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Audio Research DSi200 – Mitten, Höhen, Auflösung – Testbericht fairaudio

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  1. 3 Audio Research DSi200 - Mitten, Höhen, Auflösung - Testbericht fairaudio

In den Mitten setzt sich der klare Charakter des Verstärkers fort. Stimmen werden hervorragend aufgelöst, feinste Details von Modulation und Artikulierung transportiert, auch sehr markante Stimmen bleiben auf der neutralen Seite. Eva Cassidi steht zwar, wie oben gesagt, klar, beinahe greifbar auf der Bühne; die Intensität, die mir beispielsweise mein röhrenbewehrter Jadis Orchestra bei der Stimme vermittelt, entwickelt der DSi200 nicht. Okay, der Jadis scheint sich auch einfach stärker auf die Stimme zu konzentrieren, lässt andere Aspekte der Musik im Hintergrund oder gleich ganz weg, die über den Amerikaner hingegen zusätzlich zur Stimme ans Licht geholt werden – im Vergleich wird schnell klar, dass der Jadis nicht an das Auflösungsvermögen des Audio Research heranreicht.

Auch aufgrund seines hohen Auflösungsvermögens ist Klaviermusik über den Audio Research ein echtes Erlebnis. Einer leicht melancholischen Stimmung folgend höre ich mir Chopins Nocturnes von Frédéric Pollini an. Normalerweise schaffe ich es nicht, diese Doppel-CD komplett zu hören. Der Audio Research DSi200 liefert mir aber so viele Details und Nuancen des Spiels von Pollini, dass ich dabei bleibe. Hinzu kommt, dass der Verstärker sehr „schnell“ und dadurch gleichsam sehr lebendig klingt.

Es wirkt, als ob der Audio Research immer auf dem Sprung sei, bereit sich auf den nächsten Ton zu stürzen. Das kann atemberaubend sein, allerdings hat die Form von Gelassenheit, die zum Beispiel der erst kürzlich besprochene Mangnum Dynalab MD 301A ausstrahlte, auch etwas. Ganz darauf versessen, mir jedes Detail, jede musikalische Information sofort zu vermitteln, gönnt sich der Amerikaner quasi keine Atempause – wenn ich das mal so ausdrücken darf. Der DSi200 ist rhythmisch extrem auf Zack: Mit mächtig schiebenden Rock-Rhythmen (mir war nach Alannah Miles, Black Velvet) kann einen dieser Amp aus dem Sessel holen. Das geht ab wie Schmitz‘ Katze. Die andere Seite der Medaille ist dann eben automatisch, dass ich ein wenig den lockeren, beschaulicheren „Swing“ zum Beispiel meines Jadis vermisse. Das swoofig-erdige, das Swing à la Roger Cicero oder Indigo Swing ausmacht, ist weniger die Sache des DSi200 – okay, man kann ja schließlich auch nicht alles haben …

patricia barberIn den Höhen zündet der DSi200 ebenfalls wahre Feuerwerke. Wobei er es trotzdem schafft, nie ins Scharfe abzurutschen. Patricia Barbers Modern Cool, eine CD, die ich sehr schätze, die aber je nach Wiedergabekette schon mal zum Zischeln neigt, bleibt im Bereich des genussvoll Erträglichen. Überhaupt: obwohl ich den Hochtonbereich des DSi200 nicht zuletzt im Vergleich zu meinem Jadis als straight durchgezeichnet empfinde, stellt er sich dennoch eher seidig denn aggressiv dar.

Aber auch über andere Verstärker ist mir bisher nicht so klar gewahr geworden, dass zum Beispiel im Stück „Premonition- I. Earth“ auf dem Album Leucocyte des schwedischen Jazz-Trios e.s.t. eine eigene Ebene im Hochtonbereich aufgemacht wird. est Was sich beim ersten Eindruck eher wie eine Rückkopplung anhört, entpuppt sich über den DSi200 als eigenständige Linie der Musik. Seltsam, dass mir das bisher entgehen konnte. Ja, die hohe Auflösung und Akkuratesse im Hochton schützt den Audio Research – obwohl in diesem Bereich eben keinen Deut zurückgenommen – davor, dass man ihn auch nur irgendwie als nervig empfinden könnte, und so zeigt er sich auch schlechten Aufnahmen gegenüber nicht ungnädig. Dank seines „Drives“ kann man sich zudem durchaus noch an Aufnahmen erfreuen, die über andere Verstärker schlicht langweilig klingen.

Richtig Spaß macht mir aber eben auch klassische Musik, da der Audio Research hier alle seine Talente wunderbar ausspielen kann. „In der Halle der Bergkönigs“ aus der Peer Gynt Suite (Herbert von Karajan – Berliner Philharmoniker) ist hier ein von mir gerne herangezogenes Stück. Der Audio Research DSi200 gewährt hier tiefe Einblicke in das sich steigernde Treiben, lässt aber nichts im Chaos versinken, sondern offenbart stets die einzelnen musikalischen Linien. Das Orchester stürzt ins Chaos, bleibt aber dennoch exakt organisiert. Das können wirklich nur wenige Verstärker.

Test: Audio Research DSi200 | Vollverstärker

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