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Klangliches zur Audio Physic Avantera (Teil 1)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klangliches zur Audio Physic Avantera (Teil 1)

Klang? Ja, auch dazu kann man was sagen. So ein Testbericht wäre ja auch irgendwie seltsam, wenn er nicht was zum Klang sagen würde. Ist aber gar nicht so einfach, denn viel mehr als über den Klang der Avantera kann man nach einiger Zeit des Zusammenlebens mit ihr über die Qualität der eigenen Tonträger-Sammlung berichten. Deren Qualitäten legt die Avantera nämlich in manchmal unangenehm hohem Maß offen.

Audio Physic Avantera

Die Zielgruppe für diesen Lautsprecher sind Hörer, die ihrer Sturm-und-Drang-Zeit entwachsen sind und ein Ohr für Feinheiten in der Wiedergabe entwickelt haben. Das liegt zunächst an der Abstimmung der Tieftöner, die sich viel lieber Querschnitt durch die Avanterader Ausdrucksstärke und den Klangfarben akustischer Instrumente widmen als dem dumpfen Staccato-Bass von Techno-Tracks à la Love Parade. Da ich es noch nicht ganz geschafft habe, den 16-Jährigen in mir zu überwinden, gehört zu meinen bevorzugten Stücken ein Track von der CD The Groove Sessions von Chinese Man, einer DJ-Crew aus Marseille. Das Stück „I’ve got that tune“ verarbeitet Samples von einem uralten Stück der Washboard Rhythm Kings, „Holding my honey’s hand/Hummin’ to myself“. Der Rhythmus wird beschleunigt, die Tonlage erhöht und der typische Hip-Hop-Mörderbass druntergeschraubt, fertig ist ein sehr tanzbares, melodisch interessantes und witziges Stück. Diesen Mörderbass mochte die Avantera nicht so richtig. Bei genre-gerechter Lautstärke ließ sie das letzte Quäntchen Durchschlagskraft und Kontrolle im Bass vermissen, verrundete die Impulse und rümpfte allgemein die Nase. Wenn Sie also bevorzugt lauten Hip Hop hören, sollten Sie sich anders orientieren.

Spike der Avantera

Was nun aber bitte nicht so gedeutet werden soll, als sei die Avantera bassschwach. Ist sie nicht. Nicht im Mindesten. Sie geht sehr tief runter und wird, wenn sie nicht gerade Knips-an-Knips-aus-Mörder-Synthi-Impulse sehr laut wiedergeben soll, allen Anforderungen gerecht. Das Finale der 8. Sinfonie von Bruckner mit den Wiener Philharmonikern unter Pierre Boulez (Deutsche Grammophon) wurde mit der dieser Musik angemessenen Größe, ja Majestät wiedergegeben. Bruckner lässt zum Schluss das ganze Orchester noch mal von der Leine. Die Avantera lässt den großen Klangkörper hören und damit die schiere Wucht, mit der der Zuhörer in die Nacht entlassen wird. Aber bei aller Wucht bleibt das Klangbild doch jederzeit durchgezeichnet, die Instrumente verschwimmen weder räumlich noch tonal, man kann sich auf einzelne Instrumente konzentrieren, so man möchte, und muss sich dabei nicht so anstrengen, dass die emotionale Wirkung des Gesamtorchesters verloren ginge.

Spike

Derselbe Effekt ist bei einer Solo-Klavier-Aufnahme zu hören. Die Transkription der Lt.-Kijé-Suite, gespielt von Frédéric Chiu auf Harmonia Mundi, präsentiert das Klavier mit viel Körper. Viele Lautsprecher bevorzugen beim Klavier die rechte Hand gegenüber der linken. Die Avantera hat nicht nur eine glaubwürdige tonale Balance, sie gibt die tiefen Saiten auch dynamisch mit ähnlich viel Engagement wieder wie die hohen.

Spike

Test: Audio Physic Avantera | Standlautsprecher

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