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Ab ins Rack: Klang Audio Research DSi200

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  1. 2 Ab ins Rack: Klang Audio Research DSi200

Nachdem mein Gast seinen Ehrenplatz im HiFi-Regal einnehmen durfte und standesgemäß verkabelt war, zeigte er sich erst einmal unleidlich. Ich muss gestehen, beinahe hätte ich ihn sofort wieder rausgeschmissen, so verschnupft, wie er klang. Die Töne klebten an den Lautsprechern, grummelten vor sich hin, der Bass hinkte dem kargen Geschehen hörbar hinterher. Das alles änderte sich aber völlig, nachdem der fabrikneue DSi200 einen Tag lang vor sich hin spielen durfte. Als ich abends nach Hause kam, war er wie ausgewechselt. Auch Audio Research empfiehlt eine ausgiebige Einspielphase. Auf jeden Fall hat der Verstärker schon nach einem Tag einen riesigen Sprung gemacht. Auch wenn der DSi200 mal ein paar Tage nicht in Betrieb war, freut er sich übrigens über ein wenig Zeit zur Akklimatisierung.

Das erste, was mir nun auffällt, ist die Räumlichkeit. Meine Lautsprecher, die Geithain ME150, brillieren gewöhnlich schon mit einem ausnehmend involvierenden Bühnengeschehen. Was aber in Verbindung mit dem DSi200 passiert, ist atemberaubend. Den Anfang meiner Hörsession mache ich mit mir bestens bekanntem Material: dem Album A Sigh A Song des Lisa Bassenge Trios. Das Stück „Blue Suede Shoes“ beginnt mit einem Kontrabass. Und der steht mal eben so weit rechts vom rechten Lautsprecher, ja sogar außerhalb des Zimmers, dass ich fast erschrecke. Wie kann sich das Geschehen so weit rechts abspielen?

Erst aber, als Lisa Bassenges Gesang genau zwischen den Lautsprechern ertönt und schließlich links das Klavier einsetzt, dem auch völlig egal zu sein scheint, dass es schon halb draußen auf der Straße zu stehen scheint, wird mir richtig bewusst,Eva Cassidy was der Audio Research DSi200 für eine Bühne aufbaut. Das ist für meinen Geschmack nichts weniger als phänomenal. Neugierig wechsele ich von der Studioproduktion auf eine Live Aufnahme: Eva Cassidy, Live At Blues Alley. Auch hier bin ich so was von mitten im Geschehen, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe, ich habe beinahe den Eindruck, Kopfhörer auf zu haben. Gut, der Effekt dürfte mit anderen Lautsprechern weniger stark ausfallen. Trotzdem: Bei kleinen Besetzungen liefert der DSi200 eine schier unglaublich realistische Räumlichkeit. Dabei ist nicht nur der Raum, sondern auch die Lokalisationsschärfe beeindruckend.

Komplexer wird die Sache bei Klassik und großem Orchester. Hier verhält sich der Audio Research mustergültig und setzt mich auf den besten Platz des Hauses. Beeindruckend ist, dass er immer den gesamten Konzertsaal ausleuchtet, auch wenn nur einzelne IStravinskys Feuervogel nstrumente oder Instrumentengruppen spielen. Akustik, Nachhall, feinste Geräusche kommen klar und präzise und machen den Aufnahmeraum erfahrbar. Seien es die Preludes von Liszt (Robert Solti, London Philharmonic Orchestra) oder der Stravinskys Feuervogel (Pierre Boulez – Chicago Symphony Orchestra), der Audio Research beeindruckt mich durch einen großen, offenen Raum, der über die Grenzen meines Hörraums hinauszugehen scheint, und in dem jede Ton- und Geräuschquelle exakt zu lokalisieren ist. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass der Verstärker in Sachen Räumlichkeit das Beste ist, was ich bisher in meinem Hörraum stehen hatte.

Der Eindruck von extrem hoher Klarheit und exakter Definition setzt sich auch an anderen Stellen im Klang fort. Irgendwie scheint jeder Ton konkreter, klarer konturiert im Raum zu stehen, als ich es gewohnt bin. Aber gehen wir einfach mal gemeinsam durchs das Frequenzspektrum:

Im Bass zeigt sich der Audio Research DSi200 eher von der schlankeren/sachlicheren denn üppigen/vollmundigen Seite. Letztendlich hängt die Basswiedergabe natürlich auch immer vom Lautsprecher ab. Ich wage mal die Prognose, dass der DSi200 nicht unbedingt gut mit schlank abgestimmten Kompaktlautsprechern, die im Bass eigentlich noch eine Schippe Unterstützung bräuchten, harmoniert. Während die Bass-Quantität also eher als Geschmacksfrage durchgeht beziehungsweise im Kontext der restlichen Kette gesehen werden muss, lässt sich mit Blick auf die Qualität Eindeutiges festhalten: Der Audio Research klingt extrem kontrolliert und exakt.

Jede Schwingung einer Kontrabass-Saite gibt er präzise wieder. Besonders klar wird mir das, als ich das Album Bang Bang von Le Bang Bang höre. Es ist wirklich beeindruckend, wie viel Ausdruck Sven Faller seinem Instrument entlocken kann. Bei klassischer Musik wünsche ich mir zwar etwas mehr Opulenz, dennoch sind die Klangfarben der Kesselpauken von Stravinskys Le sacre du printemps (Pierre Boulez, Chicago Symphony Orchestra) wunderbar herauszuhören.

Da ich es jetzt wissen will, greife ich zu ganz hartem Tobak und krame die alte Telarc-Aufnahme von Tschaikovsky’s Overtüre 1812 (Erich Kunzel, Cincinnati Pops Orchestra) heraus – die mit den echten Kanonenschüssen. Und was hier über den Audio Research abgeht, kann ich kaum beschreiben. Auf dem Gebiet der Waffentechnik bin ich gänzlich unbewandert, aber ich bin sicher, Kenner historischer Kanonen – es gibt ja sogar Vereine für so etwas – könnten klar Modell, Baujahr und Munition heraushören. Also: An alle, die Bässe sachlich, schnell und extrem sauber gezeichnet mögen: hier ist der ultimative Verstärker.

Test: Audio Research DSi200 | Vollverstärker

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