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Audio Physic Avantera – Technisches

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Audio Physic Avantera - Technisches

Bei dem HHCM-Mitteltöner handelt es sich natürlich ebenfalls um einen Konus. Seine Alumembran wird durch einen Gummiring vorgespannt und soll deshalb nicht klingeln; Resonanzen außerhalb des Soll-Übertragungsbereichs, bei vielen Mitteltönern noch ein Problem, das mit Saugkreisen und ähnlichen Dynamik-Bremsen bekämpft werden will, sollen ausgeschlossen sein.

Audio Physic Avantera - HHCM-Mitteltöner

Das Chassis besteht aus einem Metall-Außenkorb und einem Kunststoff-Innenkorb. Die Konstruktion soll die Übertragung von Vibrationen des Lautsprechergehäuses auf den Mitteltöner (und wohl auch umgekehrt) verhindern. Der HHCM ist doppelt vorhanden, weil eine größere Membranfläche generell die Kopplung an das Luftvolumen verbessert. Für gleiche Lautstärke muss das einzelne Chassis nur noch halb so weit ausgelenkt werden, und alles, was Auslenkung minimiert, verspricht eine größere Selbstverständlichkeit in der Wiedergabe.

HHCM-Chassis der Audio Physic

Die Mitteltöner sitzen in einer separaten Kammer, die sie vor den Einflüssen der Basschassis schützen soll. Von den Frequenzweichen – beide Mitteltöner haben je eigene, aber identische Weichen – werden sie mit 12 dB nach oben und unten ausgekoppelt. Dass der untere Mitteltöner trotzdem etwas früher „aussteigt“ als der obere, liegt daran, dass er eine doppelt gewickelte Schwingspule hat. Die bewegte Masse ist etwas höher, die Induktivität der Schwingspule auch, dementsprechend setzt im Zusammenspiel mit der Frequenzweiche die Filterwirkung früher ein.

Basschassis der Avantera

Den gleichen Effekt macht sich Audio Physic bei den Basstreibern zunutze. Die unteren Basstreiber haben eine vierlagige Schwingspule, die oberen eine nur zweilagige. Zudem findet sich im Innern der Box zwischen den oberen und unteren Basstreibern eine Doppellage Filz. Die oberen Basstreiber sind deshalb sozusagen über einen Fließwiderstand an die Bassreflexrohre angekoppelt. Der Filz bedämpft zudem die stehende Welle, die sich in hohen, schlanken Boxen gerne bildet und die für eine Resonanz in den unteren Mitten verantwortlich sein kann.

Ein weiteres Detail: Wie bei der Virgo wird das Anschlussfeld der Avantera von einer Neopren-Schicht vom Boxengehäuse getrennt. Bei der Avantera werden die Lautsprecherbuchsen des Essener Herstellers WBT zusätzlich in einen sogenannten Körperschalldämpfer, vulgo eine gummigelagerte Halterung, montiert. Das soll der Auflösung noch einmal zugutekommen. Aus ähnlichen Gesichtspunkten sind alle Chassis und auch die Aluminium-Platte, die den Hochtöner trägt, mit Neopren-Dübeln am Gehäuse befestigt. Die Ausnahme ist der Hochtöner selbst, der von hinten auf die Trägerplatte geschraubt und über einen Gewebering entkoppelt wird.

Anschlussfeld der Audio Physic Avantera

In der Frequenzweiche – nominale Trennwerte: 150 Hz und 2,8 kHz – liegen Kondensatoren und Spulen nicht nur, wie sonst üblich, im Signalweg vor dem Chassis, sondern auch dahinter. Theoretisch sollte das elektrisch keinen Unterschied machen. Manfred Diestertich ist aber der festen Ansicht, dass seine Lösung sich klanglich positiv bemerkbar macht. Da mittlerweile andere Hersteller dem Audio-Physic-Vorbild folgen, könnte da etwas dran sein.

Dass die Verarbeitung der Box makellos ist, sieht man hoffentlich auf den Bildern. Die Avantera wird auch höchsten Ansprüchen an die Verarbeitungsqualität gerecht.

Aufstellung und Setup

Audio Physic AvanteraLänger herumexperimentiert habe ich mit der Aufstellung. Aufgrund der zusätzlichen Membranfläche im Bass erwartete ich einen Zuwachs an Autorität gegenüber der Virgo 25, den die Avantera auch sofort ohrenfällig lieferte. Um den Bassbereich „glatt“ zu bekommen, also ohne auffällige Überhöhungen oder Auslöschungen, schob ich die Avantera immer weiter von der Wand weg, bekam aber partout keinen befriedigenden Kompromiss zwischen Volumen, Schnelligkeit des Oberbasses und Tiefgang hin. Die Lösung war dann etwas kontraintuitiv: Der Bass geriet am besten, wenn die Box sogar einen Tick näher an der Rückwand stand als die Virgo – zwischen der Rückseite der Avantera und der Wand betrug der Abstand nun nur knapp 40 cm. Wie bei der Virgo führt die recht schmale Schallwand der Avantera jedoch dazu, dass noch bis in den oberen Stimmbereich Schallanteile nicht nur nach vorne und zu den Seiten, sondern auch nach hinten abgestrahlt werden. Da die Rückwand meines Wohnzimmers weitgehend unbedämpft ist, ging mit der wandnahen Aufstellung ein Verlust an Klarheit der Mittenwiedergabe einher. Der beste Kompromiss war deshalb letztlich – wie schon bei der Virgo – eine Aufstellung, bei der die Boxen einen guten Meter vor der Rückwand standen und so weit nach innen eingewinkelt standen, dass sich die Abstrahlachsen circa einen Meter hinter meinem Kopf kreuzten. Näher als circa 2,5 m sollte man nicht vor der Box sitzen, erst ab diesem Mindestabstand fielen die Chassis bei mir akustisch nicht mehr auseinander.

Audio Physic empfiehlt mindestens 40 Watt Verstärkerleistung. Die 40 Watt müssen dann aber von der sehr kräftigen und konturierten Sorte sein. Ich würde jedenfalls in größeren Räumen – und für die ist die Avantera gemacht, siehe Mindest-Hörabstand – eher bei 100 Watt anfangen. Die Basschassis haben 16-Ohm-Schwingspulen. Durch die Parallelschaltung der vier Chassis ergibt sich jedoch eine Gesamtimpedanz im Bass von nur 4 Ohm. Ich hatte den Eindruck, dass die Avantera Kraft und Kontrolle im Bass mag. Das kriegen starke, vor allem stromlieferfreudige Endstufen tendenziell eher hin als weniger leistungsstarke Alternativen.

Das soll jetzt alles nicht bedeuten, dass die Avantera ein Mimöschen ist und nur bei Einhaltung strenger Regeln gut klingt. Im Gegenteil, auch bei mehr hingeschätzter Aufstellung klingt die Box schon sehr respektabel. Etwas Sorgfalt bei der Aufstellung holt dann aber noch ein paar Prozent mehr Klang heraus.

Test: Audio Physic Avantera | Standlautsprecher

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