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Test: Audiomat Phono 1.6 | Phono-Pre

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  1. 1 Test: Audiomat Phono 1.6 | Phono-Pre

April 2014 / Michael Bruß

„Du kannst jetzt ja mal was Kleines, leicht zu Transportierendes machen!“ Nach den Strapazen mit der Revel Performa F208 klang dieser Satz zunächst süß wie Honigwein in meinen Ohren. Aber denkste! Treppensteigen mit zwei 37-Kilo-Lautsprechern erscheint mir nun wie ein Zuckerschlecken angesichts der Aufgabe, ein Gerät beschreiben zu sollen, das sich eine klangliche Signatur abseits der Neutralität nicht wirklich nachsagen lassen möchte.

Audiomat (Vertrieb: www.h-e-a-r.de) dürfte den meisten Audiophilen und HiFiisten ein Begriff sein. Das französische Unternehmen der Clarisse-Brüder Denis und Norbert befindet sich nämlich schon eine ganze Weile (genauer gesagt seit 1986) auf dem Markt und hat in dieser Zeit immer wieder mit interessanten, gerne auf Röhrenschaltungen basierenden No-Nonsense-Gerätschaften auf sich aufmerksam gemacht (siehe zum Beispiel die Tests der Arpège Reference 10 und Aria Vollverstärker). Erstaunlicherweise ist die „Phono 1.6“ erst die dritte Version von Audiomats Einstiegsphonostufe seit dem Jahre 1996 – offensichtlich legen die Entwickler Wert auf Beständigkeit und erneuern ihre Kreationen nur dann, wenn sie selbige auch wirklich verbessern können. Neben Phonovorstufen baut man in der südfranzösischen Manufaktur auch Röhrenvollverstärker und D/A-Wandler der gehobenen Preisklasse. Und einen CD-Spieler hat man ebenfalls im Programm.

Audiomat Phono 1.6

Mit der Phono 1.6 für 2.300 Euro steht nun der mit einigem Abstand günstigste Spross aus dem Hause Audiomat vor mir. Dafür erhält man zwei kompakte Metallgehäuse, von denen eine mit schwarz gummierter Front daherkommt und die andere außer einem kleinen Schalter auf der Front keinerlei Anpassungsmöglichkeiten zu bieten scheint. „Scheint“ ist hier das Stichwort, denn die Audiomat Phono 1.6 gehört zu den raren Phonostufen auf dem Markt, die sich selbst auf den angeschlossenen Tonabnehmer einstellen können. Eine sogenannte invertierende Verstärkerschaltung (eine Schaltungsart von Operationsverstärkern, in der selbige mit Parallel-Spannungs-Gegenkopplung betrieben werden) erkennt den Innenwiderstand des Tonabnehmers und passt sich automatisch optimal an. Dabei darf der Generator des Pickups einen Innenwiderstand zwischen 5 und 200 Ohm aufweisen – diese Bandbreite sollte für fast alle modernen Tonabnehmer passen.

Audiomat Phono 1.6

Natürlich verliert man hier etwas an Freiheit beim „Soundtuning“, doch ein gut gemachtes Konzept wie dieses verspricht eben immer optimalen Klang – ganz abgesehen davon, dass man so einfach mehr Zeit und Konzentration zum Musikhören hat, statt sich um die letzten paar Ohm zur optimalen Impedanzanpassung Gedanken machen zu müssen. Leute, die lieber nächtelang in Doppelblindtests die Auswirkung von verschiedenen Materialen zur Resonanzbedämpfung ihrer Lautsprecherkabel verbringen, sollten jetzt bitte ganz, ganz stark sein: Manchmal kann man auch einfach nur Musik hören und sich daran erfreuen. Echt jetzt, ungelogen! Das ganze Konzept funktioniert nämlich einfach und gut, wie ich anhand von Quervergleichen mit meiner sehr flexibel einstellbaren Sonneteer Sedley und drei verschiedenen Tonabnehmern überprüfen konnte. Ja ja, schon klar: „Wasser predigen und Wein trinken!“, werden Sie jetzt sagen – aber in diesem Falle ist die Ausprobiereritis nun mal keine Ablenkung vom Sinn und Zweck der Musikwiedergabe, sondern die (nicht ganz unangenehme) Pflicht des HiFi-Testers …

Abgesehen von der cleveren Verstärkerschaltung auf der Eingangsseite lässt sich über die technischen Spezialitäten des Audiomat Phono 1.6 nicht allzu viel in Erfahrung bringen. Die Schaltung mit Operationsverstärkern habe ich ja bereits erwähnt, doch wer jetzt das audiophil gesegnete Weihwasser bereitstellt, dem sei gesagt, dass man auch mit den in gewissen Kreisen verpönten OPs exzellent klingende Gerätschaften bauen kann. Des Weiteren lässt die recht übersichtliche Anzahl von Bauteilen im eigentlichen, verstärkenden Schaltkreis darauf schließen, dass man es im Hause Audiomat konzeptuell mit dem Motto „weniger ist mehr“ hält und die Dinge nicht unnötig verkomplizieren möchte.

Audiomat Phono 1.6

Auf Nachfrage beim Vertrieb erfahre ich dann auch, dass der Fokus der Entwickler definitiv auf hochselektierten und an ihren Einsatzzweck optimal angepasste Bauteile, z. B. Folienkondensatoren von SCR und Polypropylen-Koppelkondensatoren in „Militärqualität“, sowie einer durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Stromversorgung liegt. Wo die Entwickler vieler anderer Phonovorstufen angesichts der winzigen zu verarbeitenden Spannungen der Versuchung nachgeben, gerade so ausreichend starke Netzteile einzubauen, langt Audiomat richtig in die Vollen. Das ist auch gut so, denn die Erfahrung lehrt, dass (zu) schwache Netzteile auch bei Phonovorstufen zu einem wenig entspannten Klang führen können.

Da wimmelt es nur so von Kondensatoren - die Platine des Audiomat Phono 1.6
Da wimmelt es nur so von Kondensatoren – die Platine des Audiomat Phono 1.6

„Hubraum“ ist aber nur ein Aspekt der Stromversorgung, denn die Grundlage für eine saubere Aufarbeitung der winzigen Ströme des Phonosignals bildet die Reinheit der zugeführten Energie. Je schwächer die anliegenden zu verstärkenden Signale sind, desto wichtiger wird es, dafür zu sorgen, dass keine Sauereien aus dem öffentlichen Stromnetz in die Verstärkerschaltung gelangen, und dass das Netzteil keine unschönen Einstrahlungen in den Signalweg produziert. Viele Phonoverstärker setzen daher auf zweiteilige Lösungen und lagern das böse Kraftwerk einfach aus. Audiomat verfährt, zumindest auf den ersten Blick, beim Phono 1.6 genauso. Doch in dem kleineren der beiden Gehäuse befindet sich mitnichten das komplette Netzteil, sondern nur der überdimensionierte Netztrafo für die Stromversorgung. Die restlichen Bauteile des Netzteils befinden sich im eigentlichen Verstärkergehäuse, und da wimmelt es nur so von Kondensatoren. Augenscheinlich sieht man bei Audiomat den Trafo als alleinigen Übeltäter für potenzielle klangverschmutzende Einstreuungen.

Test: Audiomat Phono 1.6 | Phono-Vorstufe

  1. 1 Test: Audiomat Phono 1.6 | Phono-Pre
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