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Audiolab 8200 MB – Mono-Endverstärker

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Audiolab 8200 MB - Mono-Endverstärker

Gleich 1.000 Watt an zwei Ohm sollen bei Impulsen kurzfristig möglich sein, so der Vertrieb zu den neuen Audiolab-Monoblöcken der 8200er-Serie. Auch die weniger spektakuläre Dauerleistungsangabe an acht respektive vier Ohm klingt mit 250/400 Watt nicht gerade zu bescheiden, angesichts eines übersichtlich großen Class-AB-Designs mit einem 380-VA-Ringkerntrafo und 20.000 µF Siebkapazität pro Kanal. Aufbauend auf der (seinerzeit deutlich teureren) TAG McLaren-Endstufe 250MR, soll für die 8200er insbesondere die Bauteileselektion strenger geworden sein, dafür aber das Gehäuse simpler.

Audiolab 8200 MB

Man kann die 8200-MB-Monos weder an- noch ausschalten, vielmehr stehen sie immer im Stand-by bereit und werden entweder durch eine 12-Volt-Triggerspannung oder mittels eines am Eingang anliegenden Audiosignals wachgeküsst. Der Empfindlichkeitslevel dieser Autopowerschaltung ist übrigens in zwei Stufen wählbar, bei der dritten Schalterstellung laufen die Endstufen dann permanent.

Audiolab 8200 MB - Anschlussfeld

In die 8200 MB geht in es symmetrisch wie unsymmetrisch hinein – im letzteren Falle müssen Pin 1 und 3 der XLR-Buchse gebrückt werden –, und über ein Paar Lautsprecherklemmen hinaus. Die Verarbeitung ist schnörkellos und solide, so wie man das von Audiolab kennt.

Einspielen sei wichtig, insbesondere der DAC profitiere hiervon, sagte mir der Vertrieb im Vorfeld des Tests. Nun, der M-DAC lief nach einer Woche anständig, aber als ich in die Monos hineinhörte, stolperten die doch eher noch durchs Mittenband als dass sie geschmeidig flanierten. Das dynamische Talent war jetzt schon auszumachen, aber im Stimmbereich ging es mir zu dürftig zu. Also ließ ich sie weitere zwei Wochen arbeiten, aber ohne echte Hoffnung, dass sich da noch wirklich Wesentliches ändern würde. So kann man sich irren.

Audiolab 8200 MB - Innenansicht

Gut, ausgemachten Hör-Romantikern und jenen, die etwas dezidiert Warmes suchen, werden mit Audiolabs neuen Monos auch nach ausgiebiger Einspielphase wohl wenig anfangen können, die tönen dann wohl zu sehr nach reine Lehre (und das dürfte auch für die „alten“, aber immer noch im Programm befindlichen gelten: Test 8000Q+8000M). Aber von Härten oder tonaler Kargheit in den mittleren Lagen kann keine Rede mehr sein. Da ich gerade keine Endstufe der 2.000-Euro-Klasse zur Hand hatte, verglich ich die 8200 MB intensiver mit dem auftrennbaren Denon-Vollverstärker 2010AE, den ich als reinen Endverstärker betrieb. Mag sein, dass der Vergleich ein wenig hinkt, aber immerhin doch weniger als der Quercheck mit meinen eigenen Electrocompaniet-Monos, die fast das Vierfache kosten – und, wenig wundersam, in allen Bereichen die Nase vorne haben.

Der Denon ist ein feiner Amp, tonal setzt er sich aus einem kraftvollen Bassbereich, leicht wärmeren Mitten sowie unverhangenen, aber doch eher langzeittauglich-gnädiger abgestimmten Höhen zusammen. Man braucht nun nicht ewig und drei Tage, um herauszufinden, dass das Pärchen 8200 MBs doch leicht anders, nämlich, wenn man so will, geradliniger, neutraler zu Werke geht:

Audiolab 8200 MB in Schwarz

Im Bass bieten die verglichenen Amps „summarisch“ zwar das gleiche Gesamtquantum, aber wenn ich einmal kurz das Bild einer Bass-Waage erfinden darf, dann legen die Audiolabs relativ gesehen mehr Energie in die Schale mit der Aufschrift „ganz unten“ hinein, während sie im Oberbass sportlich-schlanker vorgehen beziehungsweise der Denon mächtiger. In den Mitten wundere ich mich zunächst, da hatte ich den Japaner doch noch wärmer in Erinnerung – oder vielleicht nur das recht präsente Vorgehen der uneingespielten Audiolabs noch im Ohr? Egal, jetzt spielen die Monos jedenfalls immer noch etwas leichter und heller, weniger sonor als der Integrierte, das schon, aber gar nicht einmal sooo viel weniger. Das darf man neutral nennen, und wenn man unbedingt eine Tendenzaussage sucht, dann dürfte sogar eher minimal wärmer passen als unterkühlt. Die Höhenlagen unterscheiden sich wiederum deutlicher, da ist mit den Audiolabs mehr Strahlkraft und Luftigkeit vorhanden.

These New Puritans (Album: Beat PyramidDie balanciert-neutrale Tonalität kombinieren die Audiolab-Monos mit angenehm dynamischen Punch. Das kommt natürlich gerade im Untergeschoss gut, wenn man bösere elektronische Tracks ansteuert wie von These New Puritans (Album: Beat Pyramid): Der anfängliche Bassbeat bei „Numerologie“ wird mir im positiven Sinne hart und energisch um die Ohren (und in den Magen) gehauen, und bei PVTs „Light Up Bright Fires“ (Album: Church With No Magic) gibt es so ein cooles, brachiales Elektrogeknurre, das sich durch den Song zieht: Wenn sich das in den Frequenzkeller schraubt – man, wie trocken und stoisch PVTs (Album: Church With No Magic)durchgezeichnet sowas im Raum steht! Traut man den kleinen Kistchen kaum zu, wirklich nicht schlecht gemacht.

Doch auch im restlichen Frequenzbereich geht es pointiert und zackig zur Sache – Gott sei Dank hat sich aber dieses anfänglich Ungelenk-Eckige verloren, von dem ich sprach, das ist der größte Gewinn, der sich im Laufe der Zeit ergibt. Impulse werden immer noch mit klarer Kante ausgeteilt, keine Frage, und nicht mit jedem Lautsprecher wird das allen Hörern Freude machen. Man darf es aber auch anders interpretieren und „dynamisch näher dran“ sagen. Wie auch immer, Softies sind sie nicht, herb aber ebenso wenig. Das zeigt sich zum Beispiel auch daran, das zart, ja fast lapidar hingeworfene Melodielinien wie beiMazzy Stars „Give You My Lovin“ (Album: She Hangs Brightly) Mazzy Stars „Give You My Lovin“ (Album: She Hangs Brightly) feinsinnig nachgezeichnet werden, fern von Extraschmelz, wie ihn eine Röhre applizieren mag, na klar – aber noch ferner von einer unterkühlten, blassen Nüchternheit oder gar Grobheiten. Die Elektronik nimmt sich hier im guten Sinne zurück und transportiert den Song sehr eindringlich.

Audiolab 8200 MB

Tord GustavsonIn der Raumdarstellung geben sich die Audiolabs ganz klassisch: Die Bühne beginnt bei der Boxen-Grundlinie. Andere Amps langen schon mal weiter nach vorne, was durchaus involvierend wirken kann – die 8200 MB sind, relativ dazu, reservierter. Die Bühnenbreite ist durchaus angemessen, aber Cinemascope geht auch anders. Nicht, dass ich dergleichen dem Denon andichten möchte, aber er wirkt in dieser Dimension doch etwas ausladender und opulenter. Freilich auch flacher, soll heißen: weniger durchsichtig in der Tiefenebenen. Das haben die 8200 MB Beth Gibbonswiederum drauf, wie ich es beispielsweise bei Tord Gustavsons „At Home“, Beth Gibbons „Mysteries“ (Alben: Being There / Out Of Season) und vielen anderen Stücken erleben darf. Da macht sich wohl die maximale Kanaltrennung eines Monokonzeptes bezahlt, die wohl auch für die trennscharfe, akkurate Abbildung der einzelnen Klänge Sorge trägt.

Audiolab 8200 MB

Kritisierenswertes? Ja, die verdammt lange Einspielzeit! Aber laufen die Monos dann erstmal rund, fällt mir preisklassenbezogen – leider, möchte ich fast sagen – nicht viel ein. Klar, man sollte schon auf neutrale Transistoramps mit Schubkraft stehen, aber das versteht sich ja wohl von selbst.

Test: Audiolab M-DAC | D/A-Wandler

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