Inhaltsverzeichnis
Ab einer gewissen Reife beziehungsweise Hörerfahrung kommt es dem highfidel veranlagten Musikliebhaber nicht mehr (nur) auf spektakuläre Spezifikationen und ein martialisches Design an. Wer gelernt hat, seine audiophilen Ambitionen ernst zu nehmen und den Spieltrieb weitgehend einzudämmen, sucht eher Komponenten, die sich langfristig Vertrauen erarbeiten – klanglich natürlich –, technisch robust und in jeder Lage souverän sind. Vielleicht so, wie der Stereo-Leistungsverstärker Audio Analogue AA100DM (Preis: 4.950 Euro; Web: www.audioanalogue.com)? Die Ankunft der italienischen Schönheit auf meinem Rack geht jedenfalls mit hochgesteckten Erwartungen einher. Schließlich konnte mich schon der Vollverstärker Audio Analogue Maestro 2.0 (17.990 Euro) mit „einem ebenso neutralen wie natürlichen Klang, der nicht zuletzt anspruchsvolle Musikliebhaber, die aus ihrer Sturm-und-Drang-Phase raus sind, überzeugen dürfte“, stark für sich einnehmen.

Flexibel: Die Stereoendstufe Audio Analogue AA100DM entstammt der Einstiegsserie der Italiener. Mit einem optionalen „Connection Kit“ lässt sie sich auch als Monoblock betreiben
Als kleine Dreingabe für ein ungetrübtes PureAA-Erlebnis hat Audio Analogue uns übrigens noch die Line-Vorstufe Bellini Anniversary (7.300 Euro) aus der nächsthöheren Serie mitgeschickt, um die es hier aber nur am Rande gehen soll. Warum keine Vorstufe aus der PureAA-Serie? Ganz einfach: Weil es keine gibt. Was wiederum daran liegt, dass Kunden in dieser Klasse Endstufen gerne mit DACs (wie etwa dem AAdac) oder Netzwerkplayern mit Vorverstärkerausgang kombinieren, so Stefano Blanda von Audio Analogue.
Für alle, die sich bei Audio-Analogue-Produkten (noch) nicht so gut auskennen: Mit der Einstiegsserie „PureAA“ bieten die Italiener Geräte, die sich durch ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, solide Technik und einfache Bedienbarkeit auszeichnen sollen – hier ordnet sich der AA100DM ein. Die Anniversary-Linie, zu der die Vorstufe Audio Analogue Bellini in ihrer aktuellen Form gehört, ist hingegen so etwas wie das Herzstück von Audio Analogue. Und dann wäre da noch die ABsolute-Serie als kompromisslose Spitze des Portfolios. Bei diesen maximal aufwändig konstruierten Geräten geht es um „ABsolutes“ Referenzniveau für die allerhöchsten Ansprüche.
In guter Gesellschaft
Kleine Kuriosität nebenbei: Eigentlich ist es passend, dass die – wie jedes Audio-Analogue-Gerät – in Schwarz und Silber erhältliche Audio Analogue Bellini in meinem Rack nun direkt über der Norma Audio REVO SC-2 steht. Denn Namensgeber Vincenzo Bellini war niemand Geringeres als der Komponist der für meine Referenz-Verstärker namensgebenden Oper „Norma“. Wer lieber an flüssige als an musikhistorische Genüsse denkt, dem wird bei „Bellini“ der aus Pfirsich-Püree und Prosecco gemixte Cocktail in den Sinn kommen – der jedoch wurde nach dem venezianischen Maler Giovanni Bellini benannt. Okay, damit dürfte dem kulturellen und süffigen Bildungsauftrag von fairaudio Genüge getan sein. Schauen wir uns den Hauptakteur dieses Tests, den Stereo-Endverstärker aus der Toskana, genauer an.

Schöner Sidekick: Die Hochpegel-Vorstufe Audio Analogue Bellini stand uns während der Testphase ebenfalls zur Verfügung, sie stammt aus der nächsthöheren Linie
Audio Analogue AA100DM: Technik und Konzept
Der Audio Analogue AA100DM ist ein Class-AB-Leistungsverstärker mit kurz gehaltenen Signalwegen in symmetrischer Architektur. Das dient der Minimierung externer Störeinflüsse, während der Dual-Mono-Aufbau für eine hohe Kanaltrennung sorgt. Letzteres gilt zumindest ab dem dicken 760-VA-Trafo, der die Stromversorgung beider Stereokanäle übernimmt. Sechs bipolare Leistungstransistoren pro Kanal besorgen die Verstärkung und geben das Signal an die Terminals weiter.

Schön symmetrisch: Der Audio Analogue AA100DM ist – hinterm Trafo – in Doppelmono aufgebaut und besitzt ein symmetrisches Schaltungsdesign
Audio Analogue verzichtet wie immer vollständig auf globale Gegenkopplung. Das gilt gemeinhin als schwieriger, zumindest aber unbequemer Entwicklungsweg, weil man sich nicht mit einer Korrekturschleife am Signal behelfen kann. Dafür klinge es, wenn die Schaltung gut ausbaldowert wurde, offener, freier und dynamisch natürlicher, sagen jedenfalls die Befürworter des Konzepts. Um mich hier nicht zu wiederholen, lege ich allen, die ein wenig mehr zur Thematik erfahren möchten, unser Lexikon, den Artikel von Nelson Pass zum Thema und vor allem den besagten Test des Maestro 2.0 ans Herz.
Die Leistungswerte des Audio Analogue AA100DM sind standesgemäß, wenn auch – zumindest im Stereomodus – nicht außergewöhnlich: 100 Watt an 8 Ohm und 200 Watt an 4 Ohm sind für die meisten Fälle ausreichend. Wer noch mehr braucht, kann den Verstärker mit einem optionalen „Connection Kit“ im Brückenmodus als Monoblock betreiben. Dann sind laut Hersteller bemerkenswerte 400 Watt an 8 Ohm drin. Das ist in der Class-AB-Welt keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in dieser Preisklasse – und kommt mit der üblichen Herausforderung bei der Lautsprecherimpedanz: Im Brückenbetrieb „sieht“ jede der beiden Endstufen nur die halbe Impedanz des angeschlossenen Lautsprechers. Eine nominell mit 8 Ohm angegebene Box belastet die einzelnen Endstufenkanäle also bereits wie ein 4-Ohm-Modell, ein 4-Ohm-Lautsprecher entsprechend wie eine 2-Ohm-Last. Viele Endstufen kommen bei solch niedrigen Impedanzen an ihre Grenzen, da der geforderte Strom stark ansteigt und Überhitzung oder das Ansprechen von Schutzschaltungen drohen. Der Audio Analogue AA100DM ist freilich für 700 Watt an 4-Ohm-Lasten gut, man wird ihn so schnell nicht stressen können.
Gehäuse und Konnektivität
Die geballte Power und Technik des AA100DM stecken in einem soliden 15,5-Kilo-Gehäuse mit ordentlich dimensionierten und gut zugänglichen Lautsprecherklemmen. Die Frontplatte besteht aus gebürstetem, schwarz eloxiertem Aluminium mit satten 14 Millimetern Stärke. Unverkennbar Audio Analogue ist das einzige grafische Element auf der Front, die mittig senkrecht eingebrachte Nut, die auch den runden, per LED-Ring weiß beleuchteten Standby-Knopf umläuft. Den muss man zum Ein- oder Ausschalten etwa eine Sekunde lang gedrückt halten, sonst geht nix. Alternativ geht das auch über die 12-V-Triggerverbindung mit einer kompatiblen Vorstufe.
Im Inneren des Audio Analogue AA100DM geht es ähnlich zu wie beim Gehäuse: Nach besonders engen Toleranzvorgaben („military grade“) selektierte Widerstände, Polypropylen-Kondensatoren und eine interne Verdrahtung mit 7N-OCC-Kupfer versprechen jedenfalls eine gründliche Vorgehensweise und zeigen den Anspruch des Herstellers auch in seiner hausinternen Einstiegsklasse.
Das Audio-Signal nimmt über RCA- oder XLR-Buchsen Kontakt mit der AA100DM auf. Werden die unsymmetrischen Buchsen benutzt, müssen die ab Werk beigelegten Kurzschlussstecker auf die XLR-Eingänge eingesetzt werden.

Wer den Audio Analogue AA100DM unsymmetrisch ansteuern möchte, muss die beiliegenden Kurzschlussstecker auf die XLR-Eingänge stecken
Audio Analogue Bellini Anniversary
Werfen wir noch einen Blick auf die mitgelieferte Vorstufe Audio Analogue Bellini Anniversary. Auch sie arbeitet ohne globale Gegenkopplung und ist von der Eingangs- bis zur Ausgangsstufe durchgehend symmetrisch aufgebaut. Audio Analogue setzt bei der Signalaufbereitung auf „SeGeSTA“ (Single Gain Stage Transconductance Amplifier): Eine einzige, breitbandig ausgelegte Verstärkerstufe übernimmt die gesamte Verstärkung und kommt mit vergleichsweise wenigen aktiven Bauteilen aus, was mögliche Nichtlinearitäten und Eigenrauschen reduzieren soll. Versorgt wird sie von einem eigens entwickelten Netzteil mit induktiv-kapazitiver Filterung, das Störungen aus dem Stromnetz sowie hochfrequente Schaltspitzen wirksam dämpft, so die Italiener.
Das Schaltungslayout der Bellini Anniversary ist auf vier Lagen verteilt, wobei man bei Audio Analogue besonderes Augenmerk darauf gelegt hat, Kreuzkopplungen zwischen Ein- und Ausgangswegen, digitalen Steuerleitungen und empfindlichen analogen Pfaden zu vermeiden. Auch die Platzierung der Bauteile für die Stromversorgung, Filterung und Verstärkung wurde laut Hersteller sorgfältig optimiert.
Auf der Rückseite gibt’s eine praxisgerechte Anschlussauswahl: drei Cinch- und zwei XLR-Eingänge, dazu symmetrische und unsymmetrische Ausgänge in doppelter Ausführung, die auch gleichzeitig betrieben werden können – man denke an Setups mit Monoblöcken und Aktiv-Subwoofern. Die Lautstärkeregelung kommt ohne Operationsverstärker aus, wird digital angesteuert und nutzt Relais zur Pegelabstufung.
Audio Analogue AA100DM: Hörtest und Vergleiche
Vorab ein Lob an Audio Analogue für eine kundenfreundliche und eigentlich sehr einfach umzusetzende Entscheidung: Die Phase des Netzkabels ist an der Buchse markiert, sodass man keine elektrotechnische Ausbildung benötigt, um die korrekte Polung des Netzsteckers zu bestimmen. Einfach den Phasenprüfer-Schraubendreher in die Löchlein des Netzkabels stecken und den Stecker anschließend so drehen, dass die Phase am markierten Pin anliegt. Das ist super einfach und sollte bei allen Herstellern Schule machen.

Los geht’s: Im Hörtest macht der Audio Analogue AA100DM sofort klar, das es ihm um Fokus und Durchzeichnung geht
Auf diese Weise korrekt ausgephast höre ich den Audio Analogue AA100DM zwischen meiner Transistor-Vorstufe Norma Audio SC-2 mit ihrem integrierten DAC-Modul und den Drei-Wege-Lautsprechern ATC SCM50PLS, als Verbinder kommt das Audioquest Rocket 33 zum Einsatz. Die Kombination mit dem Vorverstärker Audio Analogue Bellini werde ich später gesondert behandeln.
Los geht’s – und wie!
Schon nach den ersten Takten offenbart sich der Audio Analogue AA100DM als ausgesprochen fokussiert und konzentriert spielender Amp. Klarheit, Durchzeichnung und ein in dieser Klasse beeindruckendes Maß an Ordnung prägen das mit fester Hand und Ehrlichkeit geführte Klangbild. Gehen wir in die Details.
Bass – Disziplin und Punch
Nicht nur im Vergleich zu meiner Norma-Audio-Endstufe PA-150 (6.850 Euro) fällt die straffe, trockene und doch energiegeladene Abstimmung im Bass auf. Ob bei Marcus Millers E-Bass auf Silver Rain oder der Kickdrum in Daft Punks „Contact“ – die AA100DM hält die langen Wellen an der kurzen Leine und wirkt bis in den nicht maximal ausgeloteten Tiefbass hinein kontrolliert, während die Norma dem Basstreiber ein wenig mehr Freiheiten lässt, ganz untenrum noch minimal fülliger schiebt, aber auch einen Hauch wattiger agiert. Starr oder lustlos klingt die Audio Analogue AA100DM dabei nie, denn sie veredelt ihre disziplinierte Grundhaltung mit einer federnd-athletischen Gangart, die sich bis in den ausgewogen eingebetteten Grundton hineinzieht. So hält die AA100DM das Klangfundament sauber, konturiert und gleichzeitig rhythmisch ansprechend.
Das finale Urteil über die Bassqualitäten der Audio Analogue fällt dann mein Popometer: Die Energie der AA100DM ist physisch spürbar, konzentriert und konkret, was für die unbedingte Kontrolle über die Basstreiber meiner ATC spricht – hier geht kein Watt durch Taumeln oder lässiges Abstoppen der Membran verloren. So eine Mischung aus Disziplin und Punch findet man selten, erst recht in der 5.000-Euro-Klasse. Ich muss gestehen, dass mich diese Tieftonauslegung an meinen ATC begeistert.
Klar umrissen – die Mitten
Im Mittelton zeigt der Toskaner bis zum Präsenzbereich eine fast studiohafte tonale Neutralität. Stimmen klingen klar umrissen, mit präziser Artikulation und authentischer Textur, die Transparenz und Solidität ziemlich gut vereint. Dass gerade Frauenstimmen gefühlt etwas schlanker als gewohnt klingen, liegt eher am Präsenz- und Hochton, zu dem wir gleich kommen. Dessen ungeachtet steht Diana Kralls Altstimme in „The Girl in the Other Room“ frei im Raum, leicht vor die Lautsprecherebene gerückt, mit allen Atemgeräuschen und feinen Modulationen versehen – das geht qualitativ schon in Richtung 10-k-Liga.
Wie schaut es mit Instrumenten und ihren Klangfarben aus? Yo-Yo Mas Cello in Bachs D-Moll-Suite wirkt holzig-knorrig und ehrlich, wenn auch etwas weniger charmant umrahmt als bei dem genussfreudigeren Cremonesen von Norma Audio. Dafür überzeugt der Audio Analogue AA100DM durch eine klarere Zeichnung der Saiten – er liefert mehr von der akustischen Gestalt des Instruments, weniger romantische Aura.
Unaufgeregt offen – der Hochton
Diese im positiven Sinne analytische Mittenqualität geht Hand in Hand mit einer hochklassigen und sehr detailreichen Hochtonwiedergabe. Ab dem Präsenzbereich schickt der Audio Analogue AA100DM gefühlt ein paar Lumen extra auf die Bühne: Becken glänzen eher silbrig als bronzen, feine Glockenspielsprenkel stehen klar umrissen im Raum. Das Interessante dabei: Die Abstimmung ist zwar tendenziell lichtstark, blendet aber nicht, vermittelt Frische und Offenheit, ohne ins Harsche oder Harte zu kippen.
Und: Der Detailgrad ist enorm. So offenbart der Audio Analogue zum Beispiel in der Titelmelodie von Stranger Things Mikromodulationen der Synthesizer, die ich mit den meisten anderen Verstärkern erst nach dieser Entdeckung über den AA100DM bewusst wahrnehme. Das macht der Audio Analogue unaufgeregt und beiläufig, und dass er diesen Grat (entspannte Unaufgeregtheit einerseits, gnadenlose Offenheit andererseits) so sicher bewandert, ist des höchsten Lobes wert. Ich reagiere normalerweise empfindlich auf jede Art von aufgesetztem Hochton, der schnell beeindrucken soll. Das nervt meist schon nach kurzer Zeit. Nicht so mit dem Audio Analogue A100DM – er treibt meine ATCs mit ihrer minimal zurückhaltenden Hochtonabstimmung umstandslos zu einer neuen Frische, von der ich nicht wusste, dass ich sie doch ab und zu vermisse. Sehr geil! Umgekehrt sollte ich zumindest dazu mahnen, bei der Kombination mit ohnehin im Hochton lebhaft abgestimmten Lautsprechern Vorsicht walten zu lassen – an neutralen bis leicht warmen Schallwandlern spielt der AA100DM aber definitiv in seiner Komfortzone.
Hossa!
Dynamisch gehört der Audio Analogue AA100DM zu den flinkeren Vertretern seiner Zunft. Transienten zündet er mit einem Tempo, das selbst erfahrene Hörer aufhorchen lässt. Snare-Schläge kommen wie Muhammed Alis rechte Gerade, Gitarrenriffs besitzen zackigen Drive, und bei großorchestralen Stücken wie Mahlers Fünfter zuckt man bei gehobenen Grundlautstärken unwillkürlich zusammen. Mikro- wie Makrodynamik sind exemplarisch: der leise Atem einer Sängerin ebenso präsent wie das schlagartige Aufblühen eines Tutti-Einsatzes, die Staffelung des Orchesters bleibt auch bei hohen Pegeln stabil. Man spürt, dass der Verstärker keine Angst vor plötzlichen Leistungsspitzen hat. Andererseits kehrt er dieses dynamische Feuer nicht „zwangsweise“ heraus; zarte Klänge wie in „Mad World“ von Gary Jules wirken nie nervös und das Piano perlt schön flüssig und wohltuend sanft.

Ganz schön feist: Im AA100DM steckt ein 760-VA-Ringkerntrafo, der für ausreichende Reserven in allen Verstärkungslebenslagen sorgen soll
An dieser Stelle kann der teurere Norma PA-150 dem AA100DM dennoch ein wenig das Wasser abgraben, weil er die emotional aufgeladenen Klänge duftiger, sprich mit nochmals subtileren feindynamischen Abstufungen realisiert. Der Audio Analogue AA100DM denkt hier in klaren Graphitstiftlinien, weniger in Aquarell. Wo ein Röhrenverstärker oder eine weicher abgestimmte Transistorkombi Klangfarben intensiver aufträgt und auch mal ineinander übergehen lässt, zeigt er klare Kante. Was durchaus reizvoll ist, wenn man rhythmische Prägnanz und strukturelle Klarheit schätzt. Wer Jazz, Rock oder komplexe Elektronik hört, wird die Disziplin dieses Italieners zu schätzen wissen; wer vor allem Singer-Songwriter, Streichquartette oder intimen Folk bevorzugt, könnte eine Spur der leichten „Nachgiebigkeit“, die manche als musikalischen Fluss bezeichnen würden, vermissen.
Raumdarstellung
Was den Bühnenaufbau betrifft, zeigt sich der Audio Analogue AA100DM eher als Meister der Übersicht denn als exorbitantes Raumwunder. Die Bühne spannt er in Breite und Höhe zwar standesgemäß weit auf, projiziert sie jedoch nicht sehr tief hinter die Lautsprecherebene. Muss er auch nicht, denn die Relationen der Akteure bleiben durchaus gewahrt, wenn das Orchester in Prokofjews „Romeo und Julia“ zum Tutti anhebt – nur eben in der dritten Dimension etwas kleiner skaliert als etwa mit einem ASR Emitter I.
Auf der Habenseite steht die bereits angedeutete präzise Ordnung der einzelnen Klangelemente. Musiker stehen stabil zwischen den Lautsprechern und ihre Positionen sind klar definiert. Bei guten Aufnahmen öffnet der Audio Analogue AA100DM das Panorama seitlich sogar etwas über die Lautsprecherbasis hinaus, ohne den Raum künstlich aufzublähen. Besonders beeindruckend meistert er klangliche Komplexität: Selbst dichtgewobene Produktionen wie Radioheads „Everything In Its Right Place“ oder wilde Jazz-Arrangements bleiben durchhörbar und jedes Detail behält Kontur.
Familienbande: Die Audio-Analogue-Kombi Bellini Anniversary & AA100DM
Die Vorstufe Audio Analogue Bellini Anniversary schlägt charakterlich in eine ganz ähnliche Kerbe wie ihr kleiner Endstufenbruder. Sie fördert und verstärkt die Talente des AA100DM, ohne sie zu überhöhen oder ins Extrem zu treiben. Aber: Die Bellini liefert auch noch eine kleine Portion Schmelz und Klangfarben on top mit, die dem Audio Analogue AA100DM guttun.
Auch das Flattern des enormen Tiefbasses in Heilungs „Svanrand“ arbeitet die Audio-Analogue-Kombi nochmals besser heraus als der Audio Analogue AA100DM es mit der Norma Audio SC-2 vermochte – und das obwohl diese Kombi schon Vorteile gegenüber der im Tiefbass weicher, aber auch etwas voller aufspielenden Norma-Kombination mit dem PA-150 hat. Die Dynamik gerät mit den Audio-Analogue-Geräten vor allem auf der Makroebene umwerfend; Count Basies Bigband strahlt, explodiert geradezu, die Bläser ebenso wie die Drums – immer bestens durchhörbar, detailreich, sauber ins Lustzentrum spratzelnd und bis ins kleinste Detail texturiert. Fast meine ich, dass meine ATC SCM50PSL zu Hornlautsprechern mutiert sind, so hemmungslos transientengeil (sorry) legen sie auf einmal los.
Das erinnert mich grundsätzlich an den famosen Vollverstärker Chord Ultima INT (11.490 Euro), doch selbst der kann kaum mit der Über-alles-Energie der Audio-Analogue-Kombi mithalten. Überhaupt ist neben der dynamischen Spielfreude, neben Präzision, Kontrolle und Übersicht, die glasklare Detailauflösung eine der herausragenden Eigenschaften des Duos – wiederum ist es die Bellini, die der Audio Analogue AA100DM diese Detailpracht und Signalanstiegsgeschwindigkeiten anliefert – und man muss der PureAA-Endstufe hoch anrechnen, dass sie in der Lage ist, das zu verarbeiten.
Es „klickt“ also zwischen den beiden Geräten aus verschiedenen Linien – so wie es auch bei den Normas interfamiliär besser passt. Diese lassen die Musik immer noch etwas sahniger und eleganter fließen, schauen noch stärker auf Binnendynamik, Klangfarben und Raumtiefe, während die toskanische Fraktion Präzision, Klarheit und dynamische Prägnanz in den Fokus rücken. Nach HiFi-Kriterien beurteilt, muss man der Audio-Analogue-Kombi eine Nasenlänge Vorsprung zugestehen. Auf der anderen Seite hat insbesondere die Norma-Audio-Endstufe PA-150 bei soften Faktoren wie Genuss und Musikalität (ganz subjektiv) die Nase leicht vorne.
Vergleich mit dem Audio Analogue Maestro 2.0
Nun zwei spannende Fragen: Kommt die Kombi, die knapp 4.000 Euro weniger kostet als der Audio Analogue Maestro 2.0 (17.990 Euro), an den Anniversary-Vollverstärkerkoloss heran? Und würde es sich lohnen, den Aufpreis für die dedizierte Bellini-Partnerin, die Stereoendstufe Audio Analogue Donizetti (12.950 Euro), zu zahlen?
Die erste Frage kann ich mit einem „Nein, aber …“ beantworten. Nein, denn der Maestro 2.0 strahlt bei ähnlichen Meriten mehr Autorität, Ruhe, Schwärze und Natürlichkeit aus, liefert auch deutlich tiefer gestaffelte Räume, eine subtilere Feindynamik und zudem einen mächtigeren Tiefbass. Aber: Der Abstand ist nicht riesig, und je nach Geschmack kann die explizit offensiv-präzise Abstimmung der Bellini/AA100DM-Kombination einigen Hörertypen eher zusagen als die gesetztere, gelassenere Grundabstimmung des Maestro 2.0.
Die zweite Frage kann ich mangels Erfahrung mit der Donizetti Anniversary nicht beantworten. Aber nach der Beschäftigung mit der Audio Analogue AA100DM und dem Wissen über die Fähigkeiten dieser Endstufe bin ich mehr als gespannt darauf, das bei Gelegenheit herauszufinden.
Test: Audio Analogue AA100DM | Endstufe, Vor-End-Kombi







