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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Extravagant
  2. 2 Audeze iSine 20: hören & vergleichen
  3. 3 Test-Fazit: Audeze iSine 20

„Audeze“ – der Firmenname des Herstellers der In-Ears iSine20 wird von vielen Menschen durchaus mit einer ähnlichen Mischung aus Ehrfurcht, Demut und Begeisterung ausgesprochen wie etwa „Rolls-Royce“ oder „Cohiba“. Selbsterklärend ist die Aussprache allerdings nicht. Bedenkt man, dass das Unternehmen amerikanisch ist und dort nicht nur alternative Fakten, sondern auch Alternativschreibweisen sehr en vogue sind, erscheint die Wahl des Namens und seiner Buchstabierung verständlich: „Odyssey“ mit „Aud“ zu Beginn bringt den Bezug zum guten Ton mit in den Firmennamen.

Anders als Homers Held Odysseus war der Weg von Audeze aber nicht mit fiesen Prüfungen durch betörende Sängerinnen, riesenhafte, einäugige Humanverspeiser, vielköpfige Ungetüme und letztlich Nebenbuhler gespickt, sondern führte halbwegs zielstrebig zum Erfolg. Nebenbuhler sind eigentlich kaum auszumachen, denn Audeze haben sich eine feine Nische gesucht, da sie auf ein alles andere als alltägliches Wandlerprinzip setzen, um Spannungen in Schall zu verwandeln: das magnetostatische. Während beim Elektrostatenkopfhörer, etwa sämtlichen Stax oder dem Sennheiser Orpheus, das Kondensatorprinzip verwendet wird, bei dem eine Kondensatorplatte als Membran ausgearbeitet ist und beim dynamischen Prinzip eine Spule in einem Magnetfeld durch eine anliegende Spannung bewegt wird, ist das magnetostatische Wandlerprinzip des Audeze iSine 20 eine Art Zwitterwesen: Die in einem gleichmäßigen Magnetfeld gehaltene stromdurchflossene Membran ist im Grunde gleichzeitig auch Schwingspule. Der Vorteil gegenüber den dynamischen Tauchspulensystemen ist, dass die plane, sehr dünne und leichte Membran eben ohne aufgeklebte Schwingspule auskommt und somit Impulse im wahrsten Wortsinne besonders unbeschwert weitergeben kann. Das gilt für Elektrostaten zwar auch, doch muss hier mit einem Zusatzgerät erst eine enorme Spannung für die beiden Kondensatorplatten hergestellt werden, wohingegen der Magnetostat wie jeder klassische Kopfhörer am Headphone-Out spielt.

Audeze iSine 20 Größenverhältnis

Die „Muschel“ des Audeze iSine 20 im Größenverhältnis

Die Audeze iSine20-Hörer selbst bestehen aus Hartplastik und sind auffallend anders geformt als klassische In-Ears. Dies liegt sicher auch daran, dass die Membranen eine gewisse Mindestgröße aufweisen müssen, um ausreichend Pegel erzeugen zu können. Trotz sehr leistungsstarker Magnete sind zum Beispiel die Magnetostatenmikrofone des Herstellers – auch eine absolute Besonderheit, in Mono, Stereo und 3D(!) erhältlich und wohl in diesem Jahr in Serienreife – nicht besonders outputstark. Die 24-Ohm-Kopfhörer vermögen aber Schalldrücke von über 120 dB SPL zu erzeugen. Das ist mehr als „laut genug“, die Verzerrungsprodukte bei 100 Dezibel betragen 0,1% des Gesamtsignals. Hinter diesen Zahlen des Audeze iSine 20 versteckt sich die Information, dass man wahrscheinlich auch noch ziemlich laut sehr clean hören kann. Der Frequenzgang ist übrigens wenig konkret mit 10 Hz – 50 kHz angegeben. Um diesen einordnen zu können, wären noch Angaben über Abfallwerte, Abweichungen im Hörbereich und Toleranzen notwendig. Aber am Ende des Tages entscheiden eh nicht die Zahlen, sondern das Ohr.

Zurück zur Bauform des Audeze iSine 20: An den 30 Millimeter durchmessenden Treiber schließt sich ein schräg angesetzter Trichter an, der durch Resonanzeffekte zumindest nicht negativ auffallen dürfte. Das wäre bei gleichbleibendem Rohrdurchmesser ganz anders. Ich drehe die irgendwie schrullig geformten Gebilde in der Hand – jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Von außen betrachtet, erinnern mich Audezes iSine 20 an die Tie-Fighter aus Star Wars! In einem technischen Produkt Musikgenuss, klassische griechische Mythologie und ein modernes Science-Fiction-Märchen zu vermengen, das muss man erst einmal schaffen.

Audeze iSine 20 In-Ear Ohrstecker

Die Kabel des Audeze iSine 20 sind abnehmbar

Audeze iSine 20: Handhabung & Praxis
Den Audeze-In-Ears liegen ein anderthalb Meter langes Klinkenstecker-Analogkabel samt  Adapter von 6,3 mm auf 3,5 mm sowie ein ebenso langes, aber mit D/A-Wandler und Steuereinheit ausgestattetes Lightningkabel („Cipher“) für den Betrieb mit iPhone/iPod/iPad bei. Die Hörer selbst sind zwar mit 20 Gramm recht leicht, doch bei Verwendung des Cipher-Kabels ziehen dessen Bedienelement und Kabel recht ordentlich am Gesamtgebilde. Mein erster auraler Installationsversuch hatte folgendes Ergebnis: Die Audeze iSine20 plumpsten plump aus meinem Ohr wie Star-Wars-Nervbengel Jar Jar Binks auf sein langes Gesicht, der während seines Sprechdurchfalls mal wieder irgendeine planetare Bodenunebenheit übersehen hat. Für mich Erdenbürger bedeutet das wohl: Ich muss dickere Silikonoliven installieren, damit die Audeze iSine 20 auch wirklich „In-Ear“-Hörer bleiben und nicht „Outer-Ear“-, „Shoulder“- oder gar „Floor“-Phones. Glücklicherweise befinden sich drei Paar verschiedenster austauschbarer Formteile im Beiwerk des Audeze. Und dann liegen da noch drei Paar verschiedener schwarzer und transparenter Plastik- und Gummibügel in der Verkaufsbox der iSine.

Audeze iSine 20 Zubehör

Ausgepackt: Das Zubehör des Audeze iSine 20. Ein Klinkensteckerkabel gehört ebenso dazu wie ein mit D/A-Wandler und Steuereinheit ausgestattetes „Cipher“-Kabel für den Betrieb mit iPhone/iPod/iPad

Wer Produktdokumentationen lesen kann, ist bekanntlich klar im Vorteil: Es gibt verschiedene Installationshilfen als Beigabe zu den Hörern, die nicht als Option zu verstehen, sondern zwingend notwendig zum unfallfreien Tragen der Audeze iSine 20 sind. Grobiane sollten besonders umsichtig sein, die fragilen Gebilde nicht zu zerstören. Das Mitführen der kleinen Audeze-Tasche ist also Pflicht (auch wenn sich durch die kraftvollen Magneten der iSine allerhand kreative Aufbewahrungsmöglichkeiten ergeben können).

Ich bin ja schon etwas eitel, wie unter anderem meine mittlerweile beträchtliche Pomadesammlung beweist. Wie sieht man eigentlich aus, wenn einem diese riesigen Space-Brokkoli aus den Ohren wachsen? Nimmt man in Kauf, dass wohl so mancher „Uneingeweihte“, dem man begegnet, schnell seinem digitalen Sozialgefüge twittern wird, dass nun das letzte Tabu der verrückt gewordenen Modewelt gebrochen wurde, kann man mit den Hörern sehr gut leben. Zumal die Audeze iSine 20 ja nicht wireless sind – und somit von 99 % der Menschen doch recht zweifelsfrei als das erkannt werden können, was sie sind. Unterstützt wird dies durch den Umstand, dass die iSine 20 aufgrund ihrer Bauform eine für In-Ears vergleichsweise hohe Außenlautstärke aufweisen. Dadurch ist ein wenig Rücksichtnahme im öffentlichen Raum nötig. Dafür plagt den Träger nicht das Gefühl der Abgeschlossenheit, welches nicht selten dafür sorgt, dass das Hören auf Dauer anstrengt. Ich selbst hatte unsere Testlinge tatsächlich schon sechs Stunden am Stück in den Ohren – und in Betrieb.

Apropos Ohren & Betrieb – legen wir endlich los …

Audeze iSine 20 Look

Das letzte Tabu der verrückt gewordenen Modewelt?

Test: Audeze iSine 20 | Kopfhörer

  1. 1 Extravagant
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  3. 3 Test-Fazit: Audeze iSine 20
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