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AudioQuest JitterBug – bitte einstecken und die Vorurteile einstellen

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 AudioQuest JitterBug – bitte einstecken und die Vorurteile einstellen

AudioQuest Jitter Bug

Tja, wenn man sich privat für oder gegen eine Komponente entscheidet, hat man es eigentlich recht leicht: Entweder es kommt subjektiv mehr Spaß beim Musikhören auf – oder nicht. Als Audio-Tester kommt man leider nicht so einfach davon: Geht’s beim Testen doch insbesondere darum, zu analysieren warum man eine Komponenten mit Blick auf verschiedene Kriterien wie findet und das Ganze hoffentlich nachvollziehbar zu beschreiben. Nun, dass die AudioQuest JitterBug das Musikhören angenehmer machen, ja, das Gebotene irgendwie eingängiger wirken ließen, war bereits nach einigen Probehörrunden signifikant (zur genauen Testumgebung siehe weiter unten), die zunächst nur für Klarheit sorgen sollten, ob wir die Teile überhaupt in unsere Testpipeline aufnehmen. Zudem entwickelte sich bereits eine – wenn auch nur gefühlte – Ahnung davon, was sich mit den JitterBug zum Positiven im Klangbild wandelt. Eine genaue Ahnung sollte sich dann wie gehabt später, beim intensiven, analytischen Hören einstellen – einen Teil des zugehörigen Testparcours werden wir gleich noch einmal gemeinsam abschreiten.

Dazu noch eine Vorbemerkung, um mir entsprechende Zwischenhinweise im Klangteil zu sparen: Der Unterschied zwischen mit/ohne AudioQuest JitterBug (auf Amazon ansehen) sollte – eine halbwegs anständige HiFi-Kette vorausgesetzt – durchaus leicht wahrnehmbar sein, wir haben es keinesfalls mit Zubehör zu tun, das allenfalls Fledermäusen eine Wirkung zu suggerieren vermag. Insbesondere, wenn man sich einfach nur zurücklehnt und seiner Lieblingsmusik entspannt frönt wie sonst auch, sollte sich recht unmittelbar ein Gefühl von „da tut sich doch etwas“ einstellen. Dennoch geht es natürlich nicht so weit, dass der Grundcharakter der Anlage verändert wird – Raumakustik, Lautsprecher, Verstärker sind natürlich deutlich maßgeblicher, aber da trage ich bei Ihnen ja hoffentlich eh Eulen nach Athen. Mit Blick auf die Unterschiede von DACs würde ich das hingegen nicht so pauschal behaupten …

AudioQuest Jitter Bug parallel am Laptop
AudioQuest JitterBug im Parallelbetrieb

Gehört habe ich übrigens mit einem schnöden (software- und einstellungsseitig allerdings von allem unnötigen Ballast befreiten) Lenovo-Thinkpad, auf dem JRiver die Musikdaten aufbereitet. Auf diesen Laptop sowie meinen Electrocompaniet ECD 2-DAC beziehen sich vornehmlich die Klangbeschreibungen. Zu deren Validierung, aber auch, weil ich checken wollte, wie sich die JitterBug an anderen Geräten schlagen (Audiodata MusikServer MS I und B.M.C. Mini Media in Kombination mit einem Luxmann DA-6), sind die AudioQuest-Sticks des Weiteren beim Kollegen Ralph Werner zum Einsatz gekommen, dessen Anlage im Vergleich zu meiner etwas hochtonpräsenter und detailbetonter abgestimmt ist, was gerade Änderungen in den oberen Lagen noch deutlicher zu Gehör bringt. Interessanterweise scheinen die JitterBug diese dort tonal minimal zu dimmen, was mir in meiner Anlage weniger auffällt, aber letztlich auch mit den Hörerfahrungen des Kollegen Martin Mertens korrespondiert, der den Sound in seiner Anlage (u.a. North Star Design Supremo DAC, Musical Fidelity AMS 35i, Valeur Audio Micropoint 4 SE) „etwas sonorer“ empfindet, hängen die JitterBug an den USB-Schnittstellen seines ebenfalls JRiver-bewehrten PCs (übrigens gänzlich unbeeinflusst von meiner Meinung, da wir uns zuvor darüber nicht ausgetauscht hatten).

AudioQuest Jitter Bug Verpackung

Im Grunde sind die Eindrücke, die wir beim Einsatz der AudioQuest JitterBug in den verschiedenen Konstellationen gewonnen haben, sehr ähnlich, wobei auch bei der Beurteilung der Art und Stärke der Veränderungen so ziemliche Einigkeit unter den Kollegen herrscht. Eine Ausnahme bildet lediglich die leichte Zunahme an Milde in den oberen Lagen, die ich als Gewinn in Sachen Homogenität empfinde, Kollege Werner – sind seine Ohren doch schon stärker in die Jahre gekommen und brauchen’s einfach härter? 😉 – als leichten Verlust an anmachendem Hochtonpfeffer. Am deutlichsten treten die Veränderungen übrigens am Lenovo-Notebook und Audiodata MusikServer MS I zutage, am B.M.C. – womöglich auch deshalb, weil die zweite USB-Schnittstelle ein anderer Typ ist – etwas abgeschwächt.

So, genug des Vorgeplänkels – stürzen wir uns auf die ausführlichen Hörprotokolle:

Dysrhythmia„The Madness of Three“ (Album: Test of Submission) – ein rein instrumentaler Titel der Noise-Rock-Math-Metal-Combo Dysrhythmia aus Philadelphia, der recht verhalten beginnt, aber, was die Sounddichte angeht, zunehmend höhere Levels mit zudem härterer Gangart erklimmt, insbesondere das sperrige Gitarrenspiel, aber auch das Schlagzeug betreffend. Ich selbst höre Unterschiede ja leichter bei dicht arrangierter, den gesamten Frequenzbereich abfordernder Musik heraus, die zudem aufnahmetechnisch eher etwas straighter, direkter und hochtonreicher als mild und konturlos eingefangen ist.

Nun, ganz unvermittelt stellt sich zuerst wieder dieses „lose“ Gefühl ein, dass das Klangbild mit AudioQuest JitterBug irgendwie organischer und fokussierter, ja, eingängiger anmutet. Beim analytischen und vergleichenden Hören entdeckt man freilich auch Ursachen hierfür:

Und wenn ich mich zunächst eigentlich auf den Hochton konzentriere, fallen mir nichtsdestotrotz als erstes die recht kräftig-sonor in Szene gesetzten Toms ins Ohr, die sich klarer definieren und differenzieren. Klangfarblich wie etwas blankgeputzter, als ob sie zuvor von einem kleinen Nebelfeld umgeben waren, wirken die Toms zudem dynamisch noch akzentuierter, scheinen die für die Attackphasen wichtigen oberen Frequenzanteile noch eindeutiger durchzudringen.

AudioQuest Jitter Bug

Im Hochton scheint sich zudem per se etwas zu tun, allerdings zumindest bei diesem Stück überraschenderweise nicht allzu signifikant. So meine ich, dass die auf dem linken Kanal nach zirka 20 Sekunden einsetzende Hi-Hat räumlich klarer fassbar, konzentrierter, weniger fuzzy erscheint, ihr metallisches Zischeln ähnlich wie bei den Toms noch reiner, wie vom letzten Grissel befreit. Aber so richtig konkret zu fassen kriege ich diese Hochtonveränderungen ehrlich gesagt nicht. Auf jeden Fall ergeben sich keine „harten“ Auflösungsvorteile im Sinne von „ich höre Details, die vorher nicht da waren“. Denn in dieser Hinsicht liefert „The Madness of Three“ ebenfalls einen guten Prüfstein, ist doch in den Anfangstakten – bevor die Hi-Hat lauter wird – nahe an der Wahrnehmungsschwelle alle paar Schläge ein seichtes „Zscht“ der Hi-Hat zu vernehmen. Der Jitterbug bringt dieses Detail weder prägnanter/deutlicher zu Gehör noch passiert Gegenteiliges. Eher kommt das Gefühl auf, dass sich dieses Zscht im Bühnenbild räumlich klarer fokussiert beziehungsweise mehr auf einen enger definierten Punkt konzentriert.

Celebrations „Holiday“Ein Gefühl, dass sich bei Celebrations „Holiday“ vom gleichnamigen Album bestätigt – ein wunderbar inbrünstiger, abermals sehr dichter Song, melodiös und gleichzeitig experimentell, bietet er inhaltlich im Grunde alles, was das Testerohr begehrt: Abgrundtiefe Bassläufe, dynamische Bassdrum und Tom (zu Anfang des Stücks „pur“ gut zu hören), „leichtere“ Perkussion im Hochton, Orgeltöne, Piano und die ausdrucksstarke Stimme von Katrina Ford. Abermals fällt auf, dass insbesondere die kräftigen Schlagzeugbeats mit mehr Kontur, Definition transportiert werden und vielleicht auch deswegen etwas zackiger anmuten. Ähnliches gilt für die sich durchs gesamte Stück ziehenden holzigen Stickschläge oder den Schellenkranz, die nicht zuletzt räumlich noch etwas greifbarer wirken.

Ja, bei diesem Titel erscheinen die Hochtonveränderungen signifikanter als bei „The Madness of Three“. Am frappierendsten aber finde ich zum einen die Stimme, die so wirkt, als nähme sich Katrina Ford ein Herz, um endlich eine dezidiert feste Position auf der Bühne einzunehmen und in eine klare Richtung zu singen (diesen Gewinn bei der Darstellung von Stimmen empfand auch Kollege Werner in seiner Anlage recht erstaunlich). Und zum anderen ausgerechnet eine vermeintliche Nebensächlichkeit wie die während der ersten drei Viervierteltakte auf dem rechten Kanal solo ertönenden, rhythmisch-stakkatohaften Orgeltöne im Mitten/Hochton-Bereich, die für einen kopfigen A/B-Vergleich einen erstaunlich handfesten Anhaltspunkt abgeben: Scheint sich deren räumliche Ausdehnung doch recht merklich zu verringern/verdichten, was einerseits für eine punktgenauere, greifbarere Ortungsschärfe sorgt, andererseits für einen stärkeren klangfarblichen Kontrast, so als ob sich die Leuchtkraft der Töne nun geballter auf einer kleineren Fläche sammeln kann.

In Sachen „harter“ Auflösung lassen sich übrigens abermals keine Vorteile erkennen: Die Feinheiten im musikalischen Geschehen offenbaren sich mit/ohne AudioQuest JitterBug gleichermaßen. Ja, man könnte sagen, die Anwendung der JitterBug sorgt nicht für mehr Informationen beim Musikhören, sondern dafür, dass diese eingängiger und kohärenter gereicht werden.

AudioQuest Jitter Bug

Ehrlich gesagt, komme ich mir beim Versteigen in solch erbsenzählerische Mikrovergleiche bisweilen etwas nerdy vor, zumal es sich nur um, pardon, USB-Sticks handelt. Aber: Das Wirken solcher feinen Unterschiede in der Gesamtschau zeitigt unterm Strich – und das empfinde ich wiederum als überhaupt nicht nerdy – dann doch einfach mehr relaxten Hörspaß.

Was das richtige Stichwort ist, um zu guter Letzt einmal von akustischen Instrumenten geprägte Musik einzulegen und den A/B-Vergleich nicht mikroskopisch anzugehen, sondern diesen in zurückgelehnter Körperhaltung ganzheitlich und entspannt auf sich wirken zu lassen. Robert Wyatts „On the Town Square“ (Album: Comic Opera) ist mit seinem Instrumentenvielerlei aus Saxophon, Gitarre, Kornett, Steeldrum und weiterer Perkussion robert wyattein toller Prüfstein in Sachen Räumlichkeit, Klangfarbenauthentizität und Dynamik – ein Titel, bei dem man leicht spürt, wenn sich klanglich etwas tut.

Nun, ich will mir ganzheitliche Phrasen wie „es zieht mich nun stärker in die Musik hinein“ oder so sparen. Auch, weil es so weit nicht geht. Meine Referenzanlage – bestehend aus Electrocompaniet ECD 2, Funk MTX, NuForce Reference 20 und Sehring 902 – zieht mich bei diesem Stück immer in die Musik hinein, eigentlich fehlt mir nichts. Dennoch empfinde ich im Vergleich dieses kleine, unterschwellig wirkende Plus an klarer Strukturiertheit und zum entspannteren Hören einladender Eingängigkeit als zweifelsohne gewinnbringend.

Hm, um letztendlich nicht doch in typische HiFi-Phrasen zu verfallen, und weil in uns allen ja auch immer ein kleiner Synästhetiker schlummert, greife ich mir mal einen Brillenträger – ja, ich weiß, die mussten schon früher in der Schule immer herhalten -, um das, was sich nach meinem Empfinden mit den AudioQuest JitterBug ändert, in buchstäblich „bildhafte“ Worte zu fassen:

Unser Brillenträger sitzt mit vom Optiker frisch um eine Viertel Dioptrie feingepasster Glasstärke auf dem Sofa und putzt zudem seine eigentlich doch schon sauberen Gläser zur Sicherheit noch ein allerletztes Mal extrapenibel, bevor er ein großes Wandgemälde betrachtet. Und goutiert entspannt, dass durch die Abwesenheit selbst minimaler Schlieren auf der Brille nun weder feinste Lichtreflexe der Halogenstrahler an der Decke mehr ablenken können noch Farbkontraste subtil abgeschwächt werden. Zudem sieht er zwar nicht unbedingt mehr Feinheiten – hat er doch schon zuvor recht scharf gesehen -, nimmt diese aber noch akzentuierter, noch punktkonzentrierter wahr, mit schärfer definierten Randbereichen, was nicht zuletzt dafür sorgt, dass die perspektivische Linienführung des zweidimensionalen Bilds eine authentischere räumliche Illusion suggeriert.

Ein Beispiel, das mich wieder an den Anfang des Klangteils bringt beziehungsweise an die Tatsche gemahnt, dass Faktoren wie Raumakustik, Lautsprecher, Verstärker, … natürlich deutlich maßgeblicher sind. Diese Faktoren sollten auf jeden Fall „stimmen“, bevor es ans Feintuning mit solchen Tools wie den Audioquest JitterBug geht. Denn mit verkratzten Gläsern und signifikant zu schwacher Glasstärke nutzten halt weder Putzen noch eine Viertel Dioptrie so richtig viel …

AudioQuest Jitter Bug

Test-Fazit: AudioQuest JitterBug

Es fällt mir diesmal leicht, mich besonders kurz zu fassen: Keine 100 Euro für zwei Sticks. Aufgrund von Gewicht, Größe und kinderleichter Anwendung ideal zum unverbindlichen Selbst-ein-Urteil-bilden beziehungsweise Einfach-mal-probeweise-ausleihen oder -bestellen. Und die sehr realistische Chance auf eine Wirkung, die man, sofern man über ein Mindestmaß an akustischem Feinsinn verfügt, nicht mehr missen möchte. Nein, keine Must-Haves, die gibt es im HiFi-Bereich generell nicht. „Must-Trys“ sind die AudioQuest JitterBug dagegen zweifelsohne.

Fakten:

  • Modell: AudioQuest JitterBug
  • Konzept: Zubehör zur Klangverbesserung mittels „Entstörung“ von USB-Schnittstellen
  • Preis: 49 Euro/Stück
  • Maße: ca. 12 x 19 x 50 mm (HxBxT)
  • Sonstiges: Betrieb von bis zu zwei JitterBug an einem USB-Bus möglich und ggf. empfehlenswert, keine Treiberinstallation, keine extra Energieversorgung nötig
  • Garantie: 2 Jahre

Vertrieb:

AudioQuest
Hoge Bergen 10 | 4704 RH Roosendaal Niederlande
Telefon: 0800 1815284 (kostenlos) oder +31 165 54 1404
eMail: info@audioquest.nl
Web: http://de.audioquest.com

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Über den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Linnenberg Telemann, Electrocompaniet ECD 2 CD-Player: Fonel Simplicité Streamer: SOtM sMS-200 ultra & SOtM sPS-500, Auralic Aries Computer/Mediaplayer: Laptop mit JRiver MC

Vollverstärker: Abacus Ampino

Vorstufen: Hochpegel: MTX-MONITOR.V3b-4.2.1 (Upgrade von V3b), Funk LAP-2.V3 (Upgrade von Lap-2.V2)

Endstufen: Bryston 7B³

Lautsprecher: Sehring 903, Quadral Megan VIII

Kopfhörer: Audeze LCD-2, AKG K812, AKG K712 Pro, RHA T20, Soundmagic E80, Shure SRH 1840, AAW Q

Kopfhörerverstärker: NuPrime DAC-10H, Reußenzehn Harmonie III

Mobiles HiFi: Onkyo DP-X1, iBasso DX-80

Kabel: Lautsprecherkabel: HMS Armonia, WSS Platin Line LS4, Real Cable BW OFC 400, HMS Fortissimo NF-Kabel: Straight Wire Virtuoso Digitalkabel: USB-Kabel: BMC Pure USB1, AudioQuest Carbon, Boaacoustic Silver Digital Xeno Netzkabel: Furutech FP-S022N: konfektioniert mit FI-E 50 NCF & FI 50 NCF, Tellurium Q Black, Quantum-Powerchords, Swisscables Reference Netzleiste: HMS Energia MkII

Rack: Lovan Classic II

Zubehör: Stromfilter: HMS Energia MkII Sonstiges: AudioQuest Jitterbug

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 29 m² Höhe: 3,3 m

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