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Klang AudioSolutions Euphony 140 (Teil 2)

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  1. 3 Klang AudioSolutions Euphony 140 (Teil 2)

Ist Ihnen aufgefallen, dass ich bisher nichts zur tonalen Balance gesagt habe? Das hat einen Grund.

Basstreiber der AudioSolutions Euphony 140

Kennen Sie die Sorte Testberichte, bei denen der Berichterstatter zu Anfang Schwierigkeiten mit dem Probanden hatte, diese dann aber dank genialer Einfälle und heroischer Hartnäckigkeit überwinden konnte, indem er diese und jene Änderung an Kette oder Aufstellung vornahm, um letztlich befriedigt feststellen zu können, dass er das Testobjekt seinem Geschmack entsprechend hingebogen hatte?

So ähnlich hätte es bei diesem Bericht ausgehen können, weil ich zu Anfang kleine Probleme mit der Abstimmung der Euphony 140 hatte. Sie machten nämlich mehr Bass als ich es als natürlich empfand, und zwar nicht in einem bestimmten, begrenzten Frequenzbereich, sondern als breite Betonung vom Grundton abwärts. Insgesamt empfand ich die Abstimmung so, dass der AudioSolutions Euphony 140Mittelton über einen breiten Bereich sehr gleichmäßig abstrahlt und dabei von einem leicht betonten Grundton und Bass sowie einem ganz oben minimal zurückhaltenden Hochtonbereich begleitet wird – eine, wie oben schon gesagt, äußerst langzeittaugliche Abstimmung, und eine erfreuliche Ausnahme von der weitverbreiteten Tendenz, einen betonten Bass mit einem ebenso betonten Hochtonbereich zu „balancieren“.

Über die Emphase auf den unteren Frequenzen habe ich dann mit dem Vertrieb telefoniert, der mir Änderungen bei Lautsprecherkabel und Aufstellung empfahl. Letzteres, weil Herr Wendt von Genuin Audio vermutete, dass die Lautsprecher bei mir eine Raumresonanz anregten. Mein Eindruck blieb zunächst jedoch trotz Durchführung dieser Änderungen bestehen.

Dann kam eine Zeit, in der ich wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht zum Hören kam. Das einzige, was ich in dieser Zeit mit den Boxen machte, war, sie für einen Nachmittag zu meinem Freund und Nachbarn Jens zu schleppen, der gerade überlegt, sich neue Lautsprecher anzuschaffen, und daran interessiert war, mal was Aktuelles gegen seine circa 25 Jahre alten Schätzchen zu hören. Auch in diesem fremden Raum blieb mein Eindruck eines kräftigen Bassfundaments bestehen. Freund Jens fand den Bass aber keineswegs zu kräftig, sondern hätte sich eher noch mehr gewünscht; er ist durch besagte Schätzchen, die einen betonten, aber wenig konturierten Bassbereich unterhalb eines ziemlich heftigen Lochs zum Übertragungsbereich des Mitteltöners aufweisen, an ordentlich Bass gewöhnt.

Diese Erfahrung zeigte mir wieder einmal, dass unser Klangideal von unserer bisherigen Hörerfahrung bestimmt wird. Was ich als mehr als die korrekte Portion Bass empfinde, muss bei Ihnen, verehrter Leser, keineswegs so sein (trotzdem bin ich mir sicher, dass die Euphony 140 bei Messungen eine gewisse Betonung zeigen werden). Wie oben bereits gesagt, ist die Bassqualität aber so exzellent, dass ich mit der Quantität sowieso gut leben konnte.

Die Treiber der AudioSolutions Euphony 140 sind mit Holzschrauben befestigt
Die Treiber der AudioSolutions Euphony 140 sind mit Holzschrauben befestigt

Ich habe dann eine Zeit lang bewusst nur Musik gehört, die ich entweder noch nie oder seit ewigen Zeiten nicht mehr gehört hatte. Ich wollte wissen, ob die AudioSolutions – unabhängig von tonalen Erwartungen – musikalischen Sinn ergibt. Diese Frage kann ich sehr eindeutig beantworten – und wie!

Little FeatEin Beispiel – von Little Feat ist gerade eine Sammelbox erschienen, Rad Gumbo, The Complete Warner Bros. Years 1971 – 1990, die für Little-Feat-Interessierte schon deshalb interessant ist, weil sie eine Bonus-CD mit Outtakes und Demoversionen enthält (und ansonsten eine sehr preiswerte Möglichkeit ist, sich mit dieser Band mal vertraut zu machen). Das Live-Album Waiting for Columbus ist eine dieser perfiden Aufnahmen, die ziemlich leise anfangen, so dass man die Lautstärke weit aufdreht, um was zu hören. Wenn dann die Band einsetzt, wird es, nun ja, interessant. Jedenfalls kommt zwischen der Einleitung und dem Opener „Fat Man in the Bathtub“ eine Stelle, an der Bassist Kenny Gradney ein paar wenige, sehr tiefe Töne spielt. Die kommen über die AudioSolutions klar und deutlich. Das ganze Album kommt mit einer Power, die dem Live-Eindruck weit näher ist als üblich. Also, macht Sinn.


Single-Wire-Terminal der AudioSolutions Euphony 140

Das Album lässt übrigens auch den Mitteltonbereich der Euphony 140 wunderbar zur Geltung kommen. Die Textverständlichkeit, für mich immer ein Gradmesser der Auflösung im Mittel- und Hochtonbereich, ist exzellent. Und wo wir gerade das Wort Power erwähnt haben, möchte ich auch noch einen Kommentar zur oben schon erwähnten „Power Response“ abgeben. Die kann man gut beurteilen, wenn man nicht im Hörraum, sondern außerhalb desselben hört. Das Little-Feat-Album lief bei mir auch mal, während ich in der Küche das Abendessen vorbereitete. Auch aus der Küche hatte ich den Eindruck einer sehr gleichmäßigen, basskräftigen Wiedergabe. Wenn Sie wie ich also nicht nur festgenagelt im Sweetspot sitzend Musik hören, sondern auch bei anderen Tätigkeiten, dann wird die AudioSolutions dem gerne gerecht.

Das Stück „Enta Fen, Again“ von der oben bereits erwähnten Yasmine-Hamdan-CD hat eine geradezu klaustrophobisch anmutende Atmosphäre. Eine schnelle, bedrohliche Basssynthfigur bildet den Hintergrund für Hamdans Gesang. Sie macht sich Sorgen um ihren Liebsten und hat offensichtlich allen Grund dazu, die Musik legt nahe, dass dieser sich in Gefahr befinden könnte. Wenn der Bass bei diesem Track die Szenerie weniger bestimmt als über die AudioSolutions, dann fehlt von der Bedrohlichkeit der Situation ein Stück, vielleicht sogar das entscheidende Stück. Also, macht Sinn.

Mozarts Klavierkonzert Nr. 14Maria Joao Pires‘ Liveaufnahme von „Mozarts Klavierkonzert Nr. 14“ (Abbado/Wiener Philharmoniker) wurde 1992 im Großen Saal des Wiener Musikvereins aufgenommen. Über die AudioSolutions klingt das Piano von Frau Pires weniger dünn und spitz, als ich es in Erinnerung habe (Deutsche Grammophon halt), sondern ist auf einmal ein Instrument, das außer aus Metall auch aus Holz gebaut ist. Auch von dem Saal bekommt man eine Ahnung. Über die meisten Lautsprecher könnte die Aufnahme auch aus einem Studio stammen, hier hört man dagegen ein bisschen was vom Luftvolumen. Macht auch Sinn.

AudioSolutions

Nach diesen und zahlreichen weiteren Alben hatte ich meinen Frieden mit den AudioSolutions gemacht. Ja, ich empfinde den Bass immer noch als etwas kräftiger als der schnöden Wahrheit entsprechen würde, aber es gibt so viele Lautsprecher, die im Bass etwas dünn daherkommen, dass ich die Euphony 140 als legitimen – und attraktiven – Gegenentwurf betrachte.

Test: Audiosolutions Euphony 140 | Standlautsprecher

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