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McIntosh MA7200 AC

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Herbie 2.0
  2. 2 Klang-Test: AudioQuest Beetle
  3. 3 Test-Fazit: AudioQuest Beetle

Kennen Sie noch Herbie, den sich seiner selbst bewussten Rennkäfer? Nein, das war kein mehrbeiniges Geviechs, sondern ein VW Käfer in Grau und mit Rennstreifen versehen, der seinem tollkühnen Fahrer mit seiner Eigenwilligkeit und seinen technischen Kunststückchen ein ums andere Mal zum Sieg in den verrücktesten Autorennen verhalf. Im Kino natürlich. Der AudioQuest Beetle (engl. für Käfer) soll nun ganz realiter ähnlich erstaunliche Ergebnisse bringen – wenn auch in einem ganz anderen Metier.

Der AudioQuest Beetle (http://de.audioquest.com/) ist zwar nicht wirklich intelligent, aber zumindest clever. Er versteht sich als multifunktionaler D/A-Wandler, der das Line-up von AudioQuest neben seinen beiden portablen Brüdern namens DragonFly Red und DragonFly Black als stationärer (aber auch teilportabler) Wandler und Kopfhörerverstärker komplettieren soll. Im Gegensatz zu den beiden USB-Stick-förmigen DragonFly-DACs kommt der Beetle nämlich als, nun ja, eben käferförmiges (oder plätzchenförmiges?) Stand-Alone-Gerät mit mehreren Eingängen (dazu gleich mehr) sowie Bluetooth daher – beides fehlt den Libellen aus gleichem Stall. Das prädestiniert den Beetle als minimalistische und äußerst platzsparende Wandler-Zentrale für gleich mehrere Quellen.

Audioquest Beetle D/A-Wandler am Rechner

Der AudioQuest Beetle lässt sich via USB, Bluetooth oder Toslink mit Rechnern, Smartphones etc. verbinden. Fürs analoge Ausgangssignal steht eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zur Verfügung

Die komfortabelste Variante, seine Musik vom AudioQuest Beetle wandeln zu lassen, hält selbstverständlich das integrierte und dank der hauseigenen Streamlength-Technologie asynchron arbeitende Bluetooth-Modul bereit. Gordon Rankin, der Kopf hinter der Streamlength-Technologie, ist der Chefentwickler der DragonFly-Serie und ein bestens beleumundeter Digital-Audio-Experte. Für den Beetle hat er die Streamlength-Technologie auf Bluetooth angepasst. Soweit mir bekannt ist, handelt es sich bei dieser asynchronen Bluetooth-Verbindung um eine Weltpremiere in einem Audio-/Musikprodukt. Die asynchrone Datenübertragung verringert Zeitfehler und damit den Übertragungsjitter, denn der Wandler verfügt über die volle Kontrolle über den eingehenden Datenstrom.

Leicht limitiert
Die Bitrate ist hier hardwareseitig auf 384 kbps bei einer Samplerate von maximal 48 kHz limitiert. Der aptX-Codec wird übrigens nicht unterstützt, könnte aber per Firmware-Upgrade nachgerüstet werden. Stattdessen setzt man im Beetle auf das vornehmlich aus der iOS-Welt bekannte AAC; SBC (Low Complexity Subband Codec) und somit MP3 werden ebenfalls unterstützt, das Pairing funktioniert mit iOS- wie Android-Geräten. Wie dem auch sei, eine ordentliche Empfangsleistung und taktgerechte Aufbereitung des Signals sind in jedem Fall schon die halbe Miete für guten Klang. Zu beachten ist jedoch, dass der AudioQuest Beetle nur als Empfänger und nicht als Bluetooth-Sender zum Beispiel zur Speisung von kabellosen Kopfhörern oder Bluetooth-fähigen Kompaktanlagen dienen kann.

Audioquest Beetle Größe

Dieselbe Streamlength-Software wie für das Bluetooth-Modul verwendet der AudioQuest Beetle auch für seine asynchrone USB-Signalverarbeitung. Hierzu findet das Signal über einen Micro-USB-Port seinen Weg ins Plätzchen. Die maximale Samplingrate beträgt dann 96 kHz bei einer Wortbreite von 24 Bit. Das trifft auch für die Verarbeitung von Signalen zu, die über den optischen Toslink-Eingang eingehen und ist zugegebenermaßen nicht mehr so ganz State of the Art. Man mag zwar argumentieren, dass ein DAC in der Preisregion des Beetles nicht wirklich in Ketten zum Einsatz komme, bei denen man den Unterschied zu 192 kHz hören kann, doch habe sicherlich nicht nur ich einiges an höher auflösendem Musikmaterial auf der Festplatte, das sich ohne vorherige Wandlung in eine kompatible Datenrate so nicht abspielen lässt.

Der optische Toslink-Eingang des AudioQuest Beetle jedenfalls öffnet das Tor zu einer weiten Welt von Geräten, die entweder gar keine analogen Ausgänge mehr haben (wie zum Beispiel viele Fernseher), und/oder nicht die Wandler-Qualität des Beetle besitzen. Mediaserver oder Spielekonsolen sind nur einige der vielen Anwendungsmöglichkeiten. Ich führe zum Beispiel in meinem System alle meine Media-Serve-Geräte (das wären WD TV live, Apple TV und Google Chromecast) mit Ausnahme des Auralic Aries über den Sony-LED-TV zum optischen Eingang des DAC-Moduls im Norma Audio SC-2. Beim optischen Eingang des AudioQuest Beetle kommt der patentierte Time Domain Jitter Eliminator von ESS zum Einsatz. Auch er soll Jitter reduzieren und sowohl die Genauigkeit im Zeitbereich erhöhen als auch den Signal-Rausch-Abstand verbessern.

Audioquest Beetle D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker von oben

Extern versorgt
Ein wenig erstaunt hat mich, dass der AudioQuest Beetle mit einem externen Steckernetzteil kommt. Aber klar, als Standalone-Gerät, das unter Umständen seine Signale „nur“ über Toslink oder Bluetooth und nicht über USB mit seinen zusätzlichen Versorgungsleitungen erhält, muss es ja irgendwoher seine Energie beziehen. Die Wichtigkeit einer guten Stromversorgung dürfte allgemein bekannt sein, daher hat AudioQuest dem Beetle auch gleich ein geregeltes Analognetzteil spendiert.

Ausgangsseitig stellt der AudioQuest Beetle das analoge Signal über eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse bereit. Mehr passt aus Platzgründen wohl auch nicht ins Gehäuse. Das Krabbeltierchen ist ausgestattet mit einer bitperfekten (64-Bit-präzisen) digitalen Lautstärkeregelung, die eine hochpräzise Anpassung der Ausgangslautstärke im USB- oder Bluetooth-Modus ermöglichen soll. In der Praxis ist das auch vollkommen ausreichend, eine noch feinere Regulierung habe ich jedenfalls nicht vermisst. Für den Toslink-Eingang steht die Lautstärkeregelung übrigens nicht zur Verfügung, was angesichts der gewöhnlich für diese Anschlussart vorherrschenden Szenarien (am Fernseher angeschlossen und ausgangsseitig mit einem AV-/Vor-/Vollverstärker verbunden) auch Sinn ergibt.

Klang-Test: AudioQuest Beetle

Audioquest Beetle Kopfhörerverstärker mit Over-Ear

Nachdem der erste mir zur Verfügung gestellte Käfer ein bisschen zu viel brummte (und zwar hochfrequent auf dem rechten Kanal, unabhängig von Quelle und verwendetem Kopfhörer), sorgte AudioQuest flugs für Ersatz. Beetle Nummer 2 gibt sich nun lammfromm und macht das, wozu er gebaut wurde: wandeln! Ich gebe zu, nicht ausprobiert zu haben, den AudioQuest Beetle als minimalistischen Vorverstärker direkt am Power-In meines Linn Majik DSM oder den Norma-Audio-Monos einzusetzen. Denn theoretisch ist das möglich – wenn man immer daran denkt, die Lautstärke seines Quellgeräts vor jedem Abspielen auf die eingestellte Lautstärke zu überprüfen, sonst hat man unter Umständen schnell Lautsprecher und Endverstärker ins Jenseits gejagt, oder zumindest die Schutzschaltung der Amps zum Rapport aufgerufen …

Die Kopplung per Bluetooth funktioniert einwandfrei, nur sobald ein USB-Kabel im Käferlein eingestöpselt ist, lässt sich keine Bluetooth-Verbindung mehr etablieren.

Einmal verbunden, lässt sich selbst ohne großes Aufwärmen aus klanglicher Sicht nichts Ungebührliches über den AudioQuest Beetle sagen, was bei einem Preis von nur knapp 200 Euro UND Bluetooth-Fähigkeit keine Selbstverständlichkeit ist. So deklassiert der AudioQuest Beetle die integrierten Ausgänge von MacBook Air und iPhone 6S zwar nicht zu Amateuren, jedoch wird sofort klar, dass er der FC Bayern München in der Liga ist. Daher gehen wir gleich zum direkten Vergleich mit zwei seiner schärfsten Konkurrenten über.

Mein Erinnerungsvergleich des Käfers mit dem AudioQuest DragonFly Red (ebenfalls 200 Euro) lässt mich nach einigen Stunden Einspielzeit zumindest erahnen, dass die rote Libelle am AudioQuest NightHawk etwas mehr Punch und Druck liefert, der Beetle im USB-Modus wiederum ein wenig luftiger und feindynamisch differenzierter im Hochton erscheint. Das deckt sich mit den primären Einsatzzwecken der jeweiligen Geräte: Im mobilen Einsatz, für den der DragonFly hauptsächlich gedacht ist, gewinnt die Wiedergabe meist durch einen etwas fülligeren Bassbereich, da Umgebungsgeräusche in Zug, U-Bahn oder auf der Straße diesen oft etwas zurückdrängen und es ohnehin schwierig machen, sich auf das letzte bisschen Analyse zu konzentrieren.

Audioquest Beetle im Rack

Der AudioQuest Beetle im stationären Einsatz

Zu Hause darf es dagegen (noch) neutraler sein, Auflösung und räumliche Wiedergabe rücken stärker in den Fokus. Und in diesen Bereichen zeigt der Beetle als Analogsignallieferant am Linn Majik DSM und den hORNS Mummy (am besten noch vom AudioQuest Jitterbug unterstützt, was den Klang nochmals besser „durchorganisiert“)  und mit High-Res-Musikmaterial gefüttert, dass er sich vor starken Konkurrenten wie dem ifi nano iDSD (um 150 Euro, ohne Bluetooth) nicht zu verstecken braucht. Die Breite der Bühne, die analytische Transparenz über den gesamten Frequenzbereich und der Speed von Impulsen, die der Beetle zu produzieren vermag, lassen den Alu-verpackten ifi recht deutlich abfallen. Auch macht der Beetle einfach mehr Spaß. Er besitzt einen besseren Drive bei funkigen Bluesrock-Stücken, stürmt mit klareren Bläsersätzen und knackiger gespielten Snaredrums grob- und feindynamisch am ifi vorbei. Letzterer führt höchstens seinen fetteren Bass ins Feld. Wobei der Beetle, sobald er mit seinem externen Netzteil gefüttert wird, mit hörbar besserer Kontrolle und echtem Tiefgang zu kontern vermag und so eine tonal neutrale Gangart mit sehr guten Analysefähigkeiten zu einem erstaunlich erwachsenen Klang kombiniert.

Audioquest Beetle und Jitterbug

AudioQuest Beetle und Jitterbug

Mit externem Netzteil lässt der Beetle in meiner großen Kette weniger vermissen, als ich vermutet hätte. Klar, das im Norma SC-2 integrierte DAC-Modul macht den Raum noch weiter auf, tönt präziser und wirkt gleichzeitig seidiger und massiver. Dennoch, zu diesem Preispunkt ist die Performance des Beetle eine beachtliche Leistung. Sein klanglich „seriöses“ Auftreten, mithin seine tonale Ausgewogenheit und saubere Abbildung, mag so gar nicht zu dem leichtgewichtigen, superkompakten Äußeren passen.

Noch ein paar Worte zum Kopfhörerausgang: In Sachen räumlicher Offenheit haben mich im Verbund mit dem AudioQuest Beetle besonders die an sich schon weiträumig klingenden Etymotic ER3-In-Ears überrascht. Und während es der Kombination mit der sehr neutral abgestimmten SE-Variante minimal an Druck fehlt, verstehen sich die Etymotic ER3-XR und der Beetle ausnehmend gut und bilden eine echte Traumkombination für Klanggourmets. 

Audioquest Beetle Kopfhörerverstärker und In-Ears

Traumkombination: AudioQuest Beetle & Etymotic ER3-XR

Test-Fazit: AudioQuest Beetle

Der AudioQuest Beetle ist ein äußerst kompakter und (Ausnahme Toslink) regelbarer DAC mit Bluetooth-Fähigkeiten sowie USB-/Toslink-Digitaleingängen – und für 200 Euro eine echte Empfehlung. Selbst ohne die Bluetooth-Empfangs-Option bietet der kleine DAC/Pre erstaunlich viel, und zwar einen erwachsenen und tonal weitestgehend neutralen Klang. Insbesondere die räumliche Weite, die Auflösung und die Transientenwiedergabe gewinnen gegenüber integrierten Ausgängen von iOS- oder Andriod-Geräten. Die offenere und schnellere Wiedergabe geht Hand in Hand mit einem niemals aufdickenden, dabei insbesondere mit dem externen Netzteil sehr kontrollierten und tief reichenden Bassbereich. Der im Vergleich zu anderen DACs dieser Klasse etwas schlankere und besser kontrollierte (ich würde sagen: neutralere) Bassbereich macht ihn zum Gerät der Wahl, wenn man Kopfhörer der etwas fetteren Gangart bespielen möchte – was ja meistens der Fall ist.

Audioquest Beetle mit USB-Kabel

In der heimischen Stereoanlage bietet er eine ernstzunehmende Lösung für die Anbindung aller möglicher Mediengeräte, nicht zuletzt wenn bisher ein optischer Eingang gefehlt hat. Und die Bluetooth-Empfangsfähigkeit lässt den Beetle vom Käfer zur Wollmilchsau avancieren, der nur die Fähigkeit zu High-Res-Wiedergabe über 96 kHz/24 Bit und vielleicht auch noch ein „richtiger“ RCA-Ausgang fehlen. AudioQuest bietet aber auch entsprechende Adapter an.

Der AudioQuest Beetle …

  • klingt tonal sehr neutral mit kontrolliertem, tief hinab reichendem Bass.
  • besitzt über seine Preisklasse hinausgehende analytische Fähigkeiten.
  • überzeugt mit Speed und dynamischen Fähigkeiten.
  • bildet sehr weiträumig ab.
  • lässt sich über USB oder das externe Netzteil mit Strom versorgen und wirkt mit dem Netzteil noch einen Tick sauberer und souveräner.

Fakten:

  • Modell: AudioQuest Beetle
  • Konzept: kompakter, leichtgewichtiger DAC für den teilportablen oder stationären Einsatz
  • Preis: 199 Euro
  • Farben: Schwarz
  • Eingänge: 1 x Mini-USB Typ B (asynchron), 1 x TOSLINK, Bluetooth
  • Auflösung: max. 96 kHz/24 Bit
  • Ausgänge: 1 x 3,5-mm-Klinke
  • Sonstiges: kann mittels USB oder externen Netzteils betrieben werden, digitale 64-Bit-Lautstärkeregelung (nur USB und Bluetooth)
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller und Vertrieb:
Audioquest
Hoge Bergen 10 | Roosendaal 4704 RH, Niederlande
Telefon: 0800-1815284 (deutschsprachig, gebührenfrei)
E-Mail: info@audioquest.nl
Web: www.audioquest.de

Test: AudioQuest Beetle | D/A-Wandler, Kopfhörer-Verstärker

  1. 1 Herbie 2.0
  2. 2 Klang-Test: AudioQuest Beetle
  3. 3 Test-Fazit: AudioQuest Beetle

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: J. Sikora Initial Tonarm: Kuzma Stogi Reference S12 VAT Tonabnehmer: ZYX R100 Fuji

Digitale Quellen: Streamer: Auralic Aries

Vollverstärker: Linn Majik DSM

Vorstufen: Hochpegel: Norma Audio SC-2 DAC Phonoverstärker: Neukomm MCA112S

Endstufen: Norma Audio PA 160 MR

Lautsprecher: hORNS Mummy, Lansche Audio No.3.1

Kopfhörer: AudioQuest Nighthawk, Philips Fidelio M2BT

Kopfhörerverstärker: ifi iDSD nano, Meier Audio Corda Classic

Kabel: Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88, Graditech Lumi 3 NF-Kabel: Audioquest Yukon, fastaudio Black Science (Phono), Graditech Kide 3 und Kide 1 Digitalkabel: AudioQuest Cinnamon und Carbon, Graditech Kide Digital Netzkabel: Graditech Voima 1 und 2, AudioQuest NRG-2 Netzleiste: Audioplan Powerstar

Zubehör: Stromfilter: Fisch Audiotechnik AFL Filterleiste, Tsakiridis Super Athina Sonstiges: fastaudio Absorber, Acoustic System Resonatoren

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 24,5 m² Höhe: 2,7 m

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