Teil wiederum mehrere Modelle beinhalten und eine Preisrange von 1.000 bis 110.000 Euro umfassen. Die AudioSolutions Virtuoso M zählt mit 75 Kilogramm pro Lautsprecher und einem Paarpreis von 23.000 Euro sowohl in Sachen Masse als auch pekuniär zu den schwergewichtigeren Lösungen des Hauses. Entsprechend machen sie bereits äußerlich ihren Premiumanspruch klar. Das Design und die Verarbeitung muten in einigen Details zwar weniger geleckt an, als man das sonst so von größeren Serienfertigungen her kennen mag, aber gerade das macht die Anmutung eines echten Manufakturproduktes genau aus, wie ich finde. So oder so: Die Lackgüte, die Treiber- und Bassreflexrohrpassungen, die polypropylenüberzogene Rückwand mit ihrer überraschend wertigen Optik und Haptik, die spezielle Fußkonstruktion, aber auch der rückwärtige Regler zur Klanganpassung machen deutlich, dass wir es mit einem absoluten HighEnd-Produkt zu tun haben.

Two in one

AudioSolutions Virtuoso M: Gehäuse oben

Mit Blick aufs 124 Zentimeter in die Höhe ragende Gehäuse gibt sich ein besonderer und ziemlich aufwändiger Konstruktionsclou allerdings geradezu blickgeschützt: „Two in one“ heißt es hier nämlich. AudioSolutions macht als mechanischen, mithin resonanztechnischen Schwachpunkt typischer Lautsprechergehäuse nämlich deren Kantenbereiche aus, die sich eher wie „Scharniere“ als feste Verbindungen zwischen den einzelnen Gehäusewänden verhalten würden. Um dem zu begegnen, sind die AudioSolutions Virtuoso M als Box-in-Box-System konzipiert. Eine innere, abgedichtete, stark bedämpfte und mit massiven Verstrebungen versehende Gehäusesektion bekommt die sichtbare Außenhülle quasi übergestülpt. Das Ganze wird dicht angepresst und verklebt. Eine „zehnmal höhere Steifigkeit“ verspricht sich AudioSolutions von dieser Maßnahme, einhergehend mit einem „enormen klanglichen Zugewinn“. Die MDF-Gehäuse baue man in der 350 Quadratmeter großen Manufaktur gänzlich in Eigenregie, so Gediminas Gaidelis. Das Oberflächenfinish der dunklen Kopfplatte der Virtuoso M rekrutiert sich übrigens aus einer Polyurethan-Steinmehl-Lackmischung, die man aus Deutschland bezieht.

Gut zu Fuß

AudioSolutions Virtuoso M: Basstreiber und Fußteil

Gleiches gilt für die auffällige autoscooterförmige Fußkonstruktion, der man aus Designgründen den Vorzug vor schnöden Traversen gab. Unser Testmodell steht übrigens auf mit Filz bewehrten, bodenschonenden, mehr als handflächengroßen Tellern, die sich dank ihrer Griffigkeit unter den „Kotflügeln“ des Sockels überraschend gut drehen lassen, was die wackelfreie Positionierung der AudioSolutions Virtuoso M erleichtert. Dennoch würde ich dazu raten, Spikes zu verwenden, die normalerweise standardmäßig beiliegen – ich würde tippen, dass gerade auf Dielenböden noch eine konturiertere, trockenere Basswiedergabe aus den Virtuoso M herauszukitzeln ist.

Drei Klangästhetiken

Apropos Bass: „Moderate“, „Balanced“ und „Enhanced“ ist unter dem in die Rückwand der AudioSolutions Virtuoso M eingelassenen Drehregler zu lesen. Wer – wie ich – zunächst vermutet, dass hier eine Tieftonanpassung erfolge, wird sich darüber wundern, dass bereits in der Moderate-Einstellung ebenjener ziemlich üppig ausfällt. So üppig, dass man geneigt ist, die anderen, mutmaßlich noch „vollmundigeren“ Einstellungen erst gar nicht anzutesten – und die AudioSolutions Virtuoso M vielmehr per se der Tieftonfrönerei bezichtigt. Aber das Gefröne nimmt spätestens in der Enhanced-Stellung hörbar Ende: Hier tönen die AudioSolutions Virtuoso M nämlich am knackigsten, detailoffensten und präsentesten. Dicht gefolgt von der Balanced-Stellung, die einen etwas runderen, volleren Ton liefert und in Sachen Detailoffenheit einen Tick dezenter klingt – Grundlage für den untenstehenden Hörbericht.

AudioSolutions Virtuoso M: rückwärtiger Klangregler

„Moderate“, „Balanced“ und „Enhanced“ – der Klangcharakter der AudioSolutions Virtuoso M lässt sich je nach Anwendung oder Geschmack anpassen

Ja, mittels Dreh am Regler lassen sich nicht nur einfach irgendwelche Frequenzbereiche hinbiegen, sondern so etwas wie verschiedene „Klangästhetiken“ erzielen. Ein echtes Praxis-Highlight, wie ich finde, denn die Abstimmungen „Balanced“ und „Enhanced“ wirken nicht nur „in sich“ jeweils gelungen und stimmig, sondern adressieren, so mutmaße ich mal ganz stark, recht genau jene Hörergruppen, die zwar grundsätzlich „etwas Neutrales, Ausgewogenes“ suchen, mit Blick aufs Feintuning aber dann doch verschiedene Richtungen präferieren. Selbst die eigentlich ihren Namen nicht so wirklich gerecht werdende Moderate-Stellung hat ihren Sinn: Wer es untenrum lustvoll und weiter oben eher smooth, unterm Strich also ein wenig gesoundet mag, sollte auf seine Kosten kommen. Gleichwohl verfolgt „Moderate“ ein anderes Ziel: Schlechtere Aufnahmequalitäten samt ihrer Verzerrungen sollen aufgehübscht und leichter verdaulich zu Ohr gebracht werden, so AudioSolutions.

Arbeitsaufteilung

Der technisch aufwändige Hintergrund des Ganzen sind drei unterschiedliche Frequenzweichendesigns, die jeweils etwas anders dimensionierte Trennfrequenzen und Flankensteilheiten vorgeben. Was nichts daran ändert, dass der bereits merklich in den Höhen wildernde Mitteltöner (zirka 500 bis 7000 Hertz) der AudioSolutions Virtuoso M ausgesprochen breitbandig unterwegs ist. Ich bin ziemlicher Fan von solchen Abstimmungen, wie sie etwa auch meine Spendor D9 aufweist – gerade in Sachen Kohärenz, Schlüssigkeit sowie Räumlichkeit habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

AudioSolutions Virtuoso M: Mittel-Hochton-Einheit

Der Mitteltöner der AudioSolutions Virtuoso M ist extrem breitbandig ausgelegt

Der 16,5-cm-Mitteltöner ist mit einer Faserpapiermembran versehen – ebenso wie die je Box doppelt ausgeführten 19-cm-Bässe. Sämtliche laut Hersteller „sonderangefertigten“ Konusse stammen von SB Acoustics, während AudioSolutions die ebenfalls auf die eignen Bedürfnisse optimierte 3-cm-Seidenkalotte von Scan-Speak bezieht. Das Gesamtensemble aus Weichenschaltungen und Treiber soll für einen respektablen Wirkungsgrad von 92 dB/2.83V/1m sorgen.

AudioSolutions Virtuoso M: Klangtest & Vergleiche

AudioSolutions Virtuoso M: Lautsprecher im Hörraum

Die AudioSolutions Virtuoso M zählen zu den Lautsprechern, die klanglich ziemlich souverän und kraftvoll auftreten. Wie man’s bei ihrer Größe im Grunde nur erwartet. Daher fällt mir während der ersten Hörrunden vor allen Dingen ein anderer Zug ins Ohr: Eine extrem gut austarierte Mittelhochton-Abstimmung. Die sich selbst bei Alien Sex Fiends „Now I‘m feeling zombified“ (Album: Curse) bezahlt macht. Wie der Titel schon andeutet, kein audiophiler Song, der mit Blick auf die Stimme und die staubtrockenen Tom-betonten Beats schnell unangenehm präsent wird. Bei meinen eigentlich langzeittauglichen, aber doch „direkt“ abgestimmten Spendor D9 (um 9.500 Euro) „drückt“ es dann bei hohen Lautstärken mitteltonseitig auch etwas. Die AudioSolutions Virtuoso M hingegen geben sich mustergültig: Einerseits klemmen sie sich jegliches Aufhübschen, die Mitten tönen bei diesem Song nach wie vor offensiv und keinesfalls ungebührlich angewärmt. Andererseits glänzt allzu vorwitzige Präsenz ebenfalls durch Abwesenheit. Unterm Strich gewinnt man über die Virtuoso den Eindruck, der Song wurde bewusst etwas frontal-rotzig abgemischt – und keinesfalls ausschließlich schlampig, wie ich das zuvor eher mutmaßte.

Celebration - The Modern TribeDass die AudioSolutions Virtuoso M im Mittelhochton ungesoundet-durchlässig, aber gleichzeitig extrem kultiviert-langzeittauglich tönen, wird nicht zuletzt bei Celebrations „Evergreen“ (Album: The Modern Tribe; auf Amazon anhören) deutlich, bei dem meine Ohren fast so etwas wie einen wohlklingenden Widerspruch auflösen müssen. Denn die anfänglichen Chimes muten tonal einen Hauch zurückhaltender an als ich das sonst so kenne, lassen ihr Metall dennoch feiner, schillernder und irgendwie ausgearbeiteter funkeln. Die sich wiederholt kurz in Szene setzende halb-offene Hi-Hat klingt so aggressiv-zischelig wie sich’s gehört, gleichwohl mutet das mutmaßlich so chaotisch-schnöde Zischeln in seiner Textur definierter, beruhigter und insgesamt sauberer an. Es integriert sich dadurch konsistenter in den Rest der Musik. Die folgenden subtilen Achtelschläge der geschlossenen Hi-Hat auf dem rechten Kanal, die preiswerte Lautsprecher häufig komplett verschweigen, treten ebenfalls definierter als über meine Arbeitslautsprecher in Erscheinung. Was zusätzlich unterstreicht, dass die AudioSolutions Virtuoso M extrem feinsinnig agieren und – ja – eine irgendwie selten gehörte „unaufdringliche Detailversessenheit“ bieten. Noch unterschwelligste Details kommen an die Oberfläche, werden dennoch keinesfalls mit dem berühmt-berüchtigten Silbertablett serviert. Ein Fingerzeig darauf, dass der Mittelhochtonbereich der Virtuoso auf außerordentlich geringe Verzerrungswerte trainiert sein wird. In Sachen Klangreinheit, „schwarzer Hintergrund“, sprich Freiheit von den allerletzten und feinsten Artefakten distanzieren die litauischen Wandler meine Spendor D9 durchaus hörbar. Das geht keinesfalls als Pferdefuß meiner im Grunde ebenfalls sehr stressfrei tönenden D9 durch, die ich nach wie vor zu meinen absoluten All-time-Favourites zähle – vielmehr brillieren die AudioSolutions Virtuoso M hier einfach außerordentlich.

Laura Veirs - July FlameDiese besonderen Meriten der AudioSolutions Virtuoso M kommen natürlich nicht zuletzt aufnahmetechnisch hochwertig eingefangenen Instrumenten zugute. Wie etwa dem Flügel und der Viola in „Murata: Liange“ (Anoice: Selected Works). Die quellwasserartige, gänzlich „untechnische“ Reinheit der Klangfarben ist wirklich frappierend. Stimmen profitieren natürlich ebenso: So beeindruckt die Klarheit von Laura Veirs‘ Gesang in „July Flame“ (gleichnamiges Album; auf Amazon anhören). Die feinen, bis in allerhöchste Lagen reichenden Schwebungen in der Textur, die kurzen Einatmer, die natürliche Schärfe der Sibilanten: alles da – ohne jedwede „hyperanalytische“ Anflüge. Der Passus „Natürlichkeit von Stimmen“ liest sich bisweilen banal und mutet für denen einen oder anderen womöglich wie eine bloße Pflichtübung guten HiFis an. Ist in Wahrheit aber eine Kunst – die die AudioSolutions Virtuoso M meisterlich beherrschen!

AudioSolutions Virtuoso M: Anschlussterminal

Das Bi-Wiring-Terminal der AudioSolutions Virtuoso M

Saxophon, Gitarre, Kornett, Steel Drum, Keyboard, Perkussion – in Robert Wyatts „On the Town Square“ (Album: Comicopera) ist so einiges los. Und aufnahmetechnisch so wohlgeordnet eingefangen, dass ich diesen Track gerne heranziehe, um den „Bühnenfertigkeiten“ von Testgeräten auf den Zahn zu fühlen. Allein das Intro, in dem ein mit Besen ausgeführter Tom-Wirbel gleichmäßig durchs Stereopanorama pendelt, ist ein guter Prüfstein. Bei dem die AudioSolutions Virtuoso M abermals zeigen, wie vielschichtig sie im Mittelhochtonbereich zeichnen. Die Reichhaltigkeit der nur auf den ersten Blick profanen, in Wahrheit aber extrem komplex-chaotischen Transienten lässt mich das Thema Räumlichkeit für einen Moment glatt aus den Ohren verlieren.

Aber zurück zum Eigentlichen: links die Steel Drum, mittig die Gitarre, das Keyboard und die luftig-metallene Perkussion, rechts das Tenor-Saxophon. „On the Town Square“ ist wie gesagt räumlich extrem klar definiert. Und genau das lässt sich auch über die AudioSolutions Virtuoso M sagen: So werden die Instrumente einschließlich des anfänglichen Trommelwirbels nicht nur sehr ortungsscharf gereicht, was bei diesem Titel gar nicht die allergrößte Schwierigkeit ist, vielmehr füllen sie dreidimensional-realistisch ihre zugedachten Räume aus, ohne sich auf der virtuellen Bühne auch nur die Bohne störend ins Gehege zu kommen. Ich könnte mich locker der Illusion von dediziert vor meinen Ohren „freihängenden“ Schallquellen hingeben, obwohl doch eigentlich nur eine „Stereoanalage“ spielt. In Sachen Plastizität ist das schon so ziemlich Premier League. Bei alledem geht das Klangbild als Ganzes schön involvierend auf den Hörer zu, vernachlässigt dabei die Tiefe hinter der Basislinie nicht und ist in Höhe sowie Breite so großzügig definiert, wie ich das mag. Selbst Koaxsysteme wie die für ihre Räumlichkeit gemeinhin gerühmten Thiel CS 3.7, die ich lange Zeit besaß, haben hier klar das Nachsehen.

Coptic Light - Coptic LightAls ob die AudioSolutions Virtuoso M das Beste aus zwei Welten vereinen wollen, gehen sie das Thema Dynamik an. Denn einerseits geht von den Virtuoso M eine angenehme – nein, eben keine weichzeichnende – Geschmeidigkeit aus, andererseits haben sie null Probleme, hyperwuselig-perkussive Titel wie „Mix the Races“ von den Postrockern Coptic Light (gleichnamiges Album; auf Amazon anhören) hasenartig wendig auszuliefern. Die vielen Rimshots, Schläge am äußeren Trommelfellrand, Tomwirbel sowie die mit dem Plektrum auf den bedämpften E-Gitarrensaiten hingezitterten Sechzehntel lassen das Trommelfell so vibrieren, wie sich‘s gehört. Ein supernervöser Titel, den die supersauberen AudioSolutions Virtuoso M superzackig ans Trommelfell schallern, ohne ihn mit zusätzlicher Nervosität anzureichern. Die besondere „Ruhe“ und Souveränität, die von den Virtuoso M selbst bei solcher Musik ausgehen, rühren neben der grundsätzlichen Verzerrungsarmut sicherlich auch daher, dass sie einzelne Töne zwar mit ungebremster Attack in den Raum katapultieren, dabei aber ebenso den „Körper“, das Sustain von Tönen hochsensibel nachzeichnen.

AudioSolutions Virtuoso M: Lautsprechersicke

Unverstellte Klangfarben, mühelose Unterscheidbarkeit von Texturen, selbst von solchen wie Transienten, hohe Transparenz bei Abwesenheit unangenehmer analytischer Anklänge und ein flinkes, aber nicht „drahtig“ wirkendes Dynamikverhalten – die AudioSolutions Virtuoso M sind in diesen Bereichen so überzeugend abgestimmt wie kaum ein anderer mir bekannter Lautsprecher.

Wenn ich mir ein Paar „Boxen“ von einer guten, audiophil verlangten Fee wünschen dürfte, dann wären die AudioSolutions Virtuoso M bis hierhin sowas wie ein perfekter Zauberstab-Output. Bis hierhin? Ja, der Bass fehlt noch. Ich selbst mag’s im Bass tief, trocken und eher neutral-schlank als neutral-gehaltvoll. Und schon gar nicht fett.

Tief? Können die Virtuoso. Es gibt zwar andere großgewachsene Lautsprecher, selbst in niedrigeren Preisklassen (wie beispielsweise die Nubert nuVero 170), die etwa bei Burials „Etched Headplate“ (Album: Untrue) noch tiefer buddeln, aber das halte ich eher für einen akademischen denn tatsächlich hörgenussbringenden Vorteil, sofern man sich nicht zu den ausgemachten Infraschallextremisten zählt. Ich persönlich bräuchte Richtung Süden kein einziges Hertz mehr, die AudioSolutions Virtuoso M sind hier absolut ausgewachsen, mit Blick auf ihre Größe und Preisklasse gleichwohl nicht rekordverdächtig unterwegs.

AudioSolutions Virtuoso M: Fußteil

Trocken? Ja. Ein noch definierteres, härteres Brett wäre zwar denkbar, ich denke hier an meine Spendor D9 oder die Wilson Audio Sabrina, aber mit Blick auf den Tiefgang und die „Klangmasse“, die die Litauer untenrum lostreten, ist das im Grunde ein Apfel-Birnen-Vergleich. Denn natürlich fühlen sich im Basspegel und -tiefgang zurückhaltender abgestimmte Lautsprecher häufig leichtfüßiger und bei dem einen oder anderen Song präziser an. Dabei geht den Leichtfüßen aber das Vermögen ab, eine tiefgestimmte Bassdrum derart sustainreich und souverän abzubilden – und eine nachgerade physische, plastische Illusion zu erzeugen. Gönnen Sie den AudioSolutions Virtuoso M hierzu trotz ihres guten Wirkungsgrades kontrolliert agierende Verstärker mit genügend Leistungsreserven. An zartbesaiteten Röhrenverstärkerpreziosen werden Sie das Potenzial der AudioSolutions nicht ausreizen – und das nicht nur im Bass.

Neutral? Hm, die AudioSolutions Virtuoso M bieten wie beschrieben drei „Klangästhetiken“, als Schlankheitskur geht keine der drei durch. Als „druckvoll-neutral“ bis „mit leichtem Extrakick“ lassen sich die „Enhanced“- beziehungsweise „Balanced“-Einstellung hingegen schon betiteln, wobei ich mir einen kleinen Peak im Bereich mittlerer Bass bis Richtung Tiefbass einbilde. Lediglich das sich so asketisch lesende „Moderate“ fällt wie oben erwähnt aus dem Rahmen und bringt eine gewisse Moppeligkeit ins Spiel. Gleichwohl: Die AudioSolutions Virtuoso M richten sich unterm Strich an Hörer, die eher einen druck- und lustvollen als unauffällig-monitoresken unteren Tiefton schätzen. Weiter oben, im Grundton, geht’s übrigens rechtschaffen linear zu – sonst hätten wir das ja auch schon bei der Mitten- und Stimmwiedergabe bemerkt.

AudioSolutions Virtuoso M: Vergleiche mit anderen Lautsprechern

AudioSolutions Virtuoso M Firmenlogo

Um zunächst mal nach unten abzugrenzen: Meine nicht minder verzerrungsarm-rein anmutenden Sehring 903 (um 10.000 Euro, Update auf die neue Generation gerade in der Mache) spielen im Bass weniger druckvoll, auch in Sachen Hochtonfeinzeichnung und -luftigkeit und letztlich beim Kriterium Auflösung haben sie das Nachsehen. Räumlich empfinde ich die AudioSolutions Virtuoso M zudem als etwas plastischer. Meine Spendor D9 (um 9.500 Euro) muten nicht zuletzt aufgrund ihrer leicht mittenpräsenten Abstimmung noch einen Hauch „direkter“ als die AudioSolutions Virtuoso M an, was der leichtere und weniger druckvoll spielende, aber extrem wendige Bass zusätzlich unterstreicht. In Sachen Grobdynamik und Pegelfestigkeit gehen die AudioSolutions Virtuoso M merklich machtvoller und hubraumstärker zur Sache – in Anbetracht der Größenunterschiede nur erwartungsgemäß. Interessanter ist da schon der Blick auf die Klangreinheit: Die Litauer bieten signifikant mehr Ruhe und Souveränität, einen schwärzeren Hintergrund zwischen einzelnen Instrumenten und zeichnen Klangfarben noch unmissverständlicher, noch artefaktefreier. Dazu passt, dass der Hochton der AudioSolutions Virtuoso M noch klarer, feinsinniger zeichnet.

Damit sich die AudioSolutions Virtuoso M auf Augenhöhe messen können, muss man schon so etwas wie eine Wilson Audio Sabrina (19.980 Euro) in den Ring wuchten, die zu den wenigen Lautsprechern gehören, für die ich sogar meinen Spendor- und Sehring-Lautsprechern den Laufpass geben würde. Tonal fettfrei-linear, gleichwohl absolut sauber-stressfrei-musikdienlich abgestimmt, klingen sie extrem definiert, konturiert und weisen womöglich sogar eine noch unmissverständlicher gerasterte Räumlichkeit auf. In Sachen Definition und Transparenz spielen die AudioSolutions Virtuoso M mehr oder weniger ebenbürtig, wobei der springende Punkt eh ein anderer ist: Die Virtuoso M liefern schlichtweg deutlich mehr Schub und grobdynamische Wucht im Tiefton. Zwei Lautsprechermodelle für unterschiedliche Hörertypen? Auf jeden Fall für unterschiedliche Hörräume, denn die Sabrina fühlen sich auch in Räumen unterhalb von 30 Quadratmetern wohl. Ab der Marke geht’s bei den AudioSolutions Virtuoso M im Grunde erst los. Ein objektives Besser oder Schlechter gibt’s hier jedenfalls nicht pauschal – zwei Weltklasselautsprecher auf Augenhöhe. Ähnliches gilt für die tonal neutralen, ebenfalls eher einen Tick ins Direkte tendierenden Blumenhofer Acoustics Genuin FS 1 Mk 2 (24.900 Euro), die horntypisch mit einem unvergleichlich mühelos-antrittsschnellen, unmittelbaren Klangbild über den gesamten Frequenzbereich involvieren, dabei griffig-prägnant wirken und Hochtoninformationen tendenziell noch etwas nachdrücklicher artikulieren. Die AudioSolutions Virtuoso M hingegen dringen tiefer, druckvoller in unterste Bassgefilde vor und punkten zudem mit hörbar plastischerer Bühne sowie – so finde ich – noch klareren Klangfarben. Mir persönlich sagen die AudioSolutions Virtuoso M mehr zu, dem Kollegen Ralph Werner seine Blumenhofer.

AudioSolutions Virtuoso M: Rückseite/Bassreflexöffnung

Die rückseitigen Bassreflexöffnungen der AudioSolutions Virtuoso M

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Dynaudio Evoke

Test: AudioSolutions Virtuoso M | Standlautsprecher

  1. 1 Virtuoses aus Vilnius
  2. 2 AudioSolutions Virtuoso M: Klangtest & Vergleiche

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