
Test: AudioSolutions Figaro BL2 | Kompaktlautsprecher
Virtuos variabel
von Stefan Gawlick
Im Test: AudioSolutions Figaro BL2 | Kompaktlautsprecher
UVP zum Testzeitpunkt: 5.500 Euro
Es gibt Lautsprecher, die ausschließlich in Schwarz erhältlich sind. Andere nur in Kirsche. Oder Nussbaum. Bei manchen Herstellern lässt sich immerhin aus einer Handvoll Oberflächen wählen. Und dann ist da AudioSolutions (https://www.nortus-audiotronic.de) aus Vilnius, Litauen: Bei der kompakten Figaro BL2 sind – schöpft man alle Optionen des Konfigurators aus – knapp 200.000 Kombinationen möglich! Und trotzdem bekommt man hier keinen beliebigen Lifestyle-Gegenstand, sondern einen ernstzunehmenden Lautsprecher.
Vor Kurzem hatten wir mit der Aretai Contra 100S (10.900 Euro) einen anderen Vertreter aus dem Baltikum zu Gast, der uns begeisterte. Entsprechend gespannt war ich, als sich die AudioSolutions ankündigte. Gerade einmal 300 Kilometer liegen zwischen Riga und Vilnius – die Hoffnung auf gewisse Gemeinsamkeiten liegt also nahe.

AudioSolutions gibt sich zunächst „zugänglicher“: Die Preisliste beginnt bei 1.750 Euro und die verschiedenen Serien adressieren klar unterschiedliche Ansprüche. Im direkten Vergleich wäre natürlich ein Modell auf Aretai-Niveau – etwa aus AudioSolutions‘ Virtuoso- oder Vantage-Reihe – besonders spannend gewesen. Doch gerade die erreichbareren Linien, bei denen ein Hersteller präzise kalkulieren muss, offenbaren oft am deutlichsten seine Kompetenz. Insofern bin ich mit der Wahl dieses Modells – die UVP liegt bei 5.500 Euro/Paar – sehr einverstanden.
Die AudioSolutions Figaro BL2 stammt aus der zweitkleinsten Serie des litauischen Herstellers – und trägt doch bereits unverkennbar die Handschrift von Entwickler Gediminas Gaidelis. Die kompakte Zweiwege-Bassreflex-Box vereint zentrale Konstruktionsprinzipien der Marke: eine steife Papiermembran für den Konus, ein Gehäusekonzept mit zwei separaten, ineinander liegenden Gehäusen und eine recht hoch angesetzte Trennfrequenz zum Hochtöner. Damit teilt sich selbst die Figaro BL2 wesentliche Gene mit den Topmodellen des Hauses.

Von Pappe
Von Papiermembranen ist Gaidelis fest überzeugt – und lässt sie nach eigenen Spezifikationen von renommierten Herstellern fertigen. Die aktuelle Generation seiner Chassis trägt das Kürzel „ER“ für „Extra Rigid“. Für den Chef von AudioSolutions gibt es kein anderes Membranmaterial, das Steifigkeit, geringes Gewicht und eine natürliche Klangfärbung (bei Konuslautsprechern) so überzeugend vereint. Die auf den Bildern deutlich erkennbaren Fasern und Flocken verweisen auf die besonders harten Bestandteile der Materialmischung. Eingebettet in die „klassische“ Trägermasse aus Papier, sollen sie deren klangliche Vorzüge mit den Eigenschaften steiferer Werkstoffe kombinieren. Durch die gezielte Verbindung von Papier, hochfesten Fasern und gehärteter Zellulose entsteht laut Gaidelis ein Konus, der die hohe innere Dämpfung weicher Materialien besitzt und zugleich eine so präzise, kolbenförmige Schwingung ermöglicht, wie man sie sonst eher von Metall- oder Keramikmembranen kennt.

Hoch hinaus
Diese Technologie ermöglicht auch die hohe Übergangsfrequenz von 4.000 Hertz zum Hochtöner. Unbestritten arbeitet unser Gehör im Sprachbereich – also zwischen 1.000 und 2.000 Hertz – am empfindlichsten; hier werden die entscheidenden Informationen verarbeitet, entsprechend hat uns die Evolution geprägt. Genau aus diesem Grund möchte Gaidelis einen Übergang zwischen zwei Treibern in diesem sensiblen Bereich konsequent vermeiden. Die für uns so wichtigen Frequenzen sollen sauber und klar wiedergegeben werden – frei von Überlagerungseffekten, wie sie entstehen, wenn im Übernahmebereich zwei Treiber parallel arbeiten. Die erwähnte Aretai verfolgt einen ähnlichen Ansatz und erzielt damit einen Mittenbereich auf sehr hohem Niveau. Man darf also gespannt sein. Ansonsten ließ sich über die Frequenzweiche nicht so viel erfahren, was angesichts der Informationen in anderen Bereichen aber zu verschmerzen ist.
Doppelt klingt besser
Ein weiterer zentraler Aspekt ist das bereits erwähnte Doppelgehäuse. Die Treiber sind fest mit einem inneren Gehäuse verbunden, das vergleichsweise dünnwandig, leicht und zugleich äußerst steif ausgeführt ist. Es bietet den Chassis stabile Arbeitsbedingungen, ohne unnötig Energie zu speichern – was andernfalls zu Nachschwingern und damit zu Überlagerungen nachfolgender Töne führen könnte. Eine stark dämpfende und entkoppelnde Polymerschicht koppelt dieses Innengehäuse an das äußere Gehäuse, das deutlich massiver und zugleich weniger steif ausgelegt ist. In dieser äußeren Struktur sollen schließlich auch jene Resonanzen zuverlässig absorbiert werden, die die Polymerbarriere überwinden – damit der Lautsprecher dank dieser klaren Arbeitsteilung mit beeindruckender Ruhe agiert.
Hörnchen?
Es finden sich noch weitere Ideen in dieser kompakten Box, man staunt immer wieder darüber, wie viele mögliche Probleme identifiziert und adressiert wurden.

Der Hochtöner beispielsweise sitzt in einem „Minihorn“, das Gediminas Gaidelis besonders wichtig ist. Klangliche Gefahr sieht er vor allem im sogenannten „Walk“, wenn also eine Kalotte, die bei hohen Pegeln und kräftigen Impulsen stark beschleunigen muss, aufgrund der unterschiedlichen Federsteife der sie vorne und hinten umgebenden Luft quasi in der Mitte „ausgebremst“ wird. Gaidelis berichtet, dass sie in sehr vielen Messungen die kritischen Frequenzen ermittelten, bei denen dieses Verhalten – und damit einhergehend Verzerrungen – auftreten kann. Das kleine Horn ist als eine Art „Dämpfer“ berechnet, der genau bei diesen Frequenzen das Verhalten der Luft vor der Kalotte so beeinflussen soll, dass die Membran stabilisiert wird.
Wie hätten Sie’s denn gerne?
Noch ein Wort zum Design: Die riesige Zahl im Vorwort ist kein Irrtum, der Konfigurator auf der Website bietet tatsächlich extrem viele Kombinationen. Ich habe die Möglichkeiten einmal durchgerechnet und komme auf 184.320! Allerdings ist damit noch nicht das Ende erreicht. Man kann nämlich auch eine beliebige Farbprobe einschicken, nach der dann der Lack für die Boxen gemischt wird, und mit diesem Extra für 1.500 Euro haben wir wahrscheinlich die Welt der unendlichen Möglichkeiten erreicht. Zudem gibt sich AudioSolutions für einen Aufpreis von satten 8.990 Euro noch kundenfreundlicher und erfüllt mit dem „A.R.T.“-Programm wohl so ziemlich jeden Wunsch. Provokant wird gefragt: Wie weit wollen Sie gehen?

Hat man mittels des Konfigurators sein Design gefunden, das natürlich auch den Preis beeinflusst, bekommt man einen Code, den man dem Händler seines Vertrauens übermitteln kann, worauf die Bestellung vorgenommen wird. Eine Lieferung binnen 14 Tagen wird versprochen.
Installation und Aufstellung
Die AudioSolutions Figaro BL2 zeigen sich bei der Aufstellung erfreulich unkompliziert. Ob Basisbreite oder Einwinkelung – beides erlaubt eine feine Abstimmung des Klangs nach persönlichem Geschmack, ohne dass der Lautsprecher je wirklich „falsch“ wirkt. Im Gegenteil: Er präsentiert sich als überaus gutmütiger Spielpartner.
Auch bei der Wahl der Elektronik geben sich die Litauer angenehm gelassen. Natürlich legen sie die klanglichen Unterschiede zwischen einem kompakten Rega-Vollverstärker und einem deutlich ambitionierteren ASR Emitter I Exclusive HV offen. Doch selbst mit bescheideneren Komponenten verweigern sie keineswegs die Zusammenarbeit – die Figaro BL2 bleibt stets spielfreudig und zugänglich.

Bei mir standen die Lautsprecher letztlich mit einer Basisbreite von knapp drei Metern und leicht eingewinkelt, vielleicht 20 Grad. Der Abstand zur Rückwand betrug 85 Zentimeter, was in meinem Raum für die beste Balance aus Fülle und Kontur im Tiefton sorgte.
AudioSolutions Figaro BL2: Hörtest und Vergleiche
Derart aufgestellt, sorgen die AudioSolutions für einen überzeugenden, glaubhaften Raumeindruck. Das Geschehen setzt leicht vor der Lautsprecherebene ein, entfaltet sich souverän in der Breite und zeigt sich in der Tiefe etwas zurückhaltender als bei manch anderem Lautsprecher. Die Aretai Contra 100S reichen weiter nach hinten, die Quad ESL deutlich weiter, aber das ist auch deren besondere Tugend. Zur Sonus Faber Sonetto II G2 ergibt sich hingegen kein nennenswerter Unterschied. Die Konturierung einzelner Schallereignisse gelingt übrigens präzise – hier ist die Figaro BL2 sogar der lettischen Kollegin Contra 100S faszinierend dicht auf den Fersen.
Die Tiefenstaffelung bleibt jederzeit sauber nachvollziehbar, auch wenn die Bühne nicht bis in die letzten Winkel ausgeleuchtet wird. Schallquellen erscheinen klar voneinander abgegrenzt und in stimmigen Abständen zueinander angeordnet, was zu einem gut strukturierten Gesamtbild führt. Bemerkenswert ist zudem die Stabilität der Abbildung: Selbst bei leichten Positionsveränderungen vor den Lautsprechern bleibt das Bühnenbild weitgehend erhalten und fällt nicht in sich zusammen. Die virtuelle Bühne wirkt nie künstlich aufgefächert, sondern organisch gewachsen – mit einer überzeugenden Balance aus Präzision und räumlicher Geschlossenheit. Insgesamt entsteht so ein Raumeindruck, der weniger durch maximale Tiefe als durch Klarheit in der Anordnung und Verlässlichkeit in der Darstellung überzeugt.
Ich habe in diesem Zusammenhang schon öfters die wunderbare Einspielung der neunten Sinfonie von Gustav Mahler mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern (EMI, Qobuz) erwähnt. Während die Pauken bei dem kleinen Solo nach einigen Minuten über die Quads in unglaubliche Tiefen gebeamt wurden, rücken die Figaros das Geschehen deutlich weiter nach vorne. Gleichzeitig ordnen sie die übrigen Musikerinnen und Musiker so stimmig im Raum an, dass das Gesamtbild erneut überzeugt. Mir scheint das hier keine Frage von richtig oder falsch zu sein – aber eben doch eine deutlich andere Perspektive.

Beeindruckender Bass
Die Figaros haben eine Vorliebe für den Bassbereich, das wird schnell deutlich. Einerseits reichen sie für einen so kompakten Lautsprecher erstaunlich weit hinab, andererseits gönnen sie sich ein leichtes Plus bis in den Grundtonbereich hinein. Die Wharfedale Super Linton geben sich im Vergleich schlanker, auch die deutlich teurere Aretai bleibt eher der reinen Lehre verpflichtet – tatsächlich gehen beide eine Spur tiefer in den Keller, doch im ersten Moment wirkt tatsächlich die Figaro BL2 wegen ihrer etwas kräftigeren Gangart „tiefer“ als die anderen. Interessant abgestimmt!
Auch im Grundton zeigen sich die AudioSolutions Figaro BL2 wie erwähnt einen Hauch großzügiger, freilich ohne ins Füllige zu kippen. Diese Nuance verleiht der Abstimmung eine angenehme Wärme, die Stimmen und Instrumente mit etwas mehr Substanz ausstattet. Gleichzeitig bleibt die Wiedergabe beweglich und konturiert – zu viel Schwere stellt sich nie ein. Im ersten Moment dachte ich tatsächlich, sie erreichen diesen Effekt nur durch ein Mehr an Tiefgang, nicht an Pegel.

Hinzu kommt eine bemerkenswerte und in dieser Lautsprechergröße nicht übliche Souveränität im Umgang mit unterschiedlichen Aufnahmen: Ob trocken produzierte Studioarbeit oder voluminöse Live-Einspielung – die AudioSolutions bewahren stets die Übersicht und lassen dem Tiefton genügend Luft zur Entfaltung. Der Bass wirkt dabei nicht aufgebläht, sondern wie ein solides Fundament, auf dem sich das restliche Klangbild entspannt aufbauen kann. Die leicht kräftigere Note im Bassbereich ist nie übertrieben, sondern bestens ins Geschehen eingebunden. Gerade bei längeren Hörsessions zahlt sich diese Abstimmung aus, weil sie Substanz liefert, ohne zu ermüden oder sich in den Vordergrund zu spielen.
Ostern ist zwar verklungen, doch die Passionszeit hallt noch nach – und so erklingt Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Allerdings nicht in der unerquicklich kitschigen, effektheischenden und bisweilen am Text vorbeideutenden Lesart von Rafael Pichon, sondern in der ungleich tiefer lotenden Interpretation von Hans-Christoph Rademann (Hänssler, Gächinger Cantorey, Internationale Bachakademie Stuttgart).
Über die günstigen Super Lintons (circa 2.000 Euro) bleiben die unteren Lagen ausgesprochen schlank. Selbst wenn Kontrabässe und Kontrafagott eine Oktave hinabsteigen, wird dies eher als „Hinweis“ vermittelt: Der Ton gewinnt zwar an Tiefe, wirkt zugleich aber verschlankt. Nicht so mit den AudioSolutions: Wärme und Fülle entfalten sich in einem Maß, das man einem so kompakten Lautsprecher kaum zutrauen würde. Zugleich bewahren sie die Übersicht, zeichnen die Artikulation der tiefen Streicher präzise nach und bleiben jederzeit sauber.
Mitten: Die Mischung macht‘s
Nach Sichtung der technischen Daten dieses Lautsprechers war meine Erwartungshaltung hoch – insbesondere im Hinblick auf den so wichtigen und sensiblen mittleren Frequenzbereich. Tatsächlich bestätigt sich einmal mehr, wie viel für einen weit hinauf spielenden Mitteltöner spricht. Wie bereits bei Aretai und im Grunde auch bei Quad entfaltet ein nahtloser Stimmbereich seinen ganz eigenen Zauber. Trotz ihrer Unterschiede verbindet diese drei Lautsprecher eine bemerkenswerte Reinheit und natürliche Klarheit.
Dennoch lohnt ein genauerer Blick auf die Nuancen: Die AudioSolutions Figaro BL2 präsentiert diesen Bereich zurückhaltender, da ihr die Präsenzen bei aller Detailfülle einen Hauch „unoffensiv“ geraten – eine Abstimmung, die jedoch hervorragend mit dem charmanten und bestens angebundenen Bassfundament und den milderen Höhen harmoniert. Und nimmt man sich etwas Zeit, offenbart sich, dass dabei keineswegs Informationen verloren gehen.
Zwar bieten Aretai und Quad noch ein wenig mehr Feinzeichnung – doch geschenkt, sie kosten circa das Doppelte. Dafür beherrscht die Figaro BL2 eine Disziplin, in der die beiden anderen nicht ganz mithalten können: Sie erlaubt ein entspanntes, beiläufiges Hören. Man kann Musik einfach laufen lassen und auch mal nebenbei genießen. Mit den beiden anderen Lautsprechern ist mir das nicht so gut gelungen.
In Kombination mit dem soliden Fundament und der klaren Raumeinteilung prädestinieren sich diese Mitten, um tief in erstklassig aufgenommene Opern einzutauchen. Stimmen gewinnen an Körper und Präsenz, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, während Orchesterflächen sauber gestaffelt und glaubwürdig im Raum verankert bleiben. Gerade bei komplexen Passagen zahlt sich diese Gelassenheit aus: Nichts wirkt angestrengt oder forciert, vielmehr entsteht ein stimmiges, langzeittaugliches Klangbild, das auch über Stunden hinweg seine Faszination nicht verliert.
Blühenden Klangfarben
Die Gitarre ist in den Mitten zu Hause – und wenn ein Lautsprecher diese Lage derart souverän beherrscht, gehört neben der menschlichen Stimme vor allem dieses Instrument zu den ersten Prüfsteinen.
Da ich Sie und mich sicher nicht mit dem totgespielten Concierto de Aranjuez quälen werde, lasse ich lieber David Tanenbaum die Royal Winter Music von Hans Werner Henze spielen (Stradivarious, Qobuz). Henze, der nahezu jedem Instrument eine poetische Dimension zu entlocken vermag, geht in diesen Gitarrenstücken noch einen Schritt weiter. Welche feinen, zarten, bisweilen geradezu schockierend aufblühenden Klangfarben er etwa in „Ariel“ aus der klassischen Gitarre hervorzaubert, wirkt beinahe entrückt. Obwohl die Einspielung eine gewisse räumliche Distanz wahrt, erzeugen die Figaro-BL2-Lautsprecher eine bemerkenswerte Nähe zum Interpreten, und die präzise Durchzeichnung der Mitten trägt dazu entscheidend bei. Auch klangliche Effekte, bei denen identische Töne auf unterschiedlichen Saiten gespielt werden, kommen eindrucksvoll zur Geltung: Die AudioSolutions fächern die subtil variierenden Klangfarben verschiedener Saitenstärken und -spannungen mühelos auf und machen sie in ihrer ganzen Differenziertheit hörbar.

Bezogen auf ihre Klasse darf man von einem guten bis sehr guten Auflösungsvermögen sprechen – und das Wichtigste ist: Es bleibt immer schön eingebunden. Manche Konkurrenten, die mit einer schärferen Lupe an die Musik gehen – wie beispielsweise eine B&W 703 S3 –, zahlen dafür den Preis in Form geringerer Langzeittauglichkeit, zumal bei schlechter produzierten Alben.
Entspannte Höhenlagen
Es gibt zahlreiche Lautsprecher, die mit einem angehobenen Hochtonbereich vermeintliche Auflösung suggerieren oder vorhandenen Detailreichtum in den Vordergrund rücken. Im schnellen Vergleich beim Händler können solche Kandidaten durchaus beeindrucken – der Unterschied ist unmittelbar und scheinbar eindeutig hörbar. Doch wie verhält es sich, wenn der Lautsprecher erst einmal im eigenen Hörraum steht, wo man über Stunden hinweg entspannt Musik genießen möchte? Dann kann sich die anfänglich spektakuläre Abstimmung schnell als anstrengend erweisen – als eine Überdosis klanglichen „Geschmacksverstärkers“, die auf Dauer an den Nerven zerrt.
Keine diesbezügliche Gefahr bei den AudioSolutions. Zum einen wurde der Hochtöner mit seiner 19 Millimeter durchmessenden Seidenkalotte gründlich in die Spur gebracht, was man an einer sehr sauber klingenden Verzerrungsarmut hört. Zum anderen scheint er mir minimal zurückgenommen, was allerdings in einem solch feinjustierten Maße passiert ist, dass man eigentlich alles hört, aber nichts nervt.
Die halb so teure Sonus Faber Sonetto II G2, die vor kurzer Zeit bei uns zu Gast war, geht hier beispielsweise deutlich offensiver zu Werke, was zunächst mehr Attacke und Feinzeichnung vermittelt. Bei genauem, längerem Hören zeigen die Figaro BL2 allerdings, dass sie auch in dieser Disziplin nichts schuldig bleiben. Das wird besonders deutlich bei Stille und Umkehr (Heinz Holliger, WDR Sinfonieorchester, Wergo, Qobuz HiRes): Hier werden Becken unterschiedlicher Größe und Machart mit Bögen gestrichen und beginnen dadurch zu wimmern, zu zischen, zu kreischen. Eine ganze Welt an Obertönen tut sich auf, eine Welt, die sehr schnell zur Qual werden kann, wenn der Hochtöner nicht perfekt eingebunden ist oder zu prominent agiert. Bei manchen Lautsprechern halte ich das keine 30 Sekunden aus.
Die AudioSolutions Figaro BL2 hingegen fächern die Klangfarben fein auf, differenzieren mühelos kleinste dynamische Abstufungen und stellen harte, besonders laute Impulse ansatzlos und unkomprimiert in den Raum. Ich höre das Stück, das seinerzeit bei der Kölner Uraufführung für einen mittleren Skandal sorgte, gleich ein zweites Mal – weil es so viel zu entdecken gibt.
Locker am Gas
Über die Dynamik habe ich bis jetzt wenig geschrieben. Nicht, weil sie nicht vorhanden ist, sondern weil sie nicht auffällt – alles wirkt stimmig soweit.
Zur insgesamt angenehmen Abstimmung passt es nämlich, dass große und prägnante Impulse nicht mit harten oder gar künstlichen Kanten versehen werden, um zackiger zu wirken. Im Vergleich zur teuren Aretai verrunden sie minimal, was aber, wie gesagt, zum Kontext passt. Größenbedingt sind die ganz brutalen Attacken im Bass natürlich etwas weniger beeindruckend, auch die Litauer können die Physik nicht neu erfinden – wer hier mehr will braucht einfach auch „mehr Lautsprecher“. Deshalb wäre es sicher spannend, einmal eines der größeren Modelle zu hören, die ohne diese Limitierung arbeiten können (und dann natürlich nicht mehr in jeden Raum passen).
Kurz und gut: Feindynamisch geht das Konzept bestens auf, wie schon mehrfach angedeutet, und grobdynamisch wird für Preis und Größe eine Menge geboten, wenngleich besagte Größe natürliche Limits setzt. Dass im Bass die Kantenschärfe etwas verrundet wird, überrascht nicht, denn bei der Figaro BL2 geht eine gewisse Opulenz vor harter Kante. Der Mittelton hängt freilich gut am Gas und gibt sich informativ – und der Hochtöner ist immer da, ohne weiter aufzufallen.
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